BdSt e.V. veröffentlicht Wohnnebenkostenvergleich 2026 in Hannover und Bremen; Hannover 40 Prozent Mehrbelastung seit 2016
Überdurchschnittlich hohe Abgabenbelastung in Hannover und Bremen | Bund der Steuerzahler e.V.
Wohnnebenkosten-Vergleich 2026: Schwerin bleibt bei der Gesamtbelastung bundesweit vorn
Überdurchschnittlich hohe Abgabenbelastung in Hannover und Bremen
BdSt legt jährlichen Vergleich der Wohnnebenkosten aller 16 Landeshauptstädte vor
Wohnen wird für Bürger zunehmend teurer. Ausdruck dieser Entwicklung sind nicht nur die hohen Grundstücks- und Immobilienpreise sowie gestiegene Bau- und Finanzierungskosten. Auch die vom Staat maßgeblich beeinflussten Wohnnebenkosten tragen zu einer wachsenden finanziellen Belastung der Haushalte bei – wie der aktuelle BdSt-Wohnnebenkostenvergleich eindrucksvoll zeigt. So beläuft sich die jährliche Belastung für einen Drei-Personen-Musterhaushalt im Durchschnitt aller 16 Landeshauptstädte inzwischen auf 1.492 Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Hannover mit 1.583 Euro und Bremen mit 1.509 Euro gehören auch in diesem Jahr zu den Landeshauptstädten mit der höchsten Wohnnebenkostenbelastung. Im Ranking belegen sie den fünft- bzw. sechstteuersten Platz. In Bremen sind die jährlichen Gesamtkosten gegenüber dem Vorjahr um 80 Euro gestiegen. Ausschlaggebend dafür waren höhere Abfallgebühren und Trinkwasserkosten. In Hannover fiel der Anstieg mit 29 Euro zwar moderater aus. Bei der langfristigen Entwicklung zeigt sich allerdings eine deutlich stärkere Belastung: Seit 2016 haben sich die Wohnnebenkosten in Hannover um fast 40 Prozent erhöht – mehr als in jeder anderen Landeshauptstadt.
Für sein Ranking hat der Bund der Steuerzahler die jährliche Belastung der Wohnnebenkosten für einen Drei-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus (zweigeschossig; 120 m² Wohn- und 500 m² Grundstücksfläche, Baujahr 1990) ermittelt. In die Berechnung fließen fünf Kostenfaktoren ein: Trinkwasserpreise , Schmutzwasser- und Niederschlagswassergebühren , Abfallgebühren sowie der bundesweit einheitliche Rundfunkbeitrag in Höhe von 220,32 Euro pro Jahr. Für den Vergleich wurden jeweils die zum 1. Januar 2026 geltenden Preise und Gebühren herangezogen. Nachrichtlich erfolgt zudem ein Vergleich der Grundsteuerbelastung.
Die Ergebnisse des BdSt-Wohnnebenkostenvergleichs 2026:
Bei einem Trinkwasserverbrauch von 132 m³
Jahr zahlt der Musterhaushalt in Saarbrücken mit 663 Euro weiterhin am meisten, gefolgt von Stuttgart (535 €) und Dresden (522 €). Hannover liegt mit 488 Euro auf dem viertteuersten Platz. Zum 01.07.2026 sind die Trinkwasserkosten hier um 10 Euro gestiegen. Grund dafür ist eine neue Preisregelung des Versorgers Enercity : Seit diesem Jahr wird der Wasserpreis an die allgemeine Preisentwicklung gekoppelt. Damit sind künftig jährliche Preissteigerungen zu erwarten. Mit 447 Euro liegen die Trinkwasserkosten in Bremen knapp unter dem Schnitt aller Landeshauptstädte (453 €). Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Kosten für den Musterhaushalt in der Hansestadt jedoch um 45 Euro. Noch deutlicher fiel der Anstieg in drei weiteren Städten (Potsdam +99 €, Düsseldorf +57 €, Saarbrücken +47 €) aus.
Bei den Schmutzwassergebühren (132 m³
Jahr) muss der Musterhaushalt in Potsdam mit 859 Euro bei weitem am meisten aufwenden. Dahinter folgen Saarbrücken (543 €) und Magdeburg (537 €). In allen drei Städten sind die Gebühren in diesem Jahr gestiegen. Bremen belegt mit 387 Euro weiterhin den viertteuersten Platz. In Hannover liegen die Kosten für die Schmutzwasserentsorgung dagegen mit 338 Euro unter dem Niveau des Durchschnitts aller Landeshauptstädte (371 €). Die niedrigsten Gebühren fallen in Düsseldorf (218 €) und Kiel (256 €) an.
Bei der Niederschlagswasserentsorgung (150 m² vollversiegelte Fläche) liegen Bremen mit 125 Euro und Hannover mit 120 Euro nahezu gleichauf. Beide Städte schneiden damit im BdSt-Ranking deutlich günstiger ab als der Durchschnitt der Landeshauptstädte, der bei 165 Euro liegt. Die höchsten Gebühren fallen in Berlin (271 €) und München (266 €) an, die niedrigsten hingegen in Kiel (90 €) und Stuttgart (114 €).
Bei den Abfallgebühren für Bio- und Restmüll (je 60 Liter bei wöchentlicher bzw. 120 Liter bei zweiwöchentlicher Leerung) belegt Hannove r bereits seit 2016 unverändert den Spitzenplatz als teuerste Landeshauptstadt. Im Jahr 2026 sind die Gebühren nochmals um 29 Euro gestiegen und liegen nun bei 417 Euro. Damit zahlt der Musterhaushalt in Hannover rund 50 Euro mehr für die Abfallentsorgung als in der zweitteuersten Stadt Dresden und sogar 133 Euro mehr als im Schnitt aller Landeshauptstädte (284 €). Die vom Abfallzweckverband aha immer wieder angeführten „kostenlosen“ Service-Leistungen vermögen diesen Abstand nicht zu rechtfertigen, da auch günstigere Städte oft ein vergleichbares Leistungsspektrum abdecken.
Auch in Bremen sind die Abfallgebühren gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Mit einer Erhöhung um 35 Euro auf nunmehr 331 Euro befindet sich die Hansestadt auf dem viertteuersten Platz. Lediglich in Magdeburg fiel der Anstieg noch kräftiger aus. Dort erhöhten sich die Gebühren um 52 Euro auf 281 Euro. Am günstigsten ist die Abfallentsorgung hingegen in Schwerin (169 €) und Mainz (224 €) und München (231 €).
Für Trinkwasser, Schmutz- und Niederschlagswasser, Abfallentsorgung sowie den Rundfunkbeitrag – die Grundsteuer ist dabei nicht berücksichtigt – muss ein BdSt-Musterhaushalt im Durchschnitt aller Landeshauptstädte 1.492 Euro pro Jahr aufwenden. Damit sind die Wohnnebenkosten gegenüber dem Vorjahr um 54 Euro gestiegen. Hannover liegt mit 1.583 Euro deutlich über dem Durchschnitt und belegt im aktuellen Vergleich den fünftteuersten Platz. Bremen folgt direkt dahinter auf Rang sechs: Mit einer Gesamtbelastung von 1.509 Euro liegen auch hier die Wohnnebenkosten auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Besonders deutlich wird die Entwicklung bei einem Blick auf die vergangenen zehn Jahre: Seit 2016 sind die Wohnnebenkosten in Hannover prozentual stärker gestiegen als in jeder anderen Landeshauptstadt. Insgesamt erhöhten sie sich um 39 Prozent (+442 €). Auch in Bremen fiel der Anstieg mit 29 Prozent (+341 €) deutlich aus.
Die Grundsteuer wird für den BdSt-Musterhaushalt separat ausgewiesen, da ihre Höhe maßgeblich vom Standort des Grundstücks und vom jeweils angewandten Bewertungsmodell abhängt. Sowohl in Bremen mit 624 Euro als auch in Hannover mit 619 Euro liegt die Grundsteuerbelastung über dem Schnitt aller Landeshauptstädte von 527 Euro. Am niedrigsten fällt die Grundsteuerbelastung in Magdeburg (278 €) und Dresden (298 €) aus. Die mit Abstand höchste Belastung trägt der BdSt-Musterhaushalt hingegen mit 1.114 Euro in Stuttgart, gefolgt von Düsseldorf (815 €) und Mainz (679 €). Da die Hebesätze gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben sind, haben sich auch die Grundsteuerbeträge in keiner der Landeshauptstädte verändert.
(Anmerkung: Anders als in den Vergleichen von 2016 bis 2024 wird die Grundsteuer seit dem BdSt-Wohnnebenkostenvergleich 2025 lediglich nachrichtlich ausgewiesen und nicht in die Gesamtsumme der Wohnnebenkosten eingerechnet. Hintergrund ist die Neugestaltung der Grundsteuerbewertung im Zuge der vom Bundesverfassungsgericht geforderten Grundsteuerreform, vor dessen Hintergrund der BdSt einige Änderungen an der Methodik des Vergleichs vornehmen musste. Ein Vergleich der seit 2025 ausgewiesenen Grundsteuerbeträge mit den Werten früherer Vergleiche ist daher methodisch nicht sinnvoll.)
Den vollständigen BdSt-Wohnnebenkostenvergleich (2016-2026) können Sie dem Anhang zu dieser Pressemitteilung entnehmen.
Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen e. V.
2026 - Überdurchschnittlich hohe Abgabenbelastung in Hannover und Bremen
Anhang: Der große BdSt-Wohnnebenkostenvergleich (2016-2026)