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title: "WindForS Stellungnahme zum Konsultationsprozess des 8. Energieforschungsprogramms Schwäbische Alb; offene Messdaten und KI-gestützte Hybridregelung"
sdDatePublished: "2026-09-09T09:08:00Z"
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  - "Germany"
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WindForS Stellungnahme zum Konsultationsprozess des 8. Energieforschungsprogramms Schwäbische Alb; offene Messdaten und KI-gestützte Hybridregelung

WindForS – Windenergie-Forschungscluster Süddeutschland
(Universität Stuttgart, TUM, KIT, Universität Tübingen, ZSW, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Esslingen, Hochschule für
Angewandte Wissenschaften München)
Stellungnahme im Rahmen des Konsultationsprozesses zur Fortschreibung des 8.
Energieforschungsprogramms (BMWE)
An: ptj-energienetzwerk@ptj.de
1. Rolle von WindForS und des Testfelds WINSENT
WindForS bündelt als süddeutscher Forschungscluster Windenergie-Kompetenzen aus Aerodynamik, Aeroakustik, Struktur-
und Systemdynamik, Meteorologie, Geophysik und Betriebsführung aus mehreren Universitäten, Hochschulen für
angewandte Wissenschaften und Forschungseinrichtungen. Das ZSW als WindForS-Mitglied ZSW betreibt das
Forschungswindfeld WINSENT auf der Schwäbischen Alb – ein voll instrumentiertes Testfeld in Süddeutschland im
komplexen Gelände. Transparenz und offene Daten, Modelle des Standorts und der Windenergieanlagen ermöglichen eine
offene, herstellerunabhängige Forschung. Der Standort befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Wald- und
Naturschutzflächen und bietet daher die Möglichkeit für Naturschutz und Akzeptanzforschung. Diese Standortcharakteristik
ist repräsentativ für weite Teile Süddeutschlands und stellt damit eine Plattform für einen erheblichen Teil des verbleibenden
Ausbaupotenzials der Windenergie an Land dar. Diese schriftliche Stellungnahme bezieht sich auf wichtige
Themenschwerpunkte für das kommende Energieforschungsprogramm sowie die Förderinstrumente und Förderprozesse aus
Sicht des WindForS-Konsortiums.
2. Themenschwerpunkte
2.1 Hybridkraftwerke – Erweiterung von WINSENT, Betrieb und Flexibilisierung
• Warum: Zunehmende Abregelung und der Ausbau von PV- und Speicherkapazität erfordern den koordinierten Betrieb
gekoppelter Anlagen; ein Testfeld wie WINSENT könnte durch Erweiterung um Hybridkomponenten (PV, Speicher) zu
einem voll instrumentierten Reallabor ausgebaut werden.
• Problem: Die Reduzierung der Abregelung, Verlängerung der Anlagenlebensdauer und Verbesserung der
Leistungsvorhersage sowie die Ermöglichung eines flexiblen Betriebs sind bislang kaum an vermessenen Vollanlagen im
komplexen Gelände validiert.
• Methoden: Erweiterung der Testfeldinstrumentierung, Betriebsführungs- und Optimierungsalgorithmen,
Vorhersagemodelle, modellprädiktive Regelung und Betriebsführung; modellbasiert, datenbasiert als auch KI- getrieben.
• Ergebnisse: Validierte Betriebsstrategien, offene Messdatensätze, übertragbare Regelalgorithmen für Hybridstandorte.
2.2 Flexibler Betrieb und Auslegung im komplexen Gelände bei geringer mittleren Windgeschwindigkeit
• Warum: Standortbedingungen in Süddeutschland (Gelände, Windangebot, Nähe zu sensiblen Flächen) weichen
systematisch von den Kalibrierungsgrundlagen gängiger Modelle ab. Die Netzanforderungen und
Naturschutzmaßnahmen verlangen zunehmend flexiblen Betrieb (mehr Starts und Stopps, häufiger Drosselung der
Leistung).
• Problem: Validierungslücke aeroelastischer Modelle (OpenFAST, Cp-Lamda, FLOWER, Fast.Farm etc.), unterschiedlicher
Detaillierungsgrad, Validierung auf der Grundlage von Messungen und hochaufgelösten Simulations- und anderen
Referenzdaten, Sensorik für große Anlagen (Blatt, Blattlager), extreme Wetterereignisse, Untergrundverhältnisse etc.,
Quantifizierung von Lasten, Einfluss auf Lebensdauer durch flexiblen Betrieb.
• Methoden: neue Messtechnik für Feldmessung am WINSENT-Testfeld wie Lidar, Sodar, Radar, UAV, Kopplung mit
hochauflösenden CFD-/LES-Zuströmdaten, Sensorentwicklung, smarte Betriebsstrategien in Kombination mit Solar PV.
Validierung von Lasten beim flexiblen Betrieb von Windenergieanlagen.
• Ergebnisse: neue Sensorik für mehr Zuverlässigkeit in Betrieb, Materialeffizienz, resilientes Design gegen unerwartete
Ereignisse durch Klimaänderungen, mehr Blitzeinschlag, extreme Böen, etc.; verbesserte Vorhersagen der Lebensdauer
und von Ermüdungslasten (z.B. niederfrequente Ermüdungslasten durch Starts und Stopps) der Komponenten von
Windenergieanlagen.
2.3 Akzeptanzforschung: Schall, Bodenbewegungen und Naturschutz
• Warum: Ohne Akzeptanz und Naturschutz ist ein weiterer Ausbau der Windenergie in dicht besiedelten Gebieten in
Deutschland nicht möglich.
• Problem: Die Erkenntnisse, die für die Genehmigung herangezogen werden, wurden teilweise mit kleinen
Windenergieanlagen gewonnen. Neue Erkenntnisse und Innovationen wurden nicht in repräsentativer Umgebung
erprobt und validiert. Die strengen und pauschalisierten Auflagen für Betrieb führten zu hohen Standzeiten von
Windenergieanlagen, auch wenn der Naturschutz und Schallschutz nicht immer davon betroffen sind.
• Methoden: intelligenter Naturschutz und Schallschutz. Durch verteilte Messungen und Sensorik kann ein direktes
Feedback für den Betrieb von Windenergieanlagen bestimmt werden. Damit werden die Abschaltungen und
Drosselungen intelligent und bedarfsgerecht gesteuert. Werden beispielswese potentielle Vogelkollisionen detektiert

oder Schallgrenzwerte überschritten, wird der Betrieb der Windenergieanlagen angepasst, um Naturschutz und
Schallschutz sicherzustellen.
• Bodenbewegungsemissionen stellen bei der Beantragung von neuen WEA ein mögliches Problem dar, wenn z.B.
Erdbebenmessstationen oder hochpräzise physikalische Messungen gestört werden. Neben Schutzradien sind hier die
Entwicklungen von Dämpfungsmaßnahmen wichtig, um Genehmigungsprozesse zu erleichtern.
• Ergebnisse: KI-Robotik für Vogelschutz, Schallschutz, intelligente Steuerung und Betriebsführung (Minimierung der
Standzeiten und Maximierung des Naturschutzes), Simulation von Bodenemissionen etc.
• Anbindung an internationale Zusammenarbeit (u. a. IEA Wind Task RESONATE) sorgt für Synergie und
Informationsaustausch, Bedarf an technisch-naturwissenschaftlicher Grundlagenarbeit (Schallausbreitung, Detektion,
Computer Vision) im geförderten Programm.
Hinweis zur Priorisierung: Umwelt- und akzeptanzbezogene Themen (Schall, Bodenbewegungsemissionen, Vogel-
/Fledermausschutz) erfahren in der Industrie erfahrungsgemäß geringe Resonanz, da sie primär als regulatorisches Risiko und
nicht als Produktchance wahrgenommen werden; zugleich werden Einzelergebnisse aus diesem Feld leicht aus dem Kontext
gerissen und von Windkraftgegnern instrumentalisiert. Beides zusammen führt dazu, dass diese Themen im
industriegetriebenen Fördergeschehen strukturell unterrepräsentiert sind – obwohl belastbare, unabhängige Wissenschaft
hier gerade zur Sicherung der gesellschaftlichen Akzeptanz und zur Versachlichung der Debatte unverzichtbar ist. Wir regen
an, solche Themen im Förderprogramm explizit als strategische Grundlagenthemen auszuweisen, statt sie der kommerziellen
Industriepriorisierung zu überlassen.
3. Förderprozess: Industriebeteiligung und Risikoübernahme
Bei Projekten mit Anwendungspotenzial, das sich nicht kurzfristig realisieren lässt, zeigt sich in der Praxis eine geringe
Beteiligungsbereitschaft der Industrie, obwohl grundsätzliches Interesse besteht. Ein gutes Beispiel ist die Lidar-Technologie
oder Entwicklung von E-Autos: Die ersten Entwicklungen fanden in Europa und Deutschland statt − wegen mangelnder
Ressourcen und der Priorisierung von kurzfristigen Zielen bei der Forschung haben mittlerweile chinesische Anbieter auf
diesem Gebiet die Entwicklung in Europa teilweise überholt. Gleichzeitig lehnen klassische Grundlagenforschungsförderer
solche Vorhaben als zu anwendungsnah ab. Es entsteht eine Förderlücke zwischen Grundlagenforschung und industrieller
Anwendungsforschung. Die andauernd kritische wirtschaftliche Lage vieler Anlagenhersteller führt zur Priorisierung
kurzfristiger Notwendigkeiten statt langfristiger Konzepte für mehr nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.
• Empfehlung: Eine Förderpriorisierung entlang wirtschaftlicher Interessen ist sinnvoll, sollte jedoch um einen expliziten
Förderanteil für risikoreichere, industriefern initiierte Innovationsthemen ergänzt werden, bei denen die Industrie
primär als Transferpartner statt als Ko-Finanzierer auftritt.
• Bewertungsmaßstab (ähnlich Start-up-Logik): Physikalisch-technische Machbarkeit und potenzielle Wirkung im
Erfolgsfall stehen im Vordergrund; eine höhere Scheiternswahrscheinlichkeit muss dabei akzeptiert werden. Dies ist bei
offener Forschung ein akzeptierter Prozess, da neue Wege beschritten werden.
4. Fördermodalität: Projektzyklen
Die Möglichkeit der Skizzeneinreichung mehrmals im Jahr wird begrüßt. Die Dauer von der Projektskizze bis zu
Förderentscheidung und Projektstart ist jedoch weiterhin relativ lang, gemessen an der Entwicklungsdynamik des Feldes.
• Empfehlung: Kürzere Begutachtungs- und Entscheidungszyklen bzw. häufigere Einreichungsfenster für zeitkritische,
anwendungsnahe Themen; ein separater, planbarer Zyklus für die unter Punkt 3 skizzierten risikoreicheren
Langfristthemen.
Kontakt: Po Wen Cheng, cheng@ifb.uni-stuttgart.de WindForS – Windenergie-Forschungscluster Süddeutschland, Universität Stuttgart