Bauhaus-Universität Weimar erhält Fellowships für digitale Hochschullehre in Thüringen; Lokale KI-Modelle laufen ohne Cloud-Dienste.
Drei Lehrprojekte der Bauhaus-Universität Weimar erhalten Fellowships für digitale Hochschullehre
Drei Lehrprojekte der Bauhaus-Universität Weimar erhalten Fellowships für digitale Hochschullehre
Gleich drei Vorhaben aus drei Fakultäten der Bauhaus-Universität Weimar werden 2026 im Rahmen der »Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre« gefördert. Die Fellowships werden vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vergeben. Ausgezeichnet wurden Projekte von Dr. Tabea Carlotta Latocha aus der Fakultät Architektur und Urbanistik, Ting-Chun Liu aus der Fakultät Kunst und Gestaltung sowie Prof. Dr. Bernd Fröhlich aus der Fakultät Medien. Die Vorhaben zeigen unterschiedliche Ansätze, digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz in die Hochschullehre einzubinden und zugleich kritisch zu reflektieren.
Werkzeugkasten für die Stadtentwicklung in der Klimakrise
Dr. Tabea Carlotta Latocha, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Stadtplanung, erhält ein Einzel-Fellowship für ihr Vorhaben »Werkzeugkasten Stadtmachen – Wohnungs- und Stadtentwicklung in der Klimakrise«. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines interaktiven OER-Selbstlernmoduls für die Urbanistik-Lehre.
Ab dem kommenden Semester sollen digitale Lernpfade methodische Grundlagen in drei zentralen Bereichen vermitteln: bei der sozialräumlichen Analyse, der Partizipation in Planungsprozessen und dem Umgang mit sozial-ökologischen Zielkonflikten im Kontext von Wohnungs- und Klimakrise. Fallbasierte Übungen und interaktive Lernformate ergänzen dabei die projektorientierte Präsenzlehre.
Das Modul soll dauerhaft in die Lehre integriert und als Open Educational Resource auch anderen Lehrenden zur Verfügung gestellt werden. Inhaltlich knüpft das Projekt unmittelbar an die Arbeit der Professur Stadtplanung an, die sich mit Verfahren und Methoden räumlicher Planung sowie mit gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen einer demokratischen, ressourcenverträglichen und sozial gerechten Stadtentwicklung beschäftigt.
Was sieht eine KI, wenn sie einen Film betrachtet?
Einen anderen Zugang zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Lehre verfolgt Ting-Chun Liu an der Professur Crossmediales Bewegtbild der Fakultät Kunst und Gestaltung. Das Einzel-Fellowship »Lokale KI-Anwendung im Bewegtbild-Studio« setzt bei einer Frage an, die für Studierende im kreativen Bereich zunehmend relevant wird: Wie lässt sich mit KI arbeiten und zugleich eine informierte und kritische Haltung gegenüber der Technologie entwickeln?
Im Projekt untersuchen Studierende, wie KI-Systeme Bewegtbilder wahrnehmen und interpretieren. Was erkennt eine Maschine in einer Szene? Wie beschreibt sie emotional aufgeladenes Material? Welche Gesten oder Zusammenhänge übersieht sie? Und welche anderen Erzählungen können entstehen, wenn Filmmaterial mithilfe von KI analysiert wird?
Dafür kommen offene multimodale KI-Modelle zum Einsatz, die Bilder und Texte miteinander in Beziehung setzen können. Eine Besonderheit des Projekts ist der lokale Betrieb: Die Modelle laufen auf der Hardware der Studierenden, ohne Cloud-Dienste, API-Schlüssel oder der Übertragung von Daten an externe Anbieter. Damit wird die Technologie selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung. Studierende können nicht nur ihre Möglichkeiten erproben, sondern auch nachvollziehen und hinterfragen, unter welchen technischen und materiellen Bedingungen KI arbeitet.
KI als Lernpartner beim kritischen Lesen
Prof. Dr. Bernd Fröhlich aus der Fakultät Medien erhält gemeinsam mit Prof. Dr. Ines Engelmann vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Tandem-Fellowship für das Projekt »Agentic Read-Pair-Share – Eine webbasierte Plattform zur Förderung kritischer Lese- und KI-Kompetenz«. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Studierende generative KI zunehmend nutzen, um wissenschaftliche Texte zu erschließen, die generierten Antworten jedoch häufig unkritisch übernehmen.
Im Projekt entwickeln die beiden Forschenden eine webbasierte Lehr-Lernplattform, die Large Language Models nicht nur zur Generierung von Antworten einsetzt, sondern als didaktisch gestaltete Lernpartner in die Auseinandersetzung mit Fachtexten einbindet. Grundlage ist eine digitale Variante der kollaborativen Lernmethode Think-Pair-Share. Die KI übernimmt dabei unterschiedliche Rollen: als Chatbot, als Lernpartnerin für Studierende oder als eigenständiges KI-Paar, das auch fehlerhafte oder provokative Interpretationen in die Diskussion einbringt. Studierende sollen so lernen, Argumente zu prüfen, KI-Ausgaben mit dem Originaltext abzugleichen und eigene Interpretationen begründet zu vertreten.
Das interdisziplinäre Tandemprojekt wird in Lehrveranstaltungen am Institut für Kommunikationswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena und im Bereich Medieninformatik der Bauhaus-Universität Weimar erprobt und evaluiert. Anschließend soll das entwickelte Lehrkonzept offen zur Verfügung gestellt und damit auch auf andere Lehrkontexte übertragen werden. Über das Fellowship für Innovationen in der digitalen Hochschullehre Insgesamt acht Vorhaben aus Thüringen wurden in diesem Jahr für die Fellowships ausgewählt. Das Förderprogramm besteht seit 2018 und unterstützt Lehrende an staatlichen Thüringer Hochschulen dabei, neue digital gestützte Lehr- und Prüfungsformate zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. Dazu gehören unter anderem Blended-Learning-Konzepte, digitale Selbstlernangebote, Simulationen und Anwendungen Künstlicher Intelligenz. Einzelvorhaben werden mit bis zu 50.000 Euro, Tandem-Projekte mit bis zu 60.000 Euro gefördert. Weitere Informationen erhalten Sie unter: https:
Informationen über die Bauhaus-Universität Weimar.
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