TransHyDE 2.0 Initiative e. V. veröffentlicht Stellungnahme zur Regulierung und Normung Defossilisierung in Deutschland; KSpTG schafft rechtliche Rahmen für CO2-Infrastruktur
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Die zentrale Bedeutung von Regulatorik und Normung für eine erfolgreiche Defossilisierung Deutschlands Statement-Papier an die Mitglieder des Carbon Management Forums Erarbeitet durch:
Impressum TransHyDE 2.0 Initiative e. V. Geschäftsstelle Grugaplatz 2-4 45131 Essen E-Mail: verein@transhyde-2-0.de Disclaimer Dieses Statement-Papier wurde von der Autorengruppe innerhalb der TransHyDE 2.0 Initiative e. V. erarbeitet. Während des Ausarbeitungsprozesses wurde überaus großer Wert auf wissenschaftliche Neutralität, Überparteilichkeit und Ganzheitlichkeit gelegt, dennoch soll das Papier lediglich als Diskussionsgrundlage dienen und erhebt darüber hinaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die darin vertretenen Positionen geben ausschließlich die Einschätzung der jeweiligen Autorinnen und Autoren wieder und spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung der gesamten Initiative oder aller beteiligten Mitglieder wider. Zielrichtung des Statement-Papiers: Der Aufbau einer umfassenden CO2-Infrastruktur in Deutschland erfordert die detaillierte Betrachtung regulatorischer und normungsbezogener Aspekte, um einen sicheren Umgang und Umweltverträglichkeit zu gewährleisten. Zugleich leisten regulatorische und normative Vorgaben einen wesentlichen Beitrag zur Entbürokratisierung, Wirtschaftlichkeit und Effizienz, indem sie klare, einheitliche und praktikable Rahmenbedingungen schaffen. Des Weiteren bieten sie Planungssicherheit, geregelten Marktzugang für alle Akteure und beschleunigen einen breiten Markthochlauf. Es ist das Anliegen der Autorinnen und Autoren, dass die nachfolgenden Punkte stärker in den politischen Zielen des Bundes berücksichtigt werden. Bildquelle: © Dee Karen / Adobe Stock (Bild-ID 608081126) Autorinnen und Autoren © TransHyDE 2.0 Initiative e. V., 06/2026. Wolfgang Köppel – DVGW- Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des KIT Dennis Stark – Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. Thomas Systermans – Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. Hannes Kracht – Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. Miriam Bäuerle – Gas- und Wärme-Institut Essen e. V. Dr. Manfred Lange – Gas- und Wärme-Institut Essen e. V. Leony Ohle – Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e. V. Leandra Schulz – Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e. V.
Die Transformation zur Klimaneutralität ist eine gesamtge- sellschaftliche Aufgabe, die nur gelingen kann, wenn bestehende Synergien konsequent genutzt werden und Wirtschaftlichkeit, Resilienz sowie Klimaschutz gemeinsam gedacht werden. In diesem Kontext stellt CCUS (Carbon Capture, Utilization and Storage) den zentralen Schlüsselbaustein dar, um Industrien, in denen Kohlenstoffmoleküle auch zukünftig als Emissionen bestehen bleiben, zu defossilisieren. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat mit dem Kohlenstoffdioxid- Speicherung- und Transportgesetz (KSpTG) wichtige Weichen gestellt, um hierfür die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen und den Weg für eine erfolgreiche Implementierung in das sich wandelnde Energiesystem zu ebnen. CO2 entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen System- größe der industriellen Transformation – als Emissionsindikator, handelbares Gut, Rohstoff und Bestandteil neuer Infrastruktu- ren. Dennoch ist die regulatorische und normative Ausgestal- tung entlang der CO2-Wertschöpfungskette bislang fragmen- tiert, teilweise unklar und nicht ausreichend international abge- stimmt. Diese Situation birgt erhebliche Risiken für den Indus- triestandort Deutschland. Die Weiterentwicklung des bestehenden Rechtsrahmens sowie die Ausweitung der Normungslandschaft ist daher not- wendig, um den Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur für Transport und Speicherung von CO2 zu unterstützen. Ziel ist es, gesellschaftliche Akzeptanz, wirtschaftliche Anreize für Investitionen und eine rechtssichere, praktikable und zügige Umsetzung konkreter Projekte sicherzustellen. Auch Fragen der Skalierung, Finanzierung und grenzüberschreitenden Zusam- menarbeit spielen eine zentrale Rolle. Vor diesem Hintergrund sind eine detaillierte Betrachtung und aktive Gestaltung der Regulatorik und Normung zwingend erforderlich, um folgende zentrale Herausforderungen wirksam anzugehen: 1 Technische Sicherheit gewährleisten Die sichere Abscheidung, der Transport und die dauer- hafte Speicherung von CO2 sind essenziell für eine ver- lässliche CO2-Infrastruktur. Dazu gehören umfassende Standards für Anlagen, Leitungen und Speicherstätten so- wie Monitoring , Reporting und Verifikationssysteme, um Umwelt- und Sicherheitsrisiken zuverlässig zu minimieren und durch nachvollziehbare Sicherheitskonzepte nachhal- tig Akzeptanz und Vertrauen in CCUS-Projekte zu schaffen. Somit werden zusätzlich standardisierte Genehmigungs- prozesse gewährleistet und Genehmigungsbehörden in die Lage versetzt, auf Basis anerkannter technischer Re- geln zu entscheiden. 2 Sicherstellung von Investitions- und Planungssi- cherheit Für Infrastrukturprojekte (z. B. industrielle Abscheidean- lagen, CO2-Transportnetze, Speicherstätten) sind klare regulatorische Rahmenbedingungen und harmonisierte technische Standards essenziell. Unsicherheiten führen unmittelbar zu verzögerten Investitionsentscheidungen, erhöhen den Planungs- und Abstimmungsaufwand und beeinträchtigen die Skalierung klimarelevanter Technolo- gien. 3 Schaffung einheitlicher und interoperabler Syste- me Die CO2-Wirtschaft wird zunehmend europäisch und glo- bal gedacht. Daher ist eine enge Abstimmung nationaler Regelungen mit europäischen und internationalen Nor- mungsprozessen erforderlich. Ohne interoperable Stan- dards drohen Ineffizienzen, Wettbewerbsverzerrungen und Barrieren für grenzüberschreitende CO2-Ströme. 4 Abbau von Bürokratie und Hemmnissen Harmonisierte Vorgaben und abgestimmte Prozesse redu- zieren bürokratische Doppelstrukturen und bauen Markt- eintrittsbarrieren ab, was zu einer beschleunigten Umset- zung klimafreundlicher Technologien beiträgt. 5 Sicherstellung von Transparenz und Integrität Ein belastbares System zur Messung, Berichterstattung und Verifizierung von CO2 ist grundlegend für Vertrauen in Märkte und politische Instrumente (z. B. Emissionshan- del, Carbon Contracts for Difference). Einheitliche Normen minimieren Doppelzählungen und schaffen Transparenz über tatsächliche Emissionsminderungen und dienen als Basis für eine klimarelevante Weiternutzung von CO2. 6 Integration in bestehende energiewirtschaftliche und industrielle Systeme Die technologische Weiterentwicklung energiewirtschaft- licher und industrieller Systeme im Bereich CCUS erfordert eine stetige Anpassung der Regulatorik. Normung kann hier als Brückeninstrument dienen, um sektorübergrei- fende Schnittstellen technisch und prozessual zu harmo- nisieren. 7 Beschleunigung von Innovation und Markthoch- lauf Klare Standards reduzieren Transaktionskosten und erleichtern die Markteinführung neuer Technologien und Geschäftsmodelle im Bereich CO2-Nutzung und - Management. Gleichzeitig fördern sie Wettbewerb und Skalierbarkeit. 8 CCUS als deutsche Schlüsseltechnologie Deutschland kann durch frühzeitige Normung und tech- nische Regelsetzung internationale Wettbewerbsvorteile erzielen. Eine aktive Rolle bei der Entwicklung globaler Standards stärkt die Exportfähigkeit deutscher Technolo- gien und ermöglicht es, internationale Märkte mitzuge- stalten. 3
Unsere zentralen Handlungsempfehlungen: Die systematische Berücksichtigung und aktive Gestaltung von Regulatorik und Normung im CO2-Bereich ist als strategische Priorität zu verankern und stärker in politische Entscheidungs- prozesse zu integrieren. Dazu müssen regulatorische und nor- mungsbezogene Fragestellungen eine konstante Berücksichti- gung in den politischen Förderrichtlinien finden. Wir empfehlen die Erstellung einer CO2-Regulatorik- und Normungsroadmap, in der folgende Punkte berücksichtigt wer- den müssen: LINK die enge Verzahnung von Regulatorik und Normung bereits in frühen politischen Gestal- tungsphasen, GLOBE die aktive Mitwirkung Deutschlands in euro- päischen und internationalen Gremien und Nutzung von Normung als strategisches In- strument zur internationalen Mitgestaltung und Absicherung des CCUS-Marktes, SITEMAP Mapping und Koordination bestehender Re- gelsetzungsinitiativen und -projekte (national, EU-weit, global), CLIPBOARD-LIST eine strukturierte Bestandsaufnahme und Analyse aller relevanten Normen und techni- schen Regelwerke einschließlich deren Schnitt- stellen im Rechtsrahmen, um einen strategi- schen Überblick zu schaffen, SEARCH-PLUS eine abgestimmte und umfassende Bedarfs- analyse im Sinne der deutschen Wirtschaft, um Lücken zu identifizieren und gezielt zu schließen und Users die systematische Nutzung von Expertise aus Industrie, Wissenschaft und Normung. Dafür braucht es institutionalisierte Austauschformate mit klarer politischer Rückkopplung, wie es durch die TransHyDE 2.0 Initiative e. V. im Rahmen einer CO2-Regulatorik- und Nor- mungsroadmap stattfinden könnte. Fazit Ein klarer und verlässlicher Rechtsrahmen sowie eine kohärente Normung sind zentrale Erfolgsfaktoren für die Defossilisierung Deutschlands. Sie schaffen die Grundlage für technische Sicher- heit, Investitions- und Planungssicherheit sowie für den Aufbau interoperabler und skalierbarer CCUS-Infrastrukturen. Damit beschleunigen sie den Markthochlauf und stärken gleichzeitig die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Technolo- gielösungen. Mit der Bereitstellung der notwendigen Qualitätsinfrastruk- tur leistet Deutschland einen entscheidenden Beitrag zum Markthochlauf von CCUS-Technologien. Durch verlässliche Standards und transparente Rahmenbedingungen stärken wir Vertrauen, beschleunigen die Umsetzung und positionie- ren Deutschland als führenden Standort für klimaneutrale Industrielösungen. 4