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title: "Annatina Graf verdecken Kunsthaus Grenchen, Grenchen; Iran-Proteste als Referenz"
sdDatePublished: "2026-08-25T11:40:00Z"
source: "https://www.mbac.ch/h-content/uploads/2026/08/Kunstbulletin-0626_MBA-mbac.pdf"
topics:
  - name: "art exhibition"
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  - name: "painting"
    identifier: "medtop:20000035"
  - name: "visual arts"
    identifier: "medtop:20000031"
  - name: "photography"
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locations:
  - "Laufenburg"
  - "Neuchâtel"
  - "Solothurn"
  - "Iran"
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Annatina Graf verdecken Kunsthaus Grenchen, Grenchen; Iran-Proteste als Referenz

1UU

Grenchen
Kunsthaus Grenchen, bis 5.7,
kunsthausgrenchen.ch

Annatina Graf

Weinende Manner, wiitende Frauen - eine
Serie greller roter Acrylgemalde von
Annatina Graf zeigt schemenhaft Figuren,
etwa eine Frau mit erhobener Faust oder
einen auf die Knie gesunkenen Mann.
Graf kehrt Stereotypen um: Neben persén-
lichen Vorlagen greift sie haufig auf
Medienbilder zurtick, sodass sich Assozia-
tionen zu Protesten im Iran oder einer be-
kannten Niederlage in einem Fussballspiel
nicht zufallig einstellen.

Die Werke der Soloschau insideout
kreisen um Zustande: Graf interessiert
es, wo sich Emotionen verstecken und wie
sie nach aussen treten. Schon der Auftakt —
ein weinender Mann in einer schwarz-
weissen Videoprojektion, der einzigen
Medienarbeit - zielt darauf ab. Darum
herum gruppiert sich die zweite Werkreihe
verdecken, die von Kinderspielen mit
Tiichern oder Eimern tiber dem Kopf bis
zur Darstellung von Melania Trumps ikoni-
schem Hut oder Vorlagen aus Abu Ghraib
reicht. Auch hier wahlt Graf eine be-
stimmende Farbigkeit, indem sie Schichten
der Grundfarben Magenta, Cyan und Gelb
ubereinanderlegt, was eine flirrende, leicht
unscharfe Asthetik erzeugt.

Portrats von Obdachlosen und Poli-
zisten auf braunem Karton, die beim
Atelieraufenthalt 2017 in Paris entstanden
sind, erganzen die impliziten Bezlige zu
Macht und Ohnmacht in der Gegenwart.
Dennoch gerat Graf nicht in die Falle des
explizit Politischen, sondern findet eine
spezifische malerische Sprache fiir diese
Ambivalenzen. AD

Annatina Graf, verdecken 10, 2025
Foto: Barbara Hess

Marcia Hafif, 123., August 1966
Sammlung MAMCO Geneve. Foto: Annik Wetter

Energies fossiles, Ausstellungsansicht Rehmann-
Museum, Laufenburg, mit Werken von Maétte
Lannuzel und Pauline Marx. Foto: Studio Stucky

La Chaux-de-Fonds
. Musée des beaux-arts, bis 9.8.

“ mbac.ch

Marcia Hafif

Die von Direktor David Lemaire kuratierte
Ausstellung La peinture est la méme pour
tout le monde zur kalifornischen Malerin
Marcia Hafif im Musée des beaux-arts

La Chaux-de-Fonds richtet den Blick zu-
nachst auf ihre italienische Periode. Deren
Wiederentdeckung hatte der Hauptleih-
geber, das MAMCO Geneve, 1999 mit
Peintures 1962-1969 eingeleitet. In diesen
Hard-Edge-Werken entfaltet sich eine
Malerei von seltener Lebendigkeit: Formen
scheinen zu atmen, warme Farben durech-
dringen die Leinwand, statt bloss auf ihr zu
liegen. Hafif bringt Bildviereck und Wahr-
nehmung in ein Gleichgewicht. Offene An-
klinge an urbane Signaletik, Kirchen,
Korper und Higel verleihen den Bildern
eine schwebende Mehrdeutigkeit.

Der Bruch von 1969 bis 1971 - als
Marcia Hafif in Kalifornien einen MFA ab-
solvierte, Malerei als «verboten» empfand
und sich Foto und Video zuwandte — er-
scheint in der Ausstellung nur als Nachhall.
Die spateren, auf Objektivitat zielenden
Monochrome entstanden im Umfeld der
mit Olivier Mosset gegriindeten Gruppe
Radical Painting und wirken zunachst
didaktisch. Doch verweilt man vor ihnen,
wird deutlich, dass sich der kreative Elan
von der Komposition in die Materialitat
verlagert hat. Wahrend die rémischen
Bilder mit Acryl freie Setzungen erlauben,
kehrt Hafif in den Monochromen zu Pig-
menten zurtick, die sie auf Glas verreibt
und gestisch in mit Ol gebundenen Schich-
ten auftragt. Diese «Kiiche» erzeugt dichte,
vibrierende Oberflachen. So zeigt die
Schau weniger einen Verlust als eine Ver-
schiebung - vom Bildraum in die Farb-
substanz. KHO

Laufenburg
Rehmann-Museum, bis 5.7.
rehmann-museum.ch

Energies fossiles

«Kin Hauch von Eisen auf der Zungen-
spitze, Zugang zur Welt davor, ruhend, in
den Gesteinsschichten, hailen noch immer
Fragmente nach von Klangen», schreiben
die Kiinstlersinnen als kollektives Gespann
im Begleitheft zur Ausstellung Energies
fossiles. Pauline Marx, auch bekannt als
Musikerin Le diable dégotitant, zeigt zu-
sammen mit fiinf weiteren internationalen
Positionen eine installative Komposition
aus Zeichnungen, Skulpturen, Textil-
drucken und Sound. Fin Gesamtkunstwerk,
das alle unsere Sinne ansprechen und uns
das geheime Wesen der Natur naher-
bringen soll. Dass wir selbst unmissver-
standlich Teil davon sind, lasst sich in den
Werken durch immer wieder an mensch-
liche K6rper erinnernde Formen erahnen.

Der Ursprung der Welt im Urgestein
vor unserer Zeit versus der Beginn allen
Lebens durch den weiblichen Schossraum,
Heilkrauter, gepresst zwischen Glas, neben
einer Pyramide aus versteinerten Mu-
scheln. Es werden immer wieder Analogien
aufgemacht - zwischen Himmel und Erde,
zwischen dem Irdischen und dem Unsterb-
lichen. Doch stets ist die vergangliche
Materie, Lehm, Holz, Knochen, Wurzeln
und destillierte Sdfte, Ausgangspunkt fiir
eine alchemistische Belebung: etwa mit
Duft, Luft, Licht.

Fossilien speichern Energien, und wie
setzen wir sie wieder frei? Zwischen Natur-
wesen und -wissen geht die Kunst mit uns
auf Reisen in die Vergangenheit zu den
Dinosauriern und von dort weiter bis in
eine Zukunft voller Hoffnung auf einen
respektvollen Umgang mit den Ressourcen
unserer Umwelt. VS

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Grenchen/.../Laufenburg

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