Thüringer Landesregierung trifft sich in Brüssel zur auswärtigen Kabinettsitzung; Mehrjähriger Finanzrahmen 2028 Kohäsionspolitik sichern
Europa und seine Regionen gestalten – Landesregierung rückt in Brüssel Thüringer Interessen und Stärken in den Fokus
Europa und seine Regionen gestalten – Landesregierung rückt in Brüssel Thüringer Interessen und Stärken in den Fokus
2026 01.09.2026 Erstellt von Thüringer Staatskanzlei
Brüssel ist der Ort, an dem die politischen Weichen für Europa und seine Regionen gestellt werden – wer die Interessen Thüringens wirksam vertreten will, muss deshalb vor Ort sein, den Austausch suchen und sich aktiv einbringen. Vor diesem Hintergrund trifft sich die Thüringer Landesregierung am 1. und 2. September in der europäischen Hauptstadt zu einer auswärtigen Kabinettsitzung. Unter anderem in Gesprächen mit dem EU-Kommissar für Regionalpolitik, Raffaele Fitto, dem Kommissar für Energiepolitik, Dan Jørgensen, und der Präsidentin des Europäischen Ausschusses der Regionen, KataTüttő macht sie deutlich, was für die Zukunft des Freistaats bei der Ausgestaltung europäischer Politik entscheidend ist.
Bereits im vergangenen Jahr lud Thüringen jeweils als Vorsitzland am 21. und 22. Mai zur Konferenz der Europaministerinnen und Europaminister sowie am 6. November zur Regionalkonferenz der Regierungschefin und Regierungschefs der ostdeutschen Länder ins Herz Europas ein und hob unter anderen mit der Europa-Erklärung die Bedeutung zukunftsfähiger Regionen für die Europäische Union hervor.
Im Mittelpunkt der Beratungen des heutigen sowie des morgigen Tages stehen die künftige Ausgestaltung des EU-Haushalts ab 2028 – des sogenannten Mehrjährigen Finanzrahmens – sowie die europäische Kohäsions- und Agrarpolitik. Darüber hinaus befasst sich das Kabinett unter anderem mit der neuen europapolitischen Strategie Thüringens, die in den kommenden Monaten beschlossen werden soll.
Zugleich zeigt sich der Freistaat auf europäischer Bühne als verlässlicher und leistungsfähiger Partner. Auch bei zahlreichen bilateralen Terminen werben die Ministerinnen und Minister im direkten Austausch mit europäischen Entscheidungsträgern in ihrem jeweiligen Ressort dafür, Thüringen als starke Region Europas noch stärker in den Blick zu nehmen.
„Europa entscheidet über vieles, was für Thüringen ganz konkret zählt – von der Entwicklung unserer ländlichen Räume und der Unterstützung unserer Unternehmen bis zu Forschung, Innovation und neuen Arbeitsplätzen. Deshalb wollen wir in Brüssel nicht nur reagieren, sondern frühzeitig mitgestalten. Thüringen hat starke Unternehmen, exzellente Forschung und gute Ideen. Diese Stärken müssen wir noch gezielter in europäische Netzwerke und Programme einbringen und zugleich dafür sorgen, dass europäische Mittel dort ankommen, wo sie für unser Land den größten Unterschied machen. Die Gespräche hier in Brüssel zeigen: Thüringen wird gehört, wenn wir unsere Interessen klar und selbstbewusst vertreten.“
„Thüringen liegt mitten in Europa und ist in vielfältiger Weise mit der EU und den anderen europäischen Regionen verbunden. Da ist es wichtig im Gespräch zu bleiben über die ganz großen Fragen wie Frieden, Demokratie und Wirtschaftswachstum, aber auch den vielen anderen Fragen wie die Förderung des ländlichen Raumes, Demografie oder auch Bürokratieabbau. Da hilft es sehr, sich auch einmal richtig in die Augen zu schauen.
Minister für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung Georg Maier:
„Zivile Krisenvorsorge und Bevölkerungsschutz beschäftigen uns nicht allein in Thüringen. Je geeinter wir in der zivilen Krisenvorsorge und im Bevölkerungsschutz mit unseren Nachbarbundesländern aber insbesondere auch mit unseren europäischen Freundinnen und Freunden auftreten, desto effektiver begegnen wir den Herausforderungen von heute und morgen. Ich freue mich daher besonders über meinen bilateralen Austausch mit EU-Kommissarin Hadja Lahbib am Rande unserer Kabinettsitzung, mit der ich Ideen für einen noch intensiver europäisch integrierten Thüringer Bevölkerungsschutz diskutieren konnte. Auch das Thema hybride Bedrohungen beschäftigt Europa und uns über die Grenzen Thüringens hinaus. Der Vorfall am Leipziger Flughafen zeigt: Kapazitäten zur effektiven Drohnendetektion und Abwehr werden dringend benötigt. Deshalb setzt Thüringen sich auch auf europäischer Ebene für intensiven Austausch von Know-How und Technologien im Bereich Drohnendetektion- und Abwehr ein.“
Thüringen wirbt für eine angemessene finanzielle Ausstattung der Regionen
Ein Schwerpunkt der Kabinettsitzung ist der nächste Mehrjährige Finanzrahmen der Europäischen Union ab 2028. Für Thüringen ist die Ausgestaltung des künftigen EU-Haushalts von großer Bedeutung. Die europäischen Mittel ermöglichen Investitionen in regionale Entwicklung, ländliche Räume, Landwirtschaft, Innovation und Infrastruktur.
Die Landesregierung setzt sich deshalb weiterhin dafür ein, dass die Mittelausstattung der Kohäsions- und Agrarpolitik möglichst weitgehend erhalten bleibt. Gerade für strukturschwächere und ländlich geprägte Regionen müssen die besonderen Herausforderungen von Transformation und regionalen Unterschieden auch im nächsten EU-Finanzrahmen berücksichtigt werden.
Dabei geht es nicht allein um die Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten und den europäischen Institutionen. Auch die Frage, wie die europäischen Mittel künftig innerhalb Deutschlands verteilt werden, wird entscheidend sein. Thüringen will sich deshalb gemeinsam mit den anderen ostdeutschen Ländern dafür einsetzen, dass die besonderen strukturellen Herausforderungen der Regionen angemessen berücksichtigt werden.
Thüringen stärkt seine europapolitische Positionierung
Neben den aktuellen Verhandlungen über den EU-Haushalt geht es in Brüssel auch um die langfristige europapolitische Positionierung des Freistaats. Unter Federführung der Thüringer Staatskanzlei arbeitet die Landesregierung derzeit an einer neuen europapolitischen Strategie.
Ziel ist es, Thüringen auf europäischer Ebene stärker sichtbar und zugleich die vielfältigen Chancen und Fördermöglichkeiten der Europäischen Union in Thüringen bekannter und besser nutzbar zu machen. Gleichzeitig sollen europäische Netzwerke und die Interessenvertretung Thüringens in Brüssel weiter ausgebaut werden. Europa darf dabei kein fernes Thema bleiben, das nur in Brüssel oder Berlin stattfindet. Die Landesregierung zielt daher darauf, europäische Entscheidungen, Fördermöglichkeiten und Chancen auch innerhalb Thüringens stärker zu vermitteln.
Die Landesregierung möchte damit auch einen weiteren Perspektivwechsel vollziehen: Thüringer Akteure sollen ermutigt werden, eigene Kompetenzen und Zukunftsthemen frühzeitig und europäisch vernetzt in die Entwicklung künftiger EU-Förderprogramme einzubringen.
„Personalized Optical Digital Twin“ – ein Beispiel für Thüringer Zukunftskompetenz
Wie dieser strategische Ansatz konkret aussehen kann, zeigt die Initiative „Personalized Optical Digital Twin“ (PODT). Prof. Dr. Jürgen Popp, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien in Jena, stellte dem Kabinett ein Leuchtturmprojekt vor, das Thüringer Kompetenzen in Photonik, Künstlicher Intelligenz, Gesundheitsforschung und Medizintechnik mit europäischen Zukunftsthemen verbindet.
Ziel von PODT ist die Entwicklung eines kontinuierlich aktualisierten digitalen Gesundheitsmodells, das photonikbasierte Messverfahren mit weiteren Gesundheitsdaten und klinisch validierter Künstlicher Intelligenz verbindet. Veränderungen im Körper sollen dadurch früher erkannt und Krankheiten möglichst präventiv und personalisiert behandelt werden können.
Die Initiative dient zugleich als Beispiel dafür, wie Thüringer Forschung und Technologie stärker mit europäischen Prioritäten und Wertschöpfungsketten verbunden werden können. PODT wird deshalb gemeinsam mit europäischen Partnern als mögliche Leitinitiative für das kommende EU-Forschungsrahmenprogramm FP10 positioniert. Im Mittelpunkt stehen dabei auch Fragen der technologischen Souveränität Europas und der Wettbewerbsfähigkeit in Schlüsseltechnologien wie Photonik, Halbleitern und Künstlicher Intelligenz.