BMV THF800 Newton Maschine am Bodensee; keine weitere Handausdünnung nötig
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12 Öko-Obstbau 3 | 2026 KULTURFÜHRUNG Versuchsfrage Kann die maschinelle Fruchtausdün- nung mit der THF800 Newton der Fir- ma BMV den Behang von Obstbäumen reduzieren, ohne einen nennenswerten Schaden zu produzieren? Fruchtausdünnmaschine Der Maschinenaufbau wird hydraulisch angetrieben und hat schwer-biegbare Stäbe mit Rillen, die jeweils zu dritt an einem Element befestigt sind [Abb. 2]. Die Stäbe eines Elements können nicht unab- hängig voneinander von oben nach un- ten bewegt werden, und auch der Win- kel lässt sich nicht weiter verändern. Seit dem Jahr 2026 gibt es bauliche Verände- rungen an der Maschine in Bezug auf die Anzahl der Stäbe. Drei Einstellmöglich- keiten zur Fruchtausdünnung können an der Maschine verändert werden: • die Fahrgeschwindigkeit des Traktors, • die Umdrehungszahl der Spindel und • die Schlagfrequenz aller Stäbe. Versuchsaufbau Die Versuchsarbeiten erfassten die An- zahl der Früchte pro Baum, die Frucht- größe vor der Maschinenfahrt am Baum und der ausgedünnten Früchte am Bo- den. Es wurden mindestens 20 Bäume für die jeweilige Maschinen Einstellung und für die Kontrolle ausgesucht. Die Versuchsbäume wurden aus mindestens zwei verschiedenen Reihen ausgewählt. Es wurde keine Handausdünnung nach der maschinellen Ausdünnung durch- geführt. Bei Steinobst wurden nur Äste ausgewertet und keine kompletten Bäu- me gezählt. Es wurden weitere Erfah- rungen mit der Maschine in Anlagen von Produzenten und am KOB als Tast- versuch (keine gezählten bzw. gemesse- nen Daten) gesammelt. Ergebnisse Im Jahr 2023 kam die Maschine etwas spät in der Ausdünnsaison an den Boden- see. Die Maschine wurde in den Obstan- lagen des Betriebs Glocker getestet [Abb. 3]. Vorteilhaft war ein recht hoher Behang auf den Bäumen, sodass vorab bereits verschiedene Einstellmöglichkeiten ge- testet wurden und erste Anpassungen durchgeführt wurden. Die wesentlichen Änderungen waren dabei von einem Heck- zu einem Frontanbau und eine deutlich höhere Fahrgeschwindigkeit als damals von der Firma empfohlen. Der Versuch wurde an der Sorte ‘Topaz’ am 18.07.2023 mit durchschnittlich 207 Früchten pro Baum bei einer Fruchtgrö- ße von 48 mm durchgeführt. Die Bäume hatten zuvor keine andere Ausdünn- maßnahme erhalten und es wurden zwei verschiedene Maschineneinstellun- gen mit einer unbehandelten Kontrolle verglichen. Die Ausdünnwirkung wurde eine Woche nach der Maßnahme erfasst und lag bei 26 bis 40 Früchten pro Baum (Zählung am Baum). Die Sortierung zur Ernte ergab jedoch, dass die Kontrolle 19 Früchte pro Baum bzw. die Maschinen Ausdünnung 33 bis 57 Früchte pro Baum verloren hatten [Abb. 4]. Die Bäume er- hielten keine weitere Handausdünnung Maschinelle Fruchtausdünnung Die Ausdünnung von Obstbäumen fördert die Fruchtqualität in Bezug auf Fruchtgröße und Ausfärbung. Es stehen dazu verschiedene Möglichkeiten in der integrierten (IP) sowie ökologischen Produktion zur Verfü- gung. Die letzte Maßnahme bzw. Möglichkeit zur Korrektur ist die Handausdünnung, die durch steigende Mindestlohnkosten und Verfügbarkeit von Arbeitskräften so gering wie möglich ausfallen sollte. Mechani- sche Maßnahmen zur Ausdünnung können dabei in der Integrierten (IP) sowie in der Ökologischen Produk- tion gleichermaßen angewandt werden. Im Folgenden werden die Arbeiten mit der maschinellen Fruchtaus- dünnmaschine THF800 der Firma BMV am Bodensee beschrieben. Die Maschine wurde in verschiedenen Anlagen von Produzenten und am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) bei Apfel, Zwetschge und Kirsche über drei Jahren (2023 bis 2025) getestet. Die Versuchsarbeiten wurden von der Ertragsphysiologie und Produktionstechnik am KOB geplant und ausgewertet, die Maschine wurde Nikolaus Glocker von der Firma BMV zur Verfügung gestellt und von ihm auch in jedem Versuch gefahren. Abb. 2: Element mit drei Stäben Abb. 1: THF800 Newton der Firma BMV
13 Öko-Obstbau 3 | 2026 KULTURFÜHRUNG nach der maschinellen Ausdünnung. Die Schadensbonitur eine Woche nach der Ausdünnung ergab rund vier Prozent Schaden (sieben Früchte pro Baum) bei beiden Ausdünnvarianten mit der Ma- schine. Im Jahr 2023 fiel auf, dass der höhere Schlag (430 U / MIN) um 1,8 mm größere Früchte ausgedünnt hatte. Die Maschineneinstellung mit 4,6 km / h Fahrtgeschwindigkeit, 30 U / MIN Um- drehung und 390 U / MIN Schlag zeigte eine signifikante Ausdünnwirkung im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle [Abb. 4], ohne einen weiteren Ausdünn- schaden zu produzieren. Die Sortierung zeigte jedoch keinen Unterschied in der Fruchtgröße der verschiedenen Aus- dünnvarianten. Im Jahr 2024 wurden die Versuche am KOB an der Sorte Braeburn (IP) bei 33 mm Fruchtgröße nach einer vorange- gangenen Ausdünnung mit 6-Benzyl- adenin durchgeführt. Die Maschine kam wieder etwas spät, sodass keine klei- neren Fruchtgrößen getestet werden konnten. Es wurde mit den Einstellun- gen 2,5 km / h, 16 U / MIN Umdrehung und 460 U/MIN Schlag im Vergleich zu 1,5 km / h, 11 U / MIN Umdrehungen und 430 U / MIN Schlag am 06.06.2024 gearbeitet. Beide Einstellungen zeigten kaum Schaden, sowie eine Ausdünn- wirkung mit der Maschine von fünf bis zwölf Früchten pro Baum von insgesamt 168 Früchte pro Baum. Es gab keine Un- terschiede im Sortierergebnis, jedoch wies die Kontrolle auch von Beginn an einen etwas geringeren Behang (Gesamt 144 Früchten pro Baum) im Vergleich zu den Maschinen-Varianten auf. Gleichzeitig wurden Tastversuche ohne gezählte Behangssdaten bei Produzen- ten und am KOB durchgeführt. Bei ‘Elstar’ führte am 28.06.2024 bei 45 mm Frucht- größe die Maschine mit Einstellungen von 1,9 km / h, 17 U / MIN Umdrehung und 450 U / MIN Schlag zu einem in- akzeptabel hohen Schaden. Bei Swing, die ähnlich wie ‘Rubinette’ in der IP schwer auszudünnen sind, gab es zwar keinen ersichtlichen Schaden, jedoch blieb auch die Ausdünnwirkung hinter den Erwartungen zurück. Die Ausdün- nung fand bei 35 mm Fruchtgröße und 1,8 km / h mit 19 bis 21 U / MIN Umdre- hung sowie 430 bis 460 U / MIN Schlag statt. Die Swing Anlage war auf Zapfen bzw. schlank geschnitten. Bei ‘Rubinet- te’ am KOB (langer Schnitt) wurden pro Reihe verschiedene Einstelllungen mit einem Schlag von mehr als 430 U / MIN und elf bis 16 U / MIN Umdrehungen bei 25 mm Fruchtgröße am Baum ge- arbeitet. Hier zeigte sich jedoch, wie bei den ‘Topaz’ im Jahr 2023, dass bei einem hohem Schlagwert die größeren Früchte mit 33 mm abgefallen sind. Die Abb. 3: Die Maschine wurde im Jahr 2023 erstmals in den Obstanlagen des Betriebs Glocker getestet. Abb. 4.1: Geerntete Früchte pro Baum in Kilogramm einer unbehandelten Kontrolle im Vergleich zu zwei verschiedenen Maschinen Einstellungen. Abb. 4.2: Anzahl ausgedünnter Früchte (Differenz Früchte vor der Aus- dünnung im Juli im Vergleich zur Ernte) Abb. 4.3: Durchschnittliche Fruchtgröße in Millimeter der geernteten Früchte bei der Sortierung.
14 Öko-Obstbau 3 | 2026 KULTURFÜHRUNG verbliebenen Früchte am Baum hatten einen geschätzten Schadensanteil von fünf Prozent. Bei der Zwetschgensorte ‘Katinka’ am KOB, als Spindel erzogen, zeigte sich eine gute Ausdünnung, wäh- rend Bäume einer Praktiker Anlage im Drapeau (schräg) und schlank erzogen zu keinem zufriedenstellenden Ergeb- nis führten. Fruchtschäden Im Jahr 2025 war das Ziel, eine möglichst frühe Ausdünnung ab 14 mm Fruchtgrö- ße bei der Sorte ‘Pinova’ zu erzielen. Der Versuchsaufbau wurde an verschiedenen Versuchsanstalten in Europa durchge- führt. Es zeigte sich jedoch am KOB, dass erst am 10.06.2026 bei einer Fruchtgröße von 31 mm zufriedenstellende Ergeb- nisse produziert werden konnten. Die Stäbe waren im Jahr 2025 im Vergleich zu den Vorjahren leicht verändert und es wurde mit einem sehr hohen Schlag von 500 U / MIN gearbeitet. Es konnten 60 bis 103 Früchte mit zwei verschiede- nen Maschinen Einstellungen im Ver- gleich zur Kontrolle ausgedünnt werden, wobei auch in diesem Jahr die Kontrolle den niedrigsten Behang von 385 Früchte pro Baum vor der Ausdünnung aufwies. Es wurde keine andere Ausdünnung da- vor durchgeführt, damit die Bäume ge- nügend Früchte trugen – ähnlich wie im ersten Jahr in der Obstanlage Glocker. Die Sortierung der Früchte zeigte keinen po- sitiven Effekt auf die Fruchtgröße durch die Maschine. Ein weiterer Versuch in Kirschen am 23.05.2025 an den Sorten ‘Prim 3.1’ (19,9 mm Fruchtgröße) und ‘Prim 2.5’ (17,3 mm Fruchtgröße) zeigte eine Ausdünnung von 16 – 33 % bei Prim 3.1. (zwei verschiedene Maschinen Ein- stellungen) und 21 Prozent bei ‘Prim 2.5’ am KOB. Eine Messung der Fruchtgröße vor der Ernte ergab Fruchtgrößen in der Kontrolle von 26,7 mm vs. 27.3 mm mit der Maschine bei ‘Prim 3.1’ und 26,7 mm bei der Kontrolle und 27,3 mm bei der DR. KONNI BIEGERT Fachbereich Ertragsphysiologie und Produktionstechnik, Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) Konni.Biegert@kob-bavendorf.de Abbildungen: Konni Biegert Maschine an der Sorte ‘Prim 2.3’. Es wur- de ein geringer Schaden an den Früchten beobachtet. Die untersuchten Maschine- neinstellungen waren 2,0 km / h, 16 Um- drehungen, 520 Schlag bzw. 1,5 km / h, 13 Umdrehungen, 520 Schlag. Interessanter- weise konnte eine Ausdünnwirkung mit Qualitätsverbesserung in den Kirschen nachgewiesen werden. Ein zukünftiges Augenmerk von Versuchsarbeiten mit der Maschine könnte hier liegen. Ein wei- terer Versuch in einer Praktiker Anlage am 10.06.2025 konnte bei den Zwetsch- gensorten ‘Haroma’ und ‘Top’ (Spindel) eine Ausdünnung von 6,8 bis 3,0 Prozent erzielen. Es gab keinen Schaden. Zusammenfassung In den drei Versuchsjahren wurden vie- le unterschiedliche Ergebnisse mit der Maschine erzielt und es können keine pauschalen Handlungsempfehlungen gegeben werden. Die Maschine muss spezifisch auf die Sorte, das Erziehungs- system sowie den Schnitt der Anlage ab- gestimmt werden. • Es ist möglich, einen hohen Frucht- schaden bei einer Sorte (Bsp. ‘Elstar’) zu verursachen und bei einer anderen Sorte (Bsp. ‘Topaz’, ‘Pinova’) eine gute Ausdünnwirkung zu erzielen. • Die Ausdünnwirkung bei schwer auszu- dünnenden Sorten (z.B. ‘Swing’, ‘Rubinette’) blieb hinter den Erwartungen zurück. • Eine Qualitätsverbesserung in Bezug auf Farbe und Fruchtgröße zur Ernte konn- te bei Apfel nicht eindeutig festgestellt werden. Insgesamt war der Fruchtbe- hang zur Ernte noch sehr hoch, da in den Versuchen keine weitere Handaus- dünnung durchgeführt worden ist. Die Ergebnisse des Kirschenversuchs müs- sen wiederholt werden. • Eine gute Ausdünnwirkung bei Apfel war erst bei Fruchtgrößen von mehr als 30 mm möglich. • Anlagen mit langem Schnitt bzw. aus- ladenden Spindel-Bäumen zeigten eine bessere Ausdünnwirkung. • In den Anlagen am KOB konnte keine Förderung der Wiederblüte mit der maschinellen Ausdünnung festgestellt werden. Die Praktiker Anlagen wur- den nicht bonitiert. Es wurde keine betriebswirtschaftliche Berechnung durchgeführt. Die anvi- sierten Verkaufskosten der THF800 aus dem Jahr 2023 waren hoch (aktuelle Preisvorstellungen liegen der Autorin nicht vor). Es sind weitere Arbeiten zur Fruchtausdünnung mit der THF800 nö- tig - auch die optimalen Einstellungen für das Fadengerät zur Blütenausdün- nung haben Zeit gebraucht. Herzlichen Dank an die Firma BMV, Nikolaus Glocker und den vielen Produ- zenten, auf deren Obstanlagen wir die Maschine testen durften. Abb. 5: Typische Fruchtschäden durch die Maschine: Schaden durch herabfallende Frucht von oben (links), Striemen durch den Schlag der Stäbe (rechts).