N.N. Sprecher und Albin Wirbel Orgel Gedenkkonzert in der KLOSTERKIRCHE zum Heiligsten Herzen Jesu SANKT OTTILIEN; Eintritt frei, Spenden erbeten

ALBERT SCHWEITZERS WELT Ethik, Musik und Menschlichkeit Ein Gedenkkonzert für Orgel und Sprecher

N.N. Sprecher Albin Wirbel Orgel in der KLOSTERKIRCHE zum Heiligsten Herzen Jesu SANKT OTTILIEN Eintritt frei – Spenden erbeten. 10.01. 2027 15:00 Uhr

ALBERT SCHWEITZERS WELT – Ethik, Musik und Menschlichkeit Albert Schweitzer (1875–1965) war ein Mensch des „Sowohl-als-auch“: Er wirkte als For-scher, Arzt, Philosoph, Theologe und Organist. Nachdem im Jahr 2025 sein 150. Geburtstag und sein 60. Todestag im Fokus standen, beleuchtet dieses Konzert die blei- bende Relevanz seines Denkens. Schweitzer entschied sich mit 30 Jahren, seine akade- mische Laufbahn auf-zugeben, um sich aus Dankbarkeit dem unmittelbaren Dienst am Menschen zu widmen. Ge-meinsam mit Helene Schweitzer-Bresslau, die als Kranken- schwester und Organisatorin eine unverzichtbare Stütze seines Wirkens war, gründete er 1913 das Urwaldhospital in Lam-baréné.

Programm Das Gesprächskonzert verbindet Orgelwerke mit biographischen Impulsen zu Schweit- zers Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ – ein Prinzip, das den Schutz jeglichen Le- bens ohne subjektive Wertunterschiede fordert. J. S. Bach: Concerto in G-Dur (BWV 592): Ein Werk, das Bachs Fähigkeit zeigt, beste- hende Ideen neu zu interpretieren – ein schöpferisches Prinzip, das Schweitzer auch für sein eigenes Handeln reklamierte. J. S. Bach: „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ (BWV 622): Diese meditative Cho-ral- bearbeitung steht für die Innerlichkeit und das Mitleiden, welches Schweitzers Den- ken prägte. F. Mendelssohn Bartholdy: Orgelsonate in c-Moll (Op. 65, Nr. 2): Mendelssohn wird als Schöpfer der romantischen Orgelsonate gewürdigt, dessen Werk den Weg durch das Dunkel zum Licht thematisiert. Zwischen den Musikstücken werden Texte von und über Schweitzer vorgetragen, die dessen Leben und Wirken beleuchten.

Johann Sebastian Bach (1685–1750) Concerto in G-Dur, BWV 592

Choralbearbeitung „O Mensch, bewein dein Sünde groß“, BWV 622

Fantasie und Fuge in g-Moll, BWV 542 Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Präludium und Fuge in G-Dur, Op. 37, Nr. 2

Orgelsonate in c-Moll, Op. 65, Nr. 2 Hinweis: Im Anschluss an das Konzert besteht die Möglichkeit, das Begleitbuch „Albert Schweitzers Welt – Impulse zum Gedenkjahr 2025“ käuflich zu erwerben.

Albert Schweitzer Albert Schweitzer (14.01.1875 bis 04.09.1965) gehört zu den bedeutendsten Persönlich- keiten des 20. Jahrhunderts. Als Theologe, Musiker und Philosoph verfasste er weg- weisende wis-senschaftliche Werke. Ferner wurde er als Organist und Bachinterpret weltweit bekannt. Nach einem zusätzlichen Medizinstudium baute er 1913 in Äquatorialafrika (heute Gabun) ein Spital auf, das bis heute besteht. Er begründete eine universell gültige Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Diese Ethik bezieht alle Lebewesen in die menschliche Verantwortung mit ein gemäß dem Leitgedanken: „Ich bin Leben, das leben will, in- mitten von Leben, das leben will“. Er kämpfte noch im hohen Alter für atomare Abrüstung und Frieden in der Welt. Schweitzers Denken und Handeln bilden eine glaubwürdige Einheit. Angesichts der weltweiten Bedrohung der Schöpfung ist seine Botschaft aktueller denn je. Albert Schweitzers Lehre der Ehrfurcht vor dem Leben Schweitzer betrachtete den technischen Fortschritt und die Kultur­entwicklung Anfang des 20. Jahrhunderts mit tiefer Sorge. Neben dem ungeheuren Zuwachs an Wissen und Können musste er feststellen, dass der moderne Mensch ethisch-geistig immer mehr verkümmert. In allen Bereichen sah Schweitzer die Gefahr zunehmender Unmensch- lichkeit aufziehen. Er erkannte, dass die Zukunft der Menschheit davon abhängt, ob es gelingt, ein tragfähiges Fundament der Ethik zu finden, das alle weltanschaulich- religiösen und kulturellen Unter-schiede der Völker überbrückt. Dieses Fundament entdeckte er in der „Ehrfurcht vor dem Leben“ – eine neue Humanitätsgesinnung, die sich für alles Leben auf dieser Erde verantwort-lich fühlt. Wie aber lässt sich dieser Gedanke der Ehrfurcht vor dem Leben, die sich für alles Leben der Erde verantwortlich weiß, begründen? – Das ethische Denken geht von der „unmittelbarsten und umfassendsten Bewusstseinstatsache“ aus: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will. “Wer über diese Tatsache tiefer nachdenkt, erkennt seine Verbundenheit mit allem Leben, ja mit dem Sein im Ganzen, dessen Teil er ist. Die Wahrhaftigkeit gegen sich selbst und seine Mitwelt nötigt einen, daraus die entsprechende Konsequenz zu zie- hen: Ethik besteht also da-rin, dass ich die Nötigung erlebe, allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht vor dem Leben entgegenzubringen wie dem eigenen. Damit ist das denknotwendige Grundprinzip des Sittli-chen gegeben. Gut ist, Leben erhalten und Leben fördern, böse ist, Leben vernichten und Leben hemmen.“

Albert Schweitzers Umgang mit Konflikten zwischen Moral und Sachzwang Allerdings gerät der Mensch immer wieder in den Konflikt, Leben schädigen oder vernichten zu müssen, um das eigene oder anderes Leben zu erhalten. Trotzdem hält Schweitzer an der grundsätzlichen Gleichwertigkeit aller Lebewesen und Lebensfor- men unerschütterlich fest: „Dem wahrhaft ethischen Menschen ist alles Leben heilig, auch das, das uns vom Menschenstandpunkt aus als tieferstehend vorkommt. Unter- schiede macht er nur von Fall zu Fall und unter dem Zwange der Notwendigkeit, wenn er nämlich in die Lage kommt, entscheiden zu müssen, welches Leben er zur Erhaltung des anderen zu opfern hat. Bei diesem Entscheiden ist er sich bewusst, sub- jektiv und willkürlich zu verfahren und die Verantwortung für das geopferte Leben zu tragen zu haben.“ Wie viele Lebewesen werden aus Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit oder gar zum sportlichen Vergnügen unnötig geschädigt oder getötet. Wie viel Schädigung anderen Lebens, wie viel Schmerz und Leid könnte vermieden werden, wenn jeder Einzelne im Alltag die Notwendigkeit seines Tuns vor seinem Gewissen prüfen würde! „Allen tut uns Selbstbesinnung not, die uns aus dem Dahinleben erwachen lässt. In den alten Verhältnissen müssen wir neue Menschen werden, um neue Zustände schaf- fen zu können.“ Organist, Bachinterpret, Musikwissenschaftler und Theoretiker des Orgelbaus Albert Schweitzer war ein bekannter Organist und einer der für das 20. Jahrhundert stilbilden-den Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs. Albert Schweitzer ent- deckte Bach als „Dichter und Maler in Musik“. In seinen umfangreichen Büchern über die Musik Bachs arbeite-te er heraus, wie Bach „das Gefühlsmäßige wie das Bildliche“, das in den Worten der zugrun-de liegenden Texte zum Ausdruck kommt, „mit größt- möglicher Lebendigkeit und Deutlichkeit in dem Material der Töne“ wiedergibt. Auf seinen Konzertreisen lernte Schweitzer viele Orgeln kennen und kam dabei zur Einsicht, dass die moderne Fabrikorgel in klanglicher Hinsicht eher einen Rückschritt bedeutete. Ein-gehend studierte er von nun an zusätzlich den Orgelbau und wurde ein allseits geachteter Orgelbauexperte. Die Orgel war für ihn das vollkommene Instrument, das „etwas von der Art des Ewi- gen an sich hat“. Vielerorts wurde er als Gutachter alter Orgeln angefordert. Es gelang ihm, gar man-che vor dem Abriss zu bewahren.

Albin Wirbel Albin Wirbel (*1971) ist Dipl.-Musikpädagoge und leitet Klavier- sowie Chorklassen in Kaufbeuren und Ochsenhausen. Als freischaffender Organist und Komponist liegt sein Schwerpunkt auf der individuellen und kreativen Förderung. Er ist erster Vorsit- zender des Fördervereins der Dominikus-Kirche Kaufbeuren, einem Ort, an dem fünf Glaubensrichtungen ein gemeinsames Miteinander pflegen. Parallel zu seiner musika- lischen Laufbahn ist Wirbel als Heilpraktiker für Psychotherapie und Jin Shin Jyutsu- Praktiker tätig. In seiner Arbeit verbindet er musikpädagogische Ansätze mit ganzheit- lichen Methoden zur Stärkung von Körper und Geist. Das Projekt „Albert Schweitzers Welt“ basiert auf seiner langjährigen Auseinandersetzung mit Schweitzers philosophi- schem und musikalischem Erbe. Für ihn ist die Orgel dabei mehr als ein Instrument; sie ist ein Medium, das – ganz im Sinne Schweitzers – eine Verbindung zum Ewigen und zur eigenen inneren Wahrheit schafft.