Bundesregierung beschließt BAföG-Novelle Deutschland; Dynamisierung der Freibeträge +1,5% ab 2028

Zu spät und unzureichend | GEW - Die Bildungsgewerkschaft

Bundesweit fehlen tausende Lehrerinnen und Lehrer. Die GEW macht 15 Vorschläge an die Politik, was jetzt getan werden muss. So können der Lehrkräftemangel bekämpft und die Krise im Klassenzimmer noch verhindert werden.

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Tausende Lehrkräftestellen können nicht besetzt werden – und die Schülerzahlen werden Prognosen zufolge in den kommenden Jahren weiter steigen. Alles zum Thema „Mangel an Lehrkräften“.

Nach Monaten der Unsicherheit hat sich die Bundesregierung beim BAföG auf einen Kompromiss geeinigt. An der geplanten Novelle gibt es viel Kritik.

07.09.2026 - Verena Kern, freie Journalistin

Anfang August veröffentlichte das Statistische Bundesamt neue Zahlen zum BAföG. Nur noch 570.000 Studierende, Schülerinnen und Schüler erhielten demnach im Jahr 2025 die Ausbildungsförderung. Das ist ein Rückgang von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste Stand seit 25 Jahren. Einen Anspruch auf Förderung hätten hingegen weit mehr Personen, wie der aktuelle BAföG-Bericht der Bundesregierung zeigt.

Union und SPD sprechen von einem „Informationsdefizit“ und verweisen auf Studien, wonach über 80 Prozent der BAföG-berechtigten Studierenden fälschlicherweise davon ausgehen, dass sie keinen Anspruch haben. Ein KI-gestützter Chatbot soll, wie vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt angekündigt, Abhilfe schaffen und Informationslücken füllen.

Viele Studierende, die bislang leer ausgehen, könnten künftig profitieren. Doch mit einer wirklich auskömmlichen Förderung können sie nicht rechnen – auch nicht durch die BAföG-Novelle, auf die sich Union und SPD im Juli nach langem Hin und Her geeinigt haben. Zuvor bestand über Monate Unsicherheit darüber, ob die im Koalitionsvertrag vereinbarte BAföG-Reform in dieser Legislatur womöglich abgesagt wird.

Nun kommt die Reform doch, allerdings später als zunächst geplant. Die Wohnkostenpauschale steigt erst ab dem Sommersemester 2027 von 380 auf 440 Euro, der Grundbedarf bis 2029 in zwei Schritten auf 563 Euro. „Der weitere Ausbau staatlicher Leistungen kann nicht losgelöst von der gesamtwirtschaftlichen Lage erfolgen“, begründet Unionsfraktionsvize Inge Gräßle die Verschiebung. „Der spätere Start ist nicht das, was wir ursprünglich wollten“, erklärt Lina Seitzl, die zuständige Berichterstatterin der SPD-Fraktion. „Am Ende ging es darum, die Reform insgesamt abzusichern und ihre zentralen Verbesserungen zu erhalten.“ Zu den Verbesserungen zählt Seitzl: Dynamisierung der Freibeträge mit einem Plus von 1,5 Prozent ab dem Wintersemester 2028

2029, Antragstellung grundsätzlich nur noch digital und Wegfall des Leistungsnachweises ab dem 5. Fachsemester.

„Wir brauchen zusätzlich mehr bezahlbaren Wohnraum, mehr Studierendenwohnheimplätze.“ (Lina Seitzl)

Auch die geplante Anhebung der BAföG‑Sätze kommentieren beide Koalitionspartner unterschiedlich. „Wir tragen den gestiegenen Lebenshaltungskosten Rechnung“, sagt der Berichterstatter der Union, Joachim Ebmeyer (CDU), und betont das Thema Bürokratieabbau: „Ein zentrales Anliegen der Union besteht darin, das BAföG zu entbürokratisieren und zu digitalisieren, damit mehr Berechtigte es beantragen.“ Die Förderung solle „einfacher, schneller und wirksamer“ werden. Die SPD-Politikerin Seitzl räumt hingegen ein: „Ja, die Wohnkosten bleiben für viele Studierende eine enorme Belastung.“ Das BAföG allein könne die Wohnkostenkrise nicht lösen. „Wir brauchen zusätzlich mehr bezahlbaren Wohnraum, mehr Studierendenwohnheimplätze.“

Die Linke verweist auf die Mietenkrise. „Ein durchschnittliches WG-Zimmer kostet in Deutschland längst über 500 Euro, in Städten wie München, Berlin oder Frankfurt am Main noch deutlich mehr“, sagt Nicole Gohlke, Fraktionsvize und Sprecherin für Bildung und Wissenschaft. Deshalb sei eine Erhöhung der Wohnkostenpauschale nur auf 440 Euro „ein schlechter Witz“. Nötig sei ein regional gestaffelter Mietkostenzuschuss, der sich analog zum Wohngeld an den realen örtlichen Mietpreisen ausrichtet. „Flankierend braucht es einen Mietendeckel“, sagt Gohlke und fordert, dass das BAföG wieder zu 100 Prozent als rückzahlungsfreier Zuschuss gewährt wird, „um die Angst vor dem Schuldenberg zu nehmen“.

Weiterer Abbau des Sozialstaates droht

Auch die Grünen fordern eine Kopplung der Wohnpauschale an die tatsächliche Mietpreisentwicklung. „Es darf nicht sein, dass sich nur Menschen aus wohlhabenden Familien ein Studium in einer Großstadt leisten können“, sagt Ayşe Asar, die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Die BAföG-Sätze müssten regelmäßig und automatisch angepasst werden, um nicht „Spielball der jährlichen Haushaltsverhandlungen“ zu sein. Zudem fordert Asar, dass der Zuschussanteil erhöht wird und Studierende nicht jedes Jahr einen neuen Antrag stellen müssen.

Das ist auch eine Forderung des studentischen Dachverbands fzs (freier zusammenschluss von student*innenschaften). „Längere Bewilligungszeiträume würden sowohl Studierende als auch die BAföG-Ämter entlasten“, argumentiert Katharina Rummenhöller vom fzs-Vorstand. Der Gesetzentwurf bleibe weit hinter den im Koalitionsvertrag angekündigten Verbesserungen zurück und enthalte „neue Schritte des Sozialstaatsabbaus„“, wie den schrittweisen Wegfall des Unterkunftszuschlags für Studierende, die zu Hause wohnen, und die geplante Verschärfung der Altersgrenze für den BAföG-Bezug.

Die Bundesregierung müsse ihren Gesetzentwurf „grundlegend nachbessern“, sagt Rummenhöller, die zudem das Verfahren der Verbändeanhörung kritisiert. „Den Verbänden blieben weniger als drei Tage für die schriftliche Stellungnahme und nur ein Tag zur Vorbereitung auf die Onlineanhörung.“

2026: Soziale Lage Studierender 31.08.2026 - ( pdf - 5.20 MB)

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