Josef Schicker verstorben in Bamberg; über 2 Mio DM für Bolivien gesammelt

Brückenbauer zwischen Menschen und Kulturen

Brückenbauer zwischen Menschen und Kulturen

Ein Großer ist von uns gegangen. Eine prägende Persönlichkeit für die Erzdiözese Bamberg in der Zeit nach dem 2. Vatikanischen Konzil. Ein Wegbereiter eines modernen Missionsverständnisses. Einer, der nicht Almosen verteilen und anderen einen fremden Glauben aufzwingen wollte. Josef Schicker wollte Menschen in ihrer (kulturellen) Identität stärken und aus dem christlichen Menschenbild heraus Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Ende August ist der 89-jährige Priester und Bolivienmissionar in Bamberg verstorben.

Viele Freunde und Weggefährten waren nach Schickers Geburtsort Gaustadt gekommen, um Abschied zu nehmen. Domkapitular i.R. Dr. Josef Zerndl, der dem Requiem vorstand, würdigte ihn als Priester, der nicht nur „Glauben, sondern auch Lebenskultur und Lebensfreude“ vermittelte. Hinzu kam das persönliche Charisma von Josef Schicker. Rudolf Wagner-Jakob, ein langjähriger Vertrauter, fasste es in seinem Nachruf in folgende Worte: Gott habe den Verstorbenen ausgestattet mit „umwerfendem Charme, einer mitreißenden Begeisterungsfähigkeit und einer klaren, treffenden Sprache.“ Diese Gaben habe er auch nach seiner Priesterweihe 1963 in seine seelsorglichen Stationen in der Erzdiözese Bamberg eingebracht: als Kaplan in Seßlach, Neustadt

Aisch, Bamberg St. Martin und als Pfarrer in Neustadt

Aisch (1970-77) Virnsberg und Sondernohe (1985-89) und Erlangen Herz Jesu (1989-95): Wagner-Jakob: „Wo er hinkam, herrschte Aufbruchstimmung.“ Begeistert und begeisternd setzte Schicker in Umsetzung des 2. Vatikanischen Konzils sich unter anderem für eine zeitgemäße Liturgie, für Mitverantwortung von Laien und eine gelebte Ökumene ein. Da konnte es vorkommen, dass er in seiner Begeisterung nicht immer dort automatisch Halt machte, wo Kirchenecht und „Domberg“ ein Stoppschild setzten.

An allen Wirkungsstätten war es Schickers großes Anliegen, die Botschaft Jesu nicht nur weiterzugeben, sondern auch ganz persönlich etwas dafür zu tun. Und zwar dort, „wo Menschen ihrer Würde beraubt werden, wo Menschen in sozialer Not, in ungerechten Strukturen und miserablen Situation für ihre körperlichen und seelische Lage“ leben und sterben müssten. So erläuterte er 1995 in Erlangen Herz Jesu seinen erneuten Wunsch nach Bolivien in die Mission zu gehen.

Die Zeit in Bolivien hat Schicker, wie er selbst immer wieder betonte, für sein ganzes weiteres Leben tief geprägt: von 1977 bis 1985 war er freigestellt für den priesterlichen Dienst in San Antonio di Lomerio im Tiefland und von 1996 bis 2007 in San Julian und San Martin. Dort lebte er in äußerlich armseligen Verhältnissen und musste mit allen Schwierigkeiten einer „Urwald-Steppen-Pfarrei“ zurechtkommen: unter anderem mit riesigen Entfernungen und katastrophalen Wegen. Mit der ihm eigenen Tatkraft stellte er sich allen Herausforderungen. Und er begnügte sich nur in seiner Rolle als Pfarrer, sondern betätigte sich auch als Entwicklungshelfer und Fundraiser. So baute er nicht nur Kirchen, sondern auch Brunnen und Brücken. Außerdem finanzierte er etwa im lokalen Krankenhaus medizinisches Fachpersonal und stiftete Studienstipendien. Bereits 1985 hatte er für die pastoralen und sozialen Anliegen seiner Pfarrei über 2 Millionen Mark gesammelt. Dabei half ihm sein kommunikatives und literarisches Talent, die zahlreichen Rundbriefe und die 120 Vorträge, die er in der Zeit seines Deutschlandaufenthaltes von Bozen bis Bremen hielt. Immer wieder betonte er dabei, dass Mission „keine Einbahnstraße, kein ausgestreckter Klingelbeutel“ sei. Und dass er derjenige sei, der dankbar sein müsse. Denn er habe mehr empfangen als gegeben. Die Begegnung mit den Menschen in Bolivien habe ihm geholfen, „die Werte des Evangeliums, der Frohbotschaft Jesu“ neu zu entdecken.

So ist es kein Wunder, dass Josef Schicker auch nach seinem offiziellen Eintritt in den Ruhestand 2007 immer wieder nach Bolivien zurückkehrte. Er leistete seelsorgliche Aushilfe und, so Rudolf Wagner-Jakob, wirkte weiter als „Brückenbauer zwischen Menschen und Kulturen“.

Seit 2018 lebte Josef Schicker wieder in Bamberg-Gaustadt, im Caritas-Seniorenzentrum St. Josef. Freundlichkeit, Bescheidenheit und Zugewandtheit zu den Menschen zeichneten ihn bis zuletzt aus. Unvergessen bleibt er - bereits 1985 von Papst Johannes Paul II. mit dem Ehrentitel „Päpstlicher Kaplan“ ausgezeichnet – aber vor allem wegen seines wegweisenden missionarischen Engagements. So sieht es auch Erzbischof Herwig Gössl: „Ich habe Pfarrer Schicker in Erinnerung als einen tatkräftigen Mann, der sich mit seiner ganzen Kraft für die ihm anvertrauten Menschen einsetzte. Besonders gilt das für seine beiden Aufenthalte zum pastoralen Dienst in Bolivien.“