Schweizer Apotheken beschäftigen 24.000 Fachkräfte in der Schweiz; Arbeitsaufwand übersteigt Personalzuwachs
2025 Fakten und Zahlen Schweizer Apotheken September 2026
Fakten und Zahlen Schweizer Apotheken 2 Inhaltsverzeichnis Fakt 1 Beratung, Begleitung, Behandlung – und Prävention 3 Fakt 2 Arbeitsaufwand > Personalzuwachs 4 Fakt 3 Schweizer Apothekendichte 6 Fakt 4 Verbandsbindung und Kooperationen 7 Fakt 5 Apotheken und ihr grosses Potenzial 8 Fakt 6 Kantonale Unterschiede verhindern einheitliches Impfangebot 11 in den Apotheken Fakt 7 Vom Studium zur Spezialisierung 12 Fakt 8 Beruf und Studium fest in weiblicher Hand 13 Fakt 9 Die unaufhaltsame Talfahrt des Medikamentenpreisindexes 14 Fakt 10 Förderung des Marktanteils von Generika und Biosimilars 15 Fakt 11 Apotheken: unverzichtbar und kostendämpfend 16 Fakt 12 Nur 3% der Kosten zulasten der Krankenkasse fallen 17 bei den Apotheken an Fakt 13 Das Tarifwerk LOA als Grundlage für die Abgeltung von 18 Apothekenleistungen Fakt 14 Lösung für mangelhafte Medikamentenadhärenz 19 Fakt 15 Die Medikamentenabgabe im Mittelpunkt der Tätigkeit 20 der Apotheken Fakt 16 Versorgungsengpässe bei Medikamenten bleiben ein Problem 21
Fakten und Zahlen Schweizer Apotheken 3 Fakt 1 Wohlbefinden, Gesundheit, Prävention, Krankheit …: Die Apotheke berät, behandelt und begleitet. Und nicht zu vergessen: Die Apothekerinnen und Apotheker sind die Medikamentenspezialistinnen und -spezialisten! In der Apotheke erhält die Bevölkerung schnelle und kompetente Unterstützung bei Fragen rund um Wohlbefinden, Ge sundheit, Krankheit und Medikamente – und das ganz ohne Termin oder ärztliche Verschreibung. Apotheken sind eine der ersten Anlaufstellen, wenn es um die Ge sundheit geht. Viele einfache Gesund heitsanliegen lassen sich unkompliziert und direkt in der Apotheke besprechen und lösen. Auch im Bereich der Präven tion, wie beispielsweise beim Impfen, stehen in der Apotheke zahlreiche me dizinische Dienstleistungen zur Verfü gung. Die Kompetenz von Apothekerin nen und Apothekern als Medikamenten spezialistinnen und -spezialisten umfasst mehrere wichtige Aspekte: Sie verfügen über fundiertes Wissen in Pharma kologie, Chemie und biomedizinischen Wissenschaften, was es ihnen ermög licht, Medikamente zu verstehen, ihre Wirkungen zu erklären und mögliche Wechselwirkungen zu erkennen. Somit sind Apothekerinnen und Apotheker essenzielle Partnerinnen und Partner im Gesundheitswesen, die mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten zur Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteltherapien beitragen. In der Schweiz stehen der Bevölkerung 1830 Apotheken als verlässliche erste Anlaufstelle zur Verfügung. Mit ihrer breiten geografischen Verfügbarkeit und ihren kundenfreundlichen Öffnungszei ten sind sie leicht zugängliche Anbiete rinnen medizinischer Grundversorgung und fest in das öffentliche Gesundheits system integriert. Beratung, Begleitung, Behandlung – und Prävention Prävention Blutdruckmessung Blutzuckermessung Cholesterin/Blutlipidmessung Darmkrebsvorsorge Herz-Kreislauf-Screening HIV-Selbsttest Impfen und Impfberatung Kaliumiodid-Tabletten (Notfallversorgung) Medikamenten-Interaktions-Check Häufigste Apotheken-Dienstleistungen in der Übersicht Behandlung Abgabe von rezeptpflichtigen Arzneimitteln ohne Verschreibung in begründeten Fällen Antidotbehandlung (Vergiftungen) Arzneimittelherstellung (Magistralrezeptur) Hausspezialitäten Konsultation in der Apotheke (vertiefte Abklärung und Triage) Kompressionsstrümpfe Läusekontrolle Notfalldienst Notfallverhütung («Pille danach») Wundversorgung Zeckenentfernung Untersuchungen (z. B. Rachen- abstrich, Otoskopie, Urinanalyse) Begleitung EPD (elektronisches Patientendossier) E-Rezept Generikasubstitution Heimbetreuung Medikationsanalyse (Therapieoptimierung) Medikamenten-Dosiersysteme (Verblisterung, Wochendosett) Messung und Analyse medizinscher Werte (Blutdruck, Blutzucker, Cholesterol, CRP etc.) Sachgemässer Antibiotikaeinsatz und Resistenzbekämpfung Spital- und Spitexbetreuung Suchtbehandlung (Alkohol-, Opioidabhängigkeit) Therapiebegleitung und Therapietreue (z. B. myCare Start) Erklärung von Fakten zu Medikamenten (Interaktion, Nebenwirkung etc.) Beratung Beratung in Schwangerschaft und Stillzeit, Kindheit Diabetesberatung Ernährungsberatung Hausapotheke Inkontinenzprodukte Komplementärmedizin/ Phytotherapie Rauchstoppberatung Reisemedizinberatung inkl. Impfberatung Telepharmazeutische Beratung Vitalstoffberatung (z. B. Haarmineralanalyse) Verwendung von medizinischen Geräten (Blutdruckgerät, Inhaliergerät) Quelle: pharmaSuisse
Fakten und Zahlen Schweizer Apotheken 4 Fakt 2 Arbeitsaufwand > Personalzuwachs Rund 24 000 Fachkräfte sind in Apothe ken tätig, wo sie eine zentrale Rolle in der medizinischen Grundversorgung über nehmen. Diese wichtige Funktion gerät jedoch zunehmend unter Druck, da Apo theken mit Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel, Inflation und steigen den Gehaltskosten konfrontiert sind. Die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten pro Apotheke beläuft sich auf 12,7 Per sonen, wovon sich rund 9 Vollzeitstellen ergeben. Pharma-Betriebsassistent/innen Pharma-Betriebsassistentinnen und -assis- tenten übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben in der Apotheke und unterstützen die Geschäftsführung direkt. Sie verfügen über eine abgeschlossene Ausbildung zur Fachfrau resp. zum Fachmann Apotheke und mindestens 3 Jahre Berufserfahrung, über breites Fachwissen, beraten Patientinnen und Patienten, begleiten Lernende und bringen betriebswirtschaftliches Know-how sowie Marketing- und Führungskompetenzen ein. Jährlich schliessen 20–30 Personen die ein- jährige Ausbildung erfolgreich ab und über- nehmen danach wichtige Schlüsselrollen in Apotheken. Damit leisten PBAs einen wert- vollen Beitrag zur Qualität und Zukunfts sicherung im Gesundheitswesen. Fachfrau/Fachmann Apotheke Fachfrauen und Fachmänner Apotheke sind die ersten Ansprechpersonen in der Apotheke. Sie empfangen Patientinnen und Patienten, klären deren Bedürfnisse ab und beraten zu Medikamenten, Gesund heitsprodukten und Prävention. Neben der Abgabe verordneter und rezeptfreier Medikamente erklären sie – in Zusammen- arbeit mit dem/der Apotheker/in – deren Anwendung, erkennen mögliche Alarm zeichen und unterstützen die Betreuung chronisch kranker Patientinnen und Patienten. Zudem übernehmen sie wichtige organi satorische Aufgaben: von der Lagerbewirt- schaftung über das Führen von Kunden dossiers, Fakturierungsaufgaben bis zur Sicherstellung der Abläufe in der Apotheke. Andere Unter «Andere» sind die Berufsgruppen «Praktikantinnen und Praktikanten», «Übriges Verkaufspersonal» und «Übrige Mitarbeiter/ innen» zusammengefasst. Drogistinnen und Drogisten sind ebenfalls hier inkludiert. Verantwortliche Apotheker/innen Der/die fachtechnisch verantwortliche Apotheker/in trägt die Gesamtverantwortung für den Betrieb einer Apotheke. Dazu gehören die Sicherstellung der gesetzlichen Vorgaben, die Qualitätssicherung sowie die Verantwor- tung für die Abgabe von Arzneimitteln und Medikamenten. Apothekenteams unter der Lupe Quelle: RoKa 2023 Datenstand: 7.10.2025 3% Pharma-Betriebsassistent/innen 42% Fachfrau/Fachmann Apotheke 9% Andere 11% Verantwortliche Apotheker/innen 15% Angestellte/r Apotheker/in 19% Auszubildende/r Neben der Beratung von Patientinnen und Patienten übernehmen sie Führungs- und Managementaufgaben: Sie leiten das Apothekenteam, organisieren Arbeitsabläufe, sorgen für eine effiziente Lagerbewirt schaftung und setzen betriebswirtschaftliche sowie strategische Massnahmen um. Ausserdem arbeiten sie eng mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens, besonders mit Ärztinnen und Ärzten, zusammen. In jeder Apotheke muss ein/e fachtechnisch ver- antwortliche/r Apotheker/in sein. Nur dann kann die Apotheke mit der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) abrechnen. Angestellte/r Apotheker/in Nach dem 5-jährigen Studium ist die Arbeit in einer öffentlichen Apotheke (Offizinapotheke) die vorrangige Berufswahl der Pharmazie- Absolventinnen und -Absolventen. Im Zentrum dieser abwechslungsreichen Tätigkeit steht die Beratung und Betreuung der Patientinnen und Patienten bei der Selbstmedikation und in der Abgabe von rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Weitere Aufgaben im Verantwortungsbereich einer Apothekerin oder eines Apothekers umfassen die Diagnose und Behandlung häufiger Erkrankungen, Rezeptvalidierung, Arzneimittelherstellung, Teamführung, Lagerhaltung und Marketing. Dank Dienst leistungen wie Impfen und diversen Vorsorge-Angeboten erreichen die Apo theken auch gesunde Menschen, die selten eine Arztpraxis aufsuchen. Auszubildende/r Die 3-jährige Berufslehre verbindet Praxis in der Apotheke mit Unterricht an der Berufsfachschule und überbetrieblichen Kursen. Lernende beraten Kundinnen und Kunden, geben Medikamente ab, führen einfache medizinische Abklärungen durch und übernehmen administrative Aufgaben. Voraussetzungen sind ein abgeschlossener obligatorischer Schulabschluss sowie Interesse an Gesundheit, Naturwissenschaften und Teamarbeit. Nach erfolgreichem Abschluss erhält man das eidgenössische Fähigkeits- zeugnis (EFZ) – mit der Möglichkeit, während oder nach der Lehre die Berufsmatura zu absolvieren.
Fakten und Zahlen Schweizer Apotheken 5 Fakt 2 Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Grösse der Apothekenteams konstant auf einem ähnlichen Niveau ist, während der Arbeitsaufwand im gleichen Zeitraum deutlich gestiegen ist. Ein Um stand, der dem Fachkräftemangel nicht gerade entgegenwirken dürfte. Stetiger Anstieg des Arbeitsaufwands Quelle: RoKa 2023 und pharmaSuisse (Datenbasis IQVIA AG) Datenstand: 7.10.2025 100 105 110 115 120 125 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Relative Entwicklung (2017 = 100) Jahr Absatz der SL-Medikamente Vollzeitäquivalente 119 107
Fakten und Zahlen Schweizer Apotheken 6 Fakt 3 Schweizer Apothekendichte Der Schweizer Bevölkerung stehen 1830 Apotheken zur Verfügung, die einen niederschwelligen Zugang bei vielen Gesundheitsfragen bilden. Mit kunden freundlichen Öffnungszeiten (auch an Wochenenden) ermöglichen die Apothe kenteams die Versorgungssicherheit so wohl mit Medikamenten als auch mit Artikeln der Mittel- und Gegenstands liste und entlasten nicht nur Hausärztin nen und Hausärzte, sondern auch Not aufnahmen und Spitäler – insbesondere bei einfacheren Fällen. Die geografische Abdeckung über alle Landesteile ist un terschiedlich und resultiert aus unter schiedlichen Faktoren wie Einwohner zahl und Fläche. Ein Dichte-Unterschied zwischen Ballungszentren und ländli chen Gebieten ist ersichtlich, aber der wichtigste Faktor ist das Selbstdispen sations-Regime. Vergangenes Jahr zählte die Schweiz auf 100 000 Einwohner/innen rund 20 Apo theken. Das entspricht 4945 Einwohner/ innen pro Apotheke. Im internationalen Vergleich ist das ein bescheidenes Ergeb nis: Der europäische Durchschnitt liegt bei 31 Apotheken pro 100 000 Einwohner/ innen. Apotheken sind für die Bevölkerung in der Schweiz die praktische Anlaufstelle bei allerlei gesundheitlichen Fragen. 1830 An pharmaSuisse angeschlossen 1539 Nicht an pharmaSuisse angeschlossen 291 Anzahl Einwohner/innen pro Apotheke 4945 Anzahl Apotheken pro 100000 Einwohner/innen 20 Quelle: pharmaSuisse Datenstand: 7.10.2025 In Kantonen, in denen die direkte Medi kamentenabgabe durch Ärztinnen und Ärzte (SD-Gebiete) gänzlich oder zum Teil (MF) erlaubt ist, ist das Apotheken netz nicht mal halb so gross wie in Kan tonen, die die Medikamentenabgabe aus schliesslich in der Apotheke vorsehen. Dieser Umstand erschwert der Bevölke rung den Zugang zum Gesundheitssys tem bei einfachen Fällen, zur Selbstmedi kation und zu vielen Präventionsdienst leistungen – besonders in ländlichen Gebieten, zu Randzeiten und an Wochen enden. Übrigens: Im europäischen Vergleich ist das