Landkreis Bautzen veröffentlicht Fortschreibung August 2026 des regionalen Fachkräftesicherung-Handlungskonzepts; Fokus auf ländlichen Raum, Fachkräftegewinnung, Zuwanderung und Integration sowie regionale Potenziale
Fachkräftesicherung_Handlungskonzept_2022
Handlungskonzept zur regionalen Fach- kräftesicherung Fortschreibung August 2026
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Inhalt 0 Vorwort 3 1 Ausgangslage …………………………………………………………………………………… 5 1.1 Sachsen ……………………………………………………………………………………. 5 1.2 Landkreis Bautzen ………………………………………………………………………. 5 1.3 Was haben wir bisher erreicht ………………………………………………………. 7 2 Handlungsfelder der Fachkräftesicherung im Landkreis ……………….. 8 2.1 Der Landkreis Bautzen: Ein Magnet für gut qualifizierte Fachkräfte …… 8 2.2 Stärkung der Fachkräfte durch Ausbildung im Landkreis Bautzen …… 11 2.3 Maßnahmen zur Verbesserung der Unternehmenskultur und lebensphasenorientierter Personalarbeit ……………………………………………….. 13 2.4 Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsqualität und der Arbeitskultur von Unternehmen ……………………………………………………………. 16 2.5 Maßnahmen der gezielten Fachkräftezuwanderung, der nachhaltigen Integration und der Nutzung der Potentiale von Geflüchteten …………………… 18 2.6 Arbeitsmarktintegration und Aktivierung regionaler Potenziale ………… 20 2.7 Sonstige Maßnahmen ……………………………………………………………….. 20 3 Fazit und Ausblick …………………………………………………………………………… 21 Anlage 1 Standard-Daten Set für die regionalen Fachkräfteallianzen …………… 23 Anlage 2 Bericht der Fachkräfteallianz Bautzen (Stand Juni 2026) ………….. 42 Anlage 3 Laufende und abgeschlossene Projekte der Fachkräfteallianz….. 52
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0 Vorwort Mit der Fachkräftestrategie 2030 für den Freistaat Sachsen haben die Staatsregierung und ihre Wirtschafts- sowie Sozialpartner kraftvolle Ziele und Maßnahmen formuliert, um im Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen optimal aufgestellt zu sein. Im Zentrum dieser Strategie steht die Stärkung der dualen Ausbildung, die kontinuier- liche Weiterbildung der Beschäftigten und die Förderung mitarbeiterorientierter Personalarbeit vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ebenso wichtig ist die Verbesserung des Arbeitsmarktzugangs für bislang unterrepräsentierte Personengruppen. Die Fachkräftestrategie 2030 ist die aktuelle Richtschnur für alle Aktivitäten rund um Fachkräftesicherung und -gewinnung im Freistaat und stellt klar: Fachkräftesicherung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur gemeinsam – mit den Unternehmen, den Beschäftigten, den Ländern und Kommunen, den Sozialpartnern, den Kammern, der Bundesagentur für Arbeit, den Bildungs- und Weiterbildungsträgern sowie der Bundesregierung – können wir dieses Ziel erreichen. Ein zentraler Schritt bei der strategischen Ausrichtung der regionalen Fachkräftesiche- rung ist die regelmäßige Erarbeitung und Überarbeitung des regionalen Handlungs- konzepts. Die Fachkräfteallianz erarbeitet alle zwei Jahre eine Fortschreibung dieses Konzepts, bei der geänderte Rahmenbedingungen und die Ergebnisse abgeschlosse- ner Maßnahmen berücksichtigt werden. Die im Handlungskonzept definierten Ziele und Maßnahmen ermöglichen es, Projekte effektiv zu initiieren und zu priorisieren. Besonderes Augenmerk liegt auf den Herausforderungen im ländlichen, struktur- schwachen Raum. Hier wird die wirtschaftliche und soziale Entwicklung entscheidend davon abhängen, wie gut es gelingt, vor Ort Arbeits- und Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Hindernisse für den Zuzug, wie fehlende Attraktivität, defizitäre soziale Inf- rastruktur und eine ausbaufähige Willkommenskultur, müssen verstärkt angegangen werden. Gleichzeitig deuten sich Änderungen in der Struktur der Bedarfe an. Ein spürbarer Rückgang beim produzierenden Gewerbe durch gestörte Außenhandelsbeziehungen und die Erschließung der Möglichkeiten künstlicher Intelligenz werden sich auf die Nachfrage an Fachkräften spürbar auswirken. Unser Fokus liegt weiterhin auf den Potenzialen der jungen Generation vor Ort, von Frauen, älteren Menschen, An- und Ungelernten sowie Menschen mit Migrationshin- tergrund. Dazu kommen Maßnahmen, welche auf die Veränderungen beim Fachkräf- tebedarf infolge der oben beschriebenen Entwicklungen reagieren. Mögliche Hand- lungsfelder werden im Einklang mit der Fachkräfterichtlinie und unter Berücksichtigung staatlicher Förder-instrumente entwickelt.
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Abbildung 1: Logo Fachkräfteallianz
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1 Ausgangslage 1.1 Sachsen Laut Statistischem Landesamt wird es in den nächsten zehn Jahren rund 366.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weniger in Sachsen geben. Am 30. Juni 2024 hatten 1.637.894 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ihren Arbeitsplatz im Freistaat Sachsen. Davon verfügen insgesamt 85,9 % der Beschäftig- ten über einen anerkannten Berufsabschluss oder akademischen Abschluss. Frauen haben einen Anteil von 47,8%. Im Jahr 2025 sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 1.625.455 Personen und lag damit um 0,76 % unter dem Vorjahreswert. 141.537 Beschäftigte in Sachsen verfügten am 30. Juni 2024 über eine ausländische Staatsangehörigkeit. Das waren 8,6 Prozent aller Beschäftigten. Während sich im Ver- gleich zum Vorjahr die Beschäftigtenzahl insgesamt um 0,35 Prozent verringerte, stieg die Zahl der Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit um rund 7,8 Prozent. Die Zahl der ausländischen Beschäftigten legte in den letzten zehn Jahren um mehr als das Vierfache zu (Zuwachs von 109.286 Personen). 1.2 Landkreis Bautzen Im Landkreis Bautzen leben 290.610 Einwohner (Stand: 31.12.2025)1. Die Bevölke- rung ist damit um ca. 2000 Personen zum Vorjahr (292.608 Einwohner) zurückgegan- gen.2 Die Wanderungsbilanz der Jahre 2018 bis 2024 ergab einen Zuwachs durch Zuzüge im Landkreis Bautzen von ca. 9.600 Menschen 3 und schwächte den Bevölkerungsrückgang leicht ab. Den stärksten Wanderungsüber- schuss verzeichnete der Landkreis Bautzen im Jahr 2022 mit knapp 4.000 Personen. In den Folgejahren ging die positive Wanderungsentwicklung zwar zurück, dennoch wies der Landkreis auch im Jahr 2024 mit rund 600 Personen weiterhin einen positiven Wanderungssaldo auf. Der Anteil der Altersgruppe zwischen 20 und 65 Jahren (Personen im Erwerbsalter) liegt bei 52,3 %, der Anteil der über 65-jährigen beträgt 29,6 %. Folglich liegt der Anteil der Bevölkerung unter 20 Jahren lediglich bei 18,1 %. Nach den Prognosen wird die Zahl der Personen im Erwerbsalter bis 2035 um 15,1 % und bis 2045 um 22,5 % zu- rückgehen.4
1 Statistisches Landesamt Sachsen: Bevölkerung im Freistaat Sachsen am 31.12.2025 2 Statistisches Landesamt Sachsen: Bevölkerung im Freistaat Sachsen am 31.12.2024 bzw. 2025 3 Statistisches Landesamt Sachsen: Kreisstatistik zum 31.12.2018 bis 31.12.2024 4 Statistisches Landesamt Sachsen: 9. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen 2025 bis 2045, Datenblatt Landkreis Bautzen.
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Zum Stichtag 30. Juni 2024 waren im Landkreis Bautzen 110.580 Personen sozialver- sicherungspflichtig am Arbeitsort beschäftigt.5 Bis zum 30. Juni 2025 sank die Zahl auf 108.982 Personen. Dies entspricht einem Rückgang von 1,4 %. Im November 2025 lag die Arbeitslosenquote bei 5,8 %, was 8.860 Personen ent- spricht, welche entweder Leitungen nach SGB II oder SGB II erhalten. Der männliche Anteil lag hier bei 56,4 %. Der Anteil nichtdeutscher Bevölkerung (Menschen mit Migrationshintergrund) wird für den Landkreis Bautzen Stand. Januar 2025 mit 4,1 % angegeben. Die größte Gruppe der im Landkreis lebendenden Ausländerinnen und Ausländer sind ukrainische Kriegsflüchtlinge, gefolgt von polnischen und syrischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern. Im Jahr 2024 erhielten 1.035 Personen im Landkreis Bautzen Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Dies entspricht 3,5 Empfängern je 1.000 Einwohner. Gegenüber 2023 verringerte sich die Zahl um 9,6 %. Laut der 9. Regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung des Freistaates Sachsen ist weiterhin von einer rückläufigen Bevölkerungsentwicklung auszugehen. Demnach wird die Bevölkerung im Landkreis Bautzen bis zum Jahr 2045 voraussichtlich um rund 44.000 Einwohner (Variante 1) bis rund 59.000 Einwohner (Variante 3) zurückgehen. Dies entspricht einem Bevölkerungsrückgang von 15,0 % bis 20,2 % gegenüber dem Jahr 2024. Die aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Arbeitskräfte können schlussendlich im- mer schwerer durch berufliche Neueinsteiger ersetzt werden, woraus sich ein immer kleiner werdendes Angebot an Fachkräften abzeichnet. Deshalb ist es erforderlich, vorhandene regionale Potenziale noch besser zu aktivieren und zur Fachkräftesicherung zu nutzen. Dazu gehören insbesondere folgende Perso- nengruppen:
Arbeitslose
Langzeitarbeitslose
Geringqualifizierte
Frauen mit eingeschränkter Erwerbsbeteiligung
ältere Erwerbsfähige
Menschen mit Migrationshintergrund
junge Menschen mit Unterstützungsbedarf
Wir verzichten an dieser Stelle auf weitere detaillierte statistische Ausführungen und verweisen auf Anlage 1
5 Bundesagentur für Arbeit: Eckwerte Arbeitsmarkt, Landkreis Bautzen, Gebietsstand: Juni 2024
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1.3 Was haben wir bisher erreicht Im Rahmen der Fachkräfterichtlinie wurden in den vergangenen 10 Jahren zahlreichen Projektideen die Realisierung ermöglicht. Eine detaillierte Auswertung für den Zeitraum von 2016 bis 2025 ist der Anlage 2 zu entnehmen. Es haben sich erfolgreiche Projektformate ergeben, welche sich qualitativ weiterentwi- ckeln. Beispiele hierfür sind die „Spätschicht“ und der „Berufemarkt“ in Kamenz. Zu- dem sind viele Projektergebnisse verfügbar, welche für die Fachkräftegewinnung nachhaltig nutzbar sind. Beispiele hierfür sind die „Ortsgespräche“ und die Werbefilme der Kreishandwerkerschaft. Weitere Ansätze haben das Potenzial, sich ohne oder mit reduzierter Förderung lang- fristig zu etablieren.
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2 Handlungsfelder der Fachkräftesicherung im Landkreis Um den zunehmenden Fachkräftemangel effektiv entgegen zu treten, hat die Bundes- regierung ihre Fachkräftestrategie auf fünf zentrale Handlungsfelder ausgerichtet. Die regionale Fachkräfteallianz des Landkreises Bautzen hat diese Handlungsfelder ge- nau analysiert, um festzustellen, welche Maßnahmen im Rahmen der Fachkräftericht- linie durch ihre Aktivitäten realisierbar sind. Die Fachkräfteallianz Bautzen hat dabei gezielt Ansatzpunkte identifiziert, um Maß- nahmen und Projekte zu priorisieren, die nachhaltige Effekte für die Fachkräftesiche- rung haben. Es zeigt sich jedoch, dass die Fachkräftestrategie des Bundes vor allem auf Bundes- und Länderebene zugeschnitten ist. Dies bedeutet, dass die direkte Ein- flussnahme auf kommunaler Ebene begrenzt ist und häufig auf bestehende Zustän- digkeiten zurückgeführt werden muss. Angesichts der spezifischen Situation im Landkreis Bautzen und unter Berücksichti- gung der bundesweiten Fachkräftestrategie beschreiben wir im Folgenden unsere zentralen Handlungsschwerpunkte: 2.1 Der Landkreis Bautzen: Ein Magnet für gut qualifizierte Fachkräfte Der Landkreis Bautzen muss auch in Zukunft seine Attraktivität für qualifizierte Fach- kräfte bewahren und steigern. Dafür ist es entscheidend, dass der Landkreis als erst- klassiger Ort zum Leben und Arbeiten wahrgenommen wird. Neben den bisherigen Bemühungen sollten die Vorzüge und Perspektiven des Landkreises weiterhin über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt gemacht werden, um qualifizierte Fachkräfte an- zuziehen. Vorzüge des Landkreises Bautzen: • Hohe Lebensqualität