Björn Ulrich tritt für die Schweiz bei WorldSkills Shanghai 2026, Industrial Mechanics; 20% Talent, rest ist harte Arbeit
WorldSkills: 20 % Talent, der Rest ist harte Arbeit – Das Onlinemagazin von Berner KMU
WorldSkills: 20 % Talent, der Rest ist harte Arbeit
Andreas Allenbach ist Unternehmer aus Frutigen und führt die ALS-CNC AG (Allenbach-CNC AG). Seit zehn Jahren ist er zudem Experte an den Berufsmeisterschaften Swiss- und WorldSkills. Aktuell begleitet er Björn Ulrich, der im September 2026 in Shanghai für die Schweiz im Skill Industrial Mechanics antritt. Im Gespräch erzählt er, wie viel Talent es wirklich braucht, warum die Schweizer Berufsbildung im internationalen Vergleich einen Sonderfall darstellt, und was ein Experte am Wettkampf konkret darf und was nicht.
Oliver Steiner: Es gibt das Sprichwort, dass es zehntausend Stunden braucht, um in einem Gebiet Weltklasse zu erreichen. Braucht es zehntausend Stunden, um Weltmeister zu werden?
Andreas Allenbach: 20 Prozent Talent müssen da sein, sonst reicht es nicht. Aber am Ende zählt vor allem, was jemand daraus macht. Der erfolgreichste Schweizer Abfahrer Peter Müller galt als nicht sehr talentiert und wurde trotzdem Weltmeister. Marco Odermatt hingegen hat sehr viel Talent und fährt trotzdem selten einen Lauf ganz ohne Fehler. Entscheidend ist, was dann passiert: Wer nach einem Fehler den Bettel hinwirft, hat verloren, wer sich zusammenrafft, macht den Fehler nur halb so tragisch. Genau das sehe ich auch bei den Top-Nationen an den WorldSkills: Wenn bei den Chinesinnen und Chinesen etwas schiefgeht, verziehen sie keine Miene und ziehen die Sache diszipliniert durch. Diese Beharrlichkeit wünsche ich mir auch für uns.
Was unterscheidet die Schweizer Berufsbildung von anderen Ländern, am Beispiel des Polymechanikers, dem Beruf, in dem Björn Ulrich ausgebildet ist?
In der Schweiz ist das ein einziger Beruf, der CNC-Drehen,CNC-Fräsen und die Instandhaltung, auf Englisch Industrial Mechanics, unter einem Dach vereint. Genau da unterscheidet sich die Schweiz zum ersten Mal von der Welt: In Deutschland, das eine ähnliche Berufsbildung hat wie wir, ist das schon anders. Dort sind diese drei Bereiche auf unterschiedliche Berufe aufgeteilt, wer dort CNC-Drehen gelernt hat, kann nicht fräsen. Das ist für uns unvorstellbar. Der grosse Vorteil der Schweiz ist, dass man in der Lehre zuerst breit die Grundlagen lernt und sich erst danach spezialisiert, im Betrieb, nicht schon in der Ausbildung. Für die Swiss- und WorldSkills heisst das aber, dass man sich entscheiden muss, in welcher dieser drei Kategorien man antritt.
Was macht ein Experte an den WorldSkills konkret, und wie unterscheidet sich das von deiner Rolle bei den SwissSkills?
Meine Rolle wechselt dreimal. Bis zu den SwissSkills bin ich Projektleiter, verantwortlich für die ganze Ausscheidung, und bewerte an der Meisterschaft selbst auch die Arbeit der Berufstalente. Steht der Weg an die WorldSkills fest, werde ich zum Coach. Konkret begleite ich aktuell Björn Ulrich und arbeite mit ihm den Trainingsplan durch. An den WorldSkills selbst wechsle ich noch einmal, jetzt ins internationale Bewertungsteam. Mit Björn selbst darf ich dort dann fast nicht mehr sprechen, nur 15 Minuten am Tag, sonst haben die anderen Experten das Gefühl, es komme zu einer Bevorteilung. Am Wettkampftag muss er für sich allein bestehen.
SwissSkills oder WorldSkills: Was ist wichtiger, um die Exzellenz der Schweizer Berufsbildung sichtbar zu machen?
Diese Exzellenz passiert jeden Tag, in allen Betrieben der Schweiz. Nur sieht sie kaum jemand. Die WorldSkills sind eine wichtige internationale Plattform, aber für die Schweiz sind die SwissSkills zentraler. Dort bekommen zehntausende Jugendliche und ihre Eltern einen direkten Einblick in die Berufsbildung und erleben live, was Exzellenz heisst. Wenn Jugendliche ihr eigenes Roboterli oder Lämpchen bauen, springt das Feuer über und macht Lust für eine Lehre. Wer dabei kein Strahlen in den Augen hat, für den ist vielleicht das Studium der bessere Weg. Meines Erachtens ist eine Berufslehre zum Start ins Berufsleben aber klar der beste Weg. Anschliessend stehen in der Schweiz alle Wege offen, man muss nur wollen! Genauso wichtig ist mir, dass Betriebe, die etablierte Strukturen haben, auch tatsächlich ausbilden. Bei uns waren die ersten Jahre hart, einen Lehrling hätten wir damals nicht ausbilden können. Aber sobald ein Betrieb etabliert ist, nach drei, vier Jahren etwa, lege ich es allen Unternehmen ans Herz, schafft Ausbildungsplätze! Je mehr wir ausbilden, desto mehr Fachkräfte haben wir am Ende. Für unseren Wohlstand sind wir als Schweiz darauf angewiesen.
Andreas Allenbach gründete mit einem Geschäftspartner im 2019 die ALS-CNC GmbH. Per Ende 2022 übernahm er alleine die ALS-CNC GmbH und konnte das Firmengebäude inkl. allen Maschinen und Infrastrukuren übernehmen. Seit kurzem wird die Firma unter neuem Namen, der Allenbach-CNC AG, gefürt.
Elf Mitarbeitende inklusive Andreas Allenbach, plus ein Lehrling (Polymechaniker).
Grundlage ist die Lehre Polymechaniker
in EFZ, Fachrichtung Automation, die CNC-Drehen, CNC-Fräsen und Instandhaltung kombiniert.
Bereits an den SwissSkills wird in die drei Disziplinen CNC-Drehen, CNC-Fräsen und Industrial Mechanics aufgeteilt.
Der Skill Industrial Mechanics umfasst die Planung, Installation, Inbetriebnahme, Wartung, Reparatur und Ausserbetriebnahme von Industrieanlagen.
Im Ausland sind diese Bereiche meist auf unterschiedliche Berufe aufgeteilt.
Kategorie: KMU . KAT 1
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