Kunstturngemeinschaft Bodensee steigt in die 3. Bundesliga Überlingen; Aufstieg durch freien Startplatz, kein Aufstiegswettkampf

Vom Zusammenschluss bis zur 3. Bundesliga: Die Geschichte der KTG Bodensee - Turnverein Überlingen

Im Jahr 2020 gründeten Roland Ruf und Alessandro Ribaudo die Kunstturngemeinschaft Bodensee. Was mit einer gemeinsamen Mannschaft des TV Überlingen und des TV Ludwigshafen begann, führte innerhalb weniger Jahre bis in die 3. Bundesliga der Deutschen Turnliga. Vor dem ersten Wettkampf auf Bundesebene spricht Roland Ruf über die Anfänge, die bisherigen Erfolge und die Ziele der KTG Bodensee.

Herr Ruf, wann und aus welchem Anlass wurde die KTG Bodensee gegründet?

Roland Ruf: Die KTG Bodensee wurde 2020 vom TV Überlingen und vom TV Ludwigshafen gegründet. Beide Vereine hatten damals jeweils zu wenige aktive Turner, um eine eigene Mannschaft in der Bezirksliga zu stellen.

Die Corona-Pandemie erschwerte allerdings den Start erheblich. Ein regulärer Ligabetrieb war zunächst kaum möglich. 2022 wurde zwar wieder eine vollständige Runde ausgetragen, allerdings durfte in diesem Jahr keine Mannschaft aufsteigen.

Warum tritt die Mannschaft als Kunstturngemeinschaft Bodensee und nicht als TV Überlingen an?

Die KTG ist bewusst als gemeinsames Team verschiedener Vereine aufgebaut. Unsere Turner kommen ursprünglich aus unterschiedlichen Vereinen und behalten ihre jeweilige Vereinszugehörigkeit.

Durch die gut ausgestattete Gerätturnhalle in Überlingen werden viele talentierte Turner aus der Umgebung auf unseren Trainingsstandort aufmerksam. Das ist für die Entwicklung des Leistungsturnens eine große Bereicherung. Gleichzeitig ist uns ein gutes und partnerschaftliches Verhältnis zu den umliegenden Vereinen wichtig.

Deshalb gibt es eine klare Trennung: Bei Einzelwettkämpfen starten die Turner weiterhin für ihre Heimatvereine. In der Liga treten sie gemeinsam für die KTG Bodensee an. Niemandem wird dadurch seine Vereinszugehörigkeit genommen. Die Heimatvereine bleiben ein wichtiger Bestandteil der sportlichen Entwicklung.

Der Name Kunstturngemeinschaft Bodensee steht für diese Zusammenarbeit. Die KTG ist keine Konkurrenz zum TV Überlingen oder zu den anderen beteiligten Vereinen. Sie bündelt vielmehr die Kräfte der Region und schafft eine gemeinsame Plattform für leistungsorientiertes Turnen.

Welche Meisterschaften, Aufstiege und Platzierungen waren die größten Erfolge der bisherigen Geschichte?

2023 wurden wir Meister der Bezirksliga und stiegen in die Landesliga auf. Bereits 2024 folgte der nächste Aufstieg in die Verbandsliga. Dort erreichten wir 2025 den dritten Platz. In der Saison 2026 gewannen wir die Meisterschaft und qualifizierten uns damit für die Oberliga.

Im selben Jahr ergab sich die Möglichkeit, in die 3. Bundesliga nachzurücken. Dort war ein Startplatz frei, und es gab zu wenige Bewerber. Dadurch gelang uns der Aufstieg im regulären Verfahren, ohne dass wir einen zusätzlichen Aufstiegswettkampf bestreiten mussten.

Seit 2025 verfügt die KTG außerdem über eine zweite Mannschaft in der Bezirksliga. Diese wurde 2026 Bezirksligameister und stieg in die Landesliga auf. Damit waren in derselben Saison beide Mannschaften Meister ihrer jeweiligen Liga.

Sie und Alessandro Ribaudo haben früher gemeinsam in der Oberliga geturnt. Wie haben Sie diese Zeit als Turner erlebt – und was unterscheidet sie von Ihrer heutigen Rolle als Trainer und Organisatoren?

Alessandro und ich haben gemeinsam für die Mannschaft des Hegau-Bodensee-Turngaus in der Oberliga geturnt. Nach dem Gewinn der Oberliga-Meisterschaft wären wir damals gerne in die 3. Bundesliga aufgestiegen. Der Turngau entschied sich jedoch aus finanziellen und organisatorischen Gründen gegen diesen Schritt.

Diesen sportlichen Traum erfüllen wir uns nun mit der KTG Bodensee. Heute stehen wir allerdings nicht mehr nur als Turner in der Halle, sondern tragen als Trainer und Organisatoren die Verantwortung für die gesamte Mannschaft und für all die Aufgaben, die im Hintergrund bewältigt werden müssen.

Warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, die beiden bisherigen Oberliga-Mannschaften der KTG Bodensee und des Hegau-Bodensee-Turngaus zusammenzuführen und den Schritt in die Deutsche Turnliga zu wagen?

Ein Start in der Deutschen Turnliga ist nur möglich, weil inzwischen ein größeres Team aus Organisatoren und Verantwortlichen den erheblichen Aufwand gemeinsam stemmen kann. Durch den Zusammenschluss der KTG Bodensee mit der Mannschaft des Hegau-Bodensee-Turngaus entstand zudem ein ausreichend großer und leistungsfähiger Kader für die 3. Bundesliga.

Beide Mannschaften trainierten bereits regelmäßig zusammen, und viele Turner kannten sich seit Jahren aus dem Nachwuchsbereich. Deshalb war der Zusammenschluss sowohl sportlich als auch menschlich der logische nächste Schritt.

Der neue Kader besteht aus Turnern von vier Vereinen und unterschiedlichen Trainingsgruppen. Wie entsteht daraus eine gemeinsame Mannschaft?

In der Drittliga-Mannschaft turnen Aktive des TV Überlingen, des TV Ludwigshafen, des TV Markdorf und des Stadtturnvereins Singen. Da wir in Überlingen eine sehr gut ausgestattete Gerätturnhalle haben, trainieren inzwischen alle Turner regelmäßig dort.

Neben drei weiteren Trainingseinheiten findet jeden Freitag ein gemeinsames Ligatraining statt. Diese regelmäßigen gemeinsamen Einheiten sind entscheidend, damit aus den verschiedenen Gruppen eine Mannschaft entsteht.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Sparkasse Bodensee, die das Sparkassen-Turnteam als Sponsor und Namensgeber unterstützt. Einige unserer Turner studieren außerhalb der Region und können deshalb nicht immer in Überlingen trainieren. Durch die finanzielle Unterstützung lassen sich die zusätzlichen Trainings- und Fahrtkosten für sie reduzieren. Das hilft uns, die Mannschaft trotz der unterschiedlichen Studien- und Trainingsorte zusammenzuhalten.

Wo soll die KTG Bodensee in drei bis fünf Jahren sportlich und organisatorisch stehen?

Zunächst möchten wir uns in der 3. Bundesliga etablieren und zeigen, dass eine Mannschaft vom Bodensee auf diesem Niveau bestehen kann. Dabei geht es nicht nur um die Ergebnisse der ersten Mannschaft. Ebenso wichtig ist, die zweite Mannschaft weiterzuentwickeln und jungen Turnern aus der Region eine Perspektive im Ligaturnen zu bieten.

Organisatorisch soll die Verantwortung weiterhin auf mehrere Schultern verteilt werden. Die Bundesliga lässt sich dauerhaft nur bewältigen, wenn Trainer, Kampfrichter, Vereine, Sponsoren und weitere Helfer verlässlich zusammenarbeiten. Unser Ziel ist eine stabile Struktur, in der die beteiligten Vereine ihre Eigenständigkeit behalten und gleichzeitig gemeinsam das Leistungsturnen am Bodensee voranbringen.

Roland Ruf ist seit seiner Kindheit eng mit dem Kunstturnen verbunden. Da seine Eltern als Kunstturntrainer tätig waren, verbrachte er einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend in der Turnhalle. Mit 15 Jahren schloss er sich als aktiver Turner der Verbandsligamannschaft des Hegau-Bodensee-Turngaus an, für die er bis zum Ende seines Studiums antrat.

Anschließend war Ruf fünf Jahre lang als Turner und Trainer beim TV Schiltach aktiv. 2002 kehrte er nach Überlingen zurück. Gemeinsam mit Alessandro Ribaudo gründete er 2020 die KTG Bodensee. Neben seiner Tätigkeit als Trainer der ersten KTG-Mannschaft engagiert er sich als erster Vorsitzender und Nachwuchstrainer des TV Überlingen für die Entwicklung des Kunstturnens in der Bodenseeregion.

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