Kursteilnehmende der Allgemeinen und Alphabetisierungskurse untersuchen Faktoren für erfolgreiches Durchlaufen und Abschluss der Integrationskurse in Deutschland; DTZ-Erfolg stark durch Anwesenheit beeinflusst
Faktoren eines erfolgreichen Integrationskursbesuchs
Faktoren eines erfolgreichen Integrationskursbesuchs Zwischenbericht IV-2 zum Projekt „Evaluation der Integrationskurse (EvIk)“ Forschungsbericht 56 Salwan Saif / Christian Babka von Gostomski / Wenke Gider / Pia Homrighausen / Ramona Kay / Nina Rother Forschung Forschungs Zentrum BAMF
Faktoren eines erfolgreichen Integrationskursbesuchs Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2026 Zwischenbericht IV-2 zum Projekt „Evaluation der Integrationskurse (EvIk)“ Forschungsbericht 56 Salwan Saif / Christian Babka von Gostomski / Wenke Gider / Pia Homrighausen / Ramona Kay / Nina Rother
Zentrale Ergebnisse Forschungsfragen Integrationskurse gelten als die zentrale Integrationsmaßnahme des Bundes zur Sprach förderung und Wertevermittlung in Deutschland. Der vorliegende Bericht des Forschungsprojekts „Evaluation der Integrationskurse (EvIk)“ ist Teil der Zwischenberichterstattung IV. Er befasst sich mit Faktoren für ein erfolgreiches Durchlaufen und Abschließen der Integrationskurse. Als Kurs erfolg wird hierbei die (erfolgreiche) Teilnahme am Abschlusssprachtest (Deutsch-Test für Zu wanderer, DTZ), das Verbleiben im Kurs sowie eine positive subjektive Kursbewertung durch die Teilnehmenden verstanden. Der Bericht rich tet den Fokus auf die beiden in den letzten Jahren meist frequentierten Kursarten, den Allgemeinen Integrationskurs und den Alphabetisierungskurs. Methodisches Design Der vorliegende Bericht nutzt Längsschnittdaten quantitativer Befragungen von Teilnehmenden zu Kursbeginn (Erhebung 2021/2022) und zu Kursende (Erhebung 2022/2023), ebenso von Kursteilnehmenden, die zum Zeitpunkt des Kursendes nicht mehr im Kurs anzutreffen waren (Erhebung 2022/2023). Es erfolgte eine Verknüpfung dieser Daten mit Lehrkräfte- und Trägerdaten zu Kursbeginn und -ende sowie mit administrativen Daten aus der Integrations-Ge schäftsdatei (InGe). Die Daten aus der InGe er möglichen eine Erfassung des individuellen Kursverlaufs der befragten Teilnehmenden sowie des Kurskontexts anhand validierter Geschäfts daten. Zudem beinhalten sie das Testergebnis aus dem DTZ, ein präzises Maß für den Sprachstand zu Kursende und für die Erreichung des Kurs ziels. Die Befragung von Kursteilnehmenden, die zum Zeitpunkt des Kursendes nicht mehr im Kurs waren, ermöglicht erstmals repräsentative Analysen zu den Gründen für einen Kurswechsel oder das Verlassen des Kurses. Zentrale Befunde Spracherwerb
■ Zielniveaus werden etwa von der Hälfte der Prüfungsteilnehmenden erreicht: Für 78,5 % aller zu Kursbeginn befragten Kursteilnehmenden, die einen Allgemeinen Integrationskurs (nicht unbedingt bis zum Ende) besuchten, liegt im Beobachtungs zeitraum ein DTZ-Ergebnis vor, da sie im Rahmen ihres ursprünglichen oder eines gewechselten Kurses an der Prüfung teil genommen haben. Von den Prüfungsteil nehmenden erreichen 53,2 % das im All gemeinen Integrationskurs angestrebte Zielniveau B1, während 38,7 % das Niveau A2 und 8,1 % ein Ergebnis unter A2 erzielen. Im Vergleich dazu nehmen 61,7 % der Teil nehmenden am Alphabetisierungskurs an der DTZ-Prüfung teil. Von diesen er reichen 45,8 % mindestens das als realistisch
3 Zentrale Ergebnisse angesehene Zielniveau von A2, während knapp mehr als die Hälfte unter A2 bleibt.
■ Hohe Anwesenheit unterstützt DTZ- Teilnahme: Multivariate Analysen zur DTZ-Teilnahme zeigen, dass im Allgemeinen Integrationskurs eine höhere Anwesenheit im Unterricht und eine Verpflichtung zur Kursteilnahme die Testteilnahme fördern. Bei den Merkmalen der Lehrkräfte steht eine andere gemeinsame Sprache mit den Teilnehmenden als Englisch in negativem Zusammenhang mit der DTZ- Teilnahme. Zudem ist die Teilnahme an der DTZ-Prüfung in sehr ländlichen Regionen höher als in eher ländlichen oder nicht länd lichen Regionen. Für die Prüfungsteilnahme im Alphabetisierungskurs spielt neben der Anwesenheit im Unterricht auch die Quali fikation der Lehrkräfte eine Rolle, während eine vielfältige Zusammensetzung der Teil nehmenden hinsichtlich des Herkunfts landes eher mit einer Nichtteilnahme am DTZ einhergeht.
■ Individuelle Lernvoraussetzungen prägen DTZ-Erfolg: Multivariate Analysen zum DTZ-Ergebnis zeigen, dass das Erreichen des Zielniveaus in erster Linie von den individuellen Lern voraussetzungen abhängt: Im Allgemeinen Integrationskurs erhöhen ein niedrigeres Alter, ein höheres Bildungsniveau, vorherige formale Sprachlernerfahrungen und ein guter Gesundheitszustand die Wahrschein lichkeit, das Zielniveau B1 zu erreichen. Zu dem erwerben Frauen sowie Teilnehmende, die einen Partner oder eine Partnerin im Haushalt haben, häufiger das Zielniveau B1. Im Alphabetisierungskurs erreichen ältere Teilnehmende seltener das Zielniveau A2, während sich mit der Anzahl der besuchten Schuljahre die Erfolgschancen erhöhen.
■ Anwesenheit im Unterricht wichtig für DTZ-Ergebnis: Zusätzlich zeigen die multivariaten Analysen, dass in beiden Kursarten eine hohe Anwesen heit im Unterricht sehr stark positiv mit dem DTZ-Ergebnis zusammenhängt. Eine Ver pflichtung zur Kursteilnahme geht im All gemeinen Integrationskurs hingegen negativ mit dem Prüfungsergebnis einher, während sich im Alphabetisierungskurs kein statistisch signifikanter Zusammenhang zeigt.
■ Bedeutung von Lehrkräfte- und Kurs gruppenmerkmalen variieren zwischen Kursarten: Im Allgemeinen Integrationskurs und den multivariaten Analysen hängen Merkma le der Lehrkräfte weniger stark mit der Er reichung des Zielniveaus zusammen. Eng lisch als gemeinsame Brückensprache zwischen Lehrkraft und einzelnen Teil nehmenden bildet hier eine Ausnahme, da es in einem positiven Zusammenhang mit dem DTZ-Ergebnis steht, während andere gemeinsame Sprachen negativ damit ein hergehen. Kursbezogene Faktoren wie Her kunftsvielfalt und ein höheres mittleres Bildungsniveau begünstigen das Erwerben von B1. Im Alphabetisierungskurs ist die Beziehung zwischen Lehrkraft und Teil nehmenden dahingehend bedeutsamer, da das gleiche Geschlecht von Lehrkraft und Teilnehmenden die Chance erhöht, das Niveau A2 zu erreichen.
4 Zentrale Ergebnisse Kursverlauf
■ Mehrheit der Teilnehmenden schließt Kurs ab: Die Mehrheit der Teilnehmenden im All gemeinen Integrationskurs (68,3 %) und im Alphabetisierungskurs (57,5 %) besucht den Sprachkursteil ihres begonnenen Integrationskurses bis zum Ende. Wäh rend der Anteil an Kurswechselnden in beiden Kursarten ähnlich ist, ist der An teil an Kursverlassenden, die während des Beobachtungszeitraums nicht mehr ins Integrationskurssystem zurückfinden, im Alphabetisierungskurs mit 29,2 % um rund 10 Prozentpunkte höher als im Allgemeinen Integrationskurs.
■ Unterschiedliche zeitliche Muster bei Kurs verläufen zwischen Kursarten: Verlassen Teilnehmende ihren Kurs, ge schieht dies im Allgemeinen Integrationskurs mehrheitlich recht zeitnah nach Kursbeginn (nach dem 2. oder 3. Sprachkursmodul), im Alphabetisierungskurs jedoch häufiger erst später im Kursverlauf (nach dem 5., 6. und 8. Sprachkursmodul).
■ Überforderung und Lebensumstände als häufigste Gründe für instabile Kursverläufe: Findet ein Kurswechsel oder -verlassen statt, ist dies oft auf mehrere Faktoren zurückzu führen: Neben einer kursbezogenen Über forderung sind dies vor allem lebensweltliche Gründe wie Krankheit, Kinderbetreuung und Schwanger- bzw. Elternschaft.
■ Kinderbetreuung, Anwesenheit und Ver pflichtung prägen Kursverläufe stark: Multivariate Analysen bestätigen und ver deutlichen zudem für beide Kursarten die Relevanz der familiären (Betreuungs-) Situation sowie der Anwesenheit im Kurs und der Verpflichtung zur Kursteilnahme für Kursverläufe. Je nach Alter der Kinder kann das Vorhandensein von Kindern Kurs verläufe stabilisieren, vorausgesetzt sie wer den nicht zu Hause betreut. Eine höhere Anwesenheit sowie Verpflichtung zur Teil nahme begünstigt in beiden Kursarten den Kursverbleib und vermindert ein Verlassen. Der stabilisierende Effekt der Anwesenheit ist hierbei deutlich stärker ausgeprägt als der der Verpflichtung.
■ Unterschiedliche Zusammenhänge mit Kurs- und Lehrkräftefaktoren je nach Kursart: Multivariate Analysen zeigen zudem, dass im Allgemeinen Integrationskurs eine ge meinsame Sprache (abgesehen von Englisch) zwischen Lehrkraft und Teilnehmenden den Verbleib im Kurs stärkt. Haben Lehrkräfte eine BAMF-Zusatzqualifikation für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) für das Unterrichten im Integrationskurs erworben, verlassen Teilnehmende seltener den Kurs. Im Alpha betisierungskurs ist neben der Zusammen setzung der Lerngruppe auch die subjektiv wahrgenommene Belastung der Lehr kräfte für erfolgreiche Kursverläufe von Be deutung: Während ein höherer Anteil an Teilnehmenden mit Fluchterfahrung mit einem stärkeren Verlassen des Kurses ein hergeht, steigert eine höhere Heterogenität an Bildungserfahrungen in der Lerngruppe den Verbleib im Kurs. Fühlen sich Lehrkräfte stark belastet, besuchen Teilnehmende den Sprachkurs eher bis zum Ende. Grund hier für könnte sein, dass sich insbesondere Lehr kräfte mit einem hohen Engagement und einer hohen Einsatzbereitschaft stärker be lastet fühlen.
5 Zentrale Ergebnisse Subjektive Kursbewertung
■ Kurs wird mehrheitlich als hilfreich wahrgenommen: Der Kurs wird von den allermeisten Teil nehmenden, die vom Anfang bis zum Ende des Sprachkursteils im Allgemeinen Integrationskurs verbleiben, sowohl am Kursbeginn (91,6 %) als auch am Kursende (87,2 %) subjektiv als eher oder sehr hilf reich angesehen. Ähnlich positiv bewerten auch verbleibende Teilnehmende in Alpha betisierungskursen ihren Kursbesuch (Kurs beginn 85,7 %, Kursende 84,0 %). Im Vergleich dazu schauen Personen, die den Kurs ver ließen, wechselten oder bei denen der Kurs aufgelöst wurde, etwas weniger positiv auf den Kurs zurück. Aber auch diese Nicht-Ver bleibenden sehen mehrheitlich den Kurs besuch rückblickend zumindest als teilweise hilfreich an (Allgemeiner Integrationskurs: 85,4 %, Alphabetisierungskurs: 71,9 %).
■ Für die Mehrheit ist Kurstempo und -größe passend: Im Kurs verbleibende Teilnehmende bei der Kursarten finden mehrheitlich das Lern tempo und die Kursgröße zu Kursende genau richtig. Zudem wird von einer Mehrheit häu fig aktiv Deutsch gesprochen und Hausauf gaben werden immer bearbeitet. Diese Ein schätzungen (Kurstempo, Kursgröße, aktiv Deutschsprechen im Kurs, Hausaufgaben) der verbleibenden Teilnehmenden hängen bei multivariater Betrachtung mit der Kurs bewertung am Kursende positiv zusammen.
■ Unterschiede bei der Analyse von Kurs bewertungen zwischen Kursarten: Zudem liegen Hinweise darauf vor, dass die Kursbewertung je nach Kursart mit jeweils unterschiedlichen weiteren Faktoren im Zusammenhang steht. Beim Allgemeinen Integrationskurs gehen insbesondere sub jektiv wahrgenommene Zuwächse der Deutschkenntnisse mit einer positiven Kursbewertung einher, anders im Alpha betisierungskurs. Bei diesem spielt eher die identifikatorisch-verbindende Funktion des Kurses eine Rolle. Es gibt einen positi ven Zusammenhang der Verbundenheit mit Deutschland mit der Kursbewertung. Fazit
■ Individuelle Lernvoraussetzungen beachten: Der Prüfungserfolg hängt maßgeblich mit den individuellen Lernvoraussetzungen zu sammen, daher sollten Einstufungen und Kursgestaltung gezielt an Bildungsniveau, Vorerfahrungen sowie Lernfortschritt aus gerichtet und die Präzision des neuen Ein stufungstests kontinuierlich überprüft werden.
■ Anwesenheit während des Kurses weiter steigern: Anwesenheit ist essenziell für Kursverbleib und Prüfungserfolg. Auch wenn Lehrwerke und Curriculum des Integrationskurses be reits einen hohen Praxisbezug aufweisen und fordern, könnte die Lernmotivation von Teilnehmenden durch eine konsequente Aktualisierung und Orientierung an lebens weltnahen The