Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellt Bilanz des Erntejahrs 2026 in Niedersachsen vor; Erträge teils deutlich gefallen
Trockenheit und Kostendruck prägen Ernte 2026 : Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Teils extreme Wetterverhältnisse schmälern Erträge: Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellt Bilanz des Erntejahrs vor. Trotz stabilerer Preise stehen viele Betriebe wirtschaftlich unter Druck.
Wetter : Insgesamt günstige Aussaatbedingungen im Herbst 2025, in der Regel problemlose Überwinterung trotz Frost dank Schneedecke; ausgeprägte Trockenheit von März bis April, ergiebigere Regenfälle erst im Mai; insgesamt eher günstige Aussaatbedingungen für Sommerkulturen. Hitzeperiode mit Temperaturen von 40 Grad Ende Juni wirkt sich – je nach Kultur, Standort und Entwicklungsstadium – auf Entwicklung der Pflanzen sehr unterschiedlich stark aus. Ausgeprägte Trockenheit in den Sommermonaten. Die Folgen des Klimawandels sind unübersehbar.
Winterkulturen : Diese werden überwiegend in ähnlichem Umfang wie im Vorjahr angebaut, Fläche bei Raps und Gerste deutlich ausgeweitet; bei den Sommerkulturen gibt es ein Flächen-Plus beim Silomais und ein Minus bei Sommer- beziehungsweise Braugerste.
Getreideernte: Erträge gegenüber dem Vorjahr uneinheitlich – überdurchschnittliche Erträge bei der Winter- und der Sommergerste, teils deutliche Einbußen bei Winterweizen und Triticale. Qualitäten fallen sehr unterschiedlich aus – je nachdem wie stark die Bestände vom „Hitzschlag“ Ende Juni getroffen wurden.
Kartoffeln: Nach Überangebot und Preisverfall deutlich reduzierte Anbaufläche. Nicht ausreichende Niederschläge und Hitze lassen weniger Ertrag und Einbußen bei der Qualität erwarten. Marktaussichten seit kurzer Zeit wieder positiv.
Raps: Anbaufläche dank guter Marktpreise erheblich ausgeweitet; regionale Frostereignisse während der Blüte, ebenfalls regional auftretende Schotenschädlinge und die Hitze während der Samenreife wirken sich negativ auf die Ertragsbildung aus.
Zuckerrüben: Globales Zucker-Überangebot und wenig attraktive Marktpreise führen zu einem weiteren Rückgang der Anbaufläche. Gute Bedingungen während der frühen Aussaat im März. Infolge der Trockenheit im Sommer hilft Beregnung dabei, die Erträge abzusichern. Im Kampf gegen die Schilf-Glasflügelzikade, die Krankheiten übertragen kann, findet intensives Schaderreger-Monitoring statt. Kampagne beginnt in den nächsten Tagen.
Mais: Aussaat der flächenstärksten Kultur unter insgesamt günstigen Verhältnissen, kühle Phase im Frühjahr bremst Jugendentwicklung bis Ende Mai. Regional unterschiedliche Niederschlagsmengen wirken sich auf Wachstum aus. Seit Juli weitet sich Trockenheit aus – Trockenstress verhindert mancherorts die Blüte, infolgedessen bleiben Bestände kolbenlos. Betroffene Bestände müssen vorzeitig gehäckselt werden. Insgesamt früher Erntebeginn, teils deutliche Ertragseinbußen zu erwarten.
Grünland: Trotz unterdurchschnittlicher Niederschläge fallen Erträge und Qualitäten bei erstem und zweitem Schnitt noch zufriedenstellend aus; Trockenheit ab Jahresmitte führt danach regional zu sehr unbefriedigenden Ernteergebnissen. Erreichte Grundfuttermenge insgesamt noch ausreichend, da noch Vorräte aus dem Vorjahr vorhanden sind. Wachsende Mäuse-Population birgt Risiken fürs kommende Erntejahr.
Braugerste steigen Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahr leicht zur Ernte hin an; notwendige Preiserholung bei Kartoffeln. Doch nur beim Raps werden Preise über dem Fünf-Jahres-Schnitt erreicht. Sinkende Erträge und steigende Produktionskosten belasten finanzielle Situation der Betriebe teils erheblich.
Ökolandbau: Öko-Wintergetreide reift generell früher ab und entkommt daher der Juni-Hitze; überwiegend gute Erträge, Backqualitäten auf durchschnittlichem Niveau. Winterhafer mit hohem Potenzial als Kultur zur Klimaanpassung (stete Nachfrage nach guten Qualitäten). Nachfrage nach heimischen Öko-Körnerleguminosen wie Ackerbohnen und Soja weiterhin hoch, Trockenheit und Hitze setzen Ackerbohne zu, ansonsten durchschnittliche bis gute Erträge erwartet. Öko-Mais leidet unter Trockenstress, deutliches Flächen-Plus bei Öko-Sonnenblumen, Ertragsrückgang beim Öko-Raps. Teils hoher Beikrautdruck bei der Öko-Zuckerrübe – fast alle Öko-Rüben-Betriebe nutzen Robotik zur Beikrautregulierung. Marktbereinigung auch bei der Öko-Kartoffel, durchschnittliche Erträge unter Vorjahresniveau erwartet.
Erntepressekonferenz Hannover-Ahlem 2026 Christopher Hanraets Ernte-PK am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem (v.l.): Marktexpertin Stephanie Stöver-Cordes, Kammerpräsident Gerhard Schwetje und Gerald Burgdorf (Fachbereich Pflanzenbau). Christopher Hanraets Ernte-PK am 03.09.2026 in Hannover-Ahlem (v.l.): Marktexpertin Stephanie Stöver-Cordes, Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Gerald Burgdorf (Fachbereich Pflanzenbau) und Mareike Beiküfner (Fachbereich Ökolandbau). Christopher Hanraets Erntepressekonferenz Hannover-Ahlem 2026 Christopher Hanraets Erntepressekonferenz Hannover-Ahlem 2026 Christopher Hanraets Erntepressekonferenz Hannover-Ahlem 2026 Christopher Hanraets Erntepressekonferenz Hannover-Ahlem 2026 Christopher Hanraets Erntepressekonferenz Hannover-Ahlem 2026 Christopher Hanraets Erntepressekonferenz Hannover-Ahlem 2026 Christopher Hanraets Hannover – Die Konsequenzen des Klimawandels und das weiterhin überwiegend unterdurchschnittliche Erzeugerpreisniveau auf den Agrarmärkten haben deutliche Spuren in der Erntebilanz der landwirtschaftlichen Betriebe Niedersachsens hinterlassen. Während die Erträge bei Raps und Getreide durch Trockenheit und Hitze im Vergleich zum Vorjahr teilweise erheblich zurückgingen, sind die Produktionskosten gestiegen. „Dadurch profitieren unsere Landwirtinnen und Landwirte kaum von den etwas besseren Marktpreisen“, fasste Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), die Erntebilanz zusammen. Der Markt für Kartoffeln sei zwar auf Erholungskurs – doch das Wetter der zurückliegenden Monate mache den Knollen ebenso zu schaffen wie dem Mais.
Niedersachsen sei im Vergleich zu den Dürreschwerpunkten in Süddeutschland zwar bislang vergleichsweise weniger stark betroffen, sagte Schwetje am Donnerstag (03.09.2026) während der Ernte-Pressekonferenz der LWK in Hannover. „Von einer Entwarnung kann jedoch keine Rede sein.“ Die Ernte 2026 mache erneut deutlich, wie entscheidend der Zeitpunkt extremer Wetterereignisse für den landwirtschaftlichen Ertrag sei: „Nicht allein die Frage, ob Niederschlag fällt, sondern auch wann und mit welcher Intensität und Menge er fällt, entscheidet zunehmend über das Ergebnis.“
Mehr heiße Tage mit 30 Grad und mehr
Nach Berechnungen des Wetterinformationsdienstes Wetterkontor, die auf Messdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) beruhen, wurden an niedersächsischen Wetterstationen bis Ende August 2026 je nach Region bereits etwa 13 bis 22 heiße Tage mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 30 Grad registriert. Damit wurde an zahlreichen Stationen bereits deutlich mehr als die für Niedersachsen ermittelte mittlere Zahl von 7,3 Hitzetagen pro Jahr in der DWD-Klimareferenzperiode 1991–2020 erreicht. „Diese Entwicklung macht deutlich, dass eine Anpassung des Acker- und Pflanzenbaus an die zunehmenden Wetterextreme weiter an Bedeutung gewinnt“, betonte der Kammerpräsident.
Die Niederschlagsverteilung in Deutschlands Agrar-Bundesland Nummer eins war ein weiteres Mal extrem unterschiedlich und machte vielerorts gute Erträge auf Acker- und Grünland zunichte. Am wenigsten Regen fiel in einem Korridor zwischen dem Emsland im Westen und Lüneburg im Osten sowie in den Kreisen Peine, Gifhorn und Lüchow-Dannenberg. Schwetje: „Diese Verhältnisse haben zur Folge, dass die Entwicklung von Kulturen schwerer vorauszusehen ist, wenn Niederschläge in Frühjahr und Sommer ausbleiben – vor allem wenn es keine Möglichkeit zur Feldberegnung gibt.“
Risiken durch Extremwetter so gering wie möglich halten
Die Getreideernte 2026 in Niedersachsen erreicht nach Berechnungen des Landesamts für Statistik ohne Körnermais rund 5,5 Millionen Tonnen . Damit bewegt sie sich knapp 200.000 Tonnen oder 3,4 Prozent (%) unterhalb des Niveaus des Vorjahres. „Nach der deutlichen Ertragssteigerung im Vorjahr liegt der Durchschnittswert pro Hektar (ha) dieses Jahr bei 72,9 Dezitonnen – immerhin noch über dem Sechs-Jahres-Durchschnitt“, so Schwetje (siehe dazu Tabelle „Anbauflächen, Erträge und Erlöse“).
„Das Erntejahr 2026 ist eine weitere Bestätigung dafür, wie wichtig es ist, mit Hilfe einer ausgeklügelten Fruchtfolgeplanung Risiken durch Extremwetter so gering wie möglich zu halten“, hob der Kammerpräsident hervor. Wer Kulturen und innerhalb dieser auch Sorten mit möglichst weit auseinanderliegenden Reife- und Ernte-Zeitpunkten habe, streue das Risiko von Ertragseinbußen bestmöglich. „Diesmal konnte sich die Wintergerste dank eines frühen Erntezeitpunktes sehr gut entwickeln – später Weizen und Raps wurden hingegen vom ,Hitzschlag‘ Ende Juni in einer für Ertrag und Qualität entscheidenden Entwicklungsphase getroffen.“
Widerstandskraft gegen Hitze und Krankheiten zunehmend erforderlich
Zu den weiteren Anpassungsstrategien zählte Schwetje eine standortangepasste, möglichst flache, wassersparende Bodenbearbeitung, die Nutzung von Zwischenfrüchten (u. a. Schutz vor Verdunstung, Verschlämmung, Erosion, verbesserte Bodenstruktur) und die Aussaat von Getreidesorten, die tolerant gegenüber Trockenheit oder resistent gegen Krankheiten sind. Lohnenswert könne auch die Methode sein, klassische Sommerkulturen wie Ackerbohnen und Erbsen als Winterung anzubauen, um die regenreicheren Wintermonate zu nutzen.
Schwetje: „Generell gilt: Wer es schafft, seine Kulturen mit Nährstoffen und Pflanzenschutzmaßnahmen bestmöglich zu versorgen, bekommt gut entwickelte Pflanzen, die über das Wurzelwerk die Bodenstruktur optimieren, sodass der Boden mehr Wasser speichern kann und die Pflanzen insgesamt widerstandsfähiger gegen Stresssituationen sind.“
Betriebliche Stellschrauben für langfristige Liquidität
Einbußen bei Ertrag und Qualität, weiterhin überwiegend unterdurchschnittliche Erzeugerpreise – Wetterrisiken, politische Krisen und steigende Preise für Energie und weitere Betriebsmittel: Diese Mischung erfordert in zahlreichen Ackerbaubetrieben bereits seit Anfang des Jahres eine wohlüberlegte Liquiditätsplanung, um für die Ausgaben des kommenden Erntejahrs gerüstet zu sein. „Wir werden in dieser schwierigen Situation die heimischen Betriebe dabei unterstützen, damit sie bei Engpässen die nötigen Stellschrauben schnell erkennen und Vermarktung sowie Finanzierung gezielt zur Liquiditätssteuerung nutzen können“, kündigte Schwetje an ( siehe dazu separate Pressemitteilung „Liquidität im Blick – den Betrieb im Griff“ ).
Ernte 2026 in Niedersachsen: Die Kulturen im Einzelnen
Getreide: Wetter-Zäsur Ende Juni schmälert Ertrag und Qualität
26 ist nach Zahlen der Anträge auf EU-Agrarförderung (Quelle: Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem, InVeKoS) mit 740.683 ha gegenüber dem Vorjahr um knapp ein Prozent gewachsen. Winterweizen bleibt mit 344.000 ha die flächenstärkste Getreidekultur in Niedersachsen (-2,6%). Die größten Veränderungen bei der Anbaufläche gab es bei der Wintergerste (+11,1% auf 161.000 ha) und bei der Sommer-
Braugerste (-6,9% auf 34.000 ha). Dieser Rückgang zeigt die weiterhin sinkende Nachfrage nach Bier und damit nach Braumalz. In Niedersachsen ist derzeit keine Mälzerei mehr ansässig, und auch Brauereien schließen.
Nach überwiegend guten Aussaatbedingungen im Herbst 2025 und einer vergleichsweise problemlosen Überwinterung entwickelten sich die Bestände zunächst positiv. Im Frühjahr setzte jedoch eine ausgeprägte Trockenphase ein. Auf leichten Sandstandorten zeigten sich früh Anzeichen von Trockenstress , während tiefgründigere Böden die fehlenden Niederschläge zunächst besser ausgleichen konnten. Die vergleichsweise kühlen Temperaturen begrenzten den Wasserverbrauch der Pflanzen und verhinderten zunächst größere Schäden. Die Niederschläge ab Anfang Mai kamen in vielen Regionen noch rechtz