Leipziger Institut für Energie GmbH schätzt Endenergieverbrauch 2025 in Bayern

Energiedaten.Bayern - Schätzbilanz

Auftraggeber: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Leipzig, 24.08.2026 Energiedaten.Bayern

  • Schätzbilanz DATEN B IS ZUM J AHR 2025 Endbericht

Auftraggeber

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Prinzregentenstraße 28 80538 München

Auftragnehmer

Leipziger Institut für Energie GmbH Lessingstraße 2 04109 Leipzig

Bearbeitung Projektleitung Christoph Voigtländer Telefon 03 41 / 22 47 62 14 E-Mail Christoph.Voigtlaender@ie-leipzig.com

Projektmitarbeit Marcel Ebert Philipp Krause

Laufzeit

Mai 2026 bis August 2026

Datum

Leipzig, 24.08.2026

Impressum

Energiedaten.Bayern

  • Schätzbilanz 0 Einleitung und Hintergrund

1 1 Schätzung des Energieverbrauchs

2 1.1 Primärenergieverbrauch 2 1.2 Endenergieverbrauch 9 1.2.1 Endenergieverbrauch des Verarbeitenden Gewerbes

15 1.2.2 Endenergieverbrauch des Sektors Haushalte und GHD

17 1.2.3 Endenergieverbrauch des Sektors Verkehr

22 1.3 Ausgewählte Kennziffern zur Energiewirtschaft

25 1.3.1 Primärenergieproduktivität auf Vorjahresbasis des Bruttoinlandsproduktes

25 1.3.2 Pro-Kopf -Stromverbrauch 26 1.3.3 Energieproduktivität des Verarbeitenden Gewerbes

27 1.3.4 Spezifischer Endenergieverbrauch des Sektors Verkehr

29 2 Entwicklung der energiebedingten CO 2-Emissionen 30 3 Bruttostromerzeugung

33 4 Erneuerbare Energien

34 4.1 Bruttostromerzeugung

34 4.2 Wärmebereitstellung

39 4.3 Kraftstoffbereitstellung

41 4.4 Zusammenfassung 41

Abkürzungsverzeichnis

60 Abbildungsverzeichnis

62 Tabellenverzeichnis 64 Anhang 66

Inhaltsverzeichnis

Energiedaten.Bayern

  • Schätzbilanz 1 Für die energiepolitische Arbeit werden gegenwartsnahe Daten über die Entwicklung der Energiewirtschaft in Bayern benötigt. Die amtliche Energiebilanz liegt i. d. R. erst zwei Jahre nach Ablauf des jeweiligen Berichtszeitraumes vor. Dies ist in den statistischen Erhebungsverfahren (u. a. Primärdatenerfassung mit Länderausgleich, Disaggregationen) und in der Vielzahl der auszuwertenden Quellen (u. a. Statistische Ämter, Verbände, Forschungsinstitute) begründet. Die Energiebilanz wird nicht direkt statistisch erfasst, sondern entsteht durch die Zusammenfassung verschiedenster Statistiken aus allen Gebieten der Energie- wirtschaft. Die Schätzung für das Jahr 2025 basiert auf den amtlichen Energiebilanzen des Bayerischen Landesamtes für Statistik (LfStat) bis zum Jahr 2023. Zudem hat das LfStat für das Bilanzjahr 2024 eine vorläufige Energiebilanz erstellt. Bereits im Jahr 2009 entwickelte und erprobte das IE Leipzig eine Lösung, auf deren Basis möglichst frühzeitig wesentliche energiewirtschaftliche Daten für Bayern bereitgestellt werden können. Hauptaugenmerk bei diesem Vorhaben lag in der Modellentwicklung zur Datenverarbeitung und Erstellung einer Schätzenergie- bilanz. Als Grundraster diente dabei die amtliche Energiebilanz Bayerns. Frühzeitig vorhandene Wirtschafts- daten und -prognosen werden in ein mehrstufiges Verfahren einbezogen, sodass bis Mitte eines Kalender- jahres eine Schätzenergiebilanz für das vergangene Jahr ermittelt werden kann. Die Schätzung basiert hierbei auf einem Bottom-Up-Ansatz, wobei der Endenergiebedarf beginnend auf Ebene der einzelnen Sektoren (Verarbeitendes Gewerbe inkl. Subsektoren, Verkehr, Haushalte und übrige Verbraucher) abgeschätzt und zum Gesamtendenergiebedarf aufsummiert wird. Hierbei wird auf die Bildung von Energieverbrauchsindikatoren zurückgegriffen, d. h. der temperaturbereinigte Energieverbrauch wird mit entsprechenden Aktivitätsgrößen verknüpft und die Entwicklung der Indikatoren analytisch fort- geschrieben. Analog zu den Prognosen in den Vorjahren stellt auch die modellgestützte Prognose für 2025 eine Heraus- forderung dar, da der typische Trendkanal bei vielen Indikatoren durch die Entwicklungen im Pandemiejahr 2020, die wirtschaftliche Erholung im Jahr darauf sowie die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen des Uk- raine-Krieges in den Jahren ab 2022 unterbrochen wurde. Um diese Effekte rechnerisch zu berücksichtigen, wurden vom IE Leipzig manuelle Eingriffe vorgenommen, welche sich an bundesweiten Tendenzen für 2025 orientieren. Auf Grundlage der Endenergiebilanz und den funktionalen Zusammenhängen im Umwandlungsbereich wird die Umwandlungsbilanz abgeschätzt. Die Primärenergiebilanz wird anschließend von der Verwendungsseite her ermittelt, indem die Summe aus Energieangebot nach Umwandlungsbilanz und dem Saldo der Umwand- lungsbilanz gebildet wird. In der vorliegenden Studie werden die Ergebnisse bis zum Jahr 2025 dargestellt. Neben der Entwicklung absoluter Verbrauchsgrößen, wie Primärenergieverbrauch, Endenergieverbrauch und CO2-Emissionen, werden ausgewählte Kennziffern zur Energiewirtschaft und die Energiebereitstellung auf Basis erneuerbarer Energien aufgezeigt. Einleitung und Hintergrund

Gegenwartsnahe Daten über die Entwicklung der Energiewirtschaft sind für die energiepolitische Arbeit von entscheidender Bedeutung.

Energiedaten.Bayern

  • Schätzbilanz 2 1.1 Primärenergieverbrauch

Entwicklung 2010 bis 202 3 (IST) Der Primärenergieverbrauch (IST) ist im Zeitraum von 2010 bis 2023 um 519,3 PJ auf 1.562,1 PJ gesunken (- 24,9 Prozent). Hierbei sei anzumerken, dass das Jahr 2010 im Vergleich zum langjährigen Mittel ein sehr kühles Jahr mit entsprechend höheren Energieverbräuchen für Wärmeanwendungen war. Das Jahr 2023 war dagegen vergleichsweise sehr mild. Absolut betrachtet waren sichtbare Veränderungen in diesem Zeitraum vor allem bei den erneuerbaren Energien, den Mineralölen sowie der Kernenergie zu verzeichnen (vgl. Tabelle 1 und Abbildung 1). Der Anstieg des Einsatzes erneuerbarer Energien resultiert vorwiegend aus den deutlichen Steigerungen bei Biomasse, Photovoltaik und Wind im Umwandlungsbereich sowie Biomasse, Solarthermie und Umweltwärme in den Endenergiesektoren. Der Rückgang des Mineralöleinsatzes ist insbesondere auf den geringeren Bedarf in den Endenergiesektoren zurückzuführen. Die Stromerzeugung aus Kernenergie ist gegenüber 2010 aufgrund des schrittweisen Atomausstiegs deutlich gesunken, was zu einem erheblichen Rückgang des Primärenergieverbrauchs führte. Die Anteile der Energieträger am Primärenergieverbrauch (IST) im Jahr 2023 können Tabelle 1 und Abbildung 2 entnommen werden. Während der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch im Jahr 2010 noch 12,9 Prozent betrug, stieg dieser bis 2023 kontinuierlich auf 25,3 Prozent an. Der Anteil von Mineralölprodukten stieg gleichzeitig von 37,7 Prozent auf 40,5 Prozent im Jahr 2023 und auch der Anteil der Gase erhöhte sich von 20,6 Prozent auf 22,8 Prozent. Im gleichen Zeitraum ging der Anteil von Kohle am Primärenergiever- brauch leicht von 2,9 Prozent auf 2,6 Prozent zurück. Kernenergie hatte im Jahr 2010 einen Anteil von 24,8 Prozent am Primärenergieverbrauch, bis zum Jahr 2023 ist dieser auf 2,1 Prozent gesunken. 1 Schätzung des Energieverbrauchs

Mittels des erarbeiteten und erprobten Datenmodells wurden die Energieverbrauchswerte bis zum Jahr 2025 berechnet. Im Folgenden werden reale Verbräuche (IST) und um Temperatureinflüsse bereinigte Verbräuche (Tber) dargestellt.

SCHÄTZUNG DES ENERGIEVERBRAUCHS Energiedaten.Bayern

  • Schätzbilanz 3

Tabelle 1 Primärenergieverbrauch nach Energieträgern von 2010 bis 2023 (IST)

Schätzung bis 202 5 (IST) Der Primärenergieverbrauch (IST) sinkt voraussichtlich im Zeitraum von 2023 bis 2025 um 29,6 PJ auf 1.532,5 PJ (vgl. Tabelle 2 und Abbildung 1). Im Jahr 2024 ist der Primärenergieverbrauch (IST) leicht gegenüber dem Vorjahr gesunken. Prägend für diese Entwicklung sind insbesondere die Abschaltung des KKW Isar 2 zum 15.04.2023, deutlich geringere Kraftwerkseinsätze von Steinkohle und gegenüber dem Vorjahr gesunkene Heizölabsätze. Anstiege des Primärenergieverbrauchs sind hingegen bei Flugturbinentreibstoffen, bei Gasen durch höhere Kraft- werkseinsätze und bei erneuerbaren Energien, vor allem aufgrund gestiegener Stromerzeugungsmengen aus Wasserkraft und Photovoltaik, zu verzeichnen. Die Witterung war im Jahr 2024 etwa vergleichbar mit dem Vorjahr, weshalb diese nur sehr wenig Einfluss auf die Entwicklung der Energieverbräuche hatte. Für das Schätzjahr 2025 wird von einem weiteren Rückgang des Primärenergieverbrauchs (IST) ausgegangen. Hauptursächlich für diese Entwicklung sind insbesondere deutlich geringere Mineralöleinsätze in den bayerischen Raffinerien, gesunkene Kraftwerkseinsätze von Steinkohle sowie gegenüber dem Vorjahr niedrigere Heizölabsätze. Verbrauchszuwächse sind bei den Gasen zu verzeichnen, einerseits durch höhere Kraftwerkseinsätze, andererseits aufgrund der kühleren Witterung im Schätzjahr. Diese ist auch verantwort- lich für einen Anstieg bei den erneuerbaren Energien, insbesondere bei Biomasse und Umweltwärme im Endenergieverbrauch. Die zu erwartende Entwicklung der Primärenergieträgereinsätze im Zeitraum 2023 bis 2025 kann Tabelle 2 entnommen werden (analog Abbildung 1). PJ % PJ % PJ % Steinkohle 51,6 2,5 32,3 2,1 -19,4 -37,5 Braunkohle 8,8 0,4 8,2 0,5 -0,6 -6,7 Mineralöl und Mineralölprodukte 784,6 37,7 632,6 40,5 -152,0 -19,4 Gase 428,0 20,6 356,5 22,8 -71,5 -16,7 Erneuerbare Energieträger 269,4 12,9 395,9 25,3 +126,6 +47,0 Kernenergie 516,8 24,8 33,0 2,1 -483,9 -93,6 Stromaustauschsaldo -7,0 -0,3 65,7 4,2 +72,7

Sonstige einschl. Fernwärme 29,2 1,4 37,9 2,4 +8,7 +29,8 Summe 2.081,4 100,0 1.562,1 100,0 -519,3 -24,9 Primärenergieverbrauch (IST) 2010 2023 Veränderung 2023 ggü. 2010

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  • Schätzbilanz 4

Tabelle 2 Primärenergieverbrauch nach Energieträgern von 2023 bis 2025 (IST)

Abbildung 1 Entwicklung des Primärenergieverbrauchs nach Energieträgern

2023 PJ PJ % PJ % PJ % Steinkohle 32,3 19,1 1,2 7,3 0,5 -25,0 -77,4 Braunkohle 8,2 7,6 0,5 7,2 0,5 -1,0 -12,0 Mineralöl und Mineralölprodukte 632,6 635,5 41,0 594,6 38,8 -38,0 -6,0 Gase 356,5 368,2 23,7 385,2 25,1 +28,7 +8,0 Erneuerbare Energieträger 395,9 415,6 26,8 434,2 28,3 +38,3 +9,7 Kernenergie 33,0 0,0 0,0 0,0 0,0 -33,0 -100,0 Stromaustauschsaldo 65,7 66,4 4,3 65,6 4,3 -0,1 -0,1 Sonstige einschl. Fernwärme 37,9 38,1 2,5 38,4 2,5 +0,5 +1,3 Summe 1.562,1 1.550,6 100,0 1.532,5 100,0 -29,6 -1,9 voräufige Werte LfStat Schätzbilanz IE Leipzig Primärenergieverbrauch (IST) 2024 2025 Veränderung 2025** ggü. 2023 -200 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600 1.800 2.000 2.200 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024*2025** [PJ] Primärenergieverbrauch in PJ (IST) Steinkohle Braunkohle Mineralöl und Mineralölprodukte Gase Erneuerbare Energieträger Kernenergie Sonstige einschl. Fernwärme Stromaustauschsaldo *vorläufige Werte LfStat **Schätzbilanz IE Leipzig

SCHÄTZUNG DES ENERGIEVERBRAUCHS Energiedaten.Bayern

  • Schätzbilanz 5

Abbildung 2 Entwicklung der Anteile der Primärenergieträger am Primärenergieverbrauch (IST)

Entwicklung 2010 bis 202 3 (temperaturbereinigt) Der Primärenergieverbrauch (Tber) sank im Zeitraum von 2010 bis 2023 um etwa 413,8 PJ auf 1.633,5 PJ (vgl. Tabelle 3 und Abbildung 3). Dies entspricht einem Rückgang gegenüber dem Jahr 2010 in Höhe von 20,2 Prozent, welcher insbesondere durch den schrittweisen Kernenergieausstieg, die mittelfristigen Auswirkun- gen der Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg geprägt wurde. Damit wird beim Vergleich der IST-Entwicklung (- 24,9 Prozent im gleichen Zeitraum) mit der temperatur- bereinigten Entwicklung der Witterungseinfluss deutlich. Im Vergleich zu den realen Verbräuchen (IST) zeigt sich bei Betrachtung der um Temperatureinflüsse bereinigten Werte (Tber) eine “Glättung” der Verbrauchs- entwicklung (vgl. Abbildung 4 und Abbildung 5). Wie sich der temperaturbereinigte Einsatz der einzelnen Primärenergieträger