Energie Thun AG bietet Wahltarif für Netznutzung in Thun, Schweiz; Preis pro Viertelstunde variiert bis zum Doppelten

Dynamische Preise für die Netznutzung — Energie Thun

Wann Sie laden, macht einen Unterschied

Es ist 18 Uhr. Sie kommen nach Hause und schliessen Ihr Elektroauto an. Am nächsten Morgen muss die Batterie geladen sein. Aber muss das Auto deshalb sofort mit dem Laden beginnen?

Genau hier setzt der neue Wahltarif für die Netznutzung an. Er belohnt Haushalte, die ihren Stromverbrauch in Zeiten verschieben können, in denen das Stromnetz weniger stark ausgelastet ist. Für Sie kann sich im Alltag wenig ändern: Das Auto ist am Morgen bereit. Nur der Zeitpunkt des Ladens verschiebt sich.

Warum der Zeitpunkt eine Rolle spielt

Das Stromnetz transportiert Strom in beide Richtungen: Es versorgt Haushalte und Unternehmen und nimmt gleichzeitig Strom aus Solaranlagen auf.

Die Belastung ist jedoch nicht zu jeder Tageszeit gleich. Am Abend kochen und heizen viele Menschen, während gleichzeitig Elektroautos geladen werden. An sonnigen Tagen können zudem viele Solaranlagen zur selben Zeit Strom ins Netz einspeisen.

Leitungen und Transformatoren müssen auf solche Spitzen ausgelegt sein. Wenn sich grössere Strommengen besser über den Tag verteilen, können wir das bestehende Netz gleichmässiger nutzen.

Der dynamische Wahltarif setzt dafür einen finanziellen Anreiz.

So funktioniert der neue Wahltarif

Beim Wahltarif verändert sich der Preis für die Netznutzung im Verlauf des Tages. Für jede Viertelstunde wird ein eigener Preis festgelegt. Entscheidend ist die erwartete Belastung des Stromnetzes im Netzgebiet . Da jeden Tag unterschiedlich viel Strom produziert und verbraucht wird, verändert sich auch die Belastung des Stromnetzes täglich.

Die Preise für den folgenden Tag stehen jeweils ab 18 Uhr zur Verfügung. Sie können über eine digitale Schnittstelle abgerufen und von geeigneten Steuerungssystemen verarbeitet werden.

Der tiefste Wert liegt bei –5 Rappen pro Kilowattstunde, exklusive Mehrwertsteuer.

Der höchste Wert beträgt maximal das Doppelte des Hochtarifs für die Netznutzung im Standardmodell.

Ein negativer Wert bedeutet, dass die Netznutzung in dieser Viertelstunde gutgeschrieben wird. Zu stark ausgelasteten Zeiten kann sie dagegen deutlich mehr kosten.

Ob Sie unter dem Strich profitieren, hängt deshalb davon ab, wie viel Verbrauch Sie tatsächlich verschieben können.

Von Hand die richtige Viertelstunde wählen?

Theoretisch könnten Sie den Preis selbst beobachten und Ihre Geräte von Hand einschalten. Für eine Waschmaschine oder einen Geschirrspüler dürfte das in der Praxis jedoch wenig attraktiv sein.

Es ist kaum sinnvoll, den Alltag nach einzelnen Viertelstunden auszurichten. Zudem ist der Verbrauch solcher Geräte im Vergleich zu einem Elektroauto, einer Wärmepumpe oder einem Boiler relativ klein.

Interessant wird der dynamische Preis für die Netznutzung vor allem dann, wenn grössere Verbraucher automatisch reagieren können. Ein Energiemanagementsystem kann beispielsweise berücksichtigen:

wann Ihr Elektroauto wieder bereit sein muss,

wie warm das Haus bleiben soll,

wann genügend Warmwasser benötigt wird,

wann ein Batteriespeicher geladen oder entladen werden kann,

und wie hoch der Preis für die Netznutzung in den kommenden Stunden ist.

Die Entscheidung bleibt immer bei Ihnen. Die Energie Thun AG steuert Ihre Geräte nicht direkt.

Für welche Haushalte eignet sich der Wahltarif?

Der Wahltarif richtet sich an Kund:innen in der Grundversorgung, die einen kommunizierenden Smart Meter besitzen.

Besonders interessant kann er für Haushalte sein mit:

Ein Elektroauto steht zu Hause häufig mehrere Stunden. Eine Wärmepumpe kann Wärme teilweise im Gebäude speichern. Auch ein Boiler muss das Wasser nicht zwingend genau in dem Moment erhitzen, in dem es später gebraucht wird.

Je grösser und flexibler diese Verbraucher sind, desto besser lässt sich der Betrieb auf die Netzauslastung abstimmen.

Wann passt der Wahltarif eher nicht?

Der Wahltarif ist freiwillig – und nicht automatisch die günstigste Wahl.

Er eignet sich eher nicht, wenn Sie:

keine grösseren steuerbaren Geräte besitzen,

Ihren Strom hauptsächlich zu festen Zeiten benötigen,

ein Elektroauto regelmässig sofort und mit hoher Leistung laden müssen,

Ihre Geräte nicht automatisch steuern können oder möchten,

oder möglichst gleichbleibende und einfach planbare Preise bevorzugen.

Wer viel Strom in stark ausgelasteten Viertelstunden bezieht, kann mit dem Wahltarif höhere Netznutzungskosten haben als im Standardmodell.

Energiepreis und Netznutzung bleiben getrennt

Der dynamische Preis gilt ausschliesslich für die Netznutzung. Der Preis für die gelieferte Energie wird weiterhin nach Hoch- und Niedertarif abgerechnet.

Ein tiefer Energiepreis bedeutet deshalb nicht automatisch, dass auch die Netznutzung günstig ist. Der Energiepreis und die Belastung des lokalen Stromnetzes folgen unterschiedlichen Kriterien.

Im Standardmodell bleiben sowohl der Energiepreis als auch der Preis für die Netznutzung an feste Hoch- und Niedertarifzeiten gebunden. Wer sich nicht für den dynamischen Wahltarif entscheidet, bleibt in diesem Modell.

Wie kann ich den Wahltarif wählen?

Der Wahltarif steht ab dem 1. Januar 2027 allen Kund:innen in der Grundversorgung zur Verfügung, sofern ein kommunizierender Smart Meter vorhanden ist.

Ein Wechsel ist jeweils auf Beginn eines Quartals möglich. Die Anmeldung erfolgt über das Kundenportal und muss spätestens zehn Tage vor Quartalsbeginn vorgenommen werden. Wer sich für den dynamischen Preis für die Netznutzung entscheidet, bleibt mindestens für ein Quartal darin und kann anschliessend wieder in das Standardmodell wechseln.

Passt der Wahltarif zu Ihnen?

Diese drei Fragen geben eine erste Orientierung:

Besitzen Sie ein Elektroauto, eine Wärmepumpe, einen Boiler oder einen Batteriespeicher?

Können diese Geräte ihren Betrieb um mehrere Stunden verschieben?

Können oder möchten Sie die Geräte automatisch steuern lassen?

Je häufiger Sie mit Ja antworten, desto eher könnte der Wahltarif zu Ihrem Haushalt passen.

Auf unserer Landingpage sehen Sie eine reale Preiskurve und erfahren mehr über die technischen Voraussetzungen. Gerne beraten wir Sie auch persönlich dazu, welche Möglichkeiten Ihr Haushalt bietet.

Tiefer ins Thema Netzstabilität eintauchen?

In unserer Blogserie erfahren Sie, wie das Stromnetz im Gleichgewicht bleibt.

Dynamische Preise für die Netznutzung