CDU-Landtagsfraktion Baden-Württemberg beantragt Bericht zur Entwicklung der Hochschullandschaft in Baden-Württemberg; 7% Rückgang gegenüber Allzeithoch
Drucksache 18 / 373
Landtag von Baden-Württemberg 18. Wahlperiode Drucksache 18 / 373 29.7.2026 1 Eingegangen: 29.7.2026 / Ausgegeben: 28.8.2026 Antrag Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen zu berichten,
- wie sich die Studierendenzahlen in den letzten 25 Jahren an den staatlichen Hochschulen des Landes entwickelt haben, differenziert nach Hochschularten;
- wie sich die Anzahl der Studienabschlüsse in den letzten 25 Jahren an den Hochschulen, differenziert nach den unterschiedlichen Hochschularten und un ter Berücksichtigung der Umstellung vom Diplom- auf das Bachelor-/Master- System, entwickelt haben;
- wie sich die Zahl der Studierenden in den einzelnen Fächergruppen entwickelt hat, insbesondere in den Bereichen MINT, Lehramt, Medizin, Gesundheitswis senschaften, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften;
- wie sich die Anzahl der Promovierenden an den unterschiedlichen Hochschul arten (einschließlich Promotionsverbänden) seit 2017 entwickelt haben;
- wie sich die Studierendenzahlen in den letzten 25 Jahren an den nichtstaat lichen Hochschulen unterschieden nach unterschiedlichen Hochschularten ent wickelt haben;
- wie sich die Anzahl der Studienabschlüsse in den letzten 25 Jahren an den nichtstaatlichen Hochschulen, unterschieden nach den unterschiedlichen Hoch schularten und unter Berücksichtigung der Umstellung vom Diplom- auf das Bachelor-/Master-System entwickelt haben;
- wie sich die Zahl der internationalen Studierenden sowie internationalen Ab solventinnen und Absolventen in den vergangenen 25 Jahren entwickelt hat; Antrag des Abg. Dr. Thorsten Schwarz u. a. CDU und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Entwicklung der Hochschullandschaft in Baden-Württemberg Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet abrufbar unter: www.landtag-bw.de/Dokumente Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeich- net mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 18 / 373 2 8. wie sich die Zahl der Studienabbrüche in den letzten 25 Jahren entwickelt hat, differenziert nach Hochschularten und Fächergruppen. 23.7.2026 Dr. Thorsten Schwarz, Dr. Becker, Prof. Dr. Bruns, Dr. Preusch, Schneider, Sturm CDU Begründung Der Antrag soll die Entwicklung der Studierendenzahlen und der Hochschulstruk tur aufzeigen und eine fundierte Grundlage für die zukünftige Weiterentwicklung des Hochschulstandorts Baden-Württemberg schaffen. Stellungnahme Mit Schreiben vom 25. August 2026 Nr. MWK21-0141.5-72/3/3 nimmt das Mi nisterium für Wissenschaft, Forschung und Kunst zu dem Antrag wie folgt Stel lung: Der Landtag wolle beschließen, die Landesregierung zu ersuchen zu berichten,
- wie sich die Studierendenzahlen in den letzten 25 Jahren an den staatlichen Hochschulen des Landes entwickelt haben, differenziert nach Hochschularten; Die Anzahl der Studierenden an den staatlichen Hochschulen in Baden-Würt temberg ist seit dem Wintersemester 2000/2001 zunächst bis zum Wintersemes ter 2005/2006 kontinuierlich angestiegen (vergleiche Tabelle 1 der Anlage). Der Rückgang in den beiden anschließenden Jahren ist Folge der rückläufigen Zahl der Studienanfängerinnen und Studienanfänger aufgrund des Rückbaus von Stu dienkapazitäten an den Universitäten auf Empfehlung der Hochschulstrukturkom mission von 1998, die eine „Verschlankung, Anpassung und Profilschärfung der Hochschulen“1 zum Ziel hatte. Im Wintersemester 2008/2009 stieg die Anzahl der Studierenden an den staat lichen Hochschulen im Zuge der Hochschulwerdung der Berufsakademien zur Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) sehr stark an. Doch auch jen seits der Zuwächse durch die DHBW wuchs die Anzahl der Studierenden seit diesem Zeitpunkt befördert durch die sogenannten Ausbauprogramme und des Hochschulpakts von Bund und Ländern kontinuierlich und erheblich um rund 40 Prozent an und erreichte im Wintersemester 2016/2017 mit 339 403 Studie renden an den staatlichen Hochschulen bzw. 359 862 Studierenden inklusive der privaten Hochschulen ein Allzeithoch. Dieser Höchststand kann einerseits durch die doppelten Abiturjahrgänge und das Aussetzen der Wehrpflicht im Jahr 2012 erklärt werden, andererseits durch eine gestiegene Studierneigung, der verstärk
1 https://www.mueller-boeling.de/wp-content/uploads/2016/05/Pub-1998-Abschlussbericht-der- Hochschulstrukturkommission-Baden-Wuerttemberg.pdf
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 18 / 373 3 ten Akademisierung vormals vollschulischer oder dualer Ausbildungen sowie dem Zuwachs internationaler Studierender. Mit einem aktuellen Rückgang von 7 Prozent gegenüber dem einstigen Allzeithoch blieb die Zahl der Studierenden insgesamt auf sehr hohem Niveau und stieg zuletzt wieder leicht. Im Winter semester 2025/2026 lag die Anzahl der Studierenden an den staatlichen Hoch schulen bei 314 913. Die Entwicklung der Studierendenzahlen der Hochschulen in Trägerschaft des Landes Baden-Württemberg unterscheidet sich nach Hochschularten mitunter deutlich. Bei den Universitäten stieg die Anzahl Studierender bis zum Winter semester 2016/2017 stark an, ist seit dieser Zeit bis zum Jahr 2022 wieder um sieben Prozent zurückgegangen. Seit dem Jahr 2022 ist die Anzahl relativ kons tant mit einer leichten Tendenz zum Anstieg. Bei den Pädagogischen Hochschu len (PH) zeigte sich in den letzten Jahren ein kontinuierlicher Anstieg bis zum Jahr 2022, seit diesem Zeitpunkt ist die Anzahl Studierender um fünf Prozent zurückgegangen. Bei den Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) wurde die höchste Anzahl Studierender im Wintersemester 2016 verzeichnet, seit dem ist die Anzahl der Studierenden hier um 13 Prozent zurückgegangen. Auch hier ist im vergangenen Jahr ein leichter Anstieg festzustellen. Die Anzahl der Stu dierenden an den Kunst- und Musikhochschulen (KH) ist in den zurückliegenden 25 Jahren nur leicht angestiegen und beträgt seit dem Wintersemester 2012 kons tant rund 4 500 Studierende. Die DHBW, die wegen der erforderlichen Ausbildungsverträge am stärksten auf die wirtschaftliche Konjunktur reagiert, wuchs nach Aufnahme des Hochschulstu dienbetriebs zum Wintersemester 2008/2009 bis zum Wintersemester 2019/2020 auf mehr als 34 000 Studierende an. Seit diesem Zeitpunkt hat sich die Anzahl der Studierenden um fünf Prozent verringert. Die DHBW ist heute die Hochschule mit der höchsten Anzahl Studierender in Baden-Württemberg. 2. wie sich die Anzahl der Studienabschlüsse in den letzten 25 Jahren an den Hochschulen, differenziert nach den unterschiedlichen Hochschularten und unter Berücksichtigung der Umstellung vom Diplom- auf das Bachelor-/Mas ter-System, entwickelt haben; Die Umstellung auf das Bachelor-/Master-System wurde an den Hochschulen sukzessive und hochschul- bzw. studiengangspezifisch umgesetzt (vergleiche Tabellen 2a, 2b und 2c der Anlage). Während die Universitäten und die HAW bereits im Wintersemester 2000/2001 erste Bachelor- und Masterprüfungen in spezifischen Studiengängen abnahmen, gab es erst ab dem Wintersemester 2008/2009 die ersten Bachelor- und Master-Absolventinnen und Absolventen der PH. An den PHen und HAWen werden seit einigen Jahren nahezu ausschließlich Bachelor- und Master als Abschlüsse vergeben. An Universitäten werden neben Bachelor- und Master-Abschlüssen auch weiterhin andere Abschlüsse vergeben (vor allem Staatsexamensabschlüsse, aber auch theologische Abschlüsse). Die DHBW bot zum Zeitpunkt ihrer Gründung zunächst ausschließlich Bachelor-Stu diengänge an, weiterbildende Master-Studiengänge wurden erst in den 2010er- Jahre etabliert. An den KHen wurde das Bachelor- und Mastersystem erst Mitte der 2000er-Jahre eingeführt. Neben diesen Abschlüssen kann je nach Standort weiterhin das künstlerische Diplom erworben werden. Eine Betrachtung der Entwicklung der Prüfungen insgesamt über die vergangenen 25 Jahre ist aufgrund des hochschul-, teilweise sogar studienfachindividuellen un terschiedlichen Zeitpunktes der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem erschwert. Die Umstellung führte dazu, dass die Gesamtanzahl der Prüfungen je nach Art der abgelegten Prüfungen variiert. Aus diesem Grund konzentrieren sich die folgenden Aussagen auf die Entwicklung während der letzten Dekade. An den Universitäten liegt die jährliche Anzahl der abgelegten Bachelor-Ab schlüsse seit 2013 durchschnittlich bei ca. 13 500. Diese Zahl war die letzten Jahre etwas rückläufig, entsprechend den rückgängigen Studierendenzahlen. Im Gegensatz dazu hat die Anzahl der Master-Abschlüsse zugenommen. An den PHen liegt die jährliche Anzahl der Bachelor-Studienabschlüsse in den letzten
Landtag von Baden-Württemberg Drucksache 18 / 373 4 fünf Jahren sehr konstant bei durchschnittlich rund 3 800, die Anzahl der Master- Abschlüsse hat wegen der vergleichsweisen späten Umstellung auf die gestufte Studienstruktur seit einigen Jahren zugenommen und liegt derzeit bei etwas mehr als 3 000. Die Anzahl der Bachelor-Abschlüsse übersteigt an den HAWen deut lich die Anzahl der Master-Abschlüsse. Gleichzeitig zeigt sich in der letzten De kade, dass die Anzahl der Bachelor-Abschlüsse nach zwischenzeitlich deutlichem Anstieg wieder auf dem Niveau von vor zehn Jahren steht, während die Anzahl der Master-Abschlüsse deutlich zunahm mit einem Zwischenhoch in den Jahren 2022 und 2023. Das Interesse am Master an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften ist stark von der Konjunktur beeinflusst, sodass von einer Re aktion auf die Folgen der Covid 19-Pandemie ausgegangen werden kann. Bei der DHBW ist die Anzahl der abgeschlossenen Prüfungen entsprechend der gesunke nen Studierendenzahlen moderat rückläufig. An den Kunst- und Musikhochschu len schlossen in den letzten fünf Jahren regelmäßig ca. 340 Absolventinnen und Absolventen ihren Bachelor- und rund 385 ihren Master-Studiengang pro Jahr ab. 3. wie sich die Zahl der Studierenden in den einzelnen Fächergruppen entwickelt hat, insbesondere in den Bereichen MINT, Lehramt, Medizin, Gesundheitswis senschaften, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften; Die Entwicklung der Zahl der Studierenden in den einzelnen Fächern kann Ta belle 3 der Anlage entnommen werden. Zu beachten ist, dass sich die Zuord nung der einzelne Studienbereiche zu den Fächergruppen im Zeitverlauf mehr fach und teils mit erheblichen Auswirkungen geändert hat. Allen voran sind der Wechsel des Studienbereichs Informatik von den Naturwissenschaften zu den Ingenieurwissenschaften zu nennen. Darüber hinaus gingen die Studienbereiche Erziehungswissenschaften und Psychologie von den Geistes- bzw. Sprach- und Kulturwissenschaften zu den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften über (jeweils zum WS 2015/2016). Ergänzend ist die grundlegende Neukonzeption der bisherigen Fächergruppen Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sport zum WS 2025/2026 zu nennen. Im Wintersemester 2025/2026 waren 136 148 Studierende in einem MINT-Stu diengang („Mathematik, Naturwissenschaften“ und „Ingenieurwissenschaften“) eingeschrieben, dies entspricht 39 Prozent aller eingeschriebenen Studierenden. Die Anzahl der Studierenden ist gegenüber dem Allzeithoch von 2016 zwar um rund 10 Prozent zurückgegangen, liegt aber um mehr als ein Drittel über der Zahl der Studierenden vor dem Ausbau des Hochschulsystems und nach Integration der DHBW. Insgesamt sind rund 39 Prozent aller Studierenden in Baden-Würt temberg in den Ingenieur- oder den Naturwissenschaften und der Mathematik eingeschrieben. Den größten Zuwachs im Betrachtungszeitraum, nämlich eine Verdopplung der absoluten Zahlen, verzeichnet die Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheits wissenschaften als Folge des Ausbaus der Medizin-Studienplätze und der Aka demisierung der Gesundheitsfachberufe. Diese Fächergruppe stellt aktuell knapp 7 Prozent aller Studie