Irankrieg bedroht Dubai; Tourismus, Logistik, Finanz-Center massiv betroffen

Cross-Asset- und Strategy-Research

Wüstenparadies in der Krise

Dr. Moritz Kraemer Chefvolkswirt und Leiter Research LBBWResearch@LBBW.de

  1. August 2026 Der Irankrieg bedroht das Erfolgs- modell Dubais wie nichts zuvor

Vergangene Woche schrieb ich hier über China, wahrscheinlich DIE Wachstumsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Heute soll es um eine andere Erfolgsgeschichte gehen, die wie China – wenn auch aus ganz anderen Gründen – gerade unter Druck ist: Dubai. Von allen Ländern am Persischen Golf, von Katar bis Bahrain, von Abu Dhabi bis Kuwait, hat sich das Emirat Dubai am beeindruckendsten gewandelt. Zum Teil war das erzwungen, weil das Öl der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai gehört, anderswo sprudelt, vor allem in Abu Dhabi. Deshalb mussten die Regierenden von Dubai zwangsläufig ein alternati- ves Geschäftsmodell entwickeln. Und das taten sie mit Bravour, trotz zwischenzeitlichen Stolperns. Dazu gleich mehr. Der Irankrieg stellt Dubais Attraktivität in Frage In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Wüstenland zu einem Anziehungspunkt für Touristen, Fremdarbeiter, Logistik und internationales Kapital entwickelt. Wer durch die Altstadt von Dubai, jenseits des Dubai Creek, schlendert, kann sich vor- stellen, wie schläfrig es dort noch Anfang der 60er-Jahre zuge- gangen sein muss. Seither hat sich das Emirat zu einem der gro- ßen globalen Drehkreuze gewandelt: Mit fast 100 Mio. Passa- gieren wickelte sein Flughafen 2025 mehr Passagiere ab als je- der andere auf der Erde, außer Atlanta in den USA. Nun aber steht das Fundament des Modells Dubai so unter Druck wie nie zuvor. Jahrzehntelang wucherte das Emirat mit den Pfunden Stabilität und Vorhersehbarkeit in einer volatilen Weltregion. Dass es dort keine Einkommensteuer gibt, hat si- cherlich auch geholfen, Millionäre und Milliardäre aus aller Her- ren Länder anzulocken. Seit Beginn des Irankrieges sind diese Vorteile zumindest vorerst nicht mehr gültig. Kurz nach Beginn

Dubais Aufstieg zur Weltmetropole

Dubai als Hort der Stabilität: Das war einmal.

Landesbank Baden-Württemberg Cross-Asset- und Strategy-Research | 27.08.2026

der US-israelischen Angriffe hat Iran Dubai mit Drohnen und Ra- keten beschossen. Bis Anfang Mai wurden die Emirate 2800-mal Opfer von Angriffen, mehr als irgendein anderer Golfstaat oder Israel selbst. Auch Orte mit Symbolkraft wie die Luxushotels Burj al Arab oder Fairmont The Palm Jumeirah oder der Flughafen wurden zum Ziel. Kaum ein Golfstaat liegt so nah an der Grenze zu Iran und ist deshalb so leicht zu beschießen wie die Emirate, die zudem strategische Partner der USA sind. Die physischen Schäden halten sich in Grenzen, aber die psychologische Bremsspur wird den Krieg vermutlich deutlich überdauern. Von den 3,5 Millionen Einwohnern Dubais sind mehr als 90 % Ausländer. Insbesondere Einwanderer aus Südasien oder Ägyp- ten übernehmen häufig die geringqualifizierten Arbeiten und se- hen sich gerade mit immer weniger und immer schlechteren Ar- beitsmöglichkeiten konfrontiert. Arbeitslosigkeit und Lohnsen- kungen allenthalben. Aber auch bei den hochqualifizierten Ex- pats sind viele auf Homeoffice im sicheren Ausland ausgewi- chen. Bekannte von mir, die in Dubai arbeiten, sind mit ihren Fa- milien zumindest vorerst nach Europa zurückgekehrt. Das US- Außenministerium war nicht das einzige, das seine Staatsbürger zur Ausreise aufrief. Anekdotische Evidenz deutet darauf hin, dass insbesondere reiche Asiaten das Weite suchen – vor allem in Richtung Hongkong und Singapur. Für einen Abgesang ist es noch zu früh! Es kann hier kein Vertun geben: Der Irankrieg ist der größte Schock, den Dubai je verdauen musste. Tourismus, Logistik, Fi- nanz-Center: Alle sind massiv betroffen. Aktuelle Daten, die ei- nen besseren Eindruck der Krise vermitteln könnten, liegen nur lückenhaft vor. Abgeleitet aus dem vormals boomenden und nun stagnierenden Immobilienmarkt sind die zu erwartenden ökono- mischen Folgen aber als gravierend einzuordnen (siehe Abb.1). Ein „Dubai is finished“ erscheint mir aber übertrieben. Das Emi- rat ist schon einmal wie Phönix aus der Asche auferstanden. Ins- besondere nach der Finanzkrise, als es, völlig überschuldet, kurz vor der Pleite stand. Der reiche Bruder Abu Dhabi rettete das Nachbaremirat mit einer 10-Mrd.-USD-Finanzspritze. Des- halb heißt übrigens das höchste Hochhaus der Welt heute nicht Burj Dubai wie ursprünglich geplant, sondern Burj Khalifa, nach dem damaligen Emir von Abu Dhabi. Die Halbwertszeit der Er- innerung ist nicht so lange, wie man in der Hitze des Gefechts gerne vermutet. Umso weniger, wenn ein steuerfreies Leben lockt. Trotz aller Anekdoten, die jetzt kursieren, erleben wir auch derzeit keinen Exodus ausländischer Fachkräfte aus Dubai. Langfristig könnte der Klimawandel eine größere Bedrohung für den Standort sein: Schon heute herrschen im Sommer regelmä- ßig Temperaturen von mehr als 40 Grad bei einer Luftfeuchtig- keit von bis zu 90 %. Das muss man mögen. Zwischen 1975 und 2013 hat sich die Durchschnittstemperatur um 2,8 Grad erhöht. Tendenz weiter steigend. Ich erinnere mich gut daran, bei mei- nem letzten Aufenthalt in Dubai in die Skihalle geflüchtet zu sein.

Expats suchen das Weite

Abb.1: Dubai Immobilien- markt Wohnungen

Quelle: DXB Analytics, LBBW Research

Eine andere Herausforderung steht an

Landesbank Baden-Württemberg Cross-Asset- und Strategy-Research | 27.08.2026

Disclaimer: 27.08.2026 07:56

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