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title: "Daniel Büchel, Generalsekretär VBS, präsentiert Maßnahmen zur Anpassung an veränderte Sicherheitssituation in Brig; CRINK-Allianz sichtbar"
sdDatePublished: "2026-09-04T10:14:00Z"
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Daniel Büchel, Generalsekretär VBS, präsentiert Maßnahmen zur Anpassung an veränderte Sicherheitssituation in Brig; CRINK-Allianz sichtbar

«Sicherheit kostet. Zu spätes Handeln kann noch teurer werden»

Mitteilung Veröffentlicht am 4. September 2026

«Sicherheit kostet. Zu spätes Handeln kann noch teurer werden»

Wie begegnet die Schweiz, wie begegnet das VBS der veränderten sicherheitspolitischen Lage? In seiner Rede am 29. August 2026 am wissenschaftlichen Anlass des Zentralfests 2026 des Schweizerischen Studentenvereins zeigt Generalsekretär VBS Daniel Büchel die Massnahmen auf.

Sehr geehrter Herr Zentralpräsident Sehr geehrter Herr OK-Präsident Geschätzte Aktive Geschätzte Altdamen und Altherren Sehr geehrte Damen und Herren

Wer an einem Samstagmorgen um Viertel vor zehn am Zentralfest einen wissenschaftlichen Anlass besucht, beweist bereits zwei sicherheitspolitisch wichtige Eigenschaften. Lagebewusstsein und Durchhaltefähigkeit.

Ich freue mich, heute hier in Brig zu sein. Brig ist ein besonders geeigneter Ort, um über die Sicherheit der Schweiz zu sprechen. Hier am Fuss des Simplons wird sichtbar, was unser Land seit Jahrhunderten prägt.

Die Alpen schützen uns. Und der Pass verbindet uns. Die Schweiz war nie eine Festung ausserhalb Europas. Menschen, Waren, Energie, Daten und politische Entwicklungen überwinden Gebirge. Heute schneller denn je. Die Schweiz ist militärisch neutral. Sie ist geografisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch aber nicht neutral gelegen.

Das ist der Ausgangspunkt meiner Ausführungen.

Die Frage, die ich an diesem wissenschaftlichen Anlass gerne aufgreifen möchte, lautet, wie die Schweiz der veränderten sicherheitspolitischen Lage begegnet.

Meine Antwort lautet wie folgt.

Die Schweiz muss ihre Handlungsfähigkeit in einer unsicheren Welt sichern. Dafür verringert sie Verwundbarkeiten, stärkt Schutz und Abwehr und richtet ihre Armee wieder konsequent auf die Verteidigung aus. Sie muss sich möglichst eigenständig schützen und zugleich mit Partnern zusammenarbeiten können.

Diese Antwort klingt einfach. Ihre Umsetzung ist es nicht.

Denn wir erleben derzeit eine sicherheitspolitische Zäsur, nicht nur eine weitere Krise.

Was genau hat sich verändert?

Russland führt einen Angriffskrieg gegen einen europäischen Staat. China baut seinen Einfluss aus. Autoritäre Staaten arbeiten enger zusammen. In sicherheitspolitischen Kreisen wird von «CRINK» gesprochen – einer informellen Allianz von China, Russland, Iran und Nordkorea – aktuell sichtbar sowohl im Mittleren Osten, als auch in Russland. Nordkoreanische Truppen in der Ukraine, russische Unterstützung für Iran, etc.

Wirtschaftlicher Druck und vor allem auch militärische Gewalt werden wieder selbstverständlicher als Mittel der Politik eingesetzt. Und internationale Konflikte können nicht mehr isoliert voneinander betrachtet werden. Das Völkerrecht bleibt gültig, aber seine Durchsetzung wird schwieriger.

Gerade die Schweiz ist darauf angewiesen, dass Recht vor Macht gilt. Eine Welt, in der das Recht an Bedeutung verliert, ist für uns eine gefährlichere Welt.

Ein Konflikt beginnt heute nicht zwingend mit Panzern an der Landesgrenze. Er kann mit einem Cyberangriff, einer Desinformationskampagne, einem Sabotageakt, wirtschaftlicher Erpressung oder gezielter Spionage beginnen.

Ein Gegner muss unser Territorium nicht besetzen, um uns zu schaden. Es kann genügen, unsere Stromversorgung zu stören, Kommunikationssysteme zu beeinträchtigen, gesellschaftliche Konflikte zu verschärfen oder das Vertrauen in staatliche Institutionen zu untergraben.

Damit verschiebt sich der sicherheitspolitische Prüfstein. Neben dem Schutz der Grenze rückt die staatliche Handlungsfähigkeit ins Zentrum.

Solche hybriden Aktivitäten finden bereits heute in Europa und auch in der Schweiz statt. Das Agieren in der Grauzone erschwert die Zuordnung. Häufig werden kriminelle Gruppen, lokale Akteure oder andere Stellvertreter eingesetzt. Der Staat, der dahintersteht, kann seine Verantwortung abstreiten und gleichzeitig die Kosten für den angegriffenen Staat erhöhen.

Hinzu kommt eine neue Form der Beeinflussung: Desinformation richtet sich längst nicht mehr nur an Menschen. Millionen digitaler Texte können gezielt produziert werden, um die Datenbasis künstlicher Intelligenz zu manipulieren. Was heute als Propaganda verbreitet wird, kann morgen von einem System als vermeintlich gesichertes Wissen wiedergegeben werden. Auch die technologische Infrastruktur unserer Meinungsbildung wird damit zum sicherheitspolitischen Raum.

Die Schweiz befindet sich nicht in einem bewaffneten Konflikt. Sie ist dennoch bereits heute mit Mitteln konfrontiert, die zur modernen Konfliktführung gehören. Die klare Grenze zwischen innerer und äusserer Sicherheit, zwischen ziviler und militärischer Bedrohung, wird damit zunehmend unscharf.

Der moderne Krieg ist digitaler und vernetzter. Künstliche Intelligenz verkürzt die Zeit zwischen Erkennen und Wirken. Sensoren machen das Gefechtsfeld transparenter. Gleichzeitig ist der moderne Krieg wieder industriell. Drohnen können in grosser Zahl produziert werden. Und eine einzige günstige Drohne kann eine millionenteure Abwehrreaktion auslösen.

Streitkräfte brauchen deshalb Munition, Ersatzteile, Logistik, Energie und Produktionskapazitäten. Auch Anpassungsfähigkeit wird zur Kernkompetenz. Wo sich Verfahren innert Monaten verändern, geraten jahrelange Beschaffungsprozesse unter Druck.

Wer sich nicht bewegt, wird bewegt.

Die Vereinigten Staaten bleiben für Europas Sicherheit und besonders für die nukleare Abschreckung unverzichtbar. Gleichzeitig erwarten sie mehr europäische Eigenverantwortung und richten ihre strategische Aufmerksamkeit stärker auf den indopazifischen Raum.

Europa investiert mehr, baut Kapazitäten auf und schliesst Fähigkeitslücken. Das transatlantische Fundament wird dadurch ergänzt, auf absehbare Zeit aber nicht ersetzt.

Für die Schweiz folgt daraus ein nüchterner Auftrag. Wir müssen wissen, welche Fähigkeiten wir selbst brauchen, wo Zusammenarbeit notwendig ist und welchen Beitrag unsere Partner von uns erwarten dürfen.

Häufig wird gefragt, wer die Schweiz überhaupt direkt angreifen sollte.

Natürlich nicht. Das sind unsere Partner und Freunde.

Aber die Frage greift zu kurz.

Bei einer militärischen Eskalation in Europa wäre die Schweiz möglicherweise nicht Frontstaat. Sie wäre aber Teil des rückwärtigen Raums.

Im rückwärtigen Raum befinden sich jene Infrastrukturen, die Staaten, Gesellschaften und Streitkräfte funktionsfähig halten. Energieversorgung, Verkehrswege, Datenzentren, Kommunikationsnetze und Führungsanlagen. Die Erfahrungen heutiger Kriege zeigen, wie gezielt solche Knotenpunkte angegriffen werden.

Die Schweiz ist in einem solchen Szenario relevant, weil durch unser Land wichtige europäische Verbindungen verlaufen. Wir sind ein Knotenpunkt für Strom, Verkehr, Finanzströme und Daten.

Nehmen wir den Stern von Laufenburg. Dort treffen zentrale Verbindungen des europäischen Stromnetzes zusammen. Ein Angriff aus der Distanz könnte Teile der Schweiz beeinträchtigen und zugleich Folgen für die europäische Stromversorgung entfalten.

Ein solcher Angriff müsste nicht einmal primär gegen die Schweiz gerichtet sein. Unser Land könnte getroffen werden, weil seine Infrastruktur für Europa wichtig ist.

Unsere Vernetzung ist eine Quelle unseres Wohlstands. Sie ist aber zugleich eine Quelle unserer Verwundbarkeit.

Wir leben nicht auf einer Insel der Glückseligen. Die Sicherheit der Schweiz und die Sicherheit Europas lassen sich nicht voneinander trennen.

Bei der Analyse unserer Bedrohung hilft eine einfache Unterscheidung. Eine Bedrohung entsteht aus dem Zusammenspiel von Potenzial, Absicht und Opportunitäten.

Das Potenzial lässt sich beobachten. Wir sehen militärische Fähigkeiten, Produktionskapazitäten und Aufrüstung.

Die Absicht ist schwieriger zu beurteilen. Sie kann sich durch einen politischen Wechsel oder eine Eskalation rasch verändern.

Opportunitäten entstehen dort, wo ein möglicher Gegner auf Verwundbarkeiten, Abhängigkeiten und mangelnde Vorbereitung trifft.

Sicherheitspolitik muss deshalb weiter blicken als auf die Absicht von heute. Sie muss Fähigkeiten, mögliche Entwicklungen und unsere eigenen Angriffsflächen zusammen beurteilen.

Und dabei dürfen wir den Zeithorizont nicht vergessen: die Rüstungsgüter, die heute in Europa bestellt und beschafft werden, bestimmen das militärische Potential auf unserem Kontinent auf die nächsten Jahrzehnte hinaus. Umgekehrt folgt daraus: was wir heute nicht bestellen und beschaffen, wird uns auf Jahre hinaus fehlen.

Aus diesen fünf Veränderungen ergeben sich drei strategische Antworten:

1. Wir müssen unsere Resilienz stärken, also Verwundbarkeiten verringern und auch in einer Krise handlungsfähig bleiben.

2. Wir müssen Schutz und Abwehr verbessern, also Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und andere Bedrohungen früher erkennen, verhindern oder in ihrer Wirkung begrenzen.

3. Und wir müssen unsere Verteidigungsfähigkeit erhöhen, damit wir uns im Fall eines bewaffneten Angriffs auch militärisch verteidigen können.

Genau diese drei Antworten bilden den Kern der Sicherheitspolitischen Strategie 2026. Die Strategie soll noch in diesem Herbst durch den Bundesrat verabschiedet werden.

Sie bildet das Dach über den sicherheitspolitischen Instrumenten und verbindet zivile, militärische, staatliche und private Akteure. Nicht, weil plötzlich alles Sicherheitspolitik wäre. Sondern, weil moderne Bedrohungen die herkömmlichen Zuständigkeitsgrenzen überschreiten.

Eine Armee kann keine Stromversorgung ersetzen.

Eine Polizei kann keine ballistischen Flugkörper abwehren.

Und der Staat kann kritische Infrastrukturen nicht schützen, wenn ihre privaten Betreiber nicht vorbereitet und einbezogen sind.

Umfassende Sicherheit verlangt deshalb klare Zuständigkeiten, ein gemeinsames Lageverständnis und eingeübte Zusammenarbeit.

Die drei Antworten von vorhin werden in der Strategie zu drei Stossrichtungen:

Ein resilientes Land hält schwere Störungen aus, ohne dass seine zentralen Funktionen brechen. Stromversorgung, Kommunikation und staatliche Führung müssen auch unter Belastung funktionieren. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, sich anzupassen und nach einer Krise rasch zu erholen.

Angriffe müssen früher erkannt, möglichst verhindert und wirksam bekämpft werden. Das gilt für Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und Angriffe auf kritische Infrastrukturen.

Wird militärische Gewalt gegen unser Land und seine Bevölkerung eingesetzt, muss die Schweiz handeln können. Möglichst aus eigener Kraft und, falls erforderlich, gemeinsam mit Partnern.

Diese drei Stossrichtungen greifen ineinander. Resilienz mindert die Wirkung eines Angriffs. Schutz und Abwehr erschweren ihn. Verteidigungsfähigkeit begegnet der militärischen Eskalation. Entscheidend ist das Tempo.

Eine Bedrohung kann sich innerhalb weniger Monate verschärfen. Luftverteidigung, ausgebildetes Personal, Munitionsbestände und eine belastbare Führungsstruktur entstehen dagegen über Jahre.

Wer mit der Vorbereitung wartet, bis die Gefahr offensichtlich ist, hat bereits zu lange gewartet.

Die Sicherheitspolitische Strategie gibt dafür den übergeordneten Rahmen vor. Gleichzeitig richtet der Bundesrat auch die einzelnen Instrumente und Politikbereiche auf die veränderte Lage aus.

Für die Rüstungspolitik hat er eine neue rüstungspolitische Strategie beschlossen. Auch für den Cyberbereich bestehen mit der nationalen Cyberstrategie eigene strategische Grundlagen. Eine Leitlinie für den Bevölkerungsschutz wird derzeit ausgearbeitet. Und mit der Revision des Nachrichtendienstgesetzes werden auch die rechtlichen Grundlagen für den Nachrichtendienst weiterentwickelt.

Damit wird die Sicherheitspolitische Strategie Schritt für Schritt konkretisiert. Für die Armee geschieht dies mit den Leitlinien des Bundesrates für die Verteidigung.

Die Leitlinien für die Verteidigung

Die Leitlinien übertragen die sicherheitspolitische Gesamtstrategie auf die Armee. Der Bundesrat hat sie vor der Sommerpause beschlossen