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title: "Forschungsnetzwerk Industrie und Gewerbe Stellungnahme zur Weiterentwicklung des 8. Energieforschungsprogramms in Deutschland; Eigenständige Mission 'Effizienz' gefordert"
sdDatePublished: "2026-08-27T18:04:00Z"
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Forschungsnetzwerk Industrie und Gewerbe Stellungnahme zur Weiterentwicklung des 8. Energieforschungsprogramms in Deutschland; Eigenständige Mission 'Effizienz' gefordert

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20. August 2026

Stellungnahme des Forschungsnetzwerks
Industrie und Gewerbe zur
Weiterentwicklung des Energieforschungsprogramms

Seit 1977 geben die Energieforschungsprogramme der Bundesregierung der deutschen
Energieforschung einen verlässlichen Rahmen. Die Beständigkeit und Kontinuität der Ener-
gieforschung in Deutschland ist ihre größte Stärke und stellt einen zentralen Standortvorteil
dar. In Verbindung mit einem effizienten Fördermitteleinsatz sowie der Bereitschaft, die
Förderung technologischer Sackgassen zu beenden, bildet das Energieforschungspro-
gramm die Grundlage für ein leistungsfähiges und stabil gewachsenes Forschungsökosys-
tem in Deutschland.
Das Forschungsnetzwerk Industrie und Gewerbe nimmt gerne am Konsultationsprozess zur
Weiterentwicklung des 8. Energieforschungsprogramm teil. Die zentralen inhaltlichen For-
schungsbedarfe und Handlungsfelder des Netzwerks sind in der Strategie des Forschungs-
netzwerks Industrie und Gewerbe1 sowie im zugehörigen Begleitdokument2 ausführlich dar-
gelegt. Die vorliegende Stellungnahme geht darüber hinaus und ergänzt übergeordnete An-
merkungen zur Missionsstruktur, zu den Förderformaten des 8. Energieforschungspro-
gramms, zur Begleitung durch den Projektträger Jülich sowie zur finanziellen Ausstattung
des Programms.
Missionsstruktur stärken, Zielarchitektur vereinfachen
Die missionsorientierte Struktur des 8. Energieforschungsprogramms bewerten wir grund-
sätzlich positiv. Sie stellt gegenüber der bisherigen Programmstruktur eine deutliche Ver-
besserung dar, da sie eine stärkere Ausrichtung der Energieforschung an den systemischen
Transformationsaufgaben der Energiewende ermöglicht. Die Bündelung zentraler Heraus-
forderungen in übergreifende Missionen kann dazu beitragen, Forschungsaktivitäten stra-
tegischer zu fokussieren, inter- und transdisziplinäre Ansätze zu stärken und die Beiträge

1 https://ee4ing2.de/wp-content/uploads/2025/11/Strategie-FN-IuG-2025.pdf
2 https://ee4ing2.de/wp-content/uploads/2025/12/Strategie-Begleitdokument-FN-IuG-2025.pdf

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der Energieforschung zur Erreichung energie- und klimapolitischer Ziele sichtbarer zu ma-
chen.
Kritisch sehen wir die sehr vielschichtige Ziel- und Programmarchitektur. Das Nebeneinan-
der von Missionen, Programmzielen, spezifischen Zielen und Sprinterzielen ist in seiner Lo-
gik teilweise schwer nachvollziehbar, insbesondere hinsichtlich der Rollenverteilung, der
Hierarchie und Verbindlichkeit der einzelnen Ebenen. An einigen Stellen führt die Zuord-
nung von ähnlich gelagerten Zielen zu unterschiedlichen Missionen dazu, dass Synergien
zwischen Projekten nicht ausgeschöpft werden können. Dadurch besteht die Gefahr, dass
die grundsätzlich sinnvolle Missionsstruktur an Übersichtlichkeit und strategischer Steue-
rungswirkung verliert.
Für die Weiterentwicklung des Programms sollte daher die Missionsstruktur als zentrale
ordnende Ebene weiter gestärkt werden. Untergeordnete Ziele sollten klarer zugeordnet, in
ihrer Funktion eindeutiger erläutert und, wo möglich, reduziert werden. Eine schlankere und
verständlichere Zielsystematik würde die Orientierung für Wissenschaft, Projektträger und
Antragstellende verbessern und zugleich die Wirksamkeit des Programms als strategisches
Instrument für die Energiewende erhöhen.
Effizienz als eigenständige Mission verankern
Die zentrale Bedeutung von Effizienz für die Transformation von Wirtschaft und Energiesys-
tem wird im aktuellen Missionszuschnitt aus unserer Sicht nicht ausreichend sichtbar. Zwar
werden Effizienzthemen in den Missionen Energiesystem, Strom, Wärme und Wasserstoff3
adressiert, sie sind jedoch auf verschiedene Programmziele verteilt. Eine eigenständige
Mission „Effizienz“ würde die strategische Bedeutung dieses Themenfeldes sichtbar ma-
chen, bestehende Aktivitäten bündeln und dem sektorübergreifenden Charakter der Effi-
zienzforschung besser gerecht werden.
Effizienz ist ein Querschnittsthema, das sich häufig nicht sinnvoll einzelnen Sektoren zu-
ordnen lässt. Viele Forschungsfelder wirken branchenübergreifend und/oder sektorüber-
greifend und entfalten ihre Wirkung in unterschiedlichen Anwendungen. Ein Beispiel ist die
Tribologie, die durch die Verringerung von Reibungs- und Verschleißverlusten sowie durch
Oberflächenoptimierung erhebliche Einsparpotenziale bei Energie- und Materialeinsatz er-
schließt. In der chemischen Industrie sind Stoff- und Energieströme eng verzahnt. Eine De-
fossilisierung dieses Sektors muss sowohl Energie- wie auch Ressourceneffizienz berück-
sichtigen.

3 Mission Energiesystem: 2.1, 2.2, 2.3, 3.1, 3.2, 3.3, 4.1, 4.2 und 5.1
Mission Wasserstoff: 1.1, (1.2), 1.4, 2.3, 3.1, 4.1
Mission Strom: 1.1, 3.1, 4.2
Mission Wärme: 1.3, 2.1, 2.4, 2.5, 3.4, 4.2

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Energie- und Ressourceneffizienz würde in der Mission Effizienz zusammengefasst werden.
Der Baustein Energieeffizienz zielt darauf ab, den Energiebedarf zu senken und damit Ab-
hängigkeiten von Energieimporten zu reduzieren. Elektrifizierung kann hierbei ein wichtiger
Hebel sein, sollte jedoch nicht als Selbstzweck verstanden werden.
Der Baustein Ressourceneffizienz umfasst die Schonung, Wiederverwendung und Kreis-
laufführung von Materialien. Dazu gehören insbesondere das Schließen von Stoffkreisläu-
fen zum Beispiel durch chemisches Recycling, aber auch der Einsatz von Biomasse und der
Übergang zu einer zirkulären Wirtschaft. Ressourceneffizienz reduziert die Abhängigkeit von
kritischen Rohstoffen, stärkt die Technologiesouveränität und erhöht die Resilienz von
Wertschöpfungs- und Versorgungsketten.
Flexible Förderformate für den Weg in die Anwendung
Bei der Ausgestaltung der Förderformate sollte die Offenheit des Energieforschungspro-
gramms erhalten und gestärkt werden. Thematisch eng definierte Förderaufrufe führen
zwar häufig zu einem hohen Skizzenaufkommen, erzeugen jedoch zugleich erheblichen Ein-
reichungsdruck zu festen Stichtagen. Dies kann die zeitnahe Bewertung der Anträge er-
schweren und personelle Kapazitäten bei den Projektträgern binden, die dann für die fach-
liche Begleitung laufender Vorhaben fehlen. Aus unserer Sicht haben sich daher rollierende
Einreichungsverfahren und thematisch offene Fördermöglichkeiten bewährt, da sie flexib-
ler auf aktuelle Entwicklungen und Innovationsbedarfe reagieren können. Starre Vorgaben,
etwa hinsichtlich Budgets oder Fördergrenzen, sollten möglichst vermieden werden.
Wir bewerten die bestehenden Förderformate, insbesondere Verbundvorhaben, Reallabore
und Mikroprojekte, grundsätzlich positiv. Gerade Mikroprojekte werden aufgrund der ver-
einfachten Antragstellung und des geringeren Aufwands von Unternehmen in wirtschaftlich
unsicheren Zeiten gut angenommen. Gleichzeitig besteht Bedarf für ein zusätzliches För-
derformat mittlerer Größe, das die Lücke zwischen Mikroprojekten und Verbundvorhaben
schließt.
Die bisherigen Energieforschungsprogramme haben viele Ergebnisse in einzelnen Prozes-
sen oder Wertschöpfungsstufen erbracht. Deren Potenzial kann allerdings nur durch ihre
Zusammenführung und Umsetzung im Rahmen industrieller Transformationsprozesse voll
erschlossen werden. Deshalb müssen Maßnahmen entwickelt werden, die aufbauend auf
bisherigen Forschungsergebnissen die Integration verschiedener Technologien und ihr Zu-
sammenwirken fördern. Dazu gehört auch die Nutzung von Daten und Modellen aus abge-
schlossenen Projekten im Rahmen größerer Datenökosysteme wie Manufacturing X.
Die Förderinstrumente sollen den Transfer von Forschungsergebnissen über Demonstra-
tion und Produktentwicklung bis in den Markt unterstützen. Gezielte Anreize und Instru-
mente der Risikoübernahme für Erstanwender und First Mover können helfen, die Marktein-
führung neuer Technologien zu beschleunigen.

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Frühzeitige Beratung durch den PtJ ermöglichen
Der PtJ ist eine zentrale Stütze im Antrags- und Projektprozess. Die zuständigen wissen-
schaftlichen Ansprechpersonen verfügen über eine hohe fachliche Qualifikation und leis-
ten wertvolle Unterstützung bei der Antragstellung, der Projektstrukturierung und der Be-
gleitung laufender Vorhaben. Diese Rolle trägt wesentlich zur Qualität, Passfähigkeit und
Umsetzbarkeit von Fördervorhaben bei. Darüber hinaus kann der PtJ durch seine übergrei-
fende Kenntnis der Projektlandschaft wichtige Synergien zwischen Vorhaben sichtbar ma-
chen, Parallelaktivitäten vermeiden helfen und den Austausch zwischen Projekten frühzei-
tig unterstützen.
Vor diesem Hintergrund sollte die beratende Rolle des PtJ gestärkt und nicht weiter einge-
schränkt werden. Besonders wertvoll war in der Vergangenheit die Möglichkeit, Projek-
tideen und Skizzen bereits in einer frühen Anbahnungsphase fachlich zu diskutieren und in
der Gesamtschau des jeweiligen Forschungsfeldes einzuordnen. Eine solche frühzeitige
Orientierung kann dazu beitragen, Konsortien passgenauer zusammenzustellen, Projektan-
sätze besser aufeinander abzustimmen und Förderanträge gezielter an den Programmzie-
len auszurichten. Die derzeit restriktive Praxis, Beratung im Antragsprozess nur noch sehr
begrenzt zu ermöglichen und Rückmeldungen im Wesentlichen auf bereits eingereichte Un-
terlagen zu beschränken, birgt demgegenüber erhebliche Nachteile. Absehbar sind unnö-
tige Iterationen, Missverständnisse auf Seiten der Antragstellenden sowie vermeidbare
Fehlanträge infolge unzureichender Qualität, fehlender Passfähigkeit oder nicht optimaler
Konsortialstrukturen. Dies kann die Effektivität der Arbeit in den Forschungsfeldern min-
dern und im internationalen Forschungswettbewerb kontraproduktiv wirken.
Erforderlich sind transparente und standardisierte Beratungsformate, eine nachvollzieh-
bare Dokumentation sowie eine klare Trennung zwischen fachlicher Orientierung und För-
derentscheidung. Innerhalb eines solchen Rahmens sollte jedoch wieder eine strukturierte
Vorantrags- oder Skizzenberatung ermöglicht werden. Zudem sollte der PtJ personell und
organisatorisch so gestärkt werden, dass eine übergreifende Betrachtung von Projektport-
folios in den Forschungsfeldern möglich bleibt. Dies würde die Qualität der Anträge erhö-
hen, Synergien zwischen Vorhaben besser nutzbar machen und die strategische Wirkung
der Energieforschungsförderung insgesamt stärken.
Eine Budgetkürzung wird die Zielerreichung des Energieforschungsprogramms er-
schweren
Das 8. Energieforschungsprogramm verfolgt das Ziel, Deutschland durch die Vollendung
der Energiewende bis 2045 klimaneutral zu machen. Der angewandten Energieforschung
kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Sie muss klimaneutrale Lösungen für alle Anwen-
dungsfälle entwickeln und über die vielen Querschnitts- und Branchentechnologien hinweg
verfügbar machen, damit die Transformation sicher und reibungsarm gelingt. Diese Vorlauf-
funktion bedeutet, dass Kürzungen im Forschungsetat nicht erst mittelfristig, sondern un-
mittelbar auf die Erreichbarkeit der gesetzten Ziele durchschlagen.

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Eine starke Kürzung des Forschungsbudgets würde die Zielerreichung daher erheblich er-
schweren. Klimaneutralität erfordert unseren entschlossenen Einsatz. Eine verlässliche
und auskömmliche Forschungsförderung ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dieses Ziel
überhaupt fristgerecht und volkswirtschaftlich effizient erreichen zu können.
Fazit und Kernempfehlungen
Das Forschungsnetzwerk Industrie und Gewerbe bewertet das 8. Energieforschungspro-
gramm als verlässliches und zielorientiertes Instrument der Energiewende. Um seine Wirk-
samkeit zu erhöhen, empfehlen wir:
▪ Missionsstruktur stärken, Zielarchitektur vereinfachen: Die Missionen als zent-
rale ordnende Ebene festigen, untergeordnete Ziele klarer zuordnen und die Vielzahl
der Zielebenen reduzieren, um Übersichtlichkeit und strategische Steuerungswir-
kung zu sichern.
▪ Effizienz als eigenständige Mission verankern: Energie- und Ressourceneffizienz
als Querschnittsthema in einer