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title: "Louisa gründet Happy Brain Onlineschule in Erfurt; 110 Schüler weltweit"
sdDatePublished: "2026-08-28T08:07:00Z"
source: "https://www.uni-erfurt.de/studium/rund-ums-studium/campusleben-blog/ich-wollte-immer-eine-lehrerin-sein-die-eine-besondere-verbindung-zu-ihren-schuelerinnen-hat"
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Louisa gründet Happy Brain Onlineschule in Erfurt; 110 Schüler weltweit

„Ich wollte immer eine Lehrerin sein, die eine besondere Verbindung zu ihren Schüler*innen hat“

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„Ich wollte immer eine Lehrerin sein, die eine besondere Verbindung zu ihren Schüler*innen hat“

Sie studierte Primarpädagogik und Französisch an der Universität Erfurt, um Grundschullehrerin zu werden. Heute ist Louisa Unternehmerin und hat ihre eigene Schule. Und zwar eine ganz besondere. Ihre Schüler*innen sind auf der ganzen Welt verteilt. Ihr Klassenraum ist das World Wide Web. Wie es dazu kam, darüber haben wir für unseren Campusblog mit ihr gesprochen…

Dass sie Lehrerin werden wollte, stand für sie ziemlich früh fest: „Ich hatte eine wundervolle Spanisch-Lehrerin. Die war für mich ein solches Vorbild mit ihrem Unterricht. Denn sie hat uns nicht nur die Sprache beigebracht, sondern darüber hinaus die spanische Kultur vermittelt, mit uns gekocht, getanzt und uns richtig eintauchen lassen. Das hat mich beeindruckt und Spanisch zu meinem Lieblingsfach in der Schule gemacht. Und da ich immer schon gut mit Kindern konnte und Lust hatte, ihnen Wissen und Fähigkeiten für ein gutes Leben zu vermitteln, lag das Lehramtsstudium für mich irgendwie nahe.” In Erfurt aufgewachsen, war Louisas Weg an die Universität Erfurt dann auch nicht weit, zumal ihr der gute Ruf als Lehrkräfte ausbildende Einrichtung vorauseilte. „Außerdem fand ich es toll, dass ich hier auch Französisch studieren konnte – sozusagen neben dem Grundschullehramt. Das hat einfach gepasst”, erinnert sich die Erfurterin. Und wurde nicht enttäuscht: Schon früh konnte sie sich im Studium ausprobieren, zum Beispiel bei der „Kinderuni rund um das Buch“, die jedes Jahr zahlreiche Schüler*innen auf den Campus lockt, um mit ihnen in die Welt der Kinderliteratur einzutauchen. Oder beim Komplexen Schulpraktikum, einem festen Bestandteil des Lehramtsstudiums an der Uni Erfurt, bei dem die Studierenden ihre erworbenen fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Kompetenzen direkt in der Schule anwenden um praktische Fähigkeiten erweitern können.

Und dann? Kam Corona. Mitten im Referendariat. Die Schulen waren geschlossen, Lehrkräfte mussten online unterrichten. Und wie sich zeigte, waren deren digitale Kompetenzen höchst unterschiedlich, Eltern zum Teil überfordert, die Kinder nicht vorbereitet. „Es gab keinen Plan für so ein Szenario”, erinnert sich Louisa. „Also mussten wir uns Gedanken machen.” Wie kann Unterricht sinnvoll digital stattfinden? Wie kann man Schüler*innen (und Eltern) mitnehmen auf diesem Weg? Wie kann der Lernerfolg gesichert werden, wie die Nähe zwischen den Schüler*innen und Lehrkräften trotz der räumlichen Distanz erhalten bleiben? Und: Welche Kompetenzen braucht es für sie noch, um mit der neuen Lernsituation gut umgehen und weiterkommen zu können? Stück für Stück begann in Louisa die Idee zu einer Onlineschule zu reifen. Während ihre Kommiliton*innen nach dem Abschluss und Referendariat mehrheitlich schnell in eine feste Anstellung strebten, zögerte sie. „Ich war für mich irgendwie noch nicht fertig und wollte noch mehr. Mehr Erfahrungen, mehr Wissen darüber, was eine gute Schule bzw. guten Unterricht ausmacht und noch etwas von der Welt sehen.” Also machte sie sich auf – nach Vietnam, nach Frankreich, in die Welt. Und schaute sich die dortigen Schulsysteme an, um von ihnen zu lernen. Mit dem besten aus allen Welten im Kopf kam Louisa schließlich zurück und gründete im März 2025 ihre „Happy Brain Onlineschule”. Nicht als Konkurrenz zur herkömmlichen Schule, sondern als eine Ergänzung – für eine spezielle Zielgruppe. „In Deutschland besteht ja eine Präsenzschulpflicht”, erklärt die Erfurterin. „Da kann man nicht einfach so mit einer Onlineschule aufschlagen. Aber es gibt jede Menge deutschsprachige Familien in aller Welt, deren Kinder dieser Präsenzpflicht nicht unterliegen und gern eine deutsche Schule besuchen würden, zum Beispiel während sie mit den Eltern auf längeren Reisen unterwegs sind, oder die im Ausland leben. Und auch Schüler in Deutschland, die aus bestimmten Gründen temporär von der (Präsenz-)Schulpflicht befreit sind, weil ihnen beispielsweise aufgrund einer massiven Schulangst oder einer Immunerkrankung der Besuch einer herkömmlichen Schule nicht möglich ist, wären für uns mögliche Schüler*innen.” 110 „Happy Brains“ sind es inzwischen – von der Grundschule bis zur Sekundarstufe, Klasse 9. Momentan. Aber die Schule, die sich privat durch monatliche Schulgebühren finanziert und ihre formalen Sitz in Erfurt hat, wächst weiter und soll am Ende auch einen Abschluss ermöglichen.

Das ist eine Sache, die ich besser machen wollte: kleine Lerngruppen, bei denen ich mich als Lehrerin wirklich auf jeden einzelnen einlassen kann und wo niemand auf der Strecke bleibt.“

Zusammen mit 16 weiteren staatlich ausgebildeten Lehrer*innen, die an verschiedenen Orten auf der Welt leben und sich jeweils via Internet auf den Bildschirm ihrer Schüler*innen einwählen, unterrichtet Louisa in kleinen Klassen von maximal zwölf Kindern. „Das ist übrigens eine Sache, die ich besser machen wollte: kleine Lerngruppen, bei denen ich mich als Lehrerin wirklich auf jeden einzelnen einlassen kann und wo niemand auf der Strecke bleibt, weil er oder sie über- oder unterfordert ist. Schule soll ja nicht Lernen im Gleichschritt oder angstbesetzt sein, sondern Freude bereiten, neugierig machen und bereichern.” Das bedeute jedoch nicht, dass der Unterricht keine Herausforderung sein dürfe und Kinder ihm einfach fernbleiben oder ihren Bildschirm ausschalten dürfen. Auch wenn die Kinder beim Lernen auf einem Boot sitzen, am Strand oder im Dschungel: Herausforderungen brauche es unbedingt, weiß die Erfurterin. Damit die Kinder daran wachsen und sich im Leben auch Dinge zutrauen, die ihnen erst einmal Respekt abverlangen. „Die Frage ist nur, wie man das angeht und vermittelt und auf welche Weise man die Kinder stärkt.“

„Happy Brain Gym“ zum Ankommen

Und wie sieht so ein Schultag aus? „Wir starten jeden Tag mit unserem ‘Happy Brain Gym’, also einer speziellen Abfolge von Übungen, die die exekutiven Funktionen trainieren und den Körper lockern. Anschließend ist Unterricht. Dieser besteht aus Grundlagefächern, wie Deutsch und Mathematik, und darüber hinaus aus Entwicklungsfächern, wie ‘Zukunftsforschung’, ‘Denkfabrik’ oder ‘Wortakademie’, a ber auch Lerneinheiten, bei denen es um Zukunftskompetenzen und exekutive Funktionen geht – um das Präsentieren, finanzielle Kompetenzen, die Nutzung von KI, kritisches Hinterfragen oder ein gesundes Selbstvertrauen.“ Für die Älteren bietet die Onlineschule danach noch weitere Wahlfächer an. Dabei werden die „Happy Brains“ nach dem Vorbild des Thüringer Lehrplans unterrichtet, weil dieser sehr kompetenzorientiert sei, erklärt Louisa. Wichtig ist ihr, dass die Kinder an ihrer Schule „gehirngerecht“ lernen, ohne Angst und mit Emotionen, aber vor allem auch ohne Abstriche in der Bildungsqualität. „Ich selbst war eine extrem fleißige und auch gute Schülerin, aber ich wusste nach dem Abitur nicht, wer ich bin und kannte auch meine Stärken nicht. Als Lehrerin möchte ich das heute besser machen.“ Klassische Noten gibts übrigens nicht, die Kinder werden nach vier Kompetenzstufen bewertet, die sich allerdings – für eine gute Vergleichbarkeit – in das herkömmliche Notensystem „rückübersetzen“ lassen, denn nicht alle Schüler*innen verbringen ihre gesamte Schulzeit an der Onlineschule. „ Unser Ziel ist es zwar, dass die Kinder mit uns eine langfristige, stabile Schullösung haben und dadurch die gesamte Schullaufbahn mit uns lernen. Aber natürlich ist das nicht immer der Fall, weil manche Familien beispielsweise nur zeitlich begrenzt im Ausland sind.“

Die unterschiedlichen Zeitzonen, in denen die Kinder unterwegs sind, sorgen dafür, dass der Unterricht bei manchen am Vormittag stattfindet, bei anderen nachmittags. Das sei für die Kinder jedoch kein Problem. Überhaupt nähmen sie viel am Leben ihrer Klassenkamerad*innen teil, berichtet Louisa. Das schaffe Nähe auch bei großer räumlicher Distanz. „Als beispielsweise das Erdbeben auf Zypern war, haben das alle Kinder über den Bildschirm praktisch live miterlebt und konnten sich direkt miteinander darüber austauschen, und wir haben als Lehrkräfte dann noch geologisches Wissen dazugepackt – das hat die Schüler*innen ziemlich beeindruckt.” Aber auch sonst seien die Kinder an der Onlineschule und ihre Familien vielfach gut miteinander vernetzt, nicht zuletzt, weil sie in ähnlichen Lebenssituationen sind. Telefonieren miteinander oder besuchen sich zuweilen gegenseitig. Eine eigene Community sozusagen. „Aktuell sind wir in der Akkreditierung, damit Abschlüsse bei uns künftig auch weltweit anerkannt werden”, sagt Louisa. „Unser Ziel ist es, dass unsere Schüler*innen bei uns den Highschool-Abschluss machen, der ihnen dann auch den Besuch einer Universität ermöglichen soll.”

Vor allem sind Eltern erst einmal neugierig auf das, was wir machen. Bedenken können wir in der Regel im direkten Gespräch ziemlich schnell ausräumen.“

Ob Louisa mit ihrer Onlineschule auch auf Vorurteile oder Skepsis stößt, fragen wir sie. „Klar, das gibts schon, zum Beispiel hinsichtlich der Abschlüsse oder der Frage, ob die Kinder dann, wenn sie irgendwann wieder in eine herkömmliche Schule wechseln, überhaupt noch mitkommen. Aber vor allem sind Eltern erst einmal neugierig auf das, was wir machen, und Bedenken können wir in der Regel im direkten Gespräch ziemlich schnell ausräumen.“

Wenn man mit Louisa über ihre Arbeit spricht, merkt man schnell, wie sie für „Happy Brain” brennt. Sie ist mit Leib und Seele Lehrerin – Vermittlerin, Zuhörerin, Entdeckerin, Möglichmacherin. Und auch wenn ihre Onlineschule noch jung ist, so ist sie für die Erfurterin schon jetzt ein Erfolgs- und vor allem Herzensprojekt. Dass sie dabei neue Wege beschreitet, macht sie und ihre Kolleg*innen jeden Tag sogar selbst zu Schüler*innen in der Schule des Lebens. „Und das ist auch gut so, denn das bringt uns Stück für Stück weiter. Ich wollte immer eine Lehrerin sein, die eine besondere Verbindung zu ihren Schüler*innen hat, die sich für sie interessiert und ihnen zugewandt ist. Ich möchte, dass unsere Schüler*innen in den Unterricht eintauchen, ihn mit allen Facetten erfahren können und einen emotionalen Zugang zu sich selbst bekommen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir alles richtig gemacht. Das gilt übrigens nicht nur für die Onlineschule, sondern für Schule insgesamt.“

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