Forschungsnetzwerk Industrie und Gewerbe Stellungnahme zur Weiterentwicklung des 8. Energieforschungsprogramms in Deutschland; Eigenständige Mission ‘Effizienz’ gefordert
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- August 2026
Stellungnahme des Forschungsnetzwerks Industrie und Gewerbe zur Weiterentwicklung des Energieforschungsprogramms
Seit 1977 geben die Energieforschungsprogramme der Bundesregierung der deutschen Energieforschung einen verlässlichen Rahmen. Die Beständigkeit und Kontinuität der Ener- gieforschung in Deutschland ist ihre größte Stärke und stellt einen zentralen Standortvorteil dar. In Verbindung mit einem effizienten Fördermitteleinsatz sowie der Bereitschaft, die Förderung technologischer Sackgassen zu beenden, bildet das Energieforschungspro- gramm die Grundlage für ein leistungsfähiges und stabil gewachsenes Forschungsökosys- tem in Deutschland. Das Forschungsnetzwerk Industrie und Gewerbe nimmt gerne am Konsultationsprozess zur Weiterentwicklung des 8. Energieforschungsprogramm teil. Die zentralen inhaltlichen For- schungsbedarfe und Handlungsfelder des Netzwerks sind in der Strategie des Forschungs- netzwerks Industrie und Gewerbe1 sowie im zugehörigen Begleitdokument2 ausführlich dar- gelegt. Die vorliegende Stellungnahme geht darüber hinaus und ergänzt übergeordnete An- merkungen zur Missionsstruktur, zu den Förderformaten des 8. Energieforschungspro- gramms, zur Begleitung durch den Projektträger Jülich sowie zur finanziellen Ausstattung des Programms. Missionsstruktur stärken, Zielarchitektur vereinfachen Die missionsorientierte Struktur des 8. Energieforschungsprogramms bewerten wir grund- sätzlich positiv. Sie stellt gegenüber der bisherigen Programmstruktur eine deutliche Ver- besserung dar, da sie eine stärkere Ausrichtung der Energieforschung an den systemischen Transformationsaufgaben der Energiewende ermöglicht. Die Bündelung zentraler Heraus- forderungen in übergreifende Missionen kann dazu beitragen, Forschungsaktivitäten stra- tegischer zu fokussieren, inter- und transdisziplinäre Ansätze zu stärken und die Beiträge
1 https://ee4ing2.de/wp-content/uploads/2025/11/Strategie-FN-IuG-2025.pdf 2 https://ee4ing2.de/wp-content/uploads/2025/12/Strategie-Begleitdokument-FN-IuG-2025.pdf
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der Energieforschung zur Erreichung energie- und klimapolitischer Ziele sichtbarer zu ma- chen. Kritisch sehen wir die sehr vielschichtige Ziel- und Programmarchitektur. Das Nebeneinan- der von Missionen, Programmzielen, spezifischen Zielen und Sprinterzielen ist in seiner Lo- gik teilweise schwer nachvollziehbar, insbesondere hinsichtlich der Rollenverteilung, der Hierarchie und Verbindlichkeit der einzelnen Ebenen. An einigen Stellen führt die Zuord- nung von ähnlich gelagerten Zielen zu unterschiedlichen Missionen dazu, dass Synergien zwischen Projekten nicht ausgeschöpft werden können. Dadurch besteht die Gefahr, dass die grundsätzlich sinnvolle Missionsstruktur an Übersichtlichkeit und strategischer Steue- rungswirkung verliert. Für die Weiterentwicklung des Programms sollte daher die Missionsstruktur als zentrale ordnende Ebene weiter gestärkt werden. Untergeordnete Ziele sollten klarer zugeordnet, in ihrer Funktion eindeutiger erläutert und, wo möglich, reduziert werden. Eine schlankere und verständlichere Zielsystematik würde die Orientierung für Wissenschaft, Projektträger und Antragstellende verbessern und zugleich die Wirksamkeit des Programms als strategisches Instrument für die Energiewende erhöhen. Effizienz als eigenständige Mission verankern Die zentrale Bedeutung von Effizienz für die Transformation von Wirtschaft und Energiesys- tem wird im aktuellen Missionszuschnitt aus unserer Sicht nicht ausreichend sichtbar. Zwar werden Effizienzthemen in den Missionen Energiesystem, Strom, Wärme und Wasserstoff3 adressiert, sie sind jedoch auf verschiedene Programmziele verteilt. Eine eigenständige Mission „Effizienz“ würde die strategische Bedeutung dieses Themenfeldes sichtbar ma- chen, bestehende Aktivitäten bündeln und dem sektorübergreifenden Charakter der Effi- zienzforschung besser gerecht werden. Effizienz ist ein Querschnittsthema, das sich häufig nicht sinnvoll einzelnen Sektoren zu- ordnen lässt. Viele Forschungsfelder wirken branchenübergreifend und/oder sektorüber- greifend und entfalten ihre Wirkung in unterschiedlichen Anwendungen. Ein Beispiel ist die Tribologie, die durch die Verringerung von Reibungs- und Verschleißverlusten sowie durch Oberflächenoptimierung erhebliche Einsparpotenziale bei Energie- und Materialeinsatz er- schließt. In der chemischen Industrie sind Stoff- und Energieströme eng verzahnt. Eine De- fossilisierung dieses Sektors muss sowohl Energie- wie auch Ressourceneffizienz berück- sichtigen.
3 Mission Energiesystem: 2.1, 2.2, 2.3, 3.1, 3.2, 3.3, 4.1, 4.2 und 5.1 Mission Wasserstoff: 1.1, (1.2), 1.4, 2.3, 3.1, 4.1 Mission Strom: 1.1, 3.1, 4.2 Mission Wärme: 1.3, 2.1, 2.4, 2.5, 3.4, 4.2
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Energie- und Ressourceneffizienz würde in der Mission Effizienz zusammengefasst werden. Der Baustein Energieeffizienz zielt darauf ab, den Energiebedarf zu senken und damit Ab- hängigkeiten von Energieimporten zu reduzieren. Elektrifizierung kann hierbei ein wichtiger Hebel sein, sollte jedoch nicht als Selbstzweck verstanden werden. Der Baustein Ressourceneffizienz umfasst die Schonung, Wiederverwendung und Kreis- laufführung von Materialien. Dazu gehören insbesondere das Schließen von Stoffkreisläu- fen zum Beispiel durch chemisches Recycling, aber auch der Einsatz von Biomasse und der Übergang zu einer zirkulären Wirtschaft. Ressourceneffizienz reduziert die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen, stärkt die Technologiesouveränität und erhöht die Resilienz von Wertschöpfungs- und Versorgungsketten. Flexible Förderformate für den Weg in die Anwendung Bei der Ausgestaltung der Förderformate sollte die Offenheit des Energieforschungspro- gramms erhalten und gestärkt werden. Thematisch eng definierte Förderaufrufe führen zwar häufig zu einem hohen Skizzenaufkommen, erzeugen jedoch zugleich erheblichen Ein- reichungsdruck zu festen Stichtagen. Dies kann die zeitnahe Bewertung der Anträge er- schweren und personelle Kapazitäten bei den Projektträgern binden, die dann für die fach- liche Begleitung laufender Vorhaben fehlen. Aus unserer Sicht haben sich daher rollierende Einreichungsverfahren und thematisch offene Fördermöglichkeiten bewährt, da sie flexib- ler auf aktuelle Entwicklungen und Innovationsbedarfe reagieren können. Starre Vorgaben, etwa hinsichtlich Budgets oder Fördergrenzen, sollten möglichst vermieden werden. Wir bewerten die bestehenden Förderformate, insbesondere Verbundvorhaben, Reallabore und Mikroprojekte, grundsätzlich positiv. Gerade Mikroprojekte werden aufgrund der ver- einfachten Antragstellung und des geringeren Aufwands von Unternehmen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gut angenommen. Gleichzeitig besteht Bedarf für ein zusätzliches För- derformat mittlerer Größe, das die Lücke zwischen Mikroprojekten und Verbundvorhaben schließt. Die bisherigen Energieforschungsprogramme haben viele Ergebnisse in einzelnen Prozes- sen oder Wertschöpfungsstufen erbracht. Deren Potenzial kann allerdings nur durch ihre Zusammenführung und Umsetzung im Rahmen industrieller Transformationsprozesse voll erschlossen werden. Deshalb müssen Maßnahmen entwickelt werden, die aufbauend auf bisherigen Forschungsergebnissen die Integration verschiedener Technologien und ihr Zu- sammenwirken fördern. Dazu gehört auch die Nutzung von Daten und Modellen aus abge- schlossenen Projekten im Rahmen größerer Datenökosysteme wie Manufacturing X. Die Förderinstrumente sollen den Transfer von Forschungsergebnissen über Demonstra- tion und Produktentwicklung bis in den Markt unterstützen. Gezielte Anreize und Instru- mente der Risikoübernahme für Erstanwender und First Mover können helfen, die Marktein- führung neuer Technologien zu beschleunigen.
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Frühzeitige Beratung durch den PtJ ermöglichen Der PtJ ist eine zentrale Stütze im Antrags- und Projektprozess. Die zuständigen wissen- schaftlichen Ansprechpersonen verfügen über eine hohe fachliche Qualifikation und leis- ten wertvolle Unterstützung bei der Antragstellung, der Projektstrukturierung und der Be- gleitung laufender Vorhaben. Diese Rolle trägt wesentlich zur Qualität, Passfähigkeit und Umsetzbarkeit von Fördervorhaben bei. Darüber hinaus kann der PtJ durch seine übergrei- fende Kenntnis der Projektlandschaft wichtige Synergien zwischen Vorhaben sichtbar ma- chen, Parallelaktivitäten vermeiden helfen und den Austausch zwischen Projekten frühzei- tig unterstützen. Vor diesem Hintergrund sollte die beratende Rolle des PtJ gestärkt und nicht weiter einge- schränkt werden. Besonders wertvoll war in der Vergangenheit die Möglichkeit, Projek- tideen und Skizzen bereits in einer frühen Anbahnungsphase fachlich zu diskutieren und in der Gesamtschau des jeweiligen Forschungsfeldes einzuordnen. Eine solche frühzeitige Orientierung kann dazu beitragen, Konsortien passgenauer zusammenzustellen, Projektan- sätze besser aufeinander abzustimmen und Förderanträge gezielter an den Programmzie- len auszurichten. Die derzeit restriktive Praxis, Beratung im Antragsprozess nur noch sehr begrenzt zu ermöglichen und Rückmeldungen im Wesentlichen auf bereits eingereichte Un- terlagen zu beschränken, birgt demgegenüber erhebliche Nachteile. Absehbar sind unnö- tige Iterationen, Missverständnisse auf Seiten der Antragstellenden sowie vermeidbare Fehlanträge infolge unzureichender Qualität, fehlender Passfähigkeit oder nicht optimaler Konsortialstrukturen. Dies kann die Effektivität der Arbeit in den Forschungsfeldern min- dern und im internationalen Forschungswettbewerb kontraproduktiv wirken. Erforderlich sind transparente und standardisierte Beratungsformate, eine nachvollzieh- bare Dokumentation sowie eine klare Trennung zwischen fachlicher Orientierung und För- derentscheidung. Innerhalb eines solchen Rahmens sollte jedoch wieder eine strukturierte Vorantrags- oder Skizzenberatung ermöglicht werden. Zudem sollte der PtJ personell und organisatorisch so gestärkt werden, dass eine übergreifende Betrachtung von Projektport- folios in den Forschungsfeldern möglich bleibt. Dies würde die Qualität der Anträge erhö- hen, Synergien zwischen Vorhaben besser nutzbar machen und die strategische Wirkung der Energieforschungsförderung insgesamt stärken. Eine Budgetkürzung wird die Zielerreichung des Energieforschungsprogramms er- schweren Das 8. Energieforschungsprogramm verfolgt das Ziel, Deutschland durch die Vollendung der Energiewende bis 2045 klimaneutral zu machen. Der angewandten Energieforschung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Sie muss klimaneutrale Lösungen für alle Anwen- dungsfälle entwickeln und über die vielen Querschnitts- und Branchentechnologien hinweg verfügbar machen, damit die Transformation sicher und reibungsarm gelingt. Diese Vorlauf- funktion bedeutet, dass Kürzungen im Forschungsetat nicht erst mittelfristig, sondern un- mittelbar auf die Erreichbarkeit der gesetzten Ziele durchschlagen.
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Eine starke Kürzung des Forschungsbudgets würde die Zielerreichung daher erheblich er- schweren. Klimaneutralität erfordert unseren entschlossenen Einsatz. Eine verlässliche und auskömmliche Forschungsförderung ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dieses Ziel überhaupt fristgerecht und volkswirtschaftlich effizient erreichen zu können. Fazit und Kernempfehlungen Das Forschungsnetzwerk Industrie und Gewerbe bewertet das 8. Energieforschungspro- gramm als verlässliches und zielorientiertes Instrument der Energiewende. Um seine Wirk- samkeit zu erhöhen, empfehlen wir: ▪ Missionsstruktur stärken, Zielarchitektur vereinfachen: Die Missionen als zent- rale ordnende Ebene festigen, untergeordnete Ziele klarer zuordnen und die Vielzahl der Zielebenen reduzieren, um Übersichtlichkeit und strategische Steuerungswir- kung zu sichern. ▪ Effizienz als eigenständige Mission verankern: Energie- und Ressourceneffizienz als Querschnittsthema in einer