Bundeswehr 186.700 Soldaten in Deutschland; 700 über dem Mindestziel 186.000.

loyal-Ausgabe September 2026 - Reservistenverband

Editorial von Chefredakteur André Uzulis

Das Verteidigungsministerium hat dieser Tage eine bemerkenswerte Zahl veröffentlicht: 186.700. Auf so viele Soldaten ist die Bundeswehr zum Stichtag 31. Juli angewachsen. Es ist der höchste Stand seit 13 Jahren. Damit liege die personelle Stärke des militärischen Personals im Zielkorridor für das Jahr 2026, schreibt das Ministerium. Das klingt gut – im ersten Moment. Natürlich ist es gut, wenn angesichts der russischen Bedrohung die Bundeswehr anwächst. Doch das Ministerium selbst hat den Zielkorridor auf 186.000 bis 190.000 Soldaten definiert. Da kann es von Glück sprechen, dass dieser Zielkorridor mit den 700 Männern und Frauen über der Mindestmarke gerade so erreicht wurde.

Der Zielkorridor verschiebt sich allerdings in den kommenden Jahren nach oben. 2027 sollen zwischen 190.000 und 193.000 Soldaten in der Bundeswehr dienen, 2028 zwischen 193.000 und 198.000 und so weiter, bis 2035 das gesetzliche Ziel von 260.000 aktiven Soldaten erreicht ist. Ob das angesichts des eher geringen Zuwachses in diesem Jahr gelingt, ist fraglich. Ohnehin sind diese Zahlen gemessen an der Bedrohungslage eher schwach ambitioniert. Im Grunde müsste Deutschland angesichts seiner Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen deutlich größere Streitkräfte aufbieten.

In Deutschland gibt es je 1.000 Einwohner 2,24 Soldaten. Dieser Wert liegt am unteren Rand im Vergleich zu vielen unserer Nachbarn. Die Frage ist, ob Deutschland mehr Soldaten ziehen kann – oder ob es das gar nicht will. Hier kommt der neue Wehrdienst ins Spiel. Bis Ende Juni konnten von den 18-Jährigen, die den seit Januar verschickten Fragebogen zum Wehrdienst beantworteten, ganze 530 fest für den Wehrdienst gewonnen werden – das sind 0,18 Prozent der Angeschriebenen. Sollte sich diese verschwindend geringe Zahl nicht in naher Zukunft vergrößern, dürfte der bislang auf Freiwilligkeit beruhende Wehrdienst als gescheitert gelten. Noch ist es für eine abschließende Bewertung zu früh. Aber es mehren sich unter hochrangigen Militärs und Fachpolitikern die Stimmen, die auf Wiedereinführung einer Wehrpflicht – mit Betonung auf „Pflicht“ – dringen. Die aber scheut das Ministerium aus politischen Gründen wie der Teufel das Weihwasser.

Die heutige Generation der 18- bis 20-Jährigen klagt, dass eine Wehrpflicht ihr eine übermäßige Last auferlegen würde angesichts ihrer ohnehin düsteren Zukunftsaussichten. Sie hat in der Tat enorme Probleme von den Altvorderen geerbt: Plünderung der Staatsfinanzen, ein überbordender Sozialstaat, eine metastasierende Bürokratie, eine gescheiterte Energiepolitik, die problematische Migrationspolitik, das offenkundige Ende des bisherigen Geschäftsmodells der deutschen Wirtschaft und noch einiges mehr. Außerdem wurden 2006 nur halb so viele Kinder in Deutschland geboren wie 1965. Diese relativ kleine Kohorte der heute 20-Jährigen und ihre Nachfolger werden gewaltige Lasten zu tragen haben. Dennoch führt an einer Wehrpflicht kein Weg vorbei. Denn wenn die Abschreckung Russlands auch mit einer hinreichend großen Masse an Soldaten nicht gelingt, haben diese jungen Leute und die ihnen nachfolgenden Generationen nicht nur eine schwierige Zukunft vor sich, sondern gar keine mehr.

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