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title: "EZB-Rat diskutiert Umfang weiterer Zinsschritte bei der Ratssitzung am 10. September; Zinserhöhung wahrscheinlicher"
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  - "Iran"
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EZB-Rat diskutiert Umfang weiterer Zinsschritte bei der Ratssitzung am 10. September; Zinserhöhung wahrscheinlicher

Fixed Income Special

   NORD/LB Floor Research

  04. September 2026
Marketingmitteilung (ergänzende Hinweise s. Disclaimer)

2 / Fixed Income Special // 04. September 2026

Inhalt

EZB-Preview: Darf es noch etwas mehr sein?
3

Publikationen im Überblick
8

Ansprechpartner in der NORD/LB
9

Flooranalysten:
Dr. Norman Rudschuck, CIIA
Head of Desk
norman.rudschuck@nordlb.de

Lukas Kühne
Covered Bonds/Banks
lukas.kuehne@nordlb.de
Lukas-Finn Frese
SSA/Public Issuers
lukas-finn.frese@nordlb.de

Elias Degener
Covered Bonds/Banks
elias.degener@nordlb.de
Tobias Cordes, CIIA
SSA/Public Issuers
tobias.cordes@nordlb.de

NORD/LB:
Floor Research
NORD/LB:
Covered Bond Research
NORD/LB:
SSA/Public Issuers Research
Bloomberg:
Specials: DS NDB <GO>

3 / Fixed Income Special // 04. September 2026

EZB-Preview: Darf es noch etwas mehr sein?
Autoren: Dr. Norman Rudschuck, CIIA // Lukas Kühne // Tobias Cordes, CIIA

Ratssitzung am 10. September: Die Inflation meldet sich zurück!

Die jüngsten Inflationsdaten dürften die Diskussion im EZB-Rat spürbar verändern. Bei der
Sitzung am 10. September steht offenbar weniger die Frage im Raum, ob die Leitzinsen
erneut angehoben werden müssen, sondern vielmehr, wie viele weitere Zinsschritte erfor-
derlich sein könnten. Gleichzeitig hat sich das geopolitische Umfeld erneut eingetrübt.
Nach dem Auslaufen des Rahmenabkommens ist der Konflikt im Nahen und Mittleren
Osten wieder deutlich eskaliert. Die Aussicht auf eine nachhaltige Befriedung schwindet,
während auch die sichere Passage durch die Straße von Hormus nicht länger gewährleistet
ist. An den Energiemärkten hat diese Entwicklung bereits deutliche Spuren hinterlassen:
Die Öl- und Gaspreise sind in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen und erhöhen
damit erneut den Inflationsdruck. Nach vorläufigen Angaben von Eurostat kletterte die
Teuerungsrate im Euroraum von 2,9% Y/Y im Juli auf 3,3% Y/Y im August, während die
Kerninflation von 2,5% Y/Y auf 2,4% Y/Y zurückging. Vor diesem Hintergrund kommt den
neuen staff projections des EZB-Stabs besondere Bedeutung zu. Sie dürften zeigen, ob und
in welchem Umfang die Notenbank ihre Einschätzung der mittelfristigen Inflationsentwick-
lung anpasst. Die viel beschworene Datenabhängigkeit bleibt damit einmal mehr das
zentrale Leitmotiv der Geldpolitik. Verschoben hat sich allerdings der Schwerpunkt der
Debatte: Diskutiert wird zunehmend nicht mehr über das Ob einer weiteren Straffung,
sondern über deren Umfang.

Der Fahrplan für 2026/27

Die EZB tagt voraussichtlich an folgenden Terminen:
•
10. September – inkl. neuer staff projections (Gastgeber: Bundesbank)
•
29. Oktober
•
17. Dezember – inkl. neuer staff projections, dann erstmals für 2029
•
04. Februar 2027
•
18. März – inkl. neuer staff projections
•
29. April
•
10. Juni – inkl. neuer staff projections

EZB-Leitzinssätze (in %; inkl. von uns erwarteter Zinserhöhung)

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MRO
Deposit F.
Lending F.

Quelle: EZB, Bloomberg, NORD/LB Floor Research

4 / Fixed Income Special // 04. September 2026

Meinungen aus dem EZB-Umfeld: Die Zinserhöhung scheint (fast) ausgemacht zu sein!

Obwohl EZB-Präsidentin Christine Lagarde in ihrer Eröffnungsrede zum EZB-Forum im por-
tugiesischen Sintra hervorhob, dass Forward Guidance in Zeiten von Unsicherheit an Wert
verliert, während die Framework Guidance an Bedeutung gewinne, vermitteln die jüngsten
Äußerungen aus dem EZB-Umfeld den Eindruck einer gezielten Steuerung der Markterwar-
tungen. Besonders deutlich positionierte sich EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel,
die bekanntermaßen zu den „Falken“ im EZB-Rat zählt. Beim derzeitigen Leitzins sei es, so
Schnabel, „unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig zu ihrem Zielwert zurückkehrt“.
Eine weitere geldpolitische Straffung sei daher aus ihrer Sicht notwendig. Gediminas
Šimkus ging noch einen Schritt weiter: Angesichts der vorliegenden Daten gehe er davon
aus, dass „es sehr wahrscheinlich ist, dass wir die Zinsen anheben werden und dass diese
Zinserhöhung im September nicht ausreichen wird.“ Auch für den Slowenen Primož Dolenc
liegen die Argumente für eine Zinserhöhung auf dem Tisch. Die neuen Daten zeigten, „dass
sich die Inflationssituation nicht von selbst löst.“ Etwas zurückhaltender äußerte sich der
Bulgare Dimitar Radev. Mit Blick auf die anstehende Sitzung wollte er sich zwar nicht fest-
legen, betonte jedoch, dass „auf Grundlage dessen, was wir jetzt wissen, ein maßvoller
Zinsschritt ernsthaft in Erwägung gezogen werden sollte.“ Gleichwohl bleibe der Ausgang
der September-Sitzung offen. Radev warnte allerdings davor, mit einer Reaktion zu warten,
bis Zweitrundeneffekte vollständig sichtbar seien, da es dann für ein Eingreifen bereits zu
spät sein könnte. Einen vorsichtigeren Ton schlug Piero Cipollone, italienisches Mitglied des
EZB-Direktoriums, an: „Die geldpolitischen Maßnahmen müssen gut austariert sein“, da
eine Zinserhöhung im Falle eines Angebotsschocks das „Wirtschaftswachstum zusätzlich
dämpfen könnte, das ohnehin bereits durch einen negativen Schock beeinträchtigt wäre.“

Minutes der Juli-Sitzung

Am 27. August veröffentlichte die EZB die Zusammenfassung ihrer geldpolitischen Sitzung
vom 22./23. Juli. Daraus geht hervor, dass die Entscheidung für eine Zinspause vor allem
auf der Einschätzung beruhte, nach der Zinserhöhung im Juni trotz der anhaltenden Unsi-
cherheit geldpolitisch angemessen positioniert zu sein. Ausschlaggebend war für die meis-
ten Ratsmitglieder, dass sich der Preisauftrieb stärker als erwartet und auf breiter Basis
abgeschwächt hatte, während die seit der vorangegangenen Sitzung eingegangenen In-
formationen weitgehend mit dem Basisszenario der Juni-Projektionen übereinstimmten.
Als beruhigend werteten die Entscheidungsträger zudem, dass die mittel- bis längerfristi-
gen Inflationserwartungen weiterhin fest verankert waren. Dies stützte die Einschätzung,
dass sich die Inflation mittelfristig wieder beim Zielwert von 2% einpendeln dürfte. Auch
für eine Materialisierung von Zweitrundeneffekten habe es bislang kaum Anzeichen gege-
ben. Da der vorherige Inflationsanstieg nach Einschätzung der EZB nahezu vollständig auf
angebotsseitige Energiepreisentwicklungen zurückzuführen war, hätte eine weitere Zins-
erhöhung die unmittelbaren Ursachen des Preisdrucks ohnehin nur begrenzt adressieren
können. Zugleich bestand Einigkeit darüber, dass die Inflationsentwicklung weiterhin anfäl-
lig für erneute Schocks sei. Die Risiken blieben nach oben gerichtet, zumal sich die Folgen
des Energiepreisschocks noch nicht vollständig in den Preisdaten niedergeschlagen hätten.
Einige Mitglieder vertraten allerdings die Auffassung, dass die seit der Juni-Sitzung einge-
gangenen Daten eine weitere geldpolitische Straffung gerechtfertigt hätten und der Er-
kenntnisgewinn durch ein Abwarten gering sei. Einer Zinserhöhung hätten sie daher nicht
widersprochen. Trotz dieser Bedenken trugen jedoch auch sie die Entscheidung für eine
Zinspause mit. Letztlich überwog im EZB-Rat die Einschätzung, die Lage sei „fragil, aber
nicht akut“. Die Mehrheit hielt es daher für angemessen, schrittweise vorzugehen und
zunächst die weitere Entwicklung während der Sommermonate abzuwarten, bevor über
zusätzliche geldpolitische Maßnahmen entschieden werde. Zugleich machten die Ratsmit-
glieder deutlich, dass eine weitere Zinserhöhung erforderlich werden dürfte, sollten sich
die Inflationsaussichten nicht erkennbar verbessern.

5 / Fixed Income Special // 04. September 2026

Bieten die neuen staff projections eine Argumentationsbasis für einen Zinsschritt?

Mit der anstehenden Sitzung der Währungshüter vom Main erwarten wir in der kommen-
den Woche auch die Veröffentlichung der neuesten staff projections. Die in den vergange-
nen Tagen u.a. von Eurostat veröffentlichten Inflationsdaten für die Eurozone dürften
einen ersten Vorgeschmack darauf liefern, in welche Richtung die Projektionen der EZB
gehen dürften. So zog die Teuerungsrate im August auf Basis der Daten von Eurostat um
+0,4 Prozentpunkte auf 3,3% an. Im Juni hatte die EZB in ihren staff projections noch eine
Verteuerung in der Eurozone von 3,0% für 2026, 2,3% für 2027 und 2,0% für 2028 prog-
nostiziert. Auf Basis dieser Projektionen konnte die EZB gut argumentieren, ihren Inflati-
onszielwert von 2,0% im Durchschnitt wieder zu erreichen. Ein weiterhin schwer kalkulier-
barer Risikofaktor für die Inflationsentwicklung bleibt die Entwicklung des Konflikts im
Nahen und Mittleren Osten. Nachdem die Zeichen im Juni noch auf eine Befriedung der
militärischen Auseinandersetzungen hindeuteten, scheint eine Lösung des Konflikts aktuell
wieder in weiter Ferne. Zwar haben Häufung und Intensität der Kampfhandlungen zwi-
schenzeitlich spürbar abgenommen, nichtsdestoweniger ist die Straße von Hormus wei-
terhin nahezu blockiert. Auf Basis der von der Universität Oxford und dem IWF bereitge-
stellten Daten zum Handelsvolumen der Schiffskategorie „Tanker“, die die Straße von
Hormus passieren, ist keine wirkliche Erholung zu verzeichnen und liegt im Juni fast 90%
unter dem Vorjahreswert. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die
Weltmarktpreise für Öl und Gas wieder einen deutlichen Anstieg verzeichnen. Die Persis-
tenz höherer Energiepreise wird unserer Ansicht nach, wenn nicht direkt, dann zumindest
mittelbar Einfluss auf die staff projections der EZB haben, sodass wir eine leichte Anpas-
sung der Inflationsprognosen für die kommenden Jahre als wahrscheinlich erachten. Wie
bereits dargestellt, scheinen auch einige EZB-Ratsmitglieder dieser Argumentation zu fol-
gen. So verwies Isabel Schnabel neben der überraschend positiven Wirtschaftsentwicklung
in der Eurozone explizit auf den anhaltenden Konflikt im Nahen und Mittleren Osten, der
die Inflation weiter ansteigen lassen dürfte und damit das Risiko birgt, dass sie sich mittel-
fristig vom Inflationsziel von 2% entfernt. Unterstellen wir eine leichte Anhebung der Infla-
tionsraten im Rahmen der staff projections in der kommenden Woche, böte dies auch eine
gute Argumentationsbasis für die EZB-Ratsmitglieder, erneut zu betonen, dass sie dem
datenabhängigen Pfad ihrer Geldpolitik weiterhin treu bleiben und ihre Leitzinsentschei-
dungen eng an die Entwicklung der Teuerungsrate im Euroraum knüpfen.
Preisentwicklung der Energieträger Öl und Gas
Handelsvolumen in der Straße von Hormus (Tanker)

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Metric Tons (in m)

Quelle: Bloomberg, IWF/University of Oxford, NORD/LB Floor Research

6 / Fixed Income Special // 04. September 2026

EZB-Zinsentscheidung: Unsere Prognose für den 10. September

Nachdem sich die geldpolitischen Falken in der Juli-Sitzung nicht durchsetzen konnten,
dürften sich die Mehrheitsverhältnisse innerhalb des EZB-Rats unserer Einschätzung nach
inzwischen zugunsten einer restriktiveren Haltung verschoben haben. Wie die EZB regel-
mäßig betont, orientiert sie ihre Zinsbeschlüsse an drei Kriterien: den Inflationsaussichten,
der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Trans-
mission. Nachdem die Teuerungsrate im August auf 3,3% Y/Y und damit auf den höchsten
Stand seit September 2