SPD‑Fraktion Schleswig‑Holstein erinnert an demokratischen Aufbruch im Kollegiumssaal des Rathauses; Gästezahl über 70
80 Jahre Schleswig – Holstein – SPD –Fraktion erinnert an den demokratischen Aufbruch in einem schwierigen Land
- August 2026, 09:43 Uhr
am 26. August 2026, 09:43 Uhr
80 Jahre Schleswig – Holstein – SPD –Fraktion erinnert an den demokratischen Aufbruch in einem schwierigen Land
Viele Gäste, profunde Reden, neue Erkenntnisse und eine gute Stimmung bei der Festveranstaltung im Kollegiumssaal
Erwartungsvolle Gäste und demokratische Verbundenheit
„Nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft gestalten“. Zu diesem Leitgedanken hatten die Vorsitzenden unserer Fraktion Dörte Köhne – Seiffert und Thorsten Mann – Raudies für eine öffentliche Veranstaltung zu „80 Jahre Schleswig – Holstein“ in den Kollegiumssaal des Rathauses eingeladen. Viele Interessierte aus der SPD in Stadt und Kreis wie auch politisch ungebundene Bürgerinnen und Bürger waren dieser Einladung am Freitag in der letzten Woche gefolgt. Der Kollegiumssaal war mit über 70 Gästen sehr gut besetzt und die Stimmung erwartungsvoll. Besonders begrüßen konnte Dörte Köhne Seiffert dabei auch Angehörige des SPD – Sozialministers der ersten Stunde Walter Damm aus Elmshorn und Appen wie auch die Schwiegertochter des langjährigen Landrates der Nachkriegszeit Hermann Schinkel aus Elmshorn. Auch der Ortsvorsitzende der CDU Kola Gjoka und seine Stellvertreterin Karla Fock hatten sich es nicht nehmen lassen, der SPD – Einladung in demokratischer Verbundenheit zu folgen.
Elmshorner Aufbruch in schwerer Zeit
Wie sehr die unmittelbare Nachkriegszeit von gemeinsamer Aufbauarbeit nach Krieg, Faschismus und Diktatur auch in Elmshorn gekennzeichnet war, machte unsere Ortsvorsitzende und Landtagsvizepräsidentin Beate Raudies in ihrer Rede zu Neuanfang und demokratischem Aufbruch deutlich. „Elmshorn hatte hier mit Erich Arp, Arthur Geißler und Heinrich Hauschildt als Bürgermeister eindrucksvolle Persönlichkeiten aufzuweisen. Sie waren die Organisatoren der Selbstbefreiung von den Nazis, bauten die Demokratie der ersten Stunde in unserer Stadt auf und sorgten auch für eine enge Zusammenarbeit mit Vertretern der anderen Parteien gemeinsam gegen die Not“, so Beate Raudies. Die Veranstalter hatten hierzu für die Gäste auch den Druck einer großen Rede mitgebracht, in der Erich Arp auf einer SPD –Kundgebung auf dem Buttermarkt einen „Dreijahresplan für Elmshorn“ entwickelt hat. Beate Raudies: „Gegen die Not wurden da Hoffnung und Zuversicht und konkrete politische Pläne gesetzt. Das stolze Elmshorn fand seine Entsprechung in der sprichwörtlichen „Republik Pinneberg“. Mit Erich Arp und Walter Damm haben in diesem Geiste dann auch zwei Sozialdemokraten aus dem Kreis Pinneberg in den ersten Landtagen und Landesregierungen an vorderster Reihe für den Aufbau und die Entwicklung von Demokratie eingestanden. Hermann Schinkel hat mit viel Unterstützung und politischem Rückhalt über 15 Jahre als Landrat in Pinneberg gewirkt und mit dem Einsatz beim Wiederaufbau von Helgoland dabei ganz besondere Leistungen zu vollbringen gehabt.“
Demokratie als Geschenk und die gute Entwicklung eines „ungewollten Kindes“
Hieran knüpfte Professor Uwe Danker, Landeshistoriker und langjähriger Direktor des „Instituts für Schleswig – holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte“ mit Sitz in Schleswig an. Der besondere Gast aus der Wissenschaft schlug einen großen Bogen von den politischen Leistungen der englischen Besatzungsmacht bei der Grundlegung einer Demokratie in Schleswig – Holstein über die ersten Aufbauarbeiten der SPD – geführten Landesregierung, die dramatische Lage in Schleswig- Holstein mit über 1,2 Millionen Vertriebenen und Flüchtlingen und den damit verbundenen historischen Bruch zu einer konservativ geprägten CDU geführten Landesregierung bis 1987. Uwe Danker: „Mehrfach mussten sich Politik und Gesellschaft dabei bitteren Bewährungsproben stellen. Man denkt vielleicht nicht zuerst an unser Land, wenn es um das Erfolgsmodell der westlichen Demokratie geht. Aber: Die Schleswig – holsteinische Demokratie hat einige Bewährungsproben gemeistert und Leistungen vollbracht. Das kann man feiern.“
Auch einen weithin nicht bekannten Hintergrund für die Eigenständigkeit des Landes leuchtete Professor Danker aus. „Will anfangs überhaupt jemand das neue Land?“, so seine Frage. Die frühen Landespolitikerinnen und -politiker selbst wären sehr skeptisch gewesen. „Die wirtschaftliche Randlage, eine Ausrichtung der südlichen Landeshälfte auf Hamburg und jetzt die Bevölkerungsexplosion: Sie hielten das Land für nicht lebensfähig und unternahmen auch Vorstöße für eine Länderneugliederung“, so Danker. Die ersten Ministerpräsidenten von CDU und SPD kämpften noch jahrelang umsonst für das Konzept eines „Landes Unterelbe“. Es brauchte Hamburg und Niedersachsen; all das war unrealistisch. Schleswig-Holstein blieb bestehen.“ Mit Blick auf die Gegenwart stellte Danker fest: „Insbesondere die kulturelle und wirtschaftliche Ausrichtung des Hamburger Speckgürtels auf die Elbmetropole ist regelmäßig auf der Agenda. Gerade hier, wo die Identität der Schleswig-Holsteiner am relativ schwächsten ausgeprägt ist, leben die mit Abstand meisten; oben; im Nordteil ist es umgekehrt. Das „ungewollte Kind Schleswig-Holstein“ aber habe sich als zäh und nachhaltig, ja als lebensfähig erwiesen.“
Pralinen aus Elmshorn als Danke Schön
Hierüber und über viele eigene Erinnerungen gab es nach den mit viel Applaus aufgenommenen Vorträgen dann bei kalten Getränken noch viel Austausch und Diskussion, bevor die unsere Fraktion Professor Danker mit Pralinen aus Elmshorn und einem Buchgeschenk nach Kiel verabschiedete und die interessierten Gäste die „Dreijahresrede“ von Erich Arp und anderes Material mit nach Hause nehmen konnten.
Der demokratische Aufbruch ich einem schwierigen Land – Auszüge aus der Rede von Prof. Uwe Danker anlässlich der Feierstunde der SPD – Fraktion im Elmshorner Stadtverordnetenkollegium am 21.8.2026
1945 und Folgejahre (haben) die meisten Menschen ganz persönliche Sorgen um(ge)trieben: Ernährungsnot, verbunden mit Hunger und Schwarzhandel, Wohnraummangel mit Einquartierungen oder Leben in Baracken, knappe Kohlen in harten Wintern bestimmten den materiellen Alltag vieler; auseinander gerissene Familien, Trauer um Getötete, zudem, wenn auch individuell unterschiedlich erlebt und verarbeitet, das Ende der rauschartig-gewalttätigen Zeit des Nationalsozialismus. – Überleben, Weiterleben, Umorientierung standen an.
Dabei hatten sie es hier im Norden nicht am schlechtesten getroffen: Die preußische Provinz Schleswig-Holstein war im Mai 1945 von britischen Truppen eingenommen und zum Teil ihrer Zone erklärt worden. Alle Herrschaftsgewalt lag zunächst bei einer Militärregierung, ab Mai 1946 bei einem zivilen Regional Com mis sioner …Am 23. August 1946 schließlich diktierte die Verordnung Nr. 46 der britischen Control Commission for Germany in Berlin die staatsrechtliche Umwandlung preußischer Provinzen in Länder.
Wir können bezogen auf den 23. August 1946 kaum historisches Handeln der Schleswig-Holsteiner*innen feiern. Denn die Verordnung Nr. 46 war schlicht ein britisches Oktroi – mit ganz eigener Geschichte.
Das Besatzungsziel einer wiedererrichteten Demokratie beeindruckt schon sehr, wenn man bedenkt, dass die Deutschen ihre Weimarer Demokratie preisgegeben, ja aktiv und mit Mehrheit abgeschafft hatten – mit verheerenden Folgen. Welch innere Überzeugung, wieviel Zuversicht und Toleranz mussten jene Briten mitbringen, die ab 1945 hier tätig wurden! Es waren schließlich mehr als 26.000, gesteuert von der Control Commission for Germany in Berlin.
Bereits die regulären Besatzungskosten belasteten den Haushalt in London; trotzdem wurden anfangs auch Nahrungsmittel zur Versorgung der Deutschen exportiert. – Ein Handeln, das uns eine gehörige Portion Achtung entlocken darf! Denn es war Rücksicht zu nehmen auf die eigene Bevölkerung, die einen furchtbaren Krieg erlitten hatte
Für unser heutiges Treffen erscheint spektakulärer und historisch relevanter als die Landesgründung an sich der oktroyierte und begleitete Aufbau einer neuen Demokratie. Wem wir dieses großartige Geschenk zu verdanken haben, sollte nicht in Vergessenheit geraten!
Die 1945 organisatorisch gut vorbereiteten SPD und KPD gingen (dabei) trotz einiger Diskussionen um die Einheitsparteifrage nicht zusammen: Die regionale SPD-Führung stand mehrheitlich zum Abgrenzungskurs des SPD-Vorsitzenden in der britischen Zone, Kurt Schumacher. Die neue Partei CDU band liberal-bürgerliche, konservative und christlich-soziale Gruppierungen. Außerdem entstanden die – zunächst sehr rechtslastige – FDP und die noch weiter rechts stehende ‘Deutsche Partei’. Weder eine Flüchtlingspartei noch eine Partei dänischen Minderheit ließen die Briten anfangs zu, weil sie Partikularinteressen repräsentiert hätten.
In den beiden ernannten Landtagen 1946 bildeten alle Fraktionen gemeinsam Große Koalitionen, in denen Vertreter von CDU und SPD, anfangs auch KPD, Wiederaufbau und Neubeginn sicherten. Ausschussvorsitzende waren Spitzen von erst entstehenden Ministerien, also die Kabinette Steltzer. Arbeit sozialdemokratischer Abgeordneter hieß also von Beginn an Stützung von Regierungsarbeit.
Die Nachkriegs-SPD rekrutierte sich aus drei unterscheidbaren Gruppen: zunächst, und dominierend, aus Alteingesessenen, die und entweder in Deutschland überwintert hatten oder verfolgt worden waren. Die zweite Gruppe bildeten Flüchtlinge und Vertriebene, eine dritte Gruppe die Remigranten, die Heimkehrer aus dem politischen Exil. Aus vielen Quellen wissen wir von Konflikten untereinander und insbesondere von heimatlichen Ressentiments gegenüber Remigranten und Flüchtlingen.
Als eigentliche Führer der regionalen Sozialdemokratie aber galten Ende 1946 der Elmshorner Kaufmann Erich Arp und der Kieler Journalist und Bürgermeister Andreas Gayk, der als Nachfolger Arps die Landtagsfraktion führte.
Organisator und Hauptstratege des ersten Wahlkampfs ist Erich Arp. Obwohl selbst sehr links verortet, will er die Öffnung in neue Wählerschichten versuchen, nach dem Motto: „Ein ehrlicher Christ ist Sozialist und arbeitet mit der SPD für den Sozialismus.“ Die SPD solle ihre friedensfördernden internationalen Kontakte herausstellen sowie die Flüchtlingsfrage, die Sozialisierung und die Bodenreform in den Mittelpunkt rücken. Hauptslogan wird der Ausruf „Raus aus dem Elend!“.
Gewählt wird am 20. April 1947 nach einer Kombination aus Mehrheits- und Verhältniswahlrecht: Die SPD geht mit 43,8 Prozent der Stimmen als klarer Sieger hervor, die CDU erzielt 34,1 Prozent und die nur im Norden wählbare, dänischgesinnte “Südschleswigsche Vereinigung” beachtliche 9,3 Prozent. Begünstigt durch das Wahlrecht erhält die Sozialdemokratie 34 Sitze, fast zwei Drittel aller Mandate!
Am 8. Mai 1947 – exakt zwei Jahre nach Kriegsende – trat der gewählte Landtag zusammen.
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SPD im Kreis Pinneberg Die Zukunft fest im Blick
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