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title: "Student berichtet Auslandssemester an UFMG in Belo Horizonte; Gesamtnote aus mehreren Teilleistungen."
sdDatePublished: "2026-08-26T10:11:00Z"
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Student berichtet Auslandssemester an UFMG in Belo Horizonte; Gesamtnote aus mehreren Teilleistungen.

Universidade Federal de Minas Gerais | Uni Jena

Universidade Federal de Minas Gerais

Der Praça da Liberdade im Zentrum von Belo Horizonte

Meldung vom: 26. August 2026, 11:35 Uhr

Mein Auslandssemester in Brasilien an der Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG) war für mich sehr bereichernd. Ich habe von Februar bis Juli 2026 in Belo Horizonte gelebt und möchte hier einen kleinen Einblick in meinen Alltag und meine Erfahrungen geben. Außerdem gebe ich Tipps und Hinweise für alle, die sich für einen Aufenthalt an der UFMG interessieren. Vorweg: Es lohnt sich sehr!

Nach meiner erfolgreichen Bewerbung für den Austauschplatz und der Einreichung aller erforderlichen Unterlagen an der UFMG dauerte es sehr lange, bis ich wenige Wochen vor meinem Reiseantritt die finale Zusage in den Händen hielt. Dies war, insbesondere in Anbetracht der noch ausstehenden Aufgaben wie Visa-Bewerbung und Wohnungssuche, durchaus stressig. Jedoch hat dann alles noch geklappt: Für das Visa muss man zwar sehr viele Dokumente beim brasilianischen Konsulat einreichen, jedoch habe ich es rechtzeitig erhalten. Auch ein WG-Zimmer konnte ich mit Unterstützung der brasilianischen Uni, die eine Kontaktliste zur Verfügung stellte, finden. Sehr wichtig war auch die brasilianische Steuernummer (CPF), die man ebenfalls in Deutschland beim zuständigen brasilianischen Konsulat beantragen muss (für Menschen, die ihren Erstwohnsitz in Jena haben, ist das Konsulat in Frankfurt zuständig). Ein Sprachnachweis für Portugiesisch ist an der UFMG nicht erforderlich und kann man auch einige Kurse auf Englisch belegen, dennoch würde ich Grundkenntnisse in brasilianischem Portugiesisch empfehlen, um die bürokratischen Abläufe verstehen zu können. Vor Ort wird, selbst auf der organisatorischen Ebene der Uni, kaum Englisch gesprochen. Die Wahl der Kurse kann erst vor Ort an der Uni erfolgen und lief etwas unübersichtlich, weil die Zuständigkeiten sehr dezentral sind. Jedoch konnte ich am Ende alle meine gewünschten Kurse belegen. In Brasilien angekommen muss man sich dann binnen 90 Tagen noch bei der Bundespolizei (Policia Federal) anmelden, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Dabei sollte man sich rechtzeitig online um einen Termin kümmern, weil diese sehr schwer zu bekommen sind.

Blick über die Stadt Belo Horizonte

Nach meiner Ankunft in Belo Horizonte fanden drei Einführungstage statt, welche die Uni gestaltet hat. Hier konnten wir die Uni und die anderen Austauschstudierenden sowie unsere Pat*innen kennenlernen. Jede*r Austauschstudi hat drei brasilianische Pat*innen zugeteilt bekommen, was das Ankommen sehr erleichtert hat. In der darauffolgenden Woche begannen dann die Unikurse. Es gibt kurze (90min) und lange (150min) Kurse, ich hatte mich für vier englischsprachige und einen portugiesischsprachigen Kurs entschieden. Die englischsprachigen Kurse finden im Fach "International Studies" statt und blicken aus verschiedenen Perspektiven auf internationale Politik. Ich habe zwei Völkerrechtskurse, einen volkswirtschaftlichen Kurs und einen humangeografischen Kurs zu Migration belegt. Auf Portugiesisch habe ich einen Kurs zu Rechtsextremismus besucht, was sehr interessant war, da ich zu diesem Thema schon viel in Deutschland gelernt hatte und dies mit einer neuen Perspektive unterlegen konnte. Die Qualität der Lehre ist hoch, die UFMG gilt als beste staatliche Universität Brasiliens, weshalb die Plätze sehr umkämpft sind. Grundlegende Kenntnisse in brasilianischem Portugiesisch sollte man mitbringen, Englisch können hier die wenigsten. Ich betone dabei "brasilianisches" Portugiesisch, weil ich den Fehler gemacht habe, mit meinem europäischen Portugiesisch (aus Portugal) anzukommen. Zwar war mir klar, dass dieses sich unterscheidet, wie deutlich der Unterschied vor allem in der Aussprache ist, war mir jedoch nicht bewusst. Dennoch hilft natürlich auch das europäische Portugiesisch etwas weiter. Ein zentraler Unterschied zum deutschen Unisystem ist, dass alle bewerteten Leistungen während des Semesters erbracht werden. Am letzten Vorlesungstag waren damit auch alle Leistungen erbracht, eine extra Prüfungszeit gibt es nicht. Das hatte für mich den Vorteil, dass ich nach dem Unifinale Zeit zum Reisen hatte, jedoch brachte es auch den Nachteil mit sich, dass die Uni während des Semesters anspruchsvoller ist, weil neben den Vorlesungen auch noch die Prüfungsleistungen erbracht werden müssen. Da muss man als Austauschstudi immer eine gute Balance zwischen Uni und Freizeit finden. Zudem gibt es nicht eine finale Prüfungsleistung, sondern die Gesamtnote ergibt sich aus mehreren kleineren Leistungen. Eine einzelne Prüfungsleistung darf dabei maximal 40% der Gesamtnote ausmachen. Natürlich werden in Brasilien keine ECTS vergeben, sondern jede Uni hat ein eigenes Umrechnungssystem, was die Anerkennung von Leistungen in Deutschland etwas kompliziert macht.

Blick von der Wirtschaftsfakultät auf dem UFMG-Campus bis zum Mineirão-Stadion

Alltag um und neben der Uni

Die Uni hat mit den Einführungstagen und dem Pat*innenprogramm dafür gesorgt, dass ich sehr schnell gut ankommen konnte. Anders als ich es von deutschen Unis kenne, wo das Leben von einheimischen und internationalen Studierenden oft etwas voneinander getrennt stattfindet, haben an der UFMG viele brasilianische Studierende Lust auf Austausch mit den Internationalen. Ein Unterschied zu den meisten Erasmus-Aufenthaltszielen in Europa ist zudem, dass es hier kaum Deutsche gibt. Dies hat für mich dazu geführt, dass man viel mit Brasilianer*innen und internationalen Studierenden von allen Kontinenten unternimmt, was eine sehr erweiternde und coole Erfahrung war. Gewohnt habe ich in einer 5er-WG mit einer Britin, einem Kolumbier, einer Person aus Guinea-Bissau und einer Person aus Angola. Im WG-Alltag haben unterschiedliche Sprachkenntnisse zu interessanten Situationen geführt, zum Beispiel haben wir mal einen Film mit spanischem Ton und englischen Untertiteln geschaut, während wir uns noch in einer Art Portugiesisch unterhalten haben. Zur Uni konnte ich in 20 Minuten laufen, was in Anbetracht der Größe von Belo Horizonte (2,5 Millionen Einwohner*innen) super angenehm war. Das Viertel, in dem ich gewohnt habe (Santa Rosa), ist sehr sicher, was dazu geführt hat, dass ich mich nach anfänglichem Abtasten fast genauso bewegen konnte, wie ich es auch in Deutschland tun würde. Das gilt aber nicht für die ganze Stadt, in einigen Teilen sollte man sich gar nicht oder nicht alleine bewegen, in der Innenstadt sollte man bei Dunkelheit ein Uber nehmen. Uber hat in Brasilien sehr typisch und viele Menschen nutzen es häufig im Alltag. Aber auch das Bussystem ist relativ gut, auch wenn man sich an häufige Verspätungen gewöhnen muss, dafür fährt man sonntags immer kostenlos. Ein eigenes Busnetz hat auch der Unicampus, was an seiner enormen Größe liegt, was zu weiten Wegen zwischen zwei Vorlesungen führen kann. Besonders positiv in Erinnerung bleiben werden mir die Mensen, die man hier "Bandejão" (= kleines Tablett) nennt. Jedes Essen kostet umgerechnet 95 Cent, es gibt gute vegane und vegetarische Optionen und das Essen ist gesünder als in jeder deutschen Mensa, in der ich bisher war. Generell sind die Preise in Brasilien günstiger als in Deutschland, der Wechselkurs schwankt aber (was ich am Anfang unterschätzt habe). Mit 3.500 Reais (circa 600 Euro) im Monat inkl. Miete kommt man aber gut hin. Brasilien hat mit PIX ein sehr fortschrittliches digitales Zahlungssystem, was fast alle Personen nutzen und wozu man sich als Austauschstudi unbedingt einen Zugang organisieren sollte (das funktioniert zum Beispiel auch mit internationalen Zahlungsdiensten wie Wise). Am Campus wichtig waren zudem die Uniparties am Donnerstag, von denen man immer nur aus gut informierten Kreisen erfährt und die durchaus etwas wilder sind als Uniparties in Deutschland. Für ausgelassene Partystimmung sorgte auch die Fußball-WM der Männer, die zu der Zeit stattfand, als ich da war. Jeder Spieltag der brasilianischen Nationalmannschaft gleicht hier einem Feiertag, Geschäfte haben auf einmal zu (auch Supermärkte) und die ganze Stadt ist in Gelb getaucht.

Über Belo Horizonte und das Reisen

In Brasilien nennt man Belo Horizonte nur „Beagá“, so werden die Buchstaben B und H ausgesprochen, mit denen man die Stadt abkürzt. Beagá ist die Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais, einem Flächenstaat mit viel Landwirtschaft. Über Minas Gerais erzählt man sich in Brasilien, dass die Menschen besonders freundlich sind und das Essen besonders gut ist. Beides kann ich bestätigen. Außerdem gilt das gesprochene Brasilianisch in Minas als besonders schwer zu verstehen, weil meist die Hälfte des Wortes oder Satzes weggekürzt wird. Ich konnte mich im Alltag mit meinem Portugiesisch gut bewegen, dennoch war ich mit der Entwicklung meiner Portugiesischkenntnisse etwas unzufrieden, weil man sich im Unialltag gut ins Englische zurückziehen kann. Die Brasilianier*innen haben mein mittelmäßiges Portugiesisch immer akzeptiert und versucht, mir verständlich zu antworten. Zurück zu Belo Horizonte: Es ist eine Großstadt, die aber durch viel Grün und ein großes Angebot für junge Menschen geprägt ist. Man erzählt sich hier, dass Belo Horizonte die Stadt in Brasilien mit der höchsten Bardichte ist, was ich mir durchaus vorstellen kann. Jedoch gibt es hier auch mehr städtische Armut und Wohnungslosigkeit, als man es in Deutschland gewohnt ist. Ich war im Spätsommer sowie im Herbst und Winter in Belo Horizonte, wobei ich „Winter“ in Ausführungszeichen setzen möchte. Mit dem Winter, wie wir ihn kennen, hat das hier gar nichts zu tun. Ich sitze hier gerade im Garten mit T-Shirt bei 25 Grad und Sonnenschein und schreibe diesen Bericht. Nachts kann es aber auch wirklich mal unter 10 Grad werden, was in Anbetracht dessen, dass es in den meisten Gebäuden keine Heizungen gibt, durchaus kühl ist. Im Süden Brasiliens ist es nochmal deutlich kühler. Für Belo Horizonte habe ich einige Empfehlungen für coole Orte: Jeden Sonntag findet die Feira Hippie in der Innenstadt statt, das ist einer der größten Flohmärkte Lateinamerikas. Am Praca da Liberdade gibt es viele Museen, die meisten davon sind gratis. Am Mirante do Mangabeiras hat man einen super Blick auf die Stadt und die Sonnenuntergänge sind hier besonders schön. Dahinter liegt der Parque das Mangabeiras, ein riesiges öffentliches Parkareal. Das Stadtviertel Santa Tereza ist für seine alternativen Orte (z.B. vegane Cafés) bekannt, in der Innenstadt gilt das auch für das Edificio Maleta. Der Mercado Novo ist ein altes Fabrikgelände, in der heute viele Bars gelegen sind. Und auch einen Besuch zu einem Fußballspiel im Mineirão-Stadion (dem Ort, wo es 2014 das 7:1 für Deutschland gab), kann ich empfehlen. Daneben liegt mit der Logoa da Pampulha ein schöner See, den man gut mit einem geliehenen Fahrrad umrunden kann.

Das Internationale Büro der Uni organisiert auch Tagesausflüge aus der Stadt raus, was extrem cool ist. So ging es für mich zum Beispiel nach Ouro Preto (eine der ältesten Städte Brasiliens) und ins Museu Inhotim (dem größten Freilichtmuseums Lateinamerikas). Wenn man in Brasilien reisen möchte, ist man oft auf das Flugzeug angewiesen, weil die Distanzen enorm groß sind. Es gibt jedoch von Belo Horizonte eine Zugverbindung nach Vítoria am Atlantik, das ist eine von nur zwei Personenzugverbindungen in ganz Brasilien und nach etwas mehr als 13 Stunden Fahrt bin ich am Meer angekommen. Zudem gibt es in Brasilien auch Schlafbusse, das ist ein ziemlich cooles Konzept für lange Distanzen. Ich habe mit einem Freund gemeinsam noch Buenos Aires erkundet, von dort sind wir mit einer Fähre nach Uruguay gefahren, bevor es nach Florianópolis an der brasilianischen Atlantikküste ging (ein Ort, den ich aufgrund seiner Berge und dem Meer sehr empfehle). Nach einem Aufenthalt in Rio de Janeiro ging es dann mit dem Schlafbus zurück nach Belo Horizonte.

Für mich war mein Ausla