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title: "Maike Herrlein und Florian Pröckl im DOSB erläutern Evaluierungsergebnisse und Schritte zur Einführung des Safe Sport Codes; Viele Verbände implementieren vor Ende 2028."
sdDatePublished: "2026-09-07T11:21:00Z"
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Maike Herrlein und Florian Pröckl im DOSB erläutern Evaluierungsergebnisse und Schritte zur Einführung des Safe Sport Codes; Viele Verbände implementieren vor Ende 2028.

„Der Safe Sport Code bleibt ein lernendes Regelwerk“

„Der Safe Sport Code bleibt ein lernendes Regelwerk“

Maike Herrlein und Florian Pröckl haben im DOSB die größte Expertise auf dem Gebiet des Safe Sport Codes. Im Interview erläutern sie die Ergebnisse der Evaluierung und die nächsten Schritte, um die flächendeckende Einführung des Codes umzusetzen.

DOSB: Maike, Florian, ihr seid im DOSB wahrscheinlich am tiefsten mit der Thematik vertraut. Wie lautet euer erstes Fazit nach knapp zwei Jahren Safe Sport Code?

Florian Pröckl: Der Safe Sport Code ist im organisierten Sport angekommen. Ein großer Teil der Mitgliedsorganisationen hat sich inzwischen intensiv mit der Einführung im eigenen Verband befasst. Eine Reihe von Verbänden hat den Code bereits durch die eigene Mitgliederversammlung verabschieden lassen, zahlreiche weitere werden voraussichtlich im kommenden Jahr folgen. Damit zeichnet sich ab, dass viele Organisationen den Safe Sport Code bereits deutlich vor Ablauf der von den Mitgliedsorganisationen selbst beschlossenen Umsetzungsfrist Ende 2028 implementieren werden.

Maike Herrlein: Das ist aus unserer Sicht ein guter Zwischenstand. Man darf nicht vergessen, dass viele Verbände nicht jedes Jahr Mitgliederversammlungen durchführen, in denen die notwendigen Satzungs- und Ordnungsänderungen beschlossen werden können. Gleichzeitig ist die Einführung des Safe Sport Codes auch mehr als ein formaler Beschluss: Zuständigkeiten sind zu klären und die nach dem Code vorgesehenen Strukturen zu schaffen, damit Verfahren durchgeführt werden können. Vor diesem Hintergrund sind wir mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden.

Gab es Entwicklungen, die euch überrascht haben oder mit denen ihr vorher so nicht gerechnet hättet?

Florian: Überrascht hat uns , wie groß das Interesse bei den Verbänden auf Landesebene und teilweise sogar bei den Vereinen bereits ist. Wir sprechen seit der ersten Veröffentlichung des SSC von einem Dekadenprojekt: Der Code soll schrittweise oder kaskadenartig von oben nach unten in die unterschiedlichen Ebenen des organisierten Sports hineinwirken. Eine flächendeckende Einführung auf Ebene der Landesverbände ist daher bewusst kein kurzfristiges Ziel. Und die Vereine kommen noch deutlich später. Gerade auf Vereinsebene ist es aus unserer Sicht ohnehin deutlich wichtiger, dass dort die Prävention funktioniert. Dass Schutzkonzepte vorhanden sind, Verantwortliche für das Thema sensibilisiert und qualifiziert werden und funktionierende Melde- und Beratungswege bestehen. Ein eigenes Sanktionssystem aufzubauen, um Strafen nach Fällen von Gewalt im eigenen Verein aussprechen zu können, erfordert dagegen Ressourcen, die viele Vereine nicht haben. Diese können und müssen aber auch nicht alle Vereine selbst vorhalten, wenn sie den Safe Sport Code umsetzen wollen. Denn hierfür müssen wir externe Strukturen schaffen, auf die Vereine bei der Durchführung von Untersuchungs- und Disziplinarverfahren zurückgreifen können. Der Aufbau dieser Strukturen wird allerdings noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Umso bemerkenswerter ist es, wie viele Vereine aber auch jetzt schon bereit sind, die Ressourcen trotzdem zu schaffen, und wie engagiert sie generell bei der Bekämpfung von interpersonaler Gewalt sind.

Warum war es notwendig, bereits vergleichsweise früh einen ersten Evaluierungsprozess anzuschieben und abzuschließen?

Maike: Die wichtigsten Erkenntnisse, ob etwas Neues funktioniert oder ob es an der ein oder anderen Stelle noch Anpassungen bedarf, erhält man regelmäßig erst im Prozess der Umsetzung, mit anderen Worten, wenn sich Personen mit dem Regelwerk intensiv beschäftigen. Etwas Vergleichbares zum Muster-Safe-Sport-Code gab es im deutschen Sport in dieser Form bislang nicht. Deswegen war klar, dass wir bestimmte Fragen erst dann wirklich beantworten können, wenn die Mitgliedsorganisationen mit der konkreten Implementierung beginnen und vielleicht sogar bereits erste praktische Erfahrungen mit dem Regelwerk sammeln konnten. Genau diese Erfahrungen wollten wir frühzeitig aufnehmen. Uns ging es darum zu schauen: Welche Regelungen funktionieren gut? Wo bestehen Verständnisfragen? Und wo zeigen sich bei der praktischen Umsetzung Punkte, die präzisiert oder angepasst werden sollten?

Die Rückmeldungen und Diskussionen haben ergeben, dass an einzelnen Stellen Präzisierungen, Klarstellungen oder Anpassungen sinnvoll sind, insbesondere mit Blick auf Verständlichkeit, Rechtssicherheit und praktische Umsetzbarkeit. Maike Herrlein Leiterin des Teams Safe Sport Deutscher Olympischer Sportbund

Die Rückmeldungen und Diskussionen haben ergeben, dass an einzelnen Stellen Präzisierungen, Klarstellungen oder Anpassungen sinnvoll sind, insbesondere mit Blick auf Verständlichkeit, Rechtssicherheit und praktische Umsetzbarkeit.

Wie ist diese Evaluierung abgelaufen, wer hat daran mitgearbeitet?

Florian: Die Evaluation wurde als mehrstufiger und partizipativer Prozess durchgeführt. Ziel war es, unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven aus dem organisierten Sport sowie von weiteren Stakeholdern aus dem Themenfeld einzubeziehen und auf dieser Grundlage gemeinsam konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung des Codes zu erarbeiten. Nach einer öffentlichen Ausschreibung wurde der Prozess der Evaluation in Teilen von der Prognos AG gemeinsam mit Prof. Dr. Caroline Dressel extern durchgeführt und unterstützt. In der ersten Phase wurden alle DOSB-Mitgliedsorganisationen sowie weitere Stakeholder zu einer von der Prognos AG durchgeführten Online-Befragung eingeladen. Zu den weiteren Stakeholdern gehörten das Bundeskanzleramt, Athleten Deutschland und die Athlet*innenkommission des DOSB, die unabhängige Betroffenenanlaufstelle „Anlauf gegen Gewalt“, der Ausschuss Integrität der Sportreferentenkonferenz der Bundesländer, Safe Sport e.V. und der Bundesverband der Trainerinnen und Trainer in Deutschland. Neben Fragen zur Verständlichkeit und praktischen Umsetzbarkeit des Codes bestand die Möglichkeit, zu jedem einzelnen Artikel konkrete Änderungs- oder Ergänzungsvorschläge einzubringen. Insgesamt haben sich 30 Organisationen und Institutionen für die Evaluation registriert. 13 davon haben auch konkrete Eingaben zu einzelnen Regelungen gemacht.

Maike: Die Ergebnisse der Online-Befragung wurden anschließend in der zweiten Phase in mehreren vom DOSB ausgerichteten und geleiteten Diskussionsformaten vertieft. An insgesamt zwei Runden Tischen in Frankfurt am Main sowie zwei Online-Terminen haben Vertreter*innen der an der Evaluation beteiligten Institutionen die eingegangenen Rückmeldungen besprochen und diskutiert. Gemeinsam wurden auf dieser Grundlage konkrete Anpassungen und Überarbeitungen des Mustercodes erarbeitet und sich auf Änderungen und Anpassungen am bestehenden Text geeinigt. Diese Ergebnisse wurden dann in der dritten Phase in den Code eingefügt.

Was sind aus eurer Sicht die wichtigsten Änderungen, die es gegeben hat?

Maike: Ein wichtiges Ergebnis der Evaluation ist zunächst, dass es gerade keine grundlegende Änderung an den wesentlichen Strukturen des Safe Sport Codes gegeben hat. Vielmehr hat die Evaluation gezeigt, dass die grundlegende Zielsetzung des Codes weiterhin breite Unterstützung genießt und dass der Code in seiner Gesamtausrichtung Akzeptanz findet. Die Rückmeldungen und Diskussionen haben ergeben, dass an einzelnen Stellen Präzisierungen, Klarstellungen oder Anpassungen sinnvoll sind, insbesondere mit Blick auf Verständlichkeit, Rechtssicherheit und praktische Umsetzbarkeit. Ein Schwerpunkt waren die Begriffsbestimmungen in Artikel 4. Die Definitionen der verschiedenen Formen interpersonaler Gewalt wurden überarbeitet, sprachlich vereinheitlicht und übersichtlicher strukturiert. Präzisiert wurden außerdem die Regelungen zur Verantwortlichkeit von Sportorganisationen. Im Mittelpunkt steht künftig stärker die Frage, ob eine Sportorganisation konkret handelt, nachdem sie Kenntnis von einem möglichen Fall interpersonaler Gewalt erlangt hat. Dadurch wird die Regelung klarer und in der Praxis leichter anwendbar.

Florian: Auch die Anforderungen an das Untersuchungsteam wurden angepasst. Künftig muss dieses aus mindestens zwei Personen bestehen. Damit wird für Untersuchungen ein Vieraugenprinzip verankert. Weiterhin empfehlen wir hier jedoch eine Besetzung mit drei Personen; auch größere Untersuchungsteams bleiben möglich. Neu aufgenommen wurden zudem eigenständige Regelungen zur Konfliktvermittlung. Damit besteht in geeigneten Fällen die Möglichkeit, ergänzend auf eine einvernehmliche Konfliktlösung hinzuwirken. Die Teilnahme ist freiwillig und das Verfahren kann jederzeit beendet werden. Eine weitere Änderung betrifft die Verjährung. Die Dauer der Verjährung bleibt mit fünf Jahren unverändert, sie beginnt jedoch in den Fällen, in denen Minderjährige betroffen sind, erst mit der Volljährigkeit der betroffenen Person.

Die Evaluation hat noch einmal deutlich gezeigt, dass die Grundidee und die Zielrichtung des Safe Sport Codes breite Unterstützung finden. Florian Pröckl Referent Sportentwicklung und Safe-Sport-Code-Experte Deutscher Olympischer Sportbund

Die Evaluation hat noch einmal deutlich gezeigt, dass die Grundidee und die Zielrichtung des Safe Sport Codes breite Unterstützung finden.

Hat die Evaluation auch dazu beigetragen. Vorbehalte oder offene Fragen bei den Mitgliedsorganisationen auszuräumen?

Florian: Ja. Die Evaluation hat noch einmal deutlich gezeigt, dass die Grundidee und die Zielrichtung des Safe Sport Codes breite Unterstützung finden. Unterschiedliche Sichtweisen gab es vor allem bei einzelnen Formulierungen und bei der Frage, wie bestimmte Regelungen in der Praxis funktionieren. Teilweise wurde der Code auch als schwer verständlich wahrgenommen. Genau diese Punkte waren Gegenstand der Evaluation. Was die Evaluation allerdings nicht beseitigen kann, sind der Aufwand und die Ressourcen, die die Sportorganisationen in die konkrete Umsetzung stecken müssen. Denn der Safe Sport Code ist zunächst nur die rechtliche Grundlage dafür, dass Sportorganisationen Fälle von interpersonaler Gewalt rechtskonform untersuchen und gegebenenfalls sanktionieren können. Dafür braucht es aber trotzdem immer Strukturen und vor allem Menschen, die den Code auch umsetzen, also Verdachtsfälle untersuchen, mit den Beteiligten sprechen und am Ende die Entscheidung treffen, ob und wie sanktioniert wird.

Maike: Gerade dieser Teil ist es auch, der für viele Organisationen die größte Herausforderung darstellt und der aufwändigste Part ist. Und das kann der Code niemandem abnehmen. Mit dem inzwischen gegründeten Zentrum für Safe Sport entsteht aber für den Spitzensport eine unabhängige Struktur, die solche Aufgaben künftig auf Grundlage entsprechender Vereinbarungen übernehmen kann. Perspektivisch brauchen wir auch vergleichbare Unterstützungs- und Entlastungsangebote für alle anderen Ebenen des Sports. Hieran arbeiten wir im DOSB bereits aktuell.

Wie sieht der weitere Weg für den Safe Sport Code aus? Welche weiteren Evaluierungen und Fortentwicklungen sind für die kommenden Jahre angedacht?

Florian: Der nächste Schritt ist zunächst die DOSB-Mitgliederversammlung am 5. Dezember 2026 in Frankfurt am Main. Dort soll die im Rahmen der Evaluation überarbeitete Fassung und die daraus resultierende dritte Auflage des Mustercodes zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Die Mitgliederversammlung wird darüber entscheiden, ob die nun evaluierte und überarbeitete Fassung künftig an die Stelle der bisherigen Fassung aus dem Jahr 2024 tritt und damit die neue Fassung des Mustercodes bildet, die der DOSB den Mitgliedsorganisationen für die eigene Umsetzung zur Verfügung stellt. Sollte das der Fall sein, wären die Mitgliedsorganisationen damit entsprechend dem Beschluss aus Dezember 2024 verpflichtet, die dritte Auflage des Safe Sport Codes bei sich bis spätestens 31. Dezember 2028 zur Abstimmung zu bringen.

Maike: Anschließend geht es vor allem um die weit