Carlos Fraenkel neuer Direktor des Einstein Forums in Potsdam; Aus Kanada nach Brandenburg gezogen
Einstein Forum | Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur
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Einstein Forum mit neuem Direktor
Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle hat heute in Potsdam den neuen Direktor des Einstein Forums, Prof. Dr. Carlos Fraenkel, vorgestellt:
„Das Einstein Forum ist Potsdams intellektueller Salon – allerdings kann hier jede und jeder hereinspazieren. Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen diskutieren ihre neuesten Ideen, debattieren über die heikelsten Fragen unserer Zeit – und das Publikum sitzt mit im Raum. Damit führt das Einstein Forum das Erbe seines Namensgebers fort, der in seinem Sommerhaus in Caputh kluge Köpfe aus aller Welt empfing. Ich freue mich, dass wir mit Prof. Carlos Fraenkel einen Philosophen als Direktor gewonnen haben, dessen Biografie und Arbeit für genau diesen Geist stehen: Verbindungen zwischen Ideen, Werten und Denktraditionen über Raum und Zeit hinweg finden – und Philosophie als Kompass für praktisches Handeln begreifen. Dass er aus Kanada nach Brandenburg gezogen ist, um dieses Forum zu leiten, belegt den Ruf dieser Ideenschmiede – herzlich willkommen in Brandenburg! Und großen Dank an Prof. Susan Neiman: Sie hat 26 Jahre lang das Einstein Forum geprägt und dafür gesorgt, dass in Potsdam Debatten geführt werden, die anschließend in Berlin, New York und Jerusalem weitergehen.“
Prof. Dr. Carlos Fraenkel , neuer Direktor des Einstein Forums:
„Offene Gesellschaften geben uns die Freiheit, unser Leben selbst zu gestalten. Aber damit ist die schwierigere Frage noch nicht beantwortet: Was ist es eigentlich wert, gewählt und erstrebt zu werden? Gerade heute, da vertraute Normen und Lebensformen von allen Seiten unter Druck geraten – durch Angriffe auf die Demokratie, Klimawandel, Kriege, den rasanten Fortschritt künstlicher Intelligenz und andere tiefgreifende Umbrüche – stellt sich diese Frage mit neuer Dringlichkeit. Das Einstein Forum will Räume für diese sokratische Prüfung schaffen, in denen die grundlegenden Überzeugungen und Werte, die unser persönliches und gesellschaftliches Leben bestimmen, zur Debatte stehen – über Disziplinen, Kulturen und Epochen hinweg. Ziel ist nicht Konsens und erst recht nicht, Menschen vorzuschreiben, was sie denken sollen. Ziel ist, die eigenen Gewissheiten aufs Spiel zu setzen, Gründe gegeneinander abzuwägen und besser urteilen zu lernen.“
Prof. Dr. Susan Neiman , ehemalige Direktorin des Einstein Forums:
„Das Einstein Forum war nie explizit als jüdisches Institut gegründet, obwohl wir oft als solches verstanden wurden. Allerdings stehen wir zu den Worten, die Albert Einstein 1938 geschrieben hat: ‚In der Tradition des jüdischen Volkes lebt eine Liebe zu Gerechtigkeit und Vernunft, die auch jetzt und in Zukunft zum Wohle aller Nationen wirken muss. In der Moderne hat diese Tradition Spinoza und Karl Marx hervorgebracht.‘“
Der 1971 in Münster geborene Deutsch-Brasilianer Carlos Fraenkel ist Philosoph, Autor und seit dem 01. Juli 2026 Direktor des Einstein Forums. Er war zuletzt Professor für Philosophie und Jüdische Studien an der McGill University im kanadischen Montreal. Zuvor war er Professor für Vergleichende Religionswissenschaft und Philosophie an der britischen Universität Oxford. Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem nach Jerusalem, Abu Dis, Paris, München, Princeton und Indonesien. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Philosophie, Religion, Ethik und Politik, mit einem Schwerpunkt auf der Frage, wie philosophisches Denken über akademische Grenzen hinaus zur öffentlichen Diskussion gesellschaftlicher wie existenzieller Fragen beitragen kann. In seinem Buch Teaching Plato in Palestine: Philosophy in a Divided World (2015) berichtet er von philosophischen Debatten in unterschiedlichen Konfliktkontexten, etwa mit Studierenden in Palästina, Aussteigern aus chassidischen Gemeinden in New York und Mitgliedern einer Irokesen-Gemeinschaft in Kanada. Das Kuratorium des Einstein Forums berief Carlos Fraenkel einstimmig zum Direktor.
Das 1993 als Stiftung des öffentlichen Rechts des Landes Brandenburg gegründete Einstein Forum ist eine internationale und interdisziplinäre Denkwerkstatt in Potsdam. In öffentlichen Vorträgen, Gesprächen, Workshops und Konferenzen bringt es Wissenschaftlerinnen, Schriftsteller, Künstlerinnen und Intellektuelle aus aller Welt zusammen. Das Themenspektrum reicht von grundlegenden Fragen der Menschheitsgeschichte bis zu Herausforderungen der Gegenwart – immer mit Blick auf Fragen, die für unser heutiges Selbstverständnis und gesellschaftliches Zusammenleben von Bedeutung sind. Dabei sucht das Einstein Forum bewusst den Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit sowie zwischen Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften, Künsten und unterschiedlichen intellektuellen und religiösen Traditionen. Die Stiftung ist außerdem für die Pflege und den Unterhalt des Albert-Einstein-Sommerhauses in Caputh (Potsdam-Mittelmark) verantwortlich und macht diesen besonderen historischen Ort der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich, unter anderem durch das sechsmonatige Albert Einstein-Stipendium in Höhe von 10.000 Euro. Es erlaubt herausragenden jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, in Caputh ein Forschungsvorhaben zu realisieren. Von 2000 bis 2026 leitete die US-amerikanisch-deutsch-israelische Philosophin Prof. Dr. Susan Neiman das Einstein Forum als Direktorin. Das Kulturministerium unterstützt das Einstein Forum in diesem Jahr mit rund 1,22 Millionen Euro. Weitere Informationen: www.einsteinforum.de
Einstein Forum - Pressemitteilung 07. September 2026 (104.3 KB)
- Erschienen am 07.09.2026 - Presemitteilung 322
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