Katharina Hemmer gewinnt Mannschafts-Gold bei der Reit-WM 2026 in Aachen; erste internationale Einzelmedaille im Grand Prix Special.
Katharina Hemmer: Die deutsche Dressur-Entdeckung der Reit-WM 2026
Katharina Hemmer: Die deutsche Dressur-Entdeckung der Reit-WM 2026
Im Schatten von Rekord-Olympiasiegerin Isabell Werth und der Einzel-Goldmedaillengewinnerin von Paris 2024, Jessica von Bredow-Werndl hat sich ein weitere deutsche Dressurreiterin in den Vordergrund gespielt. Olympics.com stellt Ihnen Mannschafts-Weltmeisterin und Einzel-Bronzegewinnerin Katharina Hemmer vor.
Dass die Weltmeisterschaften 2026 in Aachen für die deutsche Dressur-Equipe zu einer Erfolgsgeschichten werden können, schien nach den Olympischen Spielen Paris 2024 fast schon eine logische Konsequenz.
Der Olympiasieg im Dressur Team, Gold und Silber im Einzel durch Jessica von Bredow-Werndl und Isabell Werth , legten nahe: Auch bei der Heim-WM zwei Jahre nach Olympia könnte es Medaillen regnen. Dazu kam es dann bekanntlich auch.
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Allerdings erwies sich ein Reiter-Pferde-Paar, das die wohl höchstens ausgewiesene Expertinnen und Experten auf dem Zettel hatten, als überraschende Garanten für den Erfolg.
Katharina Hemmer und ihr 14-jähriger Wallach Denoix PCH feierten ihren internationalen Durchbruch auf der Bühne, die in ihrer Größe wohl einzig mit Olympischen Spielen gleichzusetzen sind.
Ausgerechnet in Aachen, dem “Wimbledon des Pferdesports” kehrte die 32-Jährige als Entdeckung aus dem Viereck zurück. Hemmer ritt zum bestmöglichen Zeitpunkt die beste Dressur ihrer Karriere, erwies sich mit 79,224 Prozent als Gold-Garantin im Mannschafts-Entscheid und krönte ihre WM 48 Stunden später mit der Verbesserung ihrer Persönlichen Bestmarke auf 80,866 Prozentpunkte und dem Gewinn der ersten internationalen Einzelmedaille im Grand Prix Special.
“Man sollte darüber nachdenken ihren Namen in ‘Hammer’ zu ändern”, ließ sich selbst die sonst eher zurückhaltende Bundestrainerin Monica Theodorescu zu einem überschwänglichen Lob hinreißen.
Am Ende dieser WM blieb Hemmer , aber eben nicht nur für ihre ‘hammer Leistungen’ in den Köpfen, sondern auch durch eine ganz besondere Einstellung zu ihrem Pferd mit dem Spitznamen ‘Purzel.’
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Während ‘Purzel", also Denoix, im Jahr 2012 geboren wurde, fing seine heutige Reiterin fast zeitgleich ihre Ausbildung an einem der rennomiertesten Pferdebetriebe des Landes an. Hemmer bekam einen Platz bei Reitmeister Hubertus Schmidt .
Der 67-Jährige reihte während seiner aktiven Karriere Erfolg an Erfolg. Mannschafts-Olympiasieger bei Athen 2004 war er, außerdem teilt er nun einen Erfolg mit seiner ‘Schülerin’. Vor genau 20 Jahren gehörte er zur deutschen Weltmeister-Equipe von Aachen - jenen Titel, denn nun auch Hemmer gewann.
Es ist der vorläufige Höhepunkt einer gemeinsame Reise, der auch Denoix schon lange zugehörig ist. Schon in frühen Jahren kam die heute offiziell als Bereiterin am Fleyenhof angestellte Athletin mit dem heutigen Grand-Prix-Partner in Berührung, schon als Jungpferd stand er Schmidt-Stall.
Zunächst ritt der ‘Meister’ noch selber, nach dem Ende der aktiven Karriere übernahm die Schülerin den Oldenburger Wallach, etwa vier Jahre ist dies nun her. Wie stark das Band der hier erwähnten Menschen ist, beweisen folgende Zitate.
So zitiert Pferdesport Deutschland die 32-Jährige in einem Portrait: “Hubertus‘ Pferde nachzureiten, ist die pure Freude.” Nachdem der Betreiber des Fleyenhof im Frühjahr 2026 eine Verletzung nach einem Trainingssturz erlitt, hatte er vor allem die schnelle Rückkehr in den Betrieb im Sinne.
“Ich bin ganz zuversichtlich, dass ich schnell wieder in Gang komme. Ich habe so gute Reiterinnen, Schüler und Pferde zu Hause, allen voran Katharina Hemmer und Anna Schölermann – das treibt mich an, gesund zu werden”, verkündete der als Trainer-Genie anerkannte Schmidt, der in früheren Jahren auch die dänische Kronprinzessin und Olympia-Bronzemedaillengewinenrin Nathalie zu Sayn Wittgenstein zu Erfolgen coachte, nur wenigen Tage nach seinem Unfall.
Neben seiner beeindruckenden Vita, gilt besonders das Einfühlungsvermögen des Vize-Europameisters von 2005 als besonders bemerkenswert. “Seine Trainingsphilosophie basiert auf Geduld, Vertrauen und einer engen Zusammenarbeit zwischen Reiter und Pferd. Schmidt legt großen Wert darauf, dass die Pferde in einer stressfreien Umgebung trainiert werden und dass das Training auf die individuellen Bedürfnisse jedes Pferdes abgestimmt ist. Er ist bekannt für seine ruhige und einfühlsame Art…”, schreibt das Pferdesport-Portal ClipMyHorse.TV in einem Portrait.
Rüstzeug, das er offensichtlich an seine Auszubildenden weitergeben konnte.
Hubertus Schmidt bei der EM 2012
“Wir kennen uns in - und auswendig” sagt Hemmer über Denoix
Die Bundestrainerin oder auch der Lehrmeister selber, hatten Hemmer nach ihren Leistungen in Aachen völlig zurecht gelobt.
“Es ist beeindruckend, wie sie sich auf den Punkt beim Championat mit ihrem Pferd steigert und Denoix so zum Strahlen bringt”, hatte Theodorescu nach dem Team-Entscheid verkündet. Schmidt schlug in dieselbe Kerbe gegangen. “Eine exzellente Reiterin mit einem wahnsinnigen Nervenköstum”, bilanzierte er im Pferdesport-Deutschland-Podcast über seinen Schützling.
Und die Hochgelobte? Die richtete ihr Augenmerk lieber auf die Leistung ihres Partners, der sie im Aachener Viereck in die Schlagzeilen brachte.
“Ich habe gemerkt, dass er alles richtig machen will. Ich weiß, dass er die Qualität dafür hat. Nur darf ich als Reiter nichts falsch machen in der Prüfung und das ist mir, glaube ich, heute ganz gut gelungen und dann hat es gereicht”, nach Bronze im Grand Prix Special in der Mixed Zone.
Gegenseitiges Vertrauen, das seinen Ursprung längst nicht nur im Sattel hat. “Wir kennen uns in- und auswendig und ich verbringe sehr, sehr viel Zeit mit ihm. Das Reiten macht tatsächlich nur einen kleinen Teil aus.”
Auch von außen betrachtet, scheint diese Beziehung über den inzwischen immensen sportlichen Wert, hinaus zu gehen.
Hemmer und Denoix schienen in perfekter Form, um auch bei der Grand Prix Kür, für die sich mit der Platzierung im Special qualifiziert hatte, um die Medaillen zu kämpfen.
Doch die Reiterin entschied sich gegen die Chance auf ihre dritte WM-Medaille und verzichtete auf den weiteren Start, obwohl dieser laut den FEI-Regularien eigentlich als verpflichtend gilt.
Denoix hatte sich im Frühjahr eine kleinere Verletzung zugezogen, weshalb die 32-Jährige die gemeinsame Kür als nicht ausreichend vorbereitet, betrachtete.
Eine Entscheidung, die ihr hinterher nicht zum ersten Mal bei dieser WM großes Lob einbrachte.
Bild von 2012 Getty Images
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