Evangelische Kirchengemeinde Templin veranstaltet Vier Abende Meckern erlaubt in Templin; Demokratie stärkt Vertrauen durch Austausch
9/26 Meckern erlaubt und zuhören erwünscht – Wie Demokratie vor Ort lebendig wird | Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
26 Meckern erlaubt und zuhören erwünscht – Wie Demokratie vor Ort lebendig wird
Meckern erlaubt und zuhören erwünscht – Wie Demokratie vor Ort lebendig wird
„In der Kirche darf man ja auch nicht mehr sagen, was man denkt.“
Dieser Satz zu Beginn meiner Tätigkeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Templin ließ mich nicht mehr los. Er wirkte lange nach und wurde dann zum Ausgangspunkt der Frage: Wie können wir Räume schaffen, in denen Menschen ihren Unmut äußern dürfen und erfahren, dass ihnen zugehört wird?
Wenn Menschen das Gefühl haben, nicht gehört zu werden
Demokratie bedeutet laut Duden „Herrschaft des Volkes“. Viele Menschen erleben das heute jedoch anders. Sie haben den Eindruck, Entscheidungen würden „über ihre Köpfe hinweg“ getroffen. Das führt dazu, dass sie sich anderen Gruppierungen oder Parteien zuwenden, die am Rand oder außerhalb des Grundgesetzes stehen.
Raum für Unmut und Austausch schaffen
Es kam deshalb die Idee auf, einen geschützten Raum für Kritik und Austausch zu schaffen. Daraus entwickelte sich die Veranstaltungsreihe der Evangelischen Kirchengemeinde Templin und in Kooperation mit der Waldhof
Stephanus-Stiftung. An vier Abenden hieß es an unterschiedlichen Orten Meckern erlaubt. Zuhören erwünscht. Nachfragen erbeten. Unterstützt wurden wir durch die Initiative „Tischgespräche“ des Diakonischen Werkes.
Die Abende begannen wir in sogenannten Murmelgruppen – und Ärger wurde laut: über den ÖPNV, Fusionen der Kirchengemeinden, Verkehrslärm oder unzureichende Informationen zu Pflegeangeboten. Nach jeder Wortmeldung sammelten wir Resonanzen. So wurden Gemeinsamkeiten sichtbar – aber ebenso auch Unterschiede.
In den Pausen bei Getränken und Snacks kamen wir ganz ungezwungen miteinander ins Gespräch. Mein Eindruck war, dass so das Vertrauen ineinander gestärkt wurde und dadurch die sich anschließenden Diskussionen vertieften.
Was passiert, wenn unterschiedliche Positionen Raum bekommen?
Was bleibt für mich nach diesen vier Abenden? Viele Menschen sehnen sich danach, ihren Unmut aussprechen zu dürfen – und dabei ernst genommen zu werden. Viele suchen nach Verbündeten, um gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichzeitig wurde mir aber auch deutlich, dass kirchliche Räume für manche eine hohe Schwelle bedeuten. Da gehen sie nicht so einfach mal hin. Deshalb ist es wichtig, solche Veranstaltungen auch an kommunalen Orten anzubieten – und in Kooperation mit mehreren gesellschaftlichen Playern.
Wenn wir trotz unterschiedlicher Meinungen im Gespräch bleiben
Besonders eindrücklich war für mich der Abend in Hindenburg. Im Gespräch dort wurde es möglich, anzuerkennen, dass ein demokratisch gewählter Mandatsträger anders abstimmen darf, als andere es sich von ihm wünschen. Zugleich konnte dieser aber auch wahrnehmen, welche Verletzungen seine Entscheidung bei anderen ausgelöst hatte. Trotz dieser Gegensätze blieben alle miteinander im Gespräch – ohne sich zu verurteilen.
Das fand ich beeindruckend! Unterschiedliche Positionen auszuhalten, zu akzeptieren, dass jemand anderes etwas anderes denkt als ich und dennoch miteinander verbunden zu bleiben – wir waren bei einem Kernelement von Demokratie angekommen.
Veit Böhnke, Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Templin
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Veit Böhnke Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Templin
Meckern erlaubt – Zuhören bleibt nötig - Evangelischer Kirchenkreis Oberes Havelland
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