---
title: "Daniel Artmann erklärt bilingualen Unterricht am ZGSZ in Zürich; Zwei-Sprachen-Option dauerhaft im Unterricht"
sdDatePublished: "2026-09-02T11:33:00Z"
source: "https://www.sgb-fss.ch/de/aktuell/schulstart-in-zwei-sprachen/"
topics:
  - name: "education"
    identifier: "medtop:05000000"
  - name: "students"
    identifier: "medtop:20000415"
  - name: "teachers"
    identifier: "medtop:20000416"
  - name: "disabilities"
    identifier: "medtop:20000791"
  - name: "language"
    identifier: "medtop:20000042"
locations:
  - "Winterthur"
  - "Zürich (Kanton)"
  - "Zürich"
  - "Switzerland"
---


Daniel Artmann erklärt bilingualen Unterricht am ZGSZ in Zürich; Zwei-Sprachen-Option dauerhaft im Unterricht

Schulstart in zwei Sprachen - SGB-FSS

Aktuell News Medien Veranstaltungen GanzOHR Magazin Diskriminierungsbericht Tag der Gebärdensprachen 2026 Gebärde des Jahres 2025 80 Jahre Gehörlosenbund Newsletter

Angebote E-Lexikon Gebärdensprache E-Learning signwise.ch Grundwissen Gehörlosigkeit Gebärdensprachkurse Gebärdensprach-Heimkurse für Familien ‹Read to Deaf Kids› Rechtsberatung Veranstaltungen Workshops und Webinare Infomaterialien & Downloads

Bereiche Gebärdensprachen Arbeit Bildung Gesundheit Barrierefreiheit Politik Familien

Verband Unser Leitbild Vorstand Mitarbeitende Mitglieder Partner Förderfonds Bewegte Geschichte Jahresberichte HUSER AWARD Jobs Kontakt

Spenden Spendenmöglichkeiten Mitglied- und Patenschaften Erbschaften und Legate Für Stiftungen und Unternehmen

Rechtsberatung Anlaufstellen E-Lexikon Downloads Suche

Direktor vom Zentrum für Gehör und Sprache Zürich (ZGSZ), Daniel Artmann, erklärte bei Radio1, wie gehörlose und hörbehinderte Kinder heute bilingual in Laut- und Gebärdensprache unterrichtet werden – und warum dieser Ansatz wichtig ist.

Wie unterscheidet sich der Schulalltag am ZGSZ von jenem an einer gewöhnlichen Schule? Im Gespräch mit Radio 1 beschreibt Direktor Daniel Artmann das bilinguale Unterrichtsmodell des Zentrum für Gehör und Sprache (ZGSZ): Die Kinder erhalten Unterricht sowohl in Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS) als auch in Lautsprache.

Auf die 200-jährige Geschichte des ZGSZ angesprochen, thematisiert Daniel Artmann dabei auch ein dunkles Kapitel der Gehörlosenbildung: Nach dem Mailänder Kongress von 1880 wurde die Gebärdensprache im Unterricht über lange Zeit unterdrückt und die sogenannte Oralmethode in den Mittelpunkt gestellt. Heute verfolgt das ZGSZ einen anderen Ansatz und baut sein Angebot in Gebärdensprache aus.

Transkription Beitrag 1: Bilingualer Unterricht am ZGSZ

Radio 1: 15’423 Kinder gehen im Kanton Zürich heute zum 1. Mal in die Schule. Auch am Zentrum für Gehör und Sprache Zürich beginnt heute die Schule. Was ist bei euch in Wollishofen heute anders als an einer gewöhnlichen Schule?

Daniel Artmann: Ja, vielleicht kann man sich vorstellen, es kommen ganz verschiedene Kinder zusammen. Es kommen Erstklässler zusammen, es kommen Zweitklässler zusammen, Drittklässler zusammen. Und es kommen vor allem Kinder zusammen, die ganz unterschiedlich gut hören. Und das, denke ich, ist der grosse Unterschied.

Dass wir jetzt den Kindern, die nicht gut hören, versuchen konsequent ein neues Unterrichtsmodell anzubieten in zwei Sprachen. In einer Sprache zum Sehen, nämlich in der Deutschschweizer Gebärdensprache. Und in einer Sprache zum Hören, die wir jetzt hier am Radio auch hören, nämlich die Lautsprache.

Radio 1: Die zwei Sprachen, die Sie erwähnen, was bedeutet das konkret im Klassenzimmer?

Daniel Artmann: Das heisst im Klassenzimmer, dass da ständig drei Personen anwesend sein werden, die im Teamteaching unterwegs sind. Das heisst, es ist immer jemand da, der in der Gebärdensprache unterrichtet. Es ist immer jemand da, der in der Lautsprache unterrichtet.

Und das Kind ist vielleicht das Spezielle daran. Das Kind kann entscheiden, in welcher Sprache ich was nehme. Vielleicht nehme ich Deutsch in dieser Sprache, vielleicht nehme ich Mathe in der Gebärdensprache. Das ist dann das Spezielle daran.

Radio 1: Warum ist es wichtig, dass hörbehinderte Kinder sowohl Deutsch als auch Gebärdensprache lernen?

Daniel Artmann: Es ist wichtig, weil am Schluss das Gehör nicht allein entscheidet, ob man einen Lernerfolg haben kann. Es gibt verschiedene Lerntypen. Gerade Menschen, die nicht gut hören, lernen gut visuell. Darum ist es wichtig, dass man ständig beides anbietet.

Transkription Beitrag 2: 200 Jahre Zentrum für Gehör und Sprache Zürich

Radio 1: Schulstart, Montag Morgen, und wir zu Gast an einer nicht ganz gewöhnlichen Schule. Nämlich am Zentrum für Gehör und Sprache Zürich. Daniel Artmann, Direktor vom ZGSZ, das Zentrum gibt es schon 200 Jahre – man hat also schon dazumal gespürt und gemerkt, dass man ein spezielles Programm für hörbehinderte Kinder anbieten sollte. Was war denn das damals für ein Umfeld?

Daniel Artmann: Die Geschichte fängt vor 200 Jahren an, sogar fast noch ein bisschen mehr. Zürich war damals von einem Krieg gebeutelt. Es gab viel Armut, viele Krankheiten. Ein paar vermögende Männer von der Zürcher Hilfsgesellschaft beschlossen, dass es ein Angebot braucht.

Dann hat man im Zürcher Niederdorf in einem Haus angefangen. Ganz zuerst mit blinden Kindern und dann ab 1826 mit gehörlosen Kindern Unterricht zu machen. Das war damals gar nicht selbstverständlich, dass man gefunden hat, dass Kinder, die eine Behinderung haben, bildungsfähig sind.

Da waren wir europaweit recht früh dran in Zürich. Seit da gibt es uns immer am Standort Zürich, im Moment in Wollishofen.

Radio 1: Es gab sogar eine Zeit, in der Gebärdensprache im Unterricht verboten war. Warum?

Daniel Artmann: Es gab den sogenannten Mailänder Kongress, in dem sich in Europa 1880 alle gehörlosen Pädagogen getroffen haben. Sie beschlossen, das Hauptziel sei, dass ein Kind, das nichts hört, lernt zu sprechen. Dann hat man die sogenannte Oralmethode verpflichtend gemacht in Europa und hat so über viele Jahre Gebärdensprache unterdrückt.

Man hat gesagt, dass ein Kind, das nichts hört, zuerst wirklich lernen muss, zu sprechen. Das hat man unter allen Umständen versucht zu erreichen und so den Kindern auch andere Bildung vorenthalten. Es hat so viel Kraft gebraucht, zu lernen zu sprechen, dass alles andere untergegangen ist.

Radio 1: Die Zeiten sind zum Glück längst vorbei. 200 Jahre Zentrum für Gehör und Sprache Zürich. Hat es genug Platz für weitere Kinder mit einer Hörbehinderung?

Daniel Artmann: Wir sind in den letzten fünf Jahren fast doppelt so gross geworden, weil wir gesagt haben: Jedes Kind, das das braucht, muss ein Angebot in Gebärdensprache bekommen können. In der Zwischenzeit haben wir auch ein Angebot in Winterthur und in Embrach. Und ja, es hat Platz.

Das ZGSZ feiert diese „200 Jahre ZGSZ“ unter anderem mit dem grossen Jubiläumsfest am Samstag, 19. September 2026, in Zürich-Wollishofen.

Publiziert am 1. September 2026

Schweizerischer Gehörlosenbund Räffelstrasse 24, 8045 Zürich Telefon +41 (0)44 315 50 40 Kontakt

Spenden IBAN CH93 0900 0000 8002 6467 1 Online Spenden

Bleibe informiert über unsere News, Projekte, Events und Erfolge.