---
title: "FDP-Fraktion Bremen fordert Aufbau eines Schulabschluss-Coaching-Programms in Bremen; Pilotstart an zehn Oberschulen in Bremen und Bremerhaven"
sdDatePublished: "2026-09-04T11:08:00Z"
source: "https://www.bremische-buergerschaft.de/drs_abo/2026-09-04_Drs-21-1962_85dfb.pdf"
topics:
  - name: "education policy"
    identifier: "medtop:20001338"
  - name: "students"
    identifier: "medtop:20000415"
  - name: "school"
    identifier: "medtop:20000400"
  - name: "labour market"
    identifier: "medtop:20000523"
  - name: "employment statistics"
    identifier: "medtop:20000365"
  - name: "vocational education"
    identifier: "medtop:20001216"
  - name: "social services"
    identifier: "medtop:20000820"
locations:
  - "Bremen (Stadt)"
  - "Bremerhaven"
  - "Bremen (Bundesland)"
  - "Hamburg"
---


FDP-Fraktion Bremen fordert Aufbau eines Schulabschluss-Coaching-Programms in Bremen; Pilotstart an zehn Oberschulen in Bremen und Bremerhaven

Landtag der Freien Hansestadt Bremen
Haus der Bürgerschaft | Am Markt 20 | 28195 Bremen
Drucksache Land - Drucksache 21/1962
1 von 2

Landtag
21. Wahlperiode
Drucksache 21/1962

4. September 2026
Antrag der Fraktion der FDP
Kein Abschluss ohne Anschluss – Schulabschluss-Coaching im Land
Bremen aufbauen

Die Zahl der Jugendlichen, die im Land Bremen die Schule ohne Abschluss verlassen, hat einen
historischen Höchststand erreicht: Laut Monitoringbericht 2025 des IQHB waren es 2024
insgesamt 729 – 568 in der Stadt Bremen, 161 in Bremerhaven; 2014 lag die Zahl noch bei 447.
Mit einer Quote von 10,6 Prozent des Abgangsjahrgangs gehört Bremen bundesweit zu den fünf
Ländern mit den höchsten Werten, der Bundesdurchschnitt liegt bei rund 7 Prozent.
Die Folgen zeigen sich unmittelbar am Arbeitsmarkt (vgl. Kleine Anfrage der Fraktion der CDU,
Drs. 21/1493): 8.200 Arbeitslose im Land Bremen hatten 2024 keinen Schulabschluss (20
Prozent, Bund: 18,5 Prozent), 27.000 keinen Berufsabschluss (67 Prozent, Bund: 55 Prozent).
Ohne Schulabschluss kein Ausbildungsplatz, ohne Ausbildung keine Erwerbsbiografie – so
wird das Aufstiegsversprechen unserer Gesellschaft Jahr für Jahr für Hunderte junger
Bremerinnen und Bremer gebrochen.
Bremen kann sich das weder sozial noch ökonomisch leisten. Der demografische Wandel
verknappt die Nachwuchsjahrgänge, während Handwerk, Industrie, Pflege und öffentlicher
Dienst händeringend Fachkräfte suchen. Jeder Jahrgang mit über 700 jungen Menschen ohne
Abschluss ist ein doppelter Verlust – für die Betroffenen und für den Wirtschaftsstandort.
Zugleich kostet jeder verhinderte Schulabbruch nur einen Bruchteil dessen, was später durch
Transferleistungen, Nachqualifizierung und entgangene Wertschöpfung anfällt: Investitionen
in Bildung sind die wirtschaftlich vernünftigste Sozialpolitik.
Dass es anders geht, zeigt Hamburg: Der Stadtstaat mit vergleichbarer Sozialstruktur hält seine
Quote seit Jahren bei rund 6,3 Prozent (2024/25). Ein Baustein dieses Erfolgs sind
Schulabschluss-Coaching-Programme wie „JEA! – Jedem einen Abschluss" (SchlauFox e.V.):
An kooperierenden Stadtteilschulen begleiten vier geschulte Coaches eine feste Lerngruppe
von 15 abschlussgefährdeten Schülerinnen und Schülern über zwei Jahre bis zur Prüfung – mit
wöchentlichem Kleingruppen-Coaching, Sprachförderung, Fachnachhilfe und Unterstützung
bei persönlichen Problemlagen. Seit 2009 wurden rund 1.800 Jugendliche begleitet, etwa 91
Prozent erreichten ihren Abschluss. Ein vergleichbares, schulisch verankertes Angebot fehlt in
Bremen: Die bestehenden Angebote greifen zu kurz: Die Jugendberufsagentur setzt erst am
Übergang Schule–Beruf an, ReBUZ und Schulvermeiderprojekte haben oft nur den Ansatz
Kinder in Bildung zu halten oder greifen erst, wenn andere Maßnahmen bereits gescheitert
sind.
Bei zuletzt 729 Abgängern ohne Abschluss ist aber ein effektives und schnellgreifendes Mittel
gefragt.

Landtag der Freien Hansestadt Bremen
Haus der Bürgerschaft | Am Markt 20 | 28195 Bremen
Drucksache Land - Drucksache 21/1962
2 von 2
Hinzu kommt der Fakt, dass Schulabbruch dabei kein flächiges, sondern ein räumlich
hochkonzentriertes Problem: In Gröpelingen z.B. verlassen 16 Prozent der Schulentlassenen
die Schule ohne Abschluss, in Horn-Lehe ein Prozent; an Schulen der höchsten Sozialstufe ist
es jeder Vierte, an Schulen der niedrigsten vier Prozent. In Bremerhaven reicht die Spanne von
15 Prozent in Lehe bis null in Suhrheide und Schiffdorferdamm.
Ein Schulabschluss-Coaching muss deshalb dort beginnen, wo das Problem konzentriert ist –
in den Stadtteilen mit den höchsten Abgängerquoten.

Beschlussempfehlung:
Der Senat wird aufgefordert,
1. das Programm zunächst als Pilotvorhaben an zehn Oberschulen in Bremen und an
zwei Oberschulen in Bremerhaven zu starten – prioritär an Schulen des Startchancen-
Programms und an Standorten mit den höchsten Abgängerquoten ohne Abschluss,
wobei Bremerhaven angesichts seiner überproportionalen Quote von zuletzt 13,9
Prozent angemessen zu berücksichtigen ist. Dafür ist innerhalb von sechs Monaten ein
Konzept für ein Schulabschluss-Coaching-Programm nach dem Modell („JEA! – Jedem
einen Abschluss") vorzulegen, das abschlussgefährdete Schülerinnen und Schüler ab
Jahrgangsstufe 9 über zwei Jahre in festen Lerngruppen durch geschulte Coaches bis
zum ersten Schulabschluss begleitet;
2. für die Umsetzung vorrangig auf die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen
Bildungsträgern, Stiftungen, den Hochschulen (Gewinnung studentischer Coaches)
und der Wirtschaft zu setzen, statt neue staatliche Doppelstrukturen zu schaffen, und
zu prüfen, inwieweit Mittel aus dem Startchancen-Programm, dem Europäischen
Sozialfonds sowie Instrumente der Arbeitsförderung (SGB II/III) zur Finanzierung
herangezogen werden können;
3. das Programm mit den bestehenden Strukturen – insbesondere Jugendberufsagentur,
ReBUZ, Schulsozialarbeit und den Angeboten des zweiten Bildungswegs –
systematisch zu verzahnen, damit kein Jugendlicher am Übergang Schule – Beruf aus
dem Blick gerät;
4. eine wissenschaftliche Begleitung und jährliche Evaluation vorzusehen, die
insbesondere die Abschlussquote der Teilnehmenden und deren Übergang in
Ausbildung erfasst, und der Bürgerschaft (Landtag) erstmals ein halbes Jahr nach
Programmbeginn und danach jährlich zu berichten;
5. auf dieser Grundlage ein messbares Landesziel zu verankern, die Quote der
Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne ersten Schulabschluss bis 2030
mindestens auf den Bundesdurchschnitt zu senken.

Fynn Voigt, Thore Schäck und FDP-Fraktion

Anlage(n):
- keine