PRO ASYL 40 Jahre Jubiläum Festakt Römer, Frankfurt; Fortsetzung der Relevanz angesichts Rechtsstaatsbedrohungen

40 Jahre PRO ASYL mit Festakt gewürdigt | PRO ASYL

40 Jahre PRO ASYL mit Festakt gewürdigt

Zum 40-jäh­ri­gen Bestehen der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on PRO ASYL stan­den bei der Fest­ver­an­stal­tung heu­te Abend im Frank­fur­ter Römer der jahr­zehn­te­lan­ge Ein­satz für Flücht­lings- und Men­schen­rech­te, Wür­di­gun­gen und Glück­wün­sche im Mit­tel­punkt. Dabei ging es um die Men­schen, die PRO ASYL über die Jahr­zehn­te hin­weg geprägt haben, und dar­um, dass PRO ASYL gera­de ange­sichts der aktu­el­len Bedro­hun­gen für Rechts­staat­lich­keit und Men­schen­rech­te in Deutsch­land und Euro­pa wei­ter­hin drin­gend gebraucht wird.

Vor 40 Jah­ren, am 8. Sep­tem­ber 1986, wur­de PRO ASYL in Frank­furt am Main gegrün­det und steht seit­dem an der Sei­te von Men­schen auf der Flucht. Was mit 15 Enga­gier­ten begann, ist heu­te eine star­ke und unab­hän­gi­ge Stim­me für Flücht­lings­rech­te in Deutsch­land und Euro­pa. Die beweg­te Geschich­te von PRO ASYL mit wich­ti­gen Erfol­gen und her­ben Nie­der­la­gen fin­den Sie hier . Auf Ein­la­dung der Stadt Frank­furt am Main wur­de am Diens­tag­abend im Kai­ser­saal des Römers – im Bei­sein von rund 150 Gäs­ten – offi­zi­ell das Jubi­lä­um begangen.

Eine Aus­wahl der Stim­men zum Fest­akt (in der Rei­hen­fol­ge des Programms)

Tina Zapf-Rodrí­guez, Stadt­rä­tin und Diver­si­täts­de­zer­nen­tin der Stadt Frank­furt am Main:

„Unse­re frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung bedeu­tet, dass Rech­te nicht davon abhän­gen dür­fen, wie mäch­tig, laut oder beliebt jemand ist. Pro Asyl erin­nert uns seit 40 Jah­ren dar­an, dass das auch für Men­schen gilt, die zu uns kom­men und Schutz suchen. Pro Asyl erin­nert uns dar­an, dass das Recht auf Asyl nicht ver­han­del­bar ist.“

„Der Ein­zel­fall zählt. Ich fin­de, die­ser Satz ist heu­te viel­leicht wich­ti­ger denn je. Denn wenn wir heu­te über Migra­ti­on spre­chen, geht es sehr schnell um Zah­len. Aber hin­ter jeder Zahl steht ein Mensch. Ein Mensch mit einer Geschich­te. Mit Grün­den für sei­ne oder ihre Flucht. Mit einer Fami­lie. Mit Ängs­ten und Hoff­nun­gen. Des­halb zählt der Einzelfall.“

„Ich glau­be, wir brau­chen Pro Asyl auch in den nächs­ten 40 Jah­ren. Als Stim­me für Men­schen, die selbst oft nicht gehört wer­den. Also Orga­ni­sa­ti­on, die wider­spricht, wenn Rech­te ein­ge­schränkt wer­den. Als Ver­ein, der immer wie­der fragt, was bedeu­tet das für den ein­zel­nen Menschen?“

Hali­ma Gut­ale, Vor­sit­zen­de der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft PRO ASYL:

„40 Jah­re Pro Asyl – das sind vier Jahr­zehn­te Ein­satz für Men­schen auf der Flucht. Vier Jahr­zehn­te Wider­spruch gegen Aus­gren­zung, Ent­rech­tung und Abschot­tung. Vier Jahr­zehn­te geleb­te Soli­da­ri­tät. Und vier Jahr­zehn­te beharr­li­cher Kampf um das Recht.“

„40 Jah­re Pro Asyl zei­gen: Wider­spruch wirkt. Recht kann durch­ge­setzt wer­den. Soli­da­ri­tät kann Leben ver­än­dern. Die­se Geschich­te macht Mut. Und sie ver­pflich­tet uns. Wir wer­den wei­ter wider­spre­chen, wenn Men­schen­rech­te ange­grif­fen wer­den. Wir wer­den Men­schen auf der Flucht nicht allein las­sen. Wir wer­den unbe­quem bleiben.“

„Unser Aus­gangs­punkt ist bis heu­te der­sel­be: Der Ein­zel­fall zählt. Das Recht auf Schutz darf nicht von poli­ti­schen Stim­mun­gen abhän­gen oder davon, wie vie­le Men­schen gera­de Schutz suchen. Men­schen­wür­de gilt für alle. Men­schen­rech­te gel­ten für alle. Asyl ist ein Men­schen­recht, kei­ne Gna­de. Des­halb haben wir heu­te allen Grund zu fei­ern. Aber kei­nen Grund, uns zurückzulehnen.“

Dr. Jür­gen Micksch, Mit­grün­der und Ehren­vor­sit­zen­der von PRO ASYL:

„Pro Asyl trug dazu bei, dass eine Stim­me für Flücht­lin­ge Gehör fin­det, dass die Wohl­fahrts­ver­bän­de zusam­men­ar­bei­ten, dass es eine Will­kom­mens­kul­tur gab und vie­les mehr. Die anfäng­lich klei­ne Arbeits­grup­pe Pro Asyl hat dank der enga­gier­ten und her­vor­ra­gen­den Mit­ar­bei­ten­den und Ehren­amt­li­chen Beacht­li­ches bewirkt.“

„Pro Asyl schützt unse­re Ver­fas­sung, die immer wei­ter aus­ge­höhlt wird. Was mit Ein­schrän­kun­gen des Asyl­rechts begann, trifft nun auch die Men­schen­wür­de und Demo­kra­tie. Durch die Kli­ma­er­wär­mung, zuneh­mend auto­ri­tä­re und ras­sis­ti­sche Regie­run­gen sowie Krie­ge gibt es welt­weit immer mehr Flücht­lin­ge. In den kom­men­den 40 Jah­ren wird Pro Asyl daher noch wichtiger.“

Prof. Dr. Manue­la Boja­dži­jev, geschäfts­füh­ren­de Direk­to­rin des Insti­tuts für Euro­päi­sche Eth­no­lo­gie und Migra­ti­ons­for­schung der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Berlin:

„Pro Asyl ist eine der hart­nä­ckigs­ten, poli­tisch beweg­lichs­ten und erfolg­reichs­ten zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen in Deutsch­land und in Europa.“

„Wenn ich sagen soll­te, was ich an Pro Asyl wirk­lich schät­ze, dann, dass die­se Orga­ni­sa­ti­on Asyl- und Migra­ti­ons­po­li­tik seit jeher nicht als iso­lier­tes Phä­no­men ver­steht, son­dern als einen der zen­tra­len Schau­plät­ze sozia­ler Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Seit 40 Jah­ren zeigt Pro Asyl in jedem Wahl­kampf, wie Migra­ti­on zur poli­ti­schen und elek­to­ra­len Mani­pu­la­ti­on instru­men­ta­li­siert wird und wie mit der Angst vor dem Kon­troll­ver­lust an den Gren­zen und mit völ­ki­schem Mythos Stim­men gewon­nen wer­den sollen.“

„Pro Asyl ist der Mei­nung, dass Men­schen­rech­te nur dann ihren Sinn erfül­len, wenn ihre Ein­heit mit den Bürgerinnenrechten in bei­de Rich­tun­gen gilt: Erst wenn Men­schen­rech­te Bürgerinnenrechte sind und umge­kehrt, kön­nen wir von ihrer Umset­zung spre­chen. Pro Asyl zeigt uns, dass eine sol­che Pra­xis kein Ide­al blei­ben muss.“

Wei­te­re Ver­an­stal­tun­gen im Rah­men der Fest­wo­che zum 40-jäh­ri­gen Bestehen von PRO ASYL fin­den Sie hier .