Kieler Forschende entdecken neuen Mechanismus des Energietransports in atomar dünnen Materialien in Kiel; Energie über Defekt-Netzwerk bis 142 Mikrometer transportiert

Wenn Materialfehler zu Energietransportern werden - Kieler Forschende entdecken neuen Mechanismus für den Energietransport in atomar dünnen Materialien

Wenn Materialfehler zu Energietransportern werden

Kieler Forschende entdecken neuen Mechanismus für den Energietransport in atomar dünnen Materialien

Schematische Darstellung der Messmethode: Ein Elektronenstrahl regt das Material an, während eine optische Faser das entstehende Licht an verschiedenen Stellen aufnimmt.

Copyright: Nahid Talebi, Uni Kiel

Atomare Defekte sind unvermeidlich: Kein Material ist vollkommen fehlerfrei. Was lange vor allem als Schwachstelle galt, könnte jedoch auch eine Stärke sein. Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben nun gezeigt, dass solche Defekte Energie nicht nur aufnehmen, sondern gezielt weiterleiten können. Ein Team um Nahid Talebi, Professorin für Nanooptik an der CAU hat eine Studie dazu kürzlich in der Fachzeitschrift ACS Nano veröffentlicht.

Aus Defekten wird ein Netzwerk

Wie der Energietransport funktioniert zeigt sich im Zusammenspiel zweier Materialien, die nur wenige Atomlagen dünn sind: einen Perowskit, der Energie aufnehmen kann, und hexagonales Bornitrid. Letztere Materialklasse besteht aus Bor- und Stickstoffatomen, die normalerweise regelmäßig angeordnet sind. Einige Stellen weichen jedoch von dieser Struktur ab. Diese atomaren Defekte können Energie aus dem Perowskit aufnehmen und an weitere Defekte weitergeben. Die Energie im Perowskit liegt zunächst in einem angeregten Zustand vor, den Physikerinnen und Physiker Exziton nennen. Das Team geht davon aus, dass die Energie von diesen Zuständen auf Defekte im Bornitrid übergeht.

Wie weit sich die Energie über dieses Netzwerk aus Defekten ausbreiten kann, ist ungewöhnlich: Noch in einer Entfernung von bis zu 150 Mikrometern vom ursprünglichen Ort der Anregung konnte das Team das Signal nachweisen. Das entspricht ungefähr der Breite eines menschlichen Haares. Die gemessene Energietransportlänge lag bei rund 142 Mikrometern.

Um diese Entfernung zu erklären, reichen herkömmliche Ansätze wie die Bewegung der Exzitonen allein oder eine optische Wellenleitung nach den Experimenten nicht aus. Die Forschenden führen den beobachteten Energietransport vor allem auf die Wechselwirkungen zwischen den Defekten und auf die wiederholte Aufnahme und Aussendung von Licht innerhalb des Defektnetzwerks zurück.

Entscheidend für die Entdeckung war eine spezielle Kathodolumineszenz-Messmethode, die das Kieler Nanooptik-Team entwickelt hat. Dabei regten die Forschenden das Material mit einem Elektronenstrahl an und nahmen das dabei entstehende Licht mit einer optischen Faser auf. Der Elektronenstrahl blieb dabei stets an gleicher Stelle, während sie die Faser jedoch Schritt für Schritt davon wegbewegten. Gleichzeitig beobachteten sie unter einem Elektronenmikroskop was passiert und stellten fest, dass das Lichtsignal auch in großer Entfernung vom Anregungsort noch vorhanden war.

Neue Möglichkeiten für optische und Quantentechnologien

„Viele Quantenmaterialien müssen normalerweise gekühlt werden, damit wir ihre Eigenschaften überhaupt beobachten können. Unser Effekt tritt aber bei Raumtemperatur auf. Das macht ihn besonders spannend, um ihn weiter zu untersuchen“, sagt Talebi, Mitglied im Forschungsschwerpunkt KiNSIS – Kiel Nano, Surface and Interface Science. Dort erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem nanoskalige Materialien und Grenzflächen für Anwendungen in der Quantentechnologie. Potenzial sieht das Team ebenfalls für neue Bauelemente, in denen Energie oder Informationen über Anregungen mit Licht transportiert werden.

Als Nächstes wollen die Forschenden herausfinden, wie sie den Energieaustausch im untersuchten Material gezielt steuern könnten. Talebi hofft, dass dies die Weiterentwicklung hybrider Quantenmaterialien voranbringt. Das Paper liefert zunächst die physikalischen Grundlagen dafür und nennt beispielsweise Quantentransducer, die Quanteninformationen zwischen verschiedenen Systemen übertragen und optoelektronische Verbindungen für die schnelle Datenübertragung als mögliche Anwendungen.

Sara Darbari, Paul Bittorf et al. (2026): „Exciton Energy Routing via Defect Networks in hBN

2D Perovskite Hybrids“, ACS Nano (2026) 20 (31): 21739–21751

Weitere News aus dem Ressort Wissenschaft

Wenn Rost vom Baum fällt: Geladene Tropfen können Korrosion von Oberflächen bewirken

Ergebnisse könnten Weg für neue, effizientere Beschichtungen ebnen

Kokosnuss-Kraftstoffgemisch vs. Düsentreibstoff: Motoren können keinen Unterschied feststellen, die Umwelt schon

Ein Schweizer Taschenmesser für die Zelle

Forschende verbinden Chemie und Zellbiologie zu einem neuartigen Werkzeug für die biomedizinische Forschung

Demonstrationsanlage für nachhaltigen Flugtreibstoff am PSI eingeweiht

Schweizer Start-up Metafuels plant, ab 2030 die erste kommerzielle Anlage zur Herstellung von SAF mit der «aerobrew»-Technologie zu betreiben

Forscher knacken Code: Molekularer Trick öffnet Tür zu neuer Glasgeneration

MOF-Gläser mit neuen Eigenschaften: Organisches Molekül verändert Bindungsstruktur beim Schmelzen

Rohstoff aus der Luft: Grünes Methanol trotz Wasserknappheit

Produktionskosten hängen von Sonne und Wind ab

KI-Modell Skala auf quelloffener Simulationsplattform CP2K verfügbar

CASUS und Microsoft Research forschen gemeinsam

KAIST findet einen Weg zu schneller ladbaren und langlebigeren Batterien für E-Autos

Forschungsteam nutzt digitalen 3D-Zwilling, um lokale Verschleißmechanismen beim Schnellladen aufzudecken

Durchbruch für eine zukunftsfähige Zementproduktion

Technologie soll bis zu 90 Prozent der CO₂-Emissionen aus dem Abgas filtern

Pilotprogramm für gründungsinteressierte Studierende, Forschende sowie Teams von wissenschaftsbasierten Start-ups

DAAD fördert Gründungstalente mit Kurzaufenthalten in globalen Innovations-Hotspots

Aus CO₂ werden Kraftstoffe: Chemiker lösen zentrales Skalierungsproblem

LIKAT-Technikum produziert erstmals Katalysator im Kilogramm-Maßstab für Pilotanlage

Neuer Kunststoff verwandelt sich beim Erhitzen in Gas - und nimmt beim Abkühlen wieder seine ursprüngliche Form an

Neuartiges Polymer könnte das Auftragen, Entfernen und Recyceln vereinfachen, da mehrere übliche Verarbeitungsschritte überflüssig werden

Lichtbasierter 3D-Druck: Neuartige „Tinte“ ermöglicht geschlossenen Materialkreislauf

Heidelberger Forschungsteam entwickelt polymerbasiertes Material, das sich in seine Einzelteile zerlegen und wiederverwenden lässt

Neuer Baustein verbindet Proteine mit anderen Molekülen

Künstlicher Baustein verbindet Proteine und synthetische Moleküle zu komplexen Nanostrukturen

Sauerstofffehlstellen machen schlechten Ionenleiter zum guten Batteriematerial

Schnelle Ionenleitung durch die Kombination von Leitfähigkeitsspektroskopie und NMR experimentell nachgewiesen

Volle Kraft voraus bei der Entwicklung nachhaltiger Zink-Jod-Batterien

Biologisch abbaubare Oligosaccharide lösen zentrales Problem

Von Resten und Altteilen zum Hochleistungsmaterial

Fraunhofer IWU erschließt neue Kreislaufpfade für Aluminiumschaum

NMR deckt verborgene Elektrolytzustände für bessere Batterien auf

Batterieelektrolyte sind keine festgelegten Zusammensetzungen, sondern sich ständig verändernde flüssige Zustände

Antriebsbatterien neu gedacht: sicher, reparierbar, nachhaltig

Elektrochemische Impedanzspektroskopie soll künftig Mikro-Kurzschlüsse erkennen, bevor sie zu Batteriebränden führen

Natürliches Bioplastik ist Nahrung für Tiere

Neue Studie liefert überraschende Erkenntnisse darüber, wie PHA-Kunststoffe in der Natur abgebaut werden

Holen Sie sich die Chemie-Branche in Ihren Posteingang

Mit dem Absenden des Formulars willigen Sie ein, dass Ihnen die LUMITOS AG den oder die oben ausgewählten Newsletter per E-Mail zusendet. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch die LUMITOS AG erfolgt auf Basis unserer Datenschutzerklärung . LUMITOS darf Sie zum Zwecke der Werbung oder der Markt- und Meinungsforschung per E-Mail kontaktieren. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit ohne Angabe von Gründen gegenüber der LUMITOS AG, Ernst-Augustin-Str. 2, 12489 Berlin oder per E-Mail unter widerruf@lumitos.com mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Zudem ist in jeder E-Mail ein Link zur Abbestellung des entsprechenden Newsletters enthalten.

Energiewende: Erst elektrifizieren – und für den Rest Methanol statt Wasserstoff

KI-Kühlung verbraucht Milliarden Liter Wasser – Heidelberger Start-up bietet Ausweg

blue activity setzt auf biologisch abbaubare Kühlwasserchemie

Wie magnetische Nanopartikel Ewigkeitschemikalien aus Wasser entfernen

Strukturkrise der Chemieindustrie verschärft sich – die Zeit zum Handeln wird knapp

Wer jetzt handelt, verbessert seine Chancen, 2040 noch wettbewerbsfähig zu sein

LANXESS befeuert erstmals Großanlage mit Wasserstoff

Vorteil Verbundstandort: Wasserstoff entsteht bei Covestro als Nebenprodukt in der Chlorelektrolyse

Wissenschaftler verwandeln einen der weltweit am meisten verhassten Kunststoffe in ein Premium-Schmiermittel

Sie entdecken etwas, das weitaus vielversprechender ist als eine Recyclingmethode

Neue EU-Verpackungsverordnung in Kraft: PFAS in Lebensmittelverpackungen verboten

„Forever Chemicals“ in Verpackungen wie Pizzakartons und Mikrowellen-Popcorn-Beuteln nun EU-weit verboten

Weitere News von unseren anderen Portalen

Jenseits von Antibiotika: ein neuer Ansatz zur Behandlung von Harnwegsinfektionen

Nahrungsergänzungsmittel im Alter: Wann sie helfen und wann sie schaden

Verbraucherzentrale NRW warnt: Vitamin D kann bei Überdosierung Nierenschäden verursachen

Ein neuer Blick auf das Mikrobiom und seine Metaboliten

Starke Entzündungsreaktionen auf unbekannten immunologischen Regelkreis zurückzuführen

Erhöhte FGL-1-Spiegel korrelieren mit stärkerer Entzündung – der Signalweg könnte auch bei anderen Erkrankungen relevant sein

Warum Äpfel anders auf den Klimawandel reagieren als Weizen

Der P-tau 217 Alzheimer-Biomarker ist präklinisch überraschend schwach

Warum werden wir müde? Wie Nervenzellen das Schlafbedürfnis steuern

Zu verstehen, wie das Gehirn Schlafdruck erzeugt, eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die Schlafforschung

Studie bringt hochverarbeitete Lebensmittel mit einem deutlich höheren Prostatakrebsrisiko in Verbindung

Ein höherer Konsum erhöht das Risiko für Prostatakrebs bei Männern um bis zu 31%

Astorg schließt die Übernahme des Mikrobiologiegeschäfts von Thermo Fisher Scientific ab

Der ehemalige CEO von PerkinElmer steht an der Spitze des neuen Unternehmens

Die industrielle Geflügelzucht beschleunigt die Ausbreitung einer schwerwiegenden durch Lebensmittel übertragenen Krankheit

Ein Foto genügt: Masterstudent gewinnt Deutschen Verpackungspreis

Foto soll zeigen, wie klimafreundlich eine Lebensmittelverpackung ist: Antrag auf ein EXIST-Gründungsstipendium

Neue Erfindung soll die Elektronenmikroskopie deutlich verbessern

Kostenlose KI entwickelt neuartigen E. coli-Killer

Modell entwarf die Phagen-Genome von Anfang bis Ende, ohne dass die Forscher manuell in die Sequenz eingriffen

Alnatura mit neuem Partner: Netto bringt als erster Discounter die beliebte Bio-Marke in alle Berliner Filialen

Automatisierung beschleunigt Forschung an Tropenkrankheiten

Leibniz-HKI und Analytik Jena zeigen, wie innovative Labortechnologien die Entwicklung neuer Wirkstoffe unterstützen

CRISPR fungiert als Oberbefehlshaber der Reserveabwehr bei Bakterien

Diese Erkenntnis könnte dazu beitragen, mehr phagenresistente Bakterien zu züchten – oder bessere Antibiotika zu entwickeln.

80 % der Kleinkindnahrung in den Regalen der Lebensmittelgeschäfte ist hochverarbeitet

Bei fast der Hälfte der Proben wurden die empfohlenen Grenzwerte für Zucker, Natrium, Fett oder Kalorien überschritten.

Bruker steigt bei Organ-on-a-Chip-Spezialist MIMETAS ein

E