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title: "Prof. Dr.-Ing. Alice Kirchheim spricht über Human-AI-Balancing in der Intralogistik Hamburg; Employer-Branding wird zentral"
sdDatePublished: "2026-08-27T11:21:00Z"
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Prof. Dr.-Ing. Alice Kirchheim spricht über Human-AI-Balancing in der Intralogistik Hamburg; Employer-Branding wird zentral

Wenn KI auf Menschen trifft: Wie die Logistik ihre Arbeitswelt der Zukunft gestaltet | Logistik-Initiative Hamburg

Wenn KI auf Menschen trifft: Wie die Logistik ihre Arbeitswelt der Zukunft gestaltet

Künstliche Intelligenz verändert die Logistik – von der Planung und Steuerung bis zur Automatisierung intralogistischer Prozesse. Doch was bedeutet das für die Menschen, die mit diesen Technologien arbeiten? Und welche Rolle spielt dabei die Arbeitgeberattraktivität? Wir haben mit Prof. Dr.-Ing. Alice Kirchheim über Human-AI-Balancing, die Arbeitswelt der Zukunft und die Frage gesprochen, warum Technologie zunehmend auch zum Employer-Branding-Thema wird.

Prof. Dr.-Ing. Alice Kirchheim ist Expertin für Intralogistik mit Schwerpunkten in der Planung und Auslegung intralogistischer Systeme, der Automatisierung logistischer Prozesse und dem Einsatz von KI in der Intralogistik. Seit April 2024 ist Alice Kirchheim Institutsleiterin am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML sowie Inhaberin des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen an der TU Dortmund.

Alice Kirchheim studierte Informatikingenieurwesen an der TU Hamburg. Anschließend arbeitete sie am Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) an der Universität Bremen. Dort wurde sie über ein Verfahren zur Automatisierung logistischer Prozesse promoviert. Nach ihrer Tätigkeit an der Hochschule Reutlingen war sie freiberuflich in der Intralogistik-Beratung tätig. Im KION-Konzern arbeitete sie in unterschiedlichen Positionen, zuletzt als Head of Estimation and Layout. In das akademische Umfeld kehrte sie als Professorin für Prozessmanagement in Produktion und Logistik an der Hochschule Aalen zurück. Zuletzt war sie Professorin für Technologie von Logistiksystemen an der Helmut-Schmidt-Universität

KI und Automatisierung halten zunehmend Einzug in die Intralogistik. Was heute noch nach technologischer Zukunft klingt, wird in vielen Unternehmen bereits Teil des Arbeitsalltags. Damit verändert sich nicht nur die Art und Weise, wie Prozesse geplant und gesteuert werden. Auch die Rollen der Mitarbeitenden wandeln sich. Genau hier setzt das Konzept des Human-AI-Balancing an: Wie können Unternehmen die Stärken von Mensch und KI so miteinander verbinden, dass Technologie nicht zum Selbstzweck wird, sondern die Arbeit sinnvoll unterstützt? Und noch eine Frage gewinnt an Bedeutung: Wenn sich die Arbeitswelt verändert, verändert sich dann auch das, was einen attraktiven Arbeitgeber ausmacht?

Mensch und KI in der Logistik

Technologische Innovation allein entscheidet nicht darüber, ob KI in der Praxis erfolgreich eingesetzt werden kann. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Mitarbeitende die Veränderungen erleben und welche Rolle ihnen im neuen Zusammenspiel mit der Technologie zukommt.

Der Begriff „Human-AI-Balancing“ wird derzeit häufig verwendet. Was verstehen Sie darunter im Kontext der Logistik und warum ist gerade das ausgewogene Zusammenspiel von Mensch und KI aus Ihrer Sicht ein Erfolgsfaktor? Wir haben derzeit eine rasante Entwicklung im Bereich der KI, insbesondere der agentischen KI. Deshalb ist es für Unternehmen, die wettbewerbsfähig bleiben wollen, elementar, dass Mitarbeitende die Potenziale kennen, aber auch die Risiken und Grenzen einschätzen können. KI kann Mitarbeitende entlasten und gleichzeitig ist es möglich, mit KI die Qualität der Arbeit zu verbessern oder die Resilienz von Prozessen zu erhöhen. Mit KI können wir Daten analysieren, Muster erkennen und Vorschläge generieren. Der Mensch muss aber weiterhin die Anforderungen an eine Lösung oder die Ziele bewerten können, denn letztlich trägt er die Verantwortung dafür, was gemacht wird.Gerade in der Logistik gibt es viel Erfahrungswissen, das häufig noch nicht in der Künstlichen Intelligenz enthalten ist. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir weiterhin Expertinnen und Experten haben, die einschätzen können, ob ein Lösungsvorschlag tatsächlich sinnvoll ist.

Die Logistikbranche steht unter hohem Innovations- und Fachkräftedruck. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Gestaltung moderner, KI-gestützter Arbeitsplätze dabei, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu halten? Ich würde hier zwischen White-Collar- und Blue-Collar-Workern unterscheiden. Für diejenigen, die im Büro arbeiten, bietet der Einsatz neuer KI-Verfahren oder agentischer KI ein echtes Potenzial. Dadurch können beispielsweise Routinearbeiten oder auch die Ausformulierung komplexer Texte übernommen werden. In Distributionszentren und Lagern besteht durch den Einsatz von KI die Möglichkeit, Prozesse zu vereinfachen. Mithilfe von Bilderkennung können hier beispielsweise aufwendige manuelle Prozesse bei der Kontrolle von Lieferscheinen automatisiert werden und natürlich bietet sich auch die Möglichkeit, dass Arbeitsplätze ergonomischer gestaltet werden durch den Einsatz von KI-basierter Robotik. Das ist ja eines der Themen, die auch in der Hightech Agenda der Bundesregierung stehen. Unternehmen, die diesen Entwicklungen offen gegenüberstehen, sind natürlich attraktiv für innovative und intrinsisch motivierte Menschen, die sich mit neuen Technologien beschäftigen möchten. Es ist auf einmal auch möglich, dass Menschen Lösungen generieren oder Aufgaben erledigen können, die sie vorher nicht hätten erledigen können, weil ihnen zum Beispiel fundierte Programmierkenntnisse fehlen.

Viele Beschäftigte verbinden Künstliche Intelligenz zunächst mit Automatisierung oder dem Verlust von Arbeitsplätzen. Welche Erfahrungen zeigen, wie Unternehmen Vertrauen schaffen und den Einsatz von KI positiv vermitteln können? Die Angst von Mitarbeitenden, ihren Arbeitsplatz aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen zu verlieren, gibt es seit Beginn der Automatisierung in den 1970er-Jahren. Bei jeder technologischen Entwicklung erleben wir diese Ängste. Auf der anderen Seite entstehen dabei aber auch immer neue Arbeitswelten und es kommt zu Verschiebungen. In der operativen Logistik haben wir beispielsweise durch die Digitalisierung und den zunehmenden E-Commerce sogar immer mehr Arbeitsplätze. die Anzahl der Arbeitsplätze hat sich in den letzten 10 Jahren ungefähr verdreifacht. Für Unternehmen besteht die Herausforderung darin, KI für die Menschen erlebbar zu machen und Ängste zu nehmen. Das betrifft insbesondere Mitarbeitende, die sich vielleicht in der letzten Phase ihres Berufslebens befinden. Ihnen sollte aufgezeigt werden, was sie mit KI tatsächlich machen können. Das kann sehr niederschwellig erfolgen, indem beispielsweise in kleinen Teams gegenseitig gezeigt wird: Wofür nutze ich KI eigentlich? Was bedeutet das? Wichtig ist auch, die Nutzung der Werkzeuge tatsächlich zu üben.

In welchen Bereichen der Logistik kann KI die Arbeit der Menschen besonders sinnvoll unterstützen? Und welche Auswirkungen hat das aus Ihrer Sicht auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und damit auf die Attraktivität eines Unternehmens als Arbeitgeber? Besonders positiv nehmen Menschen Unterstützung wahr, die für sie selbst einen persönlichen Gewinn für ihre Arbeitszeit darstellt. Dazu gehört beispielsweise, langweilige oder repetitive Aufgaben nicht mehr erledigen zu müssen, etwa die Datenerfassung von System A in System B. Wenn Ergonomie, Handlungsspielraum und die Qualität von Entscheidungen steigen und Menschen den Eindruck haben, mehr beteiligt zu sein und ihre eigene Arbeit mitgestalten zu können, ist das für die Mitarbeitenden natürlich besonders attraktiv.

Von der Arbeitsgestaltung zur Arbeitgebermarke

Wenn sich durch KI und Automatisierung die Arbeitswelt verändert, verändert sich damit auch das, was Unternehmen potenziellen und bestehenden Mitarbeitenden anbieten können. Die Frage ist deshalb: Wird die technologische Entwicklung selbst zu einem Bestandteil der Arbeitgebermarke?

Wenn Sie Unternehmen betrachten, die KI erfolgreich einsetzen: Welche Signale senden sie damit an potenzielle Mitarbeitende? Wann wird Technologie zum Attraktivitätsfaktor – und wann eher zum Hemmnis? Wenn motivierte Mitarbeitende die Möglichkeit haben, ihre Arbeitsabläufe durch den Einsatz von KI selbst zu gestalten und damit Aufgaben wegzurationalisieren, auf die sie keine Lust haben, ist das ein totaler Attraktivitätsfaktor. KI oder agentische KI kann außerdem nicht nur dafür eingesetzt werden, die Effizienz zu steigern, sondern Menschen können dadurch plötzlich auch Aufgaben übernehmen, die sie bisher gar nicht machen konnten. Auch das ist ein Attraktivitätsfaktor. Insbesondere junge, intrinsisch motivierte Menschen spricht es natürlich an, wenn ein Arbeitgeber sehr offen für diese Technologie ist. Ein Hemmnis wird es genau dann, wenn Menschen sich überfordert fühlen. Gründe dafür können regulatorische Vorgaben, fehlende Qualifikation, fehlende Zeit oder fehlende Angebote sein. Wenn der Druck entsteht, dass andere bereits mit KI arbeiten und man selbst das Gefühl hat, es nicht zu können, wird die Technologie zum Hemmnis. Hier besteht die Aufgabe der Unternehmen darin, eine sinnvolle Balance bei der Weiterbildung zwischen Angeboten des Unternehmens und der nötigen Eigeninitiative der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu finden.

Gerade an diesem Punkt treffen Technologie und Kommunikation aufeinander. KI kann nicht nur die Arbeit verändern, sondern wird zunehmend auch eingesetzt, um Arbeitgebermarken zu entwickeln, Inhalte zu erstellen und Bewerbende anzusprechen.Unternehmen präsentieren sich heute häufig als besonders digital oder KI-affin. Worauf sollten sie achten, damit dieses Bild glaubwürdig bleibt und zur tatsächlichen Arbeitsrealität passt? Heute ist es teilweise ja schon so, dass junge Menschen KI nutzen, um sich selbst über Arbeitgeber zu informieren. Daraus folgt, dass Unternehmen, die gerade KI-affine Menschen ansprechen möchten, ihre Webseiten und Informationsmaterialien so aufbereiten sollten, dass sie von solchen KI-Systemen auch gefunden werden können. Um etwas zu publizieren, das eine breite Öffentlichkeit erreichen soll, finde ich den Einsatz von KI sinnvoll. Auch KI-Agenten können genutzt werden, um Fragen in diesem Kontext zu beantworten. Gleichzeitig sprechen Menschen in der heutigen Arbeitswelt miteinander. Bei KI besteht die Gefahr, dass Inhalte zu schön wirken und die Individualität ein Stück weit verloren geht. Deshalb finde ich es wichtig, dass Unternehmen auf eine gute Unternehmenskultur achten, die aus persönlichen Gesprächen besteht.Wichtige finale Entscheidungen, die Personen betreffen, sollten weiterhin in Menschenhand bleiben. Es ist nach wie vor wichtig, auf Empathie zu setzen, individuell einzuschätzen und Dinge in ihren jeweiligen Kontext einzubetten.

Welche Kompetenzen braucht die Logistik der Zukunft?

Mit der Veränderung der Arbeitsprozesse verändern sich auch die Anforderungen an die Menschen. Entscheidend wird dabei nicht nur technisches Wissen sein, sondern die Fähigkeit, mit KI-Systemen sinnvoll zusammenzuarbeiten und deren Ergebnisse einzuordnen.

Welche Kompetenzen werden Mitarbeitende künftig benötigen, um erfolgreich mit KI zusammenzuarbeiten? Und wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht für die Arbeitgeberattraktivität, wenn Unternehmen gezielt in Qualifizierung und lebenslanges Lernen investieren? Die Technologieentwicklung ist so rasant, dass es ohne lebenslanges Lernen der Mitarbeitenden nicht funktioniert. Dabei geht es vor allem auch um lebenslanges eigenes Lernen. Aufgrund der Geschwindigkeit der Technologiezyklen ist es gar nicht mehr möglich, für jede Veränderung individuelle Schulungsprogramme aufzusetzen und die Menschen entsprechend zu schulen. Häufig handelt es sich auch nur um kleinere Veränderungen. Für mich ist ganz deutlich: KI ist Chef-

Chefinnensache: Wie KI im Unternehmen eingesetzt und gelebt wird, muss von der Chefetage oder dem Management vorgelebt werden. Gleichzeitig müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit sich unterschiedliche Menschen auf unterschiedlichen Ebenen einbringen und lernen können.

Die Logistik ve