Fraunhofer-Gesellschaft und BDI veröffentlichen gemeinsames Positionspapier in Deutschland; Beschleunigung des Technologietransfers durch untergesetzliche Regelungen
August 2026 Seite 1 | 3 Presseinformation — Gemeinsames Positionspapier von Fraunhofer-Gesellschaft und BDI Innovationsfreiheit als Motor für die Industrie: Schnelle untergesetzliche Maßnahmen für den Technologietransfer gefordert Deutschlands Forschungsstärke schafft nur dann dauerhaft Innovation, Wertschöpfung und technologische Souveränität, wenn politische und regu- latorische Rahmenbedingungen den Transfer in die Industrie beschleunigen. Die im Koalitionsvertrag festgelegte Innovationsfreiheitsoffensive soll den Transfer von Forschung in industrielle Wertschöpfung vorantreiben und Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit stärken. In einem gemeinsamen Positi- onspapier fordern die Fraunhofer-Gesellschaft und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) daher eine zügige Umsetzung – insbesondere durch untergesetzliche Regelungen. Prof. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, erklärt: »Deutschlands Innovati- onskraft steht im internationalen Wettbewerb auf dem Spiel. Wenn wir unseren Wohlstand sichern wollen, reicht es nicht, nur exzellent zu forschen – wir müssen wissenschaftliche Er- kenntnisse viel schneller in industrielle Wertschöpfung überführen. Genau hier setzt die Inno- vationsfreiheitsoffensive an, die wir als zentrales industriepolitisches Wettbewerbsinstrument begreifen. Unser gemeinsames Positionspapier mit dem BDI macht deutlich: Statt immer neue Gesetze zu schaffen, sollten wir die bestehenden Chancen für untergesetzliche Regelungen nutzen und so unmittelbar für Entlastung sorgen.« Es gelte, so Hanselka weiter, die bürokrati- schen Hürden entlang des gesamten Innovationspfads abzubauen und mehr Freiräume für Forschung und Industrie zu schaffen, damit neue Technologien in Deutschland skalieren kön- nen. »Technologische Souveränität ist kein Solo – sie entsteht, wenn Wissenschaft, Industrie und Politik ihre Kräfte bündeln.« In ihrem gemeinsamen Positionspapier zeigen Fraunhofer-Gesellschaft und BDI konkrete Handlungsempfehlungen und schnell umsetzbare untergesetzliche Regelungen auf, um den Innovationsstandort Deutschland zu stärken und die Technologieführerschaft zu sichern. Innovationsfreiheit als Wettbewerbsprogramm Ob Innovationen in Deutschland skaliert werden und wirtschaftliche Wirkung entfalten, hängt maßgeblich von den regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Das Innovationsfreiheitsgesetz ist ein entscheidendes Wettbewerbsinstrument, um wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Souveränität zu überführen.
August 2026 Seite 2 | 3 Exzellente Forschung allein reicht nicht aus – entscheidend ist, was daraus entsteht. Viele He- bel liegen dabei nicht in neuen, zusätzlichen Förderprogrammen, sondern im untergesetzli- chen Bereich: Verfahren müssen vereinfacht, Regeln modernisiert, Zuständigkeiten geklärt und Förderbedingungen harmonisiert werden. Exzellente Forschung zählt – ihre Wirkung entscheidet Innovationspolitischer Erfolg bemisst sich nicht allein an Publikationen oder technologischer Exzellenz. Entscheidend ist, ob daraus industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Techno- logieführerschaft in Deutschland entstehen. Dafür muss der gesamte Innovationspfad funktio- nieren – von der Forschung über Demonstration und Pilotierung bis zur industriellen Skalie- rung. Das »Valley of Death« überwinden Zwischen Forschungserfolg und industrieller Skalierung gehen heute Zeit und Innovationspo- tenzial verloren. Um dieses »Valley of Death« zu überwinden, benötigen Forschungseinrich- tungen Freiräume für Demonstratoren, Pilotanlagen sowie begrenzte Null- und Kleinserien, solange die Industrie noch keine ausreichenden Produktionskapazitäten aufgebaut hat. Dies beschleunigt die Marktvalidierung, reduziert Entwicklungsrisiken für Unternehmen und er- leichtert die Übernahme neuer Technologien. Flankierend bedarf es einer nationalen IP(Intellectual Property)-Strategie sowie eines nationalen Technologiemonitorings, um globale Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und strategische Entscheidungen abzuleiten. Geschwindigkeit als Standortfaktor Langwierige Förderverfahren, unterschiedliche Regeln von Bund und Ländern sowie Medien- brüche bremsen Innovation. Die »Time-to-Grant« muss konsequent verkürzt, Förderbedin- gungen müssen standardisiert und End-to-End digitalisiert werden. Forschung und Unterneh- men sollen mehr Zeit für Innovation und weniger für Administration aufwenden. Auch for- schungs- und innovationsrelevante Datennutzungen sind im bestehenden europäischen Rah- men durch einheitliche Auslegung, Standardverfahren und rechtssichere Erprobungsräume deutlich zu erleichtern, etwa für KI-Anwendungen und Gesundheitsdaten. Schulterschluss von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik Innovationsfreiheit gelingt nur im gemeinsamen Handeln. Wissenschaft schafft technologi- sche Möglichkeiten, Unternehmen bringen sie in den Markt, und die Politik muss die rechtssi- cheren Rahmenbedingungen schaffen. Mit der zügigen Umsetzung der vorgeschlagenen un- tergesetzlichen Maßnahmen lässt sich ohne neuen Finanzbedarf erhebliche wirtschaftliche Dy- namik freisetzen und der Innovationsstandort Deutschland nachhaltig stärken. Innovationspo- litischer Erfolg bemisst sich künftig vor allem an einer Verkürzung der »Time-to-Market«. Zum Positionspapier »Forschung und Transfer als Motor für Deutschlands Industrie«: Wissen- schaftspolitik
Die Fraunhofer-Gesellschaft mit Sitz in Deutschland ist eine der führenden Organisationen für anwendungsorientierte Forschung. Im Innovationsprozess spielt sie eine zentrale Rolle – mit Forschungsschwerpunkten in zukunftsrelevanten Schlüsseltechnologien und dem Transfer von Forschungsergebnissen in die Industrie zur Stärkung unseres Wirtschaftsstandorts und zum Wohle unserer Gesellschaft. Die 1949 gegründete Organisation betreibt in Deutschland derzeit 74 Institute und Forschungseinrichtungen. Die rund 30 000 Mitarbeitenden, überwiegend mit natur- oder ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung, erarbeiten das jährliche Finanzvolumen von 3,6 Mrd. €. Davon fallen 3,2 Mrd. € auf den Bereich Vertragsforschung.
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Abb. 1 Prof. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft © Fraunhofer / Stefan Obermeier
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