Roma-Büro Freiburg und Sinti Verein veröffentlichen Diskriminierungsbericht in Freiburg; Abschiebegefährdung durch unsicheren Aufenthaltsstatus
Antiziganismus in Freiburg | Recht auf Stadt
Der gemeinsam vom Freiburger Roma-Büro und dem Sinti Verein herausgegebene aktuelle Roma
Sinti Diskriminierungsbericht ist wieder eine beeindruckende Sammlung von erlebtem Rassismus durch die Betroffenen.„Ich nahm einen 24-Stunden-Pflegejob, die Bedingungen waren eine Katastrophe, mein Bett stand im feuchten Keller und die Patientin hat mich Tag und Nacht gebraucht; ich hatte keine freie Zeit monatelang und konnte keine Nacht länger als zwei bis drei Stunden schlafen. Die Rumänische Firma, die mich vermittelt hat, ließ mich hängen. Ich hab es nicht mehr ausgehalten und bin gegangen. Jetzt bin ich auf der Straße ohne Unterkunft.“
Das sagt eine 32-jährige Romnja. Die Schilderung wirft ein eindrückliches Licht auf die hiesigen Zustände. Die Pflege „unserer“ Alten würde nicht ohne die krasse Ausbeutung von Menschen aus ärmeren Ländern, z.B. aus Südosteuropa, funktionieren. Haben sie sich dann halb tot gearbeitet und landen auf der Straße, bekommen sie hier den Rassismus und im Fall von Roma den Antiziganismus zu spüren, werden als Bettler stigmatisiert. Massenhaft werden unsichere Aufenthaltsverhältnisse von sogenannten Arbeitgebern ausgenutzt. „Arbeite in Teilzeit, einräumen von Regalen im Supermarkt. Das Arbeitspensum ist so, dass ich eine bis zwei Stunden mehr Zeit brauche, die natürlich nicht bezahlt werden. Wenn eine Kollegin fehlt müssen wir ihre Arbeit noch dazu machen. Kündigen kann ich praktisch nicht, verliere dann meinen Aufenthaltsstatus.“ Dieser unsichere Status sorgt auch dafür, dass erlebte Diskriminierung und die Tatsache, Opfer von Gewalt geworden zu sein, nicht an die Öffentlichkeit und zur Anzeige gelangt. So schildert eine 19 jährige Romnja, dass sie von einem Mann fast mit dem Auto überfahren wurde und von diesem dann, nachdem sie ihn deshalb verständlicherweise beschimpft hatte, auch noch geschlagen wurde. Abschließend sagt sie: „Ich hab Angst, wenn ich den Mann anzeige, dass er mich auch anzeigt, wegen Beleidigungen und ich somit abschiebegefährdet bin.“ Als er sie schlug, beleidigte der offensichtliche Täter sie auch noch als „Drecks Ausländer“ und „Schlampe“. Viele Junge und a uch Kinder und Jugendliche sind schon mit Antiziganismus konfrontiert.
Nazis gibt es leider auch in Freiburg, wie auch die Schilderung eines 14-jährigen Rom unterstreicht: „Wir sitzen in der Straßenbahn. Vor uns sind zwei Deutsche, die abfällig über uns sprechen. Der Eine sagt: „Kindergeldbezieher“; der Andere: „Schade, dass es Hitler nicht mehr gibt.“ Angesichts dieser Zustände im angeblich doch so toleranten Freiburg ist es wenig verwunderlich, dass der Bericht konstatiert, dass seit zwei Jahren ein Rückzug der Roma
Sinti Communities aus der Öffentlichkeit auf sich selber stattfinde; man
frau sei nicht mehr Roma oder Sinti, sondern gebe sich in der weißen Öffentlichkeit als Serbe, Albaner oder Sizilianer. Denn als Roma erkannt zu werden, hat oftmals negative Konsequenzen. Mit diesen ist z. B. schon ein 11-jähriger Schüler konfrontiert: „In der Schule haben wir über verschiedene Herkünfte gesprochen. Alle dachten, ich wäre Türke, doch als ich sagte, dass ich Roma bin, wurde direkt gefragt, ob ich auf der Straße im Müll lebe, worauf hin alle lachten. Als ich weiter erklärte, dass ich normal wie jeder andere lebe, lachte die ganze Klasse. Seitdem ist jeder Schultag die Hölle.“ Dass die schulischen Leistungen unter solchem Mobbing leiden und dies dann in der Folge oft zu weiterer Ausgrenzung führt, sollte klar sein. Auch in Freiburg, erklärt Coralla Reinhardt, Co-Autorin des Berichts, gebe es Antiziganismus, Vorurteile und Strukturen, die Betroffene verletzen: „Wer diese Dinge offen benennt, macht sich nicht immer beliebt. Man wird schnell als unbequem wahrgenommen. Doch Veränderung entsteht selten durch Schweigen.“ Für die Zukunft fordert Reinhardt u.a: „Wenn über Antiziganismus gesprochen wird, müssen Betroffene beteiligt werden.“
ich somit abschiebegefährdet bin.“ Als er sie schlug, beleidigte der offensichtliche Täter sie