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title: "Irankrieg bedroht Dubai; Tourismus, Logistik, Finanz-Center massiv betroffen"
sdDatePublished: "2026-08-28T04:12:00Z"
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Irankrieg bedroht Dubai; Tourismus, Logistik, Finanz-Center massiv betroffen

Cross-Asset- und Strategy-Research

Wüstenparadies
in der Krise

Dr. Moritz Kraemer
Chefvolkswirt und Leiter Research
LBBWResearch@LBBW.de

27. August 2026
Der Irankrieg bedroht das Erfolgs-
modell Dubais wie nichts zuvor

Vergangene Woche schrieb ich hier über China, wahrscheinlich
DIE Wachstumsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Heute
soll es um eine andere Erfolgsgeschichte gehen, die wie China
– wenn auch aus ganz anderen Gründen – gerade unter Druck
ist: Dubai. Von allen Ländern am Persischen Golf, von Katar bis
Bahrain, von Abu Dhabi bis Kuwait, hat sich das Emirat Dubai
am beeindruckendsten gewandelt. Zum Teil war das erzwungen,
weil das Öl der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai
gehört, anderswo sprudelt, vor allem in Abu Dhabi. Deshalb
mussten die Regierenden von Dubai zwangsläufig ein alternati-
ves Geschäftsmodell entwickeln. Und das taten sie mit Bravour,
trotz zwischenzeitlichen Stolperns. Dazu gleich mehr.
Der Irankrieg stellt Dubais Attraktivität in Frage
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Wüstenland zu
einem Anziehungspunkt für Touristen, Fremdarbeiter, Logistik
und internationales Kapital entwickelt. Wer durch die Altstadt
von Dubai, jenseits des Dubai Creek, schlendert, kann sich vor-
stellen, wie schläfrig es dort noch Anfang der 60er-Jahre zuge-
gangen sein muss. Seither hat sich das Emirat zu einem der gro-
ßen globalen Drehkreuze gewandelt: Mit fast 100 Mio. Passa-
gieren wickelte sein Flughafen 2025 mehr Passagiere ab als je-
der andere auf der Erde, außer Atlanta in den USA.
Nun aber steht das Fundament des Modells Dubai so unter
Druck wie nie zuvor. Jahrzehntelang wucherte das Emirat mit
den Pfunden Stabilität und Vorhersehbarkeit in einer volatilen
Weltregion. Dass es dort keine Einkommensteuer gibt, hat si-
cherlich auch geholfen, Millionäre und Milliardäre aus aller Her-
ren Länder anzulocken. Seit Beginn des Irankrieges sind diese
Vorteile zumindest vorerst nicht mehr gültig. Kurz nach Beginn

Dubais
Aufstieg zur
Weltmetropole

Dubai als Hort
der Stabilität:
Das war einmal.

Landesbank Baden-Württemberg
Cross-Asset- und Strategy-Research | 27.08.2026

der US-israelischen Angriffe hat Iran Dubai mit Drohnen und Ra-
keten beschossen. Bis Anfang Mai wurden die Emirate 2800-mal
Opfer von Angriffen, mehr als irgendein anderer Golfstaat oder
Israel selbst. Auch Orte mit Symbolkraft wie die Luxushotels Burj
al Arab oder Fairmont The Palm Jumeirah oder der Flughafen
wurden zum Ziel. Kaum ein Golfstaat liegt so nah an der Grenze
zu Iran und ist deshalb so leicht zu beschießen wie die Emirate,
die zudem strategische Partner der USA sind. Die physischen
Schäden halten sich in Grenzen, aber die psychologische
Bremsspur wird den Krieg vermutlich deutlich überdauern.
Von den 3,5 Millionen Einwohnern Dubais sind mehr als 90 %
Ausländer. Insbesondere Einwanderer aus Südasien oder Ägyp-
ten übernehmen häufig die geringqualifizierten Arbeiten und se-
hen sich gerade mit immer weniger und immer schlechteren Ar-
beitsmöglichkeiten konfrontiert. Arbeitslosigkeit und Lohnsen-
kungen allenthalben. Aber auch bei den hochqualifizierten Ex-
pats sind viele auf Homeoffice im sicheren Ausland ausgewi-
chen. Bekannte von mir, die in Dubai arbeiten, sind mit ihren Fa-
milien zumindest vorerst nach Europa zurückgekehrt. Das US-
Außenministerium war nicht das einzige, das seine Staatsbürger
zur Ausreise aufrief. Anekdotische Evidenz deutet darauf hin,
dass insbesondere reiche Asiaten das Weite suchen – vor allem
in Richtung Hongkong und Singapur.
Für einen Abgesang ist es noch zu früh!
Es kann hier kein Vertun geben: Der Irankrieg ist der größte
Schock, den Dubai je verdauen musste. Tourismus, Logistik, Fi-
nanz-Center: Alle sind massiv betroffen. Aktuelle Daten, die ei-
nen besseren Eindruck der Krise vermitteln könnten, liegen nur
lückenhaft vor. Abgeleitet aus dem vormals boomenden und nun
stagnierenden Immobilienmarkt sind die zu erwartenden ökono-
mischen Folgen aber als gravierend einzuordnen (siehe Abb.1).
Ein „Dubai is finished“ erscheint mir aber übertrieben. Das Emi-
rat ist schon einmal wie Phönix aus der Asche auferstanden. Ins-
besondere nach der Finanzkrise, als es, völlig überschuldet,
kurz vor der Pleite stand. Der reiche Bruder Abu Dhabi rettete
das Nachbaremirat mit einer 10-Mrd.-USD-Finanzspritze. Des-
halb heißt übrigens das höchste Hochhaus der Welt heute nicht
Burj Dubai wie ursprünglich geplant, sondern Burj Khalifa, nach
dem damaligen Emir von Abu Dhabi. Die Halbwertszeit der Er-
innerung ist nicht so lange, wie man in der Hitze des Gefechts
gerne vermutet. Umso weniger, wenn ein steuerfreies Leben
lockt. Trotz aller Anekdoten, die jetzt kursieren, erleben wir auch
derzeit keinen Exodus ausländischer Fachkräfte aus Dubai.
Langfristig könnte der Klimawandel eine größere Bedrohung für
den Standort sein: Schon heute herrschen im Sommer regelmä-
ßig Temperaturen von mehr als 40 Grad bei einer Luftfeuchtig-
keit von bis zu 90 %. Das muss man mögen. Zwischen 1975 und
2013 hat sich die Durchschnittstemperatur um 2,8 Grad erhöht.
Tendenz weiter steigend. Ich erinnere mich gut daran, bei mei-
nem letzten Aufenthalt in Dubai in die Skihalle geflüchtet zu sein.

Expats suchen
das Weite

Abb.1: Dubai Immobilien-
markt Wohnungen

Quelle: DXB Analytics, LBBW Research

Eine andere
Herausforderung
steht an

Landesbank Baden-Württemberg
Cross-Asset- und Strategy-Research | 27.08.2026

Disclaimer: 27.08.2026 07:56

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