CESI fordert Reformen gegen Lehrkräftemangel, Überlastung und Nachwuchsprobleme in der EU; EU-Agenda als konkretes Instrument
Lehrberuf stärken, Bildungsqualität sichern
- August 2026 dbb europathemen
Vor der geplanten EU-Lehrkräfteagenda fordert die CESI wirksame Reformen gegen Personalmangel, Überlastung und Nachwuchsprobleme im Bildungswesen.
Europas Bildungssysteme stehen unter wachsendem Druck: Lehrkräftemangel, hohe Arbeitsbelastung und eine alternde Beschäftigtenstruktur treffen auf steigende Anforderungen durch Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Kompetenzbedarfe. Die Europäische Union Unabhängiger Gewerkschaften (CESI) fordert deshalb, die für Ende 2026 angekündigte EU-Agenda für Lehrkräfte und Ausbildende zu einem konkreten politischen Instrument für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Attraktivität des Berufs zu machen.
Die Europäische Kommission bereitet die Agenda als Teil ihrer „Union of Skills“ und eines größeren Bildungspakets vor. Sie soll die Mitgliedstaaten dabei unterstützen, Personalengpässe zu bekämpfen, berufliche Perspektiven zu verbessern und Lehrkräfte besser auf neue Anforderungen vorzubereiten. Der Handlungsdruck ist erheblich: Nach einer im Juni veröffentlichten Auswertung der Kommission auf Basis der OECD-Erhebung TALIS 2024 sind rund 40 Prozent der Lehrkräfte in den erfassten EU-Staaten 50 Jahre oder älter, während nur acht Prozent jünger als 30 sind. Zugleich belasten Verwaltungsaufwand, mitunter schwieriges Schülerverhalten und mangelnde Vorbereitung auf digitale und soziale Herausforderungen die Attraktivität des Berufs.
In ihrer Stellungnahme zu einer laufenden Sozialpartnerkonsultation der Europäischen Kommission begrüßt die CESI die Initiative, verlangt aber einen breiten Ansatz. Gute Bildung könne nur mit guten Beschäftigungsbedingungen gelingen. Notwendig seien wettbewerbsfähige Bezahlung, verlässliche Karrierewege, weniger Bürokratie, gesundheitsgerechte Arbeitsplätze und ausreichend Personal. Hinzu kommen müssten gezielte Maßnahmen gegen Gewalt, Belästigung und psychosoziale Belastungen. Besonderen Handlungsbedarf sieht die CESI in der frühkindlichen Bildung, der beruflichen Bildung, in MINT- und Förderschulfächern sowie in benachteiligten, ländlichen und abgelegenen Regionen.
CESI-Generalsekretär Klaus Heeger bringt den Zusammenhang mit Europas wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Zielen auf den Punkt: „Europas Ambitionen für Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und sozialen Zusammenhalt beginnen im Klassenzimmer.“ Wer kommende Generationen mit den nötigen Kompetenzen ausstatten wolle, müsse zuerst dafür sorgen, dass der Lehrberuf attraktiv, anerkannt und gut unterstützt sei. Klaus Heeger betont: „Lehrkräfte sind das Rückgrat demokratischer Gesellschaften. Europa muss in sie investieren – nicht nur mit Worten, sondern mit Politik, Unterstützung und Anerkennung.“
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Einsatz von KI. Die CESI will Digitalisierung ausdrücklich nutzen, etwa um Verwaltungsaufwand zu reduzieren und Lernangebote zu verbessern. Pädagogische Entscheidungen müssten aber bei den Lehrkräften bleiben. Algorithmische Überwachung oder ein technikgetriebener Ersatz professioneller Verantwortung lehnt sie ab. Fort- und Weiterbildung zu digitalen und KI-bezogenen Kompetenzen müsse deshalb hochwertig, öffentlich finanziert und innerhalb der Arbeitszeit zugänglich sein.
Entscheidend wird nun, was die Europäische Kommission aus den Konsultationen macht. Die Vorlage des Pakets mit der Lehrkräfte-Agenda ist für November angekündigt. Für die CESI muss der soziale Dialog dabei über die Vorbereitung hinausreichen: Gewerkschaften und Lehrkräftevertretungen sollen auch bei nationaler Umsetzung, Monitoring und Weiterentwicklung systematisch beteiligt werden. Gerade für Beschäftigte im öffentlichen Bildungswesen wäre das ein wichtiges Signal, dass europäische Bildungsziele nicht nur an Lernergebnissen, sondern auch an den Bedingungen gemessen werden, unter denen Bildung täglich geleistet wird.
Der vollständige Konsultationsbeitrag ist auf der Website der CESI einsehbar.