EZB Zinsschritt im September Euroland; weiterer Pfad ungewiss
Economic Advis er Macro Research
28 . August 2026 // Ausgabe September 2026
1 / Economic Adviser September 2026
Special: 40 Billionen USD Schulden, Ferguson’s Law und die Hypotheken-zinsen …………. 3 Ein Blick auf die aktuelle Lage ………………………………………………………………………………………………………………………….. 3 Fingerübungen am US-Rentenmarkt …………………………………………………………………………………………………………………. 3 Das Immobilien-Dilemma ………………………………………………………………………………………………………………………………… 4 Besondere Umstände verlangen nach besonderen Maßnahmen ………………………………………………………………………….. 4 USA: Die Inflationsdaten bleiben von hoher Relevanz für die Fed ……………………………….. 5 KI und der Verbrauch der privaten Haushalte stehen auch weiterhin im Blickfeld ………………………………………………….. 5 Die Inflationsdaten bleiben von hoher Relevanz für die Fed ………………………………………………………………………………… 5 Ein genauer Blick auf den US-Dollar ………………………………………………………………………………………………………………….. 5 Euroland: Robuste Konjunktur macht Weg für EZB-Zinsschritt frei ……………………………… 7 Stimmung hellt sich weiter auf – Reallohnentwicklung schwächt sich ab ………………………………………………………………. 7 Arbeitsmarkt stabil – Einstellungsbereitschaft hellt sich auf ………………………………………………………………………………… 7 EZB-Zinsschritt im September so gut wie ausgemachte Sache – weiterer Pfad ungewiss …………………………………………. 8 Deutschland: Here comes the sun – Konjunkturlaune bessert sich ……………………………… 9 Revisionen und solides Wachstum im ersten Halbjahr – deutliche Anhebungen der Konjunkturprognosen erwartet ….. 9 Klimawandel als Konjunkturfaktor: Hitzesommer und Niedrigwasser dämpfen Dynamik temporär ………………………….. 9 Stimmungsindikatoren belegen wachsenden Konjunkturoptimismus ………………………………………………………………….. 10 Schweiz: Wirtschaft wächst kräftig – Aussichten weiter positiv ………………………………… 11 Wachstumssprung im zweiten Quartal – bisher keine Hinweise auf einen Rückschlag im dritten Quartal ………………… 11 SNB ohne Handlungsbedarf: Inflation bleibt niedrig – Franken mit Abwertungstendenzen ……………………………………. 11 Japan: Tokio und Washington ……………………………………………………………………………….. 12 Die Bank of Japan bleibt im Fokus …………………………………………………………………………………………………………………… 12 Die Geldpolitik ist zu locker ausgerichtet …………………………………………………………………………………………………………. 12 Tokio und Washington ………………………………………………………………………………………………………………………………….. 12 China: KI als der Wachstumsmotor ……………………………………………………………………….. 13 KI als der Wachstumsmotor …………………………………………………………………………………………………………………………… 13 Chinas Technologiebranche stützt die Industrie ……………………………………………………………………………………………….. 13 Pekings Wirtschaftspolitiker bleiben im Fokus …………………………………………………………………………………………………. 13 Großbritannien: Burnham muss sich auf das Budget fokussieren ……………………………… 14 Energieschub beeinflusst stärker die Verbraucherpreise …………………………………………………………………………………… 14 Konjunktur bleibt widerstandsfähig, verlor zuletzt aber an Dynamik …………………………………………………………………… 14 Andy Burnham steht vor fiskalischen Herausforderungen …………………………………………………………………………………. 14 Inhalt
2 / Economic Adviser September 2026
Portfoliostrategien ………………………………………………………………………………………………. 15 Zinsstrukturkurve Euroland ………………………………………………………………………………….. 15 Portfoliostrategien ………………………………………………………………………………………………. 16 Zinsstrukturkurve international: 3-Monats- & 12-Monatssicht ………………………………… 16 Portfoliostrategien ………………………………………………………………………………………………. 17 Aktienmarktstrategie; 3-Monats-, 6-Monats- & 12-Monatssicht ……………………………… 17 Übersicht Prognosen ……………………………………………………………………………………………. 18
3 / Economic Adviser September 2026
Special: 40 Billionen USD Schulden, Ferguson’s Law und die Hy- potheken-zinsen Analysten: Tobias Basse // Constantin Lüer
Ein Blick auf die aktuelle Lage
Am Rentenmarkt ist die aktuelle Finanzsituation der Vereinigten Staaten ins Blickfeld gerückt. Das Volumen der Ver- schuldung des Bundes hat mit dem Überschreiten der psychologisch wichtigen Marke von 40 Billionen USD fast schon für Aufsehen gesorgt. Diese Entwicklung hat aber wohl eigentlich keinen interessierten Beobachter überrascht. Die USA sind eine große Volkswirtschaft und haben auch daher viele Schulden. Inzwischen positioniert sich das Land aber auch relativ zu seiner Wirtschaftsleistung auf Augenhöhe mit Italien und Frankreich – und spielt damit sozusagen in der „1. Liga“ der Staatsverschuldung. Mittlerweile überwiegt die Zinslast das Volumen der Militärausgaben, was am aktuel- len Rand weitere Diskussionen um „Ferguson’s Law“ ausgelöst hat, welches als Daumenregel größere Probleme für jede Großmacht vorhersagt, die sich mit genau dieser Situation konfrontiert sieht. Diese Sorgen sollte die Nervosität einiger Marktteilnehmer zuletzt noch zusätzlich erhöht haben dürfte. Das Finanzministerium in Washington ist sich des Problems zweifellos bewusst. Scott Bessent hat in der Tat einige Ideen. Ein großer internationaler Erfolg der USD-Stab- lecoins kann den Vereinigten Staaten bei der Finanzierung der Schulden ohne jeden Zweifel helfen. Ein hohes Wirt- schaftswachstum, welches zusätzliche Steuereinnahmen produziert, wäre natürlich auch vorteilhaft. Dies sind aber alles Nebenkriegsschauplätze. Nach den Zwischenwahlen wird die Regierung in Washington das Thema Missverhältnis von Einnahmen und Ausgaben aktiv angehen müssen.
Chart: Staatsverschuldung der USA & ausgewählte US-Staatsanleihen
Quellen: U.S. Department of Treasury, Macrobond, NORD/LB Research
Fingerübungen am US-Rentenmarkt
Aktuell laufen viele Meldungen über geplante Fingerübungen Scott Bessents zu einem regelrechten „Fine-Tunnig“ am Markt für US-Staatsanleihen über die Nachrichtenticker. Man wird schon sehr bald in gewissem Umfang Staatsanleihen mit langer Laufzeit zurückkaufen. Der Finanzminister will damit sicherlich auch ein Signal in Richtung der Anleger aus- senden. Das Volumen, welches in Bewegung gesetzt werden soll, ist aber natürlich viel zu gering, um auch nur ansatz- weise das Staatsschuldenproblem der USA zu lösen. Scott Bessent dürfte sich dieser Tatsache sehr bewusst sein. Es geht ihm wahrscheinlich in erster Linie auch um ganz andere Dinge. Das Zinsniveau am Markt für Hypotheken ist näm- lich eng mit den Renditen von langlaufenden US-Staatsanleihen verknüpft.
4 / Economic Adviser September 2026
Das Immobilien-Dilemma
Bekanntermaßen leidet der private US-Immobilienmarkt aktuell doch recht eindeutig unter den hohen Finanzierungs- kosten. Der NAHB-Bauklimaindex notiert seit einiger Zeit schon in der Kontraktionszone, also Werten unterhalb der magischen Marke von 50 Punkten. Überhaupt vermochte dieser Indikator das letzte Mal im März 2024 knapp über die Schwelle zu treten und dies auch nur für zwei Monate. Die befragten Bau- und Immobilienunternehmungen registrier- ten jedenfalls einen ausgeprägten Nachfrageeinbruch, aber auch die Verkaufsseite offenbart mittlerweile eine regel- rechte Katerstimmung. Während die Immobilieninteressenten aufgrund der deutlich gestiegenen Zinslast weniger Spielraum bei der Finanzierungshöhe haben, so belastete diese Dynamik auch nach und nach die Verkaufspreise. Wenn sich potentielle Käufer „weniger Immobilie“ leisten können, so müssen die Preise für Wohneigentum theore- tisch sinken, damit perspektivisch eine Art Marktgleichgewicht zustande kommt. Die Realität scheint dies nun auch mehr und mehr zu bestätigen. Gleichzeitig macht sich der „Lock-In“-Effekt nach wie vor bemerkbar. Günstige Hypothe- ken, welche noch vor dem Anstieg der (Leit-)Zinsen im Frühjahr 2022 um die Marke von 3% fixiert wurden, bremsten im Nachgang den traditionell mobilen Arbeits- und Immobilienmarkt etwas. Deutlich weniger Menschen wollten in der Folge ihre günstige Finanzierung aufgeben, um sich anderswo in der Ausstattung möglicherweise sogar schlechter zu stellen – und dies zu höheren Kosten! Der „Lock-In“-Effekt macht sich dort weiter bemerkbar, auch wenn der Effekt natürlicherweise nach und nach auslaufen müsste. Zahlen der National Associate of Realtors signalisieren ebenfalls eine zurückhaltende Stimmung. Der Markt für Gebrauchtimmobilien befindet sich diesen Zahlen nach auf dem Niveau der 1990er Jahre, wenn man die Subprime-Krise der Nullerjahre ausklammert. Selbst in dieser Zeit folgten auf den Ein- bruch ab 2007 ausgeprägte Gegenbewegungen, sodass die Krise auf dem Immobilienmarkt nur vergleichsweise kurzle- big war. Heute handelt es sich eher um eine strukturelle Nachfrageschwäche, ausgelöst durch eben zu hohe Zinsen. Die aktuelle Flautephase begann ziemlich zeitgleich mit dem Steigen der Fed Funds Target Rate ab 2022. Binnen 16 Monaten ist der Leitzzins der USA vom FOMC um 525 Basispunkte angehoben worden, welche sodann etwas mehr als ein Jahr auf dem Niveau von 5,50% verharrte. Obwohl die Dynamik der 30-jährigen Staatsanleihen und der 30-jährigen durchschnittlichen Hypothekenzinsen teilweise eigenen Regeln folgt, so hat der Leitzins der USA schon einen prägen- den Einfluss auf die Renditen und Zinsen. In der Theorie würde die Fed Funds Target Rate auch als „Floor“ für die meis- ten Zinsprodukte verstanden werden können.
Besondere Umstände verlangen nach besonderen Maßnahmen
Die durchschnittlichen 30-jährigen Hypothekenzinsen befanden sich zwischenzeitlich auf einem Niveau von 8%, was für die heutigen Interessenten von Wohneigentum eine schwer zu überwindende Hürde darstellen dürfte. Die Zinslast allein hätte sich somit mehr als verdoppelt. Das Kaufverhalten, was bei diesen sehr lang laufenden Finanzierungen be- sonders sensibel zu sein scheint, konnte sich bislang nur schwer adjustieren. Im historischen Vergleich gab es durchaus auch schon deutlich höhere Zinssätze, zeitgleich waren die nominalen Immobilienpreise aber auch günstiger. Insofern ist es heute aber schon ein Fortschritt, dass diese sich „nur“ noch bei 6,6% befinden. Auch die Renditekurve der 30- jä