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title: "BMV THF800 Newton Maschine am Bodensee; keine weitere Handausdünnung nötig"
sdDatePublished: "2026-09-04T15:42:00Z"
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  - name: "agricultural technology"
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locations:
  - "Baden-Württemberg"
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BMV THF800 Newton Maschine am Bodensee; keine weitere Handausdünnung nötig

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Öko-Obstbau 3 | 2026
KULTURFÜHRUNG
Versuchsfrage
Kann die maschinelle Fruchtausdün-
nung mit der THF800 Newton der Fir-
ma BMV den Behang von Obstbäumen
reduzieren, ohne einen nennenswerten
Schaden zu produzieren?
Fruchtausdünnmaschine
Der Maschinenaufbau wird hydraulisch
angetrieben und hat schwer-biegbare
Stäbe mit Rillen, die jeweils zu dritt an
einem Element befestigt sind [Abb. 2]. Die
Stäbe eines Elements können nicht unab-
hängig voneinander von oben nach un-
ten bewegt werden, und auch der Win-
kel lässt sich nicht weiter verändern. Seit
dem Jahr 2026 gibt es bauliche Verände-
rungen an der Maschine in Bezug auf die
Anzahl der Stäbe. Drei Einstellmöglich-
keiten zur Fruchtausdünnung können
an der Maschine verändert werden:
• die Fahrgeschwindigkeit des Traktors,
• die Umdrehungszahl der Spindel und
• die Schlagfrequenz aller Stäbe.
Versuchsaufbau
Die Versuchsarbeiten erfassten die An-
zahl der Früchte pro Baum, die Frucht-
größe vor der Maschinenfahrt am Baum
und der ausgedünnten Früchte am Bo-
den. Es wurden mindestens 20 Bäume
für die jeweilige Maschinen Einstellung
und für die Kontrolle ausgesucht. Die
Versuchsbäume wurden aus mindestens
zwei verschiedenen Reihen ausgewählt.
Es wurde keine Handausdünnung nach
der maschinellen Ausdünnung durch-
geführt. Bei Steinobst wurden nur Äste
ausgewertet und keine kompletten Bäu-
me gezählt. Es wurden weitere Erfah-
rungen mit der Maschine in Anlagen
von Produzenten und am KOB als Tast-
versuch (keine gezählten bzw. gemesse-
nen Daten) gesammelt.
Ergebnisse
Im Jahr 2023 kam die Maschine etwas
spät in der Ausdünnsaison an den Boden-
see. Die Maschine wurde in den Obstan-
lagen des Betriebs Glocker getestet [Abb. 3].
Vorteilhaft war ein recht hoher Behang
auf den Bäumen, sodass vorab bereits
verschiedene Einstellmöglichkeiten ge-
testet wurden und erste Anpassungen
durchgeführt wurden. Die wesentlichen
Änderungen waren dabei von einem
Heck- zu einem Frontanbau und eine
deutlich höhere Fahrgeschwindigkeit
als damals von der Firma empfohlen.
Der Versuch wurde an der Sorte 'Topaz'
am 18.07.2023 mit durchschnittlich 207
Früchten pro Baum bei einer Fruchtgrö-
ße von 48 mm durchgeführt. Die Bäume
hatten zuvor keine andere Ausdünn-
maßnahme erhalten und es wurden
zwei verschiedene Maschineneinstellun-
gen mit einer unbehandelten Kontrolle
verglichen. Die Ausdünnwirkung wurde
eine Woche nach der Maßnahme erfasst
und lag bei 26 bis 40 Früchten pro Baum
(Zählung am Baum). Die Sortierung zur
Ernte ergab jedoch, dass die Kontrolle 19
Früchte pro Baum bzw. die Maschinen
Ausdünnung 33 bis 57 Früchte pro Baum
verloren hatten [Abb. 4]. Die Bäume er-
hielten keine weitere Handausdünnung
Maschinelle Fruchtausdünnung
Die Ausdünnung von Obstbäumen fördert die Fruchtqualität in Bezug auf Fruchtgröße und Ausfärbung. Es
stehen dazu verschiedene Möglichkeiten in der integrierten (IP) sowie ökologischen Produktion zur Verfü-
gung. Die letzte Maßnahme bzw. Möglichkeit zur Korrektur ist die Handausdünnung, die durch steigende
Mindestlohnkosten und Verfügbarkeit von Arbeitskräften so gering wie möglich ausfallen sollte. Mechani-
sche Maßnahmen zur Ausdünnung können dabei in der Integrierten (IP) sowie in der Ökologischen Produk-
tion gleichermaßen angewandt werden. Im Folgenden werden die Arbeiten mit der maschinellen Fruchtaus-
dünnmaschine THF800 der Firma BMV am Bodensee beschrieben. Die Maschine wurde in verschiedenen
Anlagen von Produzenten und am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) bei Apfel, Zwetschge und
Kirsche über drei Jahren (2023 bis 2025) getestet. Die Versuchsarbeiten wurden von der Ertragsphysiologie
und Produktionstechnik am KOB geplant und ausgewertet, die Maschine wurde Nikolaus Glocker von der
Firma BMV zur Verfügung gestellt und von ihm auch in jedem Versuch gefahren.
Abb. 2: Element mit drei Stäben
Abb. 1: THF800 Newton der Firma BMV

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Öko-Obstbau 3 | 2026
KULTURFÜHRUNG
nach der maschinellen Ausdünnung. Die
Schadensbonitur eine Woche nach der
Ausdünnung ergab rund vier Prozent
Schaden (sieben Früchte pro Baum) bei
beiden Ausdünnvarianten mit der Ma-
schine. Im Jahr 2023 fiel auf, dass der
höhere Schlag (430 U / MIN) um 1,8 mm
größere Früchte ausgedünnt hatte. Die
Maschineneinstellung
mit
4,6 km / h
Fahrtgeschwindigkeit, 30 U / MIN Um-
drehung und 390 U / MIN Schlag zeigte
eine signifikante Ausdünnwirkung im
Vergleich zur unbehandelten Kontrolle
[Abb. 4], ohne einen weiteren Ausdünn-
schaden zu produzieren. Die Sortierung
zeigte jedoch keinen Unterschied in der
Fruchtgröße der verschiedenen Aus-
dünnvarianten.
Im Jahr 2024 wurden die Versuche am
KOB an der Sorte Braeburn (IP) bei 33
mm Fruchtgröße nach einer vorange-
gangenen Ausdünnung mit 6-Benzyl-
adenin durchgeführt. Die Maschine kam
wieder etwas spät, sodass keine klei-
neren Fruchtgrößen getestet werden
konnten. Es wurde mit den Einstellun-
gen 2,5 km / h, 16 U / MIN Umdrehung
und 460 U/MIN Schlag im Vergleich zu
1,5 km / h,
11 U / MIN
Umdrehungen
und 430 U / MIN Schlag am 06.06.2024
gearbeitet. Beide Einstellungen zeigten
kaum Schaden, sowie eine Ausdünn-
wirkung mit der Maschine von fünf bis
zwölf Früchten pro Baum von insgesamt
168 Früchte pro Baum. Es gab keine Un-
terschiede im Sortierergebnis, jedoch
wies die Kontrolle auch von Beginn an
einen etwas geringeren Behang (Gesamt
144 Früchten pro Baum) im Vergleich zu
den Maschinen-Varianten auf.
Gleichzeitig wurden Tastversuche ohne
gezählte Behangssdaten bei Produzen-
ten und am KOB durchgeführt. Bei 'Elstar'
führte am 28.06.2024 bei 45 mm Frucht-
größe die Maschine mit Einstellungen
von 1,9 km / h, 17 U / MIN Umdrehung
und 450 U / MIN Schlag zu einem in-
akzeptabel hohen Schaden. Bei Swing,
die ähnlich wie 'Rubinette' in der IP
schwer auszudünnen sind, gab es zwar
keinen ersichtlichen Schaden, jedoch
blieb auch die Ausdünnwirkung hinter
den Erwartungen zurück. Die Ausdün-
nung fand bei 35 mm Fruchtgröße und
1,8 km / h mit 19 bis 21 U / MIN Umdre-
hung sowie 430 bis 460 U / MIN Schlag
statt. Die Swing Anlage war auf Zapfen
bzw. schlank geschnitten. Bei 'Rubinet-
te' am KOB (langer Schnitt) wurden pro
Reihe verschiedene Einstelllungen mit
einem Schlag von mehr als 430 U / MIN
und elf bis 16 U / MIN Umdrehungen
bei 25 mm Fruchtgröße am Baum ge-
arbeitet. Hier zeigte sich jedoch, wie
bei den 'Topaz' im Jahr 2023, dass bei
einem hohem Schlagwert die größeren
Früchte mit 33 mm abgefallen sind. Die
Abb. 3: Die Maschine wurde im Jahr 2023 erstmals in den Obstanlagen
des Betriebs Glocker getestet.
Abb. 4.1: Geerntete Früchte pro Baum in Kilogramm einer unbehandelten
Kontrolle im Vergleich zu zwei verschiedenen Maschinen Einstellungen.
Abb. 4.2: Anzahl ausgedünnter Früchte (Differenz Früchte vor der Aus-
dünnung im Juli im Vergleich zur Ernte)
Abb. 4.3: Durchschnittliche Fruchtgröße in Millimeter der geernteten
Früchte bei der Sortierung.

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KULTURFÜHRUNG
verbliebenen Früchte am Baum hatten
einen geschätzten Schadensanteil von
fünf Prozent. Bei der Zwetschgensorte
'Katinka' am KOB, als Spindel erzogen,
zeigte sich eine gute Ausdünnung, wäh-
rend Bäume einer Praktiker Anlage im
Drapeau (schräg) und schlank erzogen
zu keinem zufriedenstellenden Ergeb-
nis führten.
Fruchtschäden
Im Jahr 2025 war das Ziel, eine möglichst
frühe Ausdünnung ab 14 mm Fruchtgrö-
ße bei der Sorte 'Pinova' zu erzielen. Der
Versuchsaufbau wurde an verschiedenen
Versuchsanstalten in Europa durchge-
führt. Es zeigte sich jedoch am KOB, dass
erst am 10.06.2026 bei einer Fruchtgröße
von 31 mm zufriedenstellende Ergeb-
nisse produziert werden konnten. Die
Stäbe waren im Jahr 2025 im Vergleich
zu den Vorjahren leicht verändert und
es wurde mit einem sehr hohen Schlag
von 500 U / MIN gearbeitet. Es konnten
60 bis 103 Früchte mit zwei verschiede-
nen Maschinen Einstellungen im Ver-
gleich zur Kontrolle ausgedünnt werden,
wobei auch in diesem Jahr die Kontrolle
den niedrigsten Behang von 385 Früchte
pro Baum vor der Ausdünnung aufwies.
Es wurde keine andere Ausdünnung da-
vor durchgeführt, damit die Bäume ge-
nügend Früchte trugen – ähnlich wie im
ersten Jahr in der Obstanlage Glocker. Die
Sortierung der Früchte zeigte keinen po-
sitiven Effekt auf die Fruchtgröße durch
die Maschine. Ein weiterer Versuch in
Kirschen am 23.05.2025 an den Sorten
'Prim 3.1' (19,9 mm Fruchtgröße) und
'Prim 2.5' (17,3 mm Fruchtgröße) zeigte
eine Ausdünnung von 16 – 33 % bei Prim
3.1. (zwei verschiedene Maschinen Ein-
stellungen) und 21 Prozent bei 'Prim 2.5'
am KOB. Eine Messung der Fruchtgröße
vor der Ernte ergab Fruchtgrößen in der
Kontrolle von 26,7 mm vs. 27.3 mm mit
der Maschine bei 'Prim 3.1' und 26,7 mm
bei der Kontrolle und 27,3 mm bei der
DR. KONNI BIEGERT
Fachbereich Ertragsphysiologie und
Produktionstechnik, Kompetenzzentrum
Obstbau Bodensee (KOB)
Konni.Biegert@kob-bavendorf.de
Abbildungen: Konni Biegert
Maschine an der Sorte 'Prim 2.3'. Es wur-
de ein geringer Schaden an den Früchten
beobachtet. Die untersuchten Maschine-
neinstellungen waren 2,0 km / h, 16 Um-
drehungen, 520 Schlag bzw. 1,5 km / h, 13
Umdrehungen, 520 Schlag. Interessanter-
weise konnte eine Ausdünnwirkung mit
Qualitätsverbesserung in den Kirschen
nachgewiesen werden. Ein zukünftiges
Augenmerk von Versuchsarbeiten mit
der Maschine könnte hier liegen. Ein wei-
terer Versuch in einer Praktiker Anlage
am 10.06.2025 konnte bei den Zwetsch-
gensorten 'Haroma' und 'Top' (Spindel)
eine Ausdünnung von 6,8 bis 3,0 Prozent
erzielen. Es gab keinen Schaden.
Zusammenfassung
In den drei Versuchsjahren wurden vie-
le unterschiedliche Ergebnisse mit der
Maschine erzielt und es können keine
pauschalen
Handlungsempfehlungen
gegeben werden. Die Maschine muss
spezifisch auf die Sorte, das Erziehungs-
system sowie den Schnitt der Anlage ab-
gestimmt werden.
• Es ist möglich, einen hohen Frucht-
schaden bei einer Sorte (Bsp. 'Elstar')
zu verursachen und bei einer anderen
Sorte (Bsp. 'Topaz', 'Pinova') eine gute
Ausdünnwirkung zu erzielen.
• Die Ausdünnwirkung bei schwer auszu-
dünnenden Sorten (z.B. 'Swing', 'Rubinette')
blieb hinter den Erwartungen zurück.
• Eine Qualitätsverbesserung in Bezug auf
Farbe und Fruchtgröße zur Ernte konn-
te bei Apfel nicht eindeutig festgestellt
werden. Insgesamt war der Fruchtbe-
hang zur Ernte noch sehr hoch, da in
den Versuchen keine weitere Handaus-
dünnung durchgeführt worden ist. Die
Ergebnisse des Kirschenversuchs müs-
sen wiederholt werden.
• Eine gute Ausdünnwirkung bei Apfel
war erst bei Fruchtgrößen von mehr
als 30 mm möglich.
• Anlagen mit langem Schnitt bzw. aus-
ladenden Spindel-Bäumen zeigten eine
bessere Ausdünnwirkung.
• In den Anlagen am KOB konnte keine
Förderung der Wiederblüte mit der
maschinellen Ausdünnung festgestellt
werden. Die Praktiker Anlagen wur-
den nicht bonitiert.
Es wurde keine betriebswirtschaftliche
Berechnung durchgeführt. Die anvi-
sierten Verkaufskosten der THF800 aus
dem Jahr 2023 waren hoch (aktuelle
Preisvorstellungen liegen der Autorin
nicht vor). Es sind weitere Arbeiten zur
Fruchtausdünnung mit der THF800 nö-
tig - auch die optimalen Einstellungen
für das Fadengerät zur Blütenausdün-
nung haben Zeit gebraucht.
Herzlichen Dank an die Firma BMV,
Nikolaus Glocker und den vielen Produ-
zenten, auf deren Obstanlagen wir die
Maschine testen durften.
Abb. 5: Typische Fruchtschäden durch die Maschine: Schaden durch herabfallende Frucht von oben (links),
Striemen durch den Schlag der Stäbe (rechts).