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title: "VCD Elbe-Heide fordert Neubewertung des Ersatzneubaus der Schleuse Scharnebeck am Elbe-Seitenkanal in Scharnebeck; Kosten-Nutzen neu prüfen"
sdDatePublished: "2026-08-25T14:47:00Z"
source: "https://niedersachsen.vcd.org/fileadmin/user_upload/Niedersachsen/Verbaende/Elbe-Heide/2_PM_SN/VCD_Elbe-Heide_Stellungnahme_Schleuse_20260824.pdf"
topics:
  - name: "waterway and maritime transport"
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locations:
  - "Uelzen"
  - "Lüneburg"
  - "Hannover"
  - "Brandenburg"
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VCD Elbe-Heide fordert Neubewertung des Ersatzneubaus der Schleuse Scharnebeck am Elbe-Seitenkanal in Scharnebeck; Kosten-Nutzen neu prüfen

Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt
Anhörungs- und Planfeststellungsbehörde
Am Waterlooplatz 5
30169 Hannover
gdws@wsv.bund.de
Lüneburg, 24.08.2026
Stellungnahme im Planfeststellungsverfahren für das
Vorhaben Ersatzneubau Schleuse Lüneburg am Elbe-
Seitenkanal
Hintergrund
Grundsätzlich befürwortet der Verkehrsclub Deutschland, Regionalverband Elbe-Heide, wenn
Güter möglichst ressourcenschonend transportiert werden. Dazu gehört neben der Eisenbahn
auch der Schiffsverkehr. Auch befürwortet der VCD Elbe-Heide, bestehende Kanalinfrastrukturen
gut auszunutzen und nicht z. B. stattdessen Flüsse wie die Elbe auszubaggern und damit
ökologische Schäden zu verursachen. Eine wichtige Kanalverbindung stellt der Elbe-Seitenkanal
dar.
Seit 1975 ist das Schiffshebewerk in Scharnebeck in Betrieb – damals als größtes Schiffshebewerk
der Welt gebaut.
Seit einigen Jahren wird eine Schleuse in Scharnebeck als Ergänzung bzw. Ersatzneubau für das
Schiffshebewerk geplant.
Die Schleuse ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 als „vordringlicher Bedarf“ enthalten. Das
Projekt soll die Leistungsfähigkeit der Binnenschifffahrt auf dem Elbe-Seitenkanal sichern bzw.
erhöhen.
Der VCD Elbe-Heide kritisiert den geplanten Ersatzneubau der Schleuse in Scharnebeck. Gerade
weil wesentliche Planungen und Berechnungen lange zurückreichen, müssen diese unter den
1
elbe-heide@vcd.org
vcd.org/elbe-heide

heute veränderten Verkehrs-, Klima- und Rahmenbedingungen überprüft und neu bewertet
werden. Dabei sollten wirtschaftliche, technische, energetische, ökologische und kulturelle
Aspekte sowie ernsthafte Alternativen mit gleicher Prüftiefe abgewogen werden.
Problematik des Schleusen-Neubaus
Im Konzept der Schleuse bleiben aus Sicht des VCD zentrale Aspekte wie ökologische
Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Energie- und Wasserbedarf sowie die gleichwertige Prüfung
eines modernen Schiffshebewerks unzureichend beleuchtet. Dieser Text analysiert die geplante
Schleuse im Vergleich zu alternativen Lösungen und hinterfragt die zugrunde liegenden Annahmen
und Entscheidungen.
Weitere Einwendungen
Der VCD schließt sich im Wesentlichen der Stellungnahme des BUND Elbe-Heide1 an.
Verkehrssituation
a) Zwei Stufen: Scharnebeck und Uelzen (bei Stederdorf)
Das Schiffshebewerk in Scharnebeck und die beiden Schleusen in Uelzen stellen bei den
derzeitigen Verkehrsmengen keinen erkennbaren Kapazitätsengpass des Elbe-Seitenkanals dar. Das
heutige Schiffshebewerk begrenzt allerdings die Länge einzelner Großmotorgüterschiffe auf rund
100 m. Die Schleusen in Uelzen besitzen dagegen Nutzlängen von 185 m bzw. 190 m und können
auch 185-m-Verbände aufnehmen.
Bei Ausfall oder Sanierung eines Troges des Schiffshebewerks (oder einer bzw. der Schleuse)
können erhebliche Wartezeiten entstehen. Für die Bewertung eines Ersatzneubaus ist deshalb
zwischen
 Kapazitätsengpass,
 Abmessungsengpass
und
 Redundanz/Ausfallsicherheit
zu
unterscheiden. Diese Fragestellungen führen nicht automatisch zur Notwendigkeit einer 225-m-
Einkammerschleuse.
b) Schiffslängen
Viele auf dem Elbe-Seitenkanal eingesetzte Güterschiffe weisen Längen bis 100 m auf. Koppel- bzw.
Schubverbände können aus einem etwa 100 m langen Motorschiff und einem zusätzlichen Leichter
bestehen. Solche Verbände müssen am bestehenden Schiffshebewerk getrennt werden, während
sie eine ausreichend lange Schleuse ungeteilt passieren könnten.
Die geplante Schleuse ist auf 135-m-Einzelschiffe und 185-m-Verbände ausgelegt. Dieser Vorteil ist
grundsätzlich anzuerkennen, muss jedoch netzweit bewertet werden. Die Schleusen Uelzen I und II
besitzen 185 m bzw. 190 m Nutzlänge. Ein 135-m-Schiff lässt dort lediglich 50 bzw. 55 m nutzbare
Restlänge; ein weiteres übliches Güterschiff kann damit regelmäßig nicht gemeinsam geschleust
werden.
1
BUND Elbe-Heide (2026): Planfeststellungsverfahren für das Vorhaben Ersatzneubau Schleuse Lüneburg am Elbe-
Seitenkanal. https://www.bund-elbe-heide.de/fileadmin/elbeheide/lueneburg/stellungnahmen/2026-08-14-
Stellungnahme-BUND-Schleuse-Scharnebeck.pdf
2

Mit dem 185-m-Koppel- bzw. Schubverband besteht bereits heute eine größere Transporteinheit,
auf die die vorhandenen Schleusen in Uelzen abgestimmt sind. Die 135-m-Klasse erhöht zwar die
Ladekapazität des einzelnen Schiffes, ist jedoch nicht automatisch eine leistungsfähigere Lösung für
das Gesamtsystem. Der zusätzliche netzweite Nutzen dieser Fahrzeugklasse ist deshalb quantitativ
nachzuweisen.
Koppelverbände von 185 m können insbesondere im Containerverkehr wirtschaftlich sein. Der
Vorteil der geplanten 225-m-Schleuse liegt deshalb vor allem darin, solche Verbände in
Scharnebeck ungeteilt sowie 135-m-Einzelschiffe aufnehmen zu können. Der VCD fordert für die
Variantenentscheidung einen quantitativen Nachweis darüber, wie häufig diese Funktion künftig
tatsächlich benötigt wird.
Übersicht:
•
Schiffshebewerk Scharnebeck: derzeit Fahrzeuge bis rund 100 m; längere Verbände müssen
geteilt werden.
•
Schleuse Uelzen I: 185 m Nutzlänge.
•
Schleuse Uelzen II: 190 m Nutzlänge.
•
Geplante Schleuse Scharnebeck: 225 m Nutzlänge; ausgelegt für 135-m-Einzelschiffe und
185-m-Verbände.
c) Sinnhaftigkeit bei veränderten Voraussetzungen
Die Notwendigkeit des Schleusenneubaus wurde über viele Jahre wesentlich mit steigenden
Verkehrsmengen und einem drohenden Kapazitätsengpass begründet. Noch 2015 wurde bei knapp
11 Mio. Gütertonnen im Jahr 2014 davon gesprochen, dass das Schiffshebewerk zunehmend zum
Engpass werde. Als wesentliches Problem wurde dabei bereits die auf rund 100 m begrenzte
Troglänge genannt, durch die 110-m-Großmotorgüterschiffe das Hebewerk nicht passieren
können.2
Die verkehrlichen Rahmenbedingungen haben sich seitdem erheblich verändert. Die
Basisprognose 2040 des Bundes geht für die Wasserstraße bundesweit nur noch von 173,9 Mio. t
Transportaufkommen aus. Die frühere Verkehrsprognose 2030 hatte 275,6 Mio. t angenommen.
Gegenüber dieser früheren Prognose entspricht dies einer Verringerung um 36,9 %. Gegenüber
dem Analysejahr 2019 wird bis 2040 ein Rückgang des Transportaufkommens auf der
Wasserstraße um 15,9 % erwartet.3 Der Bund führt diese Entwicklung insbesondere auf veränderte
Rahmenbedingungen der Energie- und Klimapolitik und den Rückgang klassischer Massengüter wie
Steinkohle zurück.
Auch das Wasserstraßen-Neubauamt Hannover hat in einer Antwort vom 06.08.2026 darauf
hingewiesen, dass die heutigen und künftig erwarteten Güteraufkommen im Elbe-Seitenkanal
deutlich unter den theoretischen Transportkapazitäten der betrachteten Bauwerke liegen und
unterschiedliche Durchfahrtsdauern deshalb nicht ausschlaggebend für die Wahl des
Abstiegsbauwerks seien. Als maßgebendes Problem wird vielmehr die Passierbarkeit größerer
2
Günter Schulz, Roland Rother (2015): Planungen zur Schleuse Lüneburg. BAW-Kolloquium „Wasserbauwerke –
Vom hydraulischen Entwurf bis zum Betrieb“, Karlsruhe, 20./21.05.2015, S. 39 ff.
3
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (November 2024): Bericht zur Überprüfung der Bedarfspläne (BPÜ)
für die Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasserstraße, insbesondere S. 31–33.
https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/G/BVWP/bvwp-bericht-bpue.pdf
3

Fahrzeuge bis 110 m bzw. die netzweite Einordnung von 135-m-Fahrzeugen und 185-m-Verbänden
genannt.4
Damit hat sich die Fragestellung gegenüber der früheren Begründung wesentlich verschoben:
Nicht mehr die fehlende Transportkapazität, sondern vor allem die zulässige Fahrzeuglänge ist der
verbleibende Engpass.
In der Vergangenheit kam es bei Sperrung eines Troges durch Sanierung oder Instandsetzung zu
erheblichen Wartezeiten.5,6 Dies spricht für eine hohe Bedeutung von Redundanz und
Verfügbarkeit, ist aber von der Frage zu trennen, ob hierfür zwingend eine 225-m-Schleuse
erforderlich ist.
Der VCD fordert deshalb eine aktuelle, streckenbezogene Neubewertung. Dabei darf nicht allein
die transportierte Tonnage betrachtet werden. Auszuweisen sind insbesondere die künftig
tatsächlich erwartete Anzahl der Fahrzeuge sowie die Anteile von 110-m-GMS, 135-m-üGMS und
185-m-Koppel- bzw. Schubverbänden. Nur auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, welcher
zusätzliche Nutzen mit einer 225-m-Schleuse gegenüber einem modernen 110/115-m-Hebewerk
tatsächlich erreicht wird.
Energetische Aspekte
Ein Schiffshebewerk funktioniert im Grundprinzip wie ein Fahrstuhl. Mittels Gegengewichten wird
das Gewicht des wassergefüllten Troges weitgehend ausgeglichen. Für das bestehende
Schiffshebewerk Scharnebeck gibt die WSV einen Energiebedarf von maximal 30 kWh je
Hebungsvorgang an.7 Diese Zahl beschreibt das sehr energiearme Grundprinzip eines
Gegengewichtshebewerks.
Für die geplante Schleuse weist die Planfeststellungsunterlage 04.03 „Beitrag zum Klimaschutz“
einen jährlichen elektrischen Betriebsenergiebedarf von 13.400 MWh bzw. 13,4 GWh pro Jahr
aus.8 Ein unmittelbarer Faktorvergleich mit den 30 kWh des bestehenden Hebewerks wäre
methodisch jedoch nicht sauber, weil nicht sicher ist, ob beide Angaben dieselben Verbraucher und
Systemgrenzen umfassen.
Gerade deshalb ist eine transparente Aufschlüsselung erforderlich. Aus den Planunterlagen geht
hervor, dass der Elbe-Seitenkanal keine nennenswerten natürlichen Zuflüsse besitzt und
Schleusungsverluste durch Pumpbetrieb wieder in die oberen Haltungen zurückgeführt werden
müssen.9 Das Rückpumpen ist damit ein struktureller Bestandteil des Schleusenbetriebs.
4
Wasserstraßen-Neubauamt Hannover: Antwort vom 06.08.2026 auf die Anfrage vom 15.07.2026 zur
Leistungsfähigkeit und Variantenwahl am Elbe-Seitenkanal.
5
Landeszeitung für die Lüneburger Heide (05.05.2025): Stau am Schiffshebewerk in Scharnebeck: Lagerschaden
legt Betrieb lahm, https://www.landeszeitung.de/lokales/lueneburg-lk/scharnebeck/lagerschaden-am-
schiffshebewerk-scharnebeck-70-schiffe-im-stau-J7MWCBT5RVB23ILNOKWWR5J4CY.html
6
Landeszeitung für die Lüneburger Heide (10.08.2023): Mit Bildergalerie: Stau auf dem Wasser - das
Schiffshebewerk in Scharnebeck nimmt den Betrieb wieder auf, https://www.landeszeitung.de/lokales/lueneburg-
lk/scharnebeck/scharnebeck-stau-auf-dem-elbe-seitenkanal-schiffshebewerk-nimmt-betrieb-wieder-auf-
EN6JYIQSXBDTXAJTUJGBGNAMQ4.html
7
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (07.02.2020): Das Schiffshebewerk in Scharnebeck
(Lüneburg), https://www.wsa-mittellandkanal-elbe-seitenkanal.wsv.de/Webs/WSA/Mittellandkanal-ESK/DE/
SharedDocs/Downloads/Flyer_SHW_Lbg.pdf
8
Wasserstraßen-Neubauamt Hannover (August 2025): Planfeststellungsunterlage 04.03 – Beitrag zum Klimaschutz
zum UVP-Bericht; Angaben zu Baustoffmengen, Treibhausgasemissionen und jährlichem elektrischem
Energiebedarf.
9
Wasserstraßen-Neubauamt Hannover (2025): Planfeststellungsunterlage 01_SLU_1.1_BRI – Erläuterungsbericht,
insbesondere zu Spar-/Pufferbecken, Wasserbewirtschaftung, Grundwasser, Klimaanpassung und Weiterbetrieb des
bestehenden Schiffshebewerks.
4

Der VCD fordert, die angegebenen 13,4 GWh Jahresstromverbrauch nach Verbrauchsgruppen
aufzuschlüsseln, insbesondere nach Rückpumpbetrieb, Verschlüssen und sonstiger
Maschinentechnik, Beleuchtung, Gebäudetechnik, Heizung/Kühlung sowie weiteren
Nebenanlagen. Für den Variantenvergleich ist der Energiebedarf anschließend auf vergleichbare
Bezugsgrößen – beispielsweise je befördertem Fahrzeug bzw. je transportierter Tonne – und auf
die gesamte Nutzungsdauer zu beziehen.
Photovoltaikanlagen am Bauwerk können den Fremdstrombezug reduzieren. Sie ändern jedoch
nichts daran, dass bei der Variantenentscheidung zunächst der strukturelle Energiebedarf der
unterschiedlichen Bauwerksprinzipien miteinander verglichen werden muss.
Abnehmende Wasserverfügbarkeit und grundlegende Änderung des
Wasserbewirtschaftungskonzeptes seit 2015
Besonders kritisch sieht der VCD die erhebliche Änderung des hydraulischen Konzeptes.
Noch 2015 stellten Neubauamt und BAW ein besonderes, weitgehend hydraulisch entkoppeltes
System vor. Die komplette Restfüllung der Schleusenkammer sollte aus besonderen Oberbecken
erf