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title: "AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt; Fehlbetrag über 2 Mrd EUR."
sdDatePublished: "2026-09-04T10:15:00Z"
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AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt; Fehlbetrag über 2 Mrd EUR.

Cross-Asset- und Strategy-Research

Reallabor
Sachsen-Anhalt

Dr. Moritz Kraemer
Chefvolkswirt und Leiter Research
LBBWResearch@LBBW.de

4. September 2026
Eine AfD-Regierung wird das Land
wirtschaftlich weiter schwächen

Die AfD ist auf gutem Wege, in Sachsen-Anhalt die Regierungs-
geschäfte zu übernehmen. Aktuell steht sie in Umfragen bei gut
40 %. Die CDU dümpelt unter 25 % herum. Die Linke könnte
12 % holen. Der Rest? Hat Glück, wenn er es überhaupt ins Lan-
desparlament schafft (siehe Abb. 1). Es könnte also eine Partei
an die Macht kommen, deren Grundsatzprogramm für Deutsch-
land vor isolationistischen Forderungen strotzt: raus aus dem
Euro, die EU komplett umformen, Remigration veranlassen,
mehr nationale Wagenburg. Für eine vom Außenhandel derart
abhängige Volkswirtschaft wie Deutschland ist das Harakiri.
Auch in Sachsen-Anhalt ist die Exportquote der Industrie konti-
nuierlich gestiegen – von 26 % im Jahr 2009 auf 33 % im Jahr
2024. Die geplante radikale Abkehr vom Status quo verunsichert
Unternehmen. Die Angst vor einer AfD-Machtübernahme führt
offenbar dazu, dass Unternehmen mit Kritik vorsichtiger sind.
Vor den Landtagswahlen 2024 in Sachsen und Thüringen hatte
der Verband der Familienunternehmen eine zwölfseitige Studie
zur „wirtschaftsfeindlichen Politik der AfD“ publiziert. Und heute?
Die Furcht lässt viele wohl vorauseilend schweigen.
Transparente Regierungsführung ist Standortpolitik
Wir sehen in den USA, wie mangelnde Regierungskompetenz
und -zuverlässigkeit Investitionsbereitschaft reduziert: Seit mehr
als einem Jahr nehmen die Investitionen in der US-Industrie au-
ßerhalb des IT-Clusters ab, zuletzt um 1,3 %. Das passiert, wenn
Regeln aus Launen entstehen, Institutionen unter Druck geraten
und politische Entscheidungen nach Gutsherrenart fallen.
Zumal sich Unternehmen in Sachsen-Anhalt leichttun dürften,
Alternativen in Deutschland zu finden. Sie müssen noch nicht

Quelle: Mika Baumeister via Unsplash
Am Sonntag
steht viel
auf dem Spiel

Abb. 1: Sonntagsfrage
zur Landtagswahl
Sachsen-Anhalt (28.8.26)
Quelle: INSA, LBBW Research

Landesbank Baden-Württemberg
Cross-Asset- und Strategy-Research | 04.09.2026

einmal die Republik verlassen. Ein Exodus von Investitionen ver-
läuft leise und schleichend: eine Erweiterung, die anderswo
stattfindet, eine Neueinstellung, die ausbleibt, ein Standort, der
beim nächsten Ausbau nicht mehr auf der Shortlist steht. Aber
irgendwann steht die Maschine.
Junge Erwachsene sind schon jetzt Mangelware
Sachsen-Anhalt schrumpft schon heute kontinuierlich. Seit dem
Jahr 2000 ist die Wohnbevölkerung um 18 % zurückgegangen.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank im
gleichen Zeitraum um fast 4 %. Bundesweit gab es ein Wachs-
tum von 25 %. Unter den jungen Erwachsenen (zwischen 20 und
35 Jahren) lag der Rückgang der Wohnbevölkerung sogar bei
einem Drittel seit 2010. Wer ein politisches Klima schafft, das
Menschen mit internationaler Biografie oder auch nur mit moder-
ner Weltanschauung verunsichert, schaltet einem strukturellen
Problem einen hausgemachten Turbo zu.
Besonders bitter wäre die Lage für Mitarbeitende mit Migrations-
hintergrund. Mit ihren Remigrationsdrohungen stellt die AfD sie
vor die fundamentale Entscheidung: bleiben oder gehen? Viele
Unternehmen wissen längst, dass sie ohne diese Beschäftigten
nicht auskommen. Wenn die Politik diese Gruppe wegekelt, trifft
sie damit auch die Betriebe. Man kann nicht gleichzeitig Fach-
kräfte suchen und Weltoffenheit schlechtreden.
Ausschluss ist kein Geschäftsmodell!
Auf der anderen Seite enthält das „Regierungsprogramm“ der
AfD in Sachsen-Anhalt keine realistischen Maßnahmen, mit de-
nen sich die lokale Wirtschaft stärken ließe. Viele Versprechen.
Finanzierung ungewiss. Das Institut für Wirtschaftsforschung in
Halle schätzt den Fehlbetrag auf über 2 Mrd. EUR. Wirtschaft
kommt auch erst weit hinten in dem AfD-Positionspapier, nach-
dem das national-identitäre Glaubensbekenntnis („Deutsch den-
ken!“, „Aufnahmestopp für Nicht-EU-Ausländer“ oder „Heimat-
liebe in die Verfassung“) durchdiskutiert ist. Im Vergleich zum
dort verbreiteten Inhalt ist Donald Trump ein schüchternes Mau-
erblümchen. Das Gegeneinander statt Miteinander dürfte die
Gräben in der Gesellschaft vertiefen. „Wirtschaftsschädliche
Sanktionen gegen Russland beenden“ und „Abschaffung des
Akademisierungswahns“ sind wirtschaftspolitische Schlagworte.
Dabei ist Sachsen-Anhalt bei den Ausgaben für Forschung und
Entwicklung schon heute bundesweit auf dem vorletzten Platz.
Für ein Land, dessen Wirtschaft 2025 das vierte Rezessionsjahr
in Folge hinter sich gebracht hat, wäre eine solche Politik ein
Schlag in die Magengrube. Man könnte zynisch frohlocken,
Sachsen-Anhalt werde zum abschreckenden Beispiel für andere
Bundesländer. Vielleicht. Dafür müssten die Menschen zwi-
schen Stendal und Weißenfels aber einen hohen Preis zahlen.
Es lässt sich nur hoffen, dass sich die Wählerinnen und Wähler
bewusst sind, dass ihre Wahl nicht nur Protest ausdrückt, son-
dern über die wirtschaftliche Zukunft des Landes entscheidet.

Vor allem
Junge fehlen
schon heute
Abb. 2: Wohnbevölke-
rung Sachsen-Anhalt
(Mio. Personen)

Quelle: Statistisches Landesamt
Sachsen-Anhalt, LBBW Research

Das Wahlpro-
gramm der AfD
vertieft Gräben

Landesbank Baden-Württemberg
Cross-Asset- und Strategy-Research | 04.09.2026

Disclaimer: 04.09.2026 07:13

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