Deutscher Zentralrat der Sinti und Roma Anzeige gegen Tino Chrupalla in Grimmen, Mecklenburg-Vorpommern; Wahlkampf-Rhetorik unter Beschuss

Antiziganismus bei der AfD: Chrupalla wird angezeigt | Stiftung niedersächsische Gedenkstätten

Antiziganismus bei der AfD: Chrupalla wird angezeigt

Am Freitag, den 28. August 2026, hat AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla in einer Wahlkampfrede in Grimmen, Mecklenburg-Vorpommern, Sinti*, Roma* und dafür gehaltene Menschen mit der rassistischen Fremdbezeichnung herabgewürdigt, rassistisch beleidigt und Sinti*, Roma* und dafür gehaltenen Menschen Kriminalität unterstellt. Diese menschenverachtende Rhetorik und das Konstruieren und Verstärken von antiziganistischen Feindbildern verurteilen wir, die Kompetenzstelle gegen Antiziganismus, aufs Schärfste.

Menschfeindliche Rhetorik im deutschen politischen Diskurs

In Mecklenburg-Vorpommern ist es vor den Landtagswahlen kurz vor zwölf. Die AfD scheint sich siegessicher und so wird auch ihre Rhetorik siegessicherer, menschenverachtender. Denn Tino Chrupalla weiß: den Applaus und das Gelächter seiner Wählerinnen hat er auf seiner Seite, wenn er behauptet, dass ein Waffenfund in einem Waldstück nahe Berlin bestimmt von Zi***** stamme, die diese dort verloren hätten. Und das kommt nicht von irgendwo her. Der politische Diskurs insgesamt rückt seit Jahren weiter nach rechts, nicht erst seit der Stadtbild-Äußerung von Friedrich Merz weiß die AfD: Minderheiten anzugreifen ist salonfähig.

Antiziganismus bei der AfD: ein Muster

Gerade Antiziganismus ist bei der AfD ein wiederkehrendes Muster, das sich dieses Jahr besonders stark bei der AfD-Landtagsabgeordneten in NRW Enxhi Seli-Zacharias gezeigt hat. Seli-Zacharias lud im Juni ein Video hoch, in dem sie in einem Gelsenkirchener Stadtteil migrantische Menschen, unter ihnen auch viele Roma* , dazu nötigte, vor ihrer Haustür zu fegen. Gegen sie wurde Anzeige erstattet. Immer wieder hetzt die AfD gegen Sinti*, Roma* und dafür gehaltene Menschen und bedient sich dabei vor allem der jahrhundertealten Stereotype der Kriminalisierung. Die während der systematischen Verfolgung und Ermordung von Sinti*, Roma* und dafür gehaltenen Menschen in der NS-Zeit eine entscheidende Rolle spielten. Im Nachkriegsdeutschland hielt sich diese Propaganda-Strategie der Nationalsozialistinnen so stark, dass bis 1982 die Verfolgung und Ermordung von Sinti, Roma* und dafür gehaltenen Menschen im Nationalsozialismus sogar als rechtmäßig galt (siehe Skandal-Urteil von 1956), da sie ja „Kriminelle“ gewesen wären.

Zentralrat erstattet Anzeige gegen Chrupalla

Auch gegen Tino Chrupalla erstattete der Deutsche Zentralrat der Sinti und Roma Anzeige wegen Volksverhetzung. Diese Anzeige möchten wir hiermit unterstützen, die Aussage von Tino Chrupalla ächten und sie als das einordnen was sie ist: antiziganistisch und menschenverachtend.

Fraktionsvorsitzender, Tino Chrupalla, AfD, MdB, spricht am Rednerpult während der Haushaltsdebatte zum Etat des Bundeskanzlers im Plenarsaal des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude.