---
title: "ADFC entwickelt bundesweites Kinderschutzkonzept Dresden; Verabschiedung am 14.–15. November in Dresden vorgesehen"
sdDatePublished: "2026-09-04T15:52:00Z"
source: "https://westlausitz.adfc.de/fileadmin/user_upload/Radwelt/Radwelt_2026/ADFC-Magazin_Radwelt_3_26_Kinderschutzkonzept.pdf"
topics:
  - name: "society"
    identifier: "medtop:14000000"
  - name: "welfare"
    identifier: "medtop:20000817"
  - name: "children"
    identifier: "medtop:20000790"
  - name: "non-governmental organisation (NGO)"
    identifier: "medtop:20000646"
locations:
  - "Nürnberg"
  - "Berlin"
  - "Saarland"
  - "Dresden"
  - "Germany"
  - "Bautzen"
---


ADFC entwickelt bundesweites Kinderschutzkonzept Dresden; Verabschiedung am 14.–15. November in Dresden vorgesehen

Ein bundesweit anwendbares
Kinderschutzkonzept [...]
schafft einheitliche Standards
und einen verlässlichen Rahmen.
Markus Stich, Koordinator Kinderradelschule
ADFC Nürnberg
D
er ADFC bewegt Menschen jeden Alters – auf Radtouren,
bei Aktionen auf der Straße, in den ADFC-Radfahrschulen
oder bei der Verkehrserziehung. Immer häufiger sind auch
Kinder und Jugendliche dabei. Mit Angeboten wie Fahrradtrainings,
Radtouren für Minderjährige und Kidical Mass spricht der ADFC
sie gezielt an. Seit 2025 hat der Verband mit dem Jungen ADFC
auch eine eigene Jugendorganisation. Um der gewachsenen
Verant wortung gerecht zu werden, entwickelt der Verband ein
 Kinderschutzkonzept. Das Ziel: Kinder und Jugendliche, die an
ADFC-Veranstaltungen teilnehmen oder sich engagieren wollen,
bestmöglich zu unterstützen und zu schützen.
Gleichzeitig sollen auch die vielen ehrenamtlich Aktiven im ADFC
einen sicheren Rahmen für ihr Engagement erhalten: „Der ADFC hat
ADFC-KINDERSCHUTZKONZEPT
Kinder und Jugendliche
spielen in der Arbeit des ADFC
eine immer größere Rolle.
Mit einem verbandsweiten
Kinderschutzkonzept schafft
der ADFC klare Standards, um
junge Menschen zu schützen
sowie Ehrenamtlichen mehr
Sicherheit und Orientierung für
ihre Arbeit zu geben.
KINDER SCHÜTZEN
seine Stärken traditionell in der Arbeit mit Erwachsenen. Mit den
neuen Angeboten ist auch eine neue Verantwortung verbunden: Der
ADFC muss sich stärker mit dem Schutz von Kindern und Jugend­
lichen auseinandersetzen. Dabei liegt der Fokus ganz klar auf Prä-
vention“, sagt Johanna Drescher, die in der ADFC-Bundesgeschäfts-
stelle für das Kinderschutzkonzept zuständig ist (Interview siehe
S. 14). „Um die Ehrenamtlichen dabei zu unterstützen, arbeiten wir
an einem verbandsweit gültigen Kinderschutzkonzept. Damit wir hier
sicher aufgestellt sind, haben wir uns Expertise von außen besorgt.“
Externe Beratung Gerold Stabel ist ausgebildete Fachkraft für
Kinderschutz und Berater für die Erstellung von Schutzkonzepten.
„Ich unterstütze den ADFC bei Fachfragen und bei der systema­
tischen Verankerung des verbandsinternen Schutzkonzepts. Ich ver-
suche, zu motivieren und zu moderieren sowie – geprägt durch
meine eigenen Erfahrungen – das ehrenamtsnah zu gestalten.“
Auch Haupt- und Ehrenamtliche aus den Landes- und Kreisver-
bänden des ADFC konnten ihre Erfahrungen beisteuern und so
dafür sorgen, dass das Kinderschutzkonzept für die Arbeit vor Ort
praxistauglich ist. Der Bundesvorstand stellt das fertige Kinder-
schutzkonzept auf der Bundeshauptversammlung am 14. und
15. November in Dresden vor, damit es verabschiedet werden kann.
GEMEINSAM
ADFC RADWELT
12
BEWEGEN | Kinderschutz

Der ADFC nimmt
Kinderrechte ernst und
schafft sichere Räume, in denen
junge Menschen sich einbringen
und entfalten können
Sarah Holczer, ADFC-Bundesvorsitzende
Fotos: Linnard Gordalla, Markus Metschl, Julia Baier
Schutz für Minderjährige und Engagierte „Mit dem
Kinderschutzkonzept übernimmt der ADFC Verantwortung – für
Kinder und Jugendliche, für unsere Ehrenamtlichen, für die Zukunft
unserer Kinder- und Jugendarbeit. Wir schaffen einen klaren Rah-
men, der Schutz, Orientierung und Handlungssicherheit bietet. Für
mich ist das ein wichtiges Signal: Der ADFC nimmt Kinderrechte
ernst und schafft sichere Räume, in denen junge Menschen sich
einbringen und entfalten können“, sagt die ADFC-Bundesvor­
sitzende Sarah Holczer.
Das Konzept berücksichtigt unterschiedliche Formen von
Gefährdung:
unbeabsichtigte
Grenzverletzungen,
Übergriffe,
Gewalt unter Kindern und im digitalen Raum. Verschiedene Maß-
nahmen dienen der Prävention: Klare Verhaltensregeln für den
Umgang mit Kindern und Jugendlichen bieten Orientierung und
Sicherheit für alle Beteiligten. Dazu gehören Hinweise, wie man mit
Kindern und Jugendlichen sprechen sollte, wie viel und welcher
Körperkontakt erlaubt ist sowie Regeln für den Kontakt über Social
Media und Messenger. Das Konzept liefert auch einen Leitfaden,
was bei Verdachtsfällen zu tun ist. Zudem will der ADFC künftig
u. a. erweiterte Führungszeugnisse einsehen.
Verbandsinteresse ist groß Vor allem bei den Landes-
und Kreisverbänden, die schon viel mit Kindern und Jugendlichen
arbeiten – wie der ADFC Nürnberg, der 2024 eine Kinderradel-
schule gegründet hat. „Wir veranstalten jeden Samstag offene
Trainings, zu denen Kinder kommen, die wir nicht kennen – oft
auch ohne Eltern. Das heißt, wir haben die Aufsichtspflicht und
sind teilweise auch mit den Kindern alleine. Da war von Anfang an
ein wesentlicher Gedanke: Wie stellen wir sicher, dass die Kinder
einen sicheren Ort haben? Wir haben uns aber auch die Frage
gestellt, wie geben wir unseren ehrenamtlichen Trainer:innen
Sicherheit im Umgang mit den Kindern“, sagt Markus Stich. Er
koordiniert die Kinderradelschule und ist dankbar, dass der ADFC
sich nun intensiv mit dem Kinderschutz auseinandersetzt. „Ein
bundesweit anwendbares Kinderschutzkonzept ist für uns sehr
wertvoll. Es schafft einheit liche Standards und einen verläss­
lichen Rahmen für unsere Arbeit vor Ort. Dadurch werden wich-
tige Strukturen etabliert, die wir allein nur mit deutlich höherem
Aufwand stemmen könnten.“
Einige ADFC-Landesverbände arbeiten bereits an eigenen Kin-
derschutzkonzepten für ihre Kinder- und Jugendarbeit. Thomas
Kees verantwortet beim ADFC Saar die Kinder- und Jugendarbeit
und sagt: „Wir gehören mit dem ADFC Berlin zu den ersten Lan-
desverbänden, die ein eigenes Konzept auf den Weg gebracht
haben. Obwohl wir mit dem saarländischen Kinderschutzbund in
engem Kontakt stehen und das Konzept gemeinsam erarbeitet
haben, ist eine Abstimmung und Weiterentwicklung innerhalb
des ADFC mit seinen spezifischen Umgebungsbedingungen
sehr sinnvoll.“ Der saarländische Landesverband hat mit seiner
 Der ADFC Saar macht viel für Kinder und Jugendliche, z. B. Fahrradaktionen bei
einem Stadtfest.
 Beispiel Kidical Mass: Kinder und Jugendliche spielen in der Arbeit des ADFC eine
immer größere Rolle.
13
ADFC RADWELT
Kinderschutz

Welche Situationen sind im Verbandsalltag besonders sensibel
oder herausfordernd?
Bei Ehrenamtlichen, die zum Beispiel Fahrradtrainings anbieten, er-
lebe ich häufig Unsicherheit bezüglich Nähe und Distanz: In welchen
Situationen und an welchen Körperstellen dürfen Kinder bei Hilfe­
stellungen angefasst werden? Darf ich ein Pflaster aufkleben, wenn
ein Kind gestürzt ist, oder brauche ich dafür schon die Erlaubnis der
Erziehungsberechtigten? Neben Antworten auf konkrete Fragen, ging
es auch darum, den ADFC und seine Aktiven auf den Umgang mit
Verdachtsfällen vorzubereiten, denn das kann schnell überfordern
und zu Konflikten führen. Gleichzeitig wollen wir erreichen, dass alle
Beteiligten genau hinschauen und wissen, dass sie sich melden kön-
nen, wenn sie zum Beispiel Verstöße beobachtet haben.
Auch die Einsichtnahme in erweiterte Führungszeugnisse ist im
ADFC-Alltag herausfordernd. Es handelt sich zwar um ein „Stan-
dard-Instrument“ im Kinderschutz, bedeutet aber auch mehr Büro-
kratie und Organisation: Wer sieht die Zeugnisse an? Wie muss das
dokumentiert werden?
Zusätzlicher Aufwand ist im Ehrenamt immer eine Heraus­
forderung. Wie geht der ADFC mit möglichen Vorbehalten um?
Im ADFC passiert so vieles im Ehrenamt und ich verstehe, wenn ein
Vorstand sagt: ‚Ich will doch nur den Radverkehr voranbringen,
warum soll ich jetzt eine Schulung absolvieren, Führungszeugnisse
einsehen, ein Konzept lesen.‘ Deshalb unterstützen wir von der
 Bundesebene aus mit einem praxisnahen Kinderschutzkonzept,
übersichtlichen Checklisten für den Alltag und mit Beratung. Zusätz-
licher Aufwand bleibt es zwar, aber Kinder und Jugendliche haben
nun mal ein besonderes Schutzbedürfnis – und Kinderrechte umzu-
setzen, geht nicht ohne Auseinandersetzung und Mehraufwand. Das
ist aber auch eine Investition in die Zukunft.
Nach zwei Jahren werden wir uns das Kinderschutzkonzept
noch mal genau ansehen und gemeinsam mit Ehrenamtlichen
sowie Kindern und Jugendlichen prüfen, wie es in der Praxis funk-
tioniert und passen es bei Bedarf an. Zur verantwortungsvollen
Kinder- und Jugendarbeit gehören Schulungen zwingend dazu.
Unsere Basis-Kinderschutzschulung dauert online nur drei Stunden
– das ist sinnvoll investierte Zeit.
… bei JOHANNA DRESCHER, Referentin für Verbandsthemen
NACHGEFRAGT
PRAXISNAHER
SCHUTZ FÜR KINDER
UND EHRENAMT
Es geht ja nicht nur um den Schutz von Kindern, sondern auch
darum, dass Ehrenamtliche weniger Sorge haben müssen,
Fehler zu machen …
Genau. Dass sie sich sorgen, ist nicht nur normal, sondern sogar
super. Das heißt ja, dass sie ihr Handeln reflektieren und nicht
 einfach blind loslegen. Ehrenamtliche können mit anderen über
Unsicherheiten oder Fragen sprechen, zum Beispiel mit anderen
Ehrenamtlichen, die vor Ort etwas für Minderjährige auf die Beine
stellen. Und falls es die nicht gibt, sind lokale Beratungsstellen oder
die Kinderschutzschulungen in der ADFC-Akademie der richtige
Ort. Auch über die E-Mail-Adresse kinderschutz@adfc.de können
sich Ehrenamtliche Rat holen.
Wie gelingt es, Schutzmaßnahmen umzusetzen, ohne das
Engagement zu erschweren oder Menschen abzuschrecken?
Ich denke auch andersrum: Wer sich schon anderswo engagiert
hat und sich im ADFC einbringen möchte, erwartet ein Kinder-
schutzkonzept und wäre abgeschreckt, wenn wir da nichts
hätten. Und die Schutzmaßnahmen erleichtern das Engagement
auch – denn statt Unsicherheit (Darf ich das? Was mache ich,
wenn etwas passiert?) liefert das Kinderschutzkonzept einen
klaren Rahmen. Klar, da kommt zusätzlicher Aufwand auf alle im
ADFC zu. Damit der überschaubar bleibt, unterscheidet der
 Entwurf des Kinderschutzkonzepts aber zwischen Unterstützen-
den, die zum Beispiel bei einer Kidical Mass die Kreuzungen ab-
sichern, und Betreuenden, die die Aufsichtspflicht bei einer
Radtour für Minderjährige übernehmen. Unterstützende bekom-
men eine kurze Kinderschutz-Einweisung durch jemanden, der die
Kinderschutzschulung absolviert hat und unterschreiben, dass
sie sich an den Verhaltenskodex halten und nicht einschlägig vor-
bestraft sind – das ist sogar am Tag der Veranstaltung noch
machbar. Wer Kinder betreut und begleitet, muss mit mehr Auf-
wand rechnen, hat aber naturgemäß auch mehr Fragen, die unser
Konzept beantworten kann.
Infos und das komplette Interview online auf
www.adfc.de/kinderschutz
und im neuen E-Magazin.
Foto: ADFC/Deckbar, ADFC Nürnberg, privat
ADFC RADWELT
14
BEWEGEN | Kinderschutz

Für uns, die wir für die
Kinder- und Jugendarbeit
zuständig sind, wird das Konzept
die Arbeit sicher erleichtern.
Thomas Kees, Verantwortlicher für
Kinder- und Jugendarbeit beim ADFC Saar
Radfahrschule, Schulprojekten und Fahrraddemonstrationen ein
breites Angebot für Kinder und Jugendliche. „Wir erwarten eine
hohe Sensibilität und große Offenheit gegenüber den Konzepten,
die auf Bundes- und Landesebene erstellt werden. Für uns, die wir
für die Kinder- und Jugendarbeit zuständig sind, wird es die Arbeit
sicher erleichtern. Im Idealfall erreichen wir damit sogar Aktive,
die sich bisher Aktionen mit Kindern nicht haben vorstellen kön-
nen. Nicht, weil sie nicht wollten, sondern weil sie sich bisher
davor gescheut haben“, sagt Kees.
Kinderschutz als gemeinsame Aufgabe Mit dem Kon-
zept wird Kinderschutz zur gemeinsamen Aufgabe im gesamten
ADFC. Die ADFC-Bundesgeschäftsstelle unterstützt dabei mit
Checklisten, Arbeitshilfen und Schulungsangeboten in der ADFC-
Akademie (ab Januar 2027). Es wird auch Beratungsangebote und
eine feste Ansprechstelle für Kinderschutzfragen geben, bei der
sich Engagierte im Verdachtsfall oder bei einem „komischen
Gefühl“ melden können. Gleichzeitig gilt: Wer Angebote oder Ver-
anstaltungen für Kinder und Jugendliche plant oder durchführt, ist
verpflichtet, sich mit dem Kinderschutzkonzept vertraut zu machen
und es umzusetzen. Wichtig dabei: „Die Maßnahmen werden
RECHTLICHE VORGABEN
Kinder