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title: "Sortenerhaltungszentrale Baden-Württemberg und Gemeinde Horgenzell starten Walnuss-Sorten-Erhaltungsprojekt in Horgenzell, Baden-Württemberg; Ziel: klimaresiliente Walnusssämlinge identifizieren, erhalten, vermehren"
sdDatePublished: "2026-09-10T14:27:00Z"
source: "http://www.kob-bavendorf.de/files/Aktuelles/apfel/Newsletter-SEZ-09-2026.pdf"
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  - "France"
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Sortenerhaltungszentrale Baden-Württemberg und Gemeinde Horgenzell starten Walnuss-Sorten-Erhaltungsprojekt in Horgenzell, Baden-Württemberg; Ziel: klimaresiliente Walnusssämlinge identifizieren, erhalten, vermehren

NEWSLETTER
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SORTEN
ERHALTUNGS
ZENTRALE
Baden-Württemberg
VORWORT

Liebe Leserinnen und Leser,
der Spätsommer/Herbst ist eine besondere Zeit im Obstbau: Die ersten Früchte
reifen, die Ernte steht bevor und zugleich richtet sich der Blick bereits auf die
kommenden Jahre. Auch in dieser Ausgabe unseres SEZ-Newsletters geht es um Projekte und
Sorten, die zeigen, wie vielfältig und zukunftsorientiert der Streuobstbau und die Erhaltung alter
Sorten sein kann.
Angesichts des Klimawandels rücken zunehmend auch Nussgehölze in den Fokus der Sorten-
erhaltungsarbeit. Mit dem Sortenerhaltungsgarten für Nussgehölze in der Gemeinde Horgenzell
entsteht damit ein wichtiger Baustein für die langfristige Sicherung genetischer Vielfalt.
Ebenso beschäftigen wir uns mit spätblühenden und frostrobusten Apfel- und Birnensorten –
Sorteneigenschaften, die angesichts zunehmender Wetterextreme immer mehr an Bedeutung
gewinnen.
Vom Luikenprojekt gibt es ebenfalls Neuigkeiten und aktuelle Entwicklungen zu berichten.
Es konnten einige pomologisch beschriebene Luikenvarietäten wieder sicher pomologisch einge-
ordnet und auch wiederentdeckt werden. Dabei zeigen sich die Verwandtschaftsverhältnisse zum
Luikenapfel als sehr vielfältig.
Und natürlich dürfen auch die pomologischen Neuigkeiten nicht fehlen: Neue Erkenntnisse,
interessante Sorten und Beobachtungen rund um unsere Obstvielfalt gehören zu den Themen,
die uns immer wieder aufs Neue beschäftigen. Die Apfelsorte ‘Jules Labitte‘ ist ein besonderes
Beispiel dafür.
Eine schöne Gelegenheit zum persönlichen Austausch bietet der Offene Sortengarten am KOB
am 19. September. Wer sich für alte und seltene Sorten interessiert, Sorten kennenlernen und
bestimmen lassen möchte, ist herzlich eingeladen. Wir freuen uns auf viele bekannte und neue
Gesichter!
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen, spannende Entdeckungen und einen guten Start in
die Erntezeit.
Dr. Ulrich Mayr, Leiter der Sortenerhaltungszentrale Baden-Württemberg

ERHALTUNG VON WALNUSSSORTEN – DR. ULRICH MAYR
Sortenerhaltungszentrale Baden-Württemberg
und Gemeinde Horgenzell starten gemeinsames
Projekt
Die SEZ hat bislang vor allem die Aufgabe, alte Apfel- und Birnensorten zu bewahren. Sie
unterstützt dabei zahlreiche Initiativen und Vereine in Baden-Württemberg, berät bei der Sorten-
auswahl und Beschaffung von Edelreisern, überprüft Sortengärten, sucht weiter nach regional-
typischen Sorten und engagiert sich bei Sortenausstellungen und der Bestimmung unbekannter
Sorten.
Angesichts des Klimawandels rücken zunehmend auch Nussgehölze in den Fokus der Sortener-
haltungsarbeit. Walnussbäume sind in Baden-Württemberg weit verbreitet und prägen vielerorts
Streuobstwiesen, Hofstellen und die Kulturlandschaft. Die Streuobstkartierung aus dem Jahr
2008 schätzte den Bestand auf rund 300.000 bis 400.000 landschaftsprägende Walnuss- und
Hofbäume.
Ein besonderer Schatz liegt dabei in den zahlreichen Walnusssämlingen. Im Rahmen eines LEA-
DER-Projekts wurden in Oberschwaben bei 72 Baumbesitzern insgesamt 269 Walnussbäume
erfasst. Viele dieser Bäume sind Sämlinge und stellen damit eine große genetische Vielfalt dar.
Ziel der weiteren Arbeit ist es, aus diesem Fundus besonders interessante und an die regionalen
Bedingungen angepasste Walnusssämlinge zu identifizieren, zu beschreiben, langfristig zu er-
halten und zu vermehren
WALNÜSSE ALS KLIMARESILIENTE BÄUME
Walnussbäume können eine interessante Ergänzung zu klassischen Apfel- und Birnenhochstäm-
men darstellen. Sie gelten als robust und kommen auch mit sommerlicher Trockenheit vergleichs-
weise gut zurecht. Zudem sind bei Walnussbäumen bislang weder ein nennenswerter Mistelbefall
noch größere Probleme durch Wühlmäuse bekannt. Umfangreiche Kronenpflegemaßnahmen
sind in der Regel nicht erforderlich.
Damit können Walnüsse insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Trockenperioden
eine interessante Perspektive für zukünftige, klimaangepasste Streuobstbestände bieten.
Auch hat man in den letzten Jahren die große Bedeutung für die heimische Tierwelt festgestellt.
Zwar werden ihre Blüten durch den Wind bestäubt und sind daher für klassische Blütenbesucher
wenig attraktiv. Die Bäume bieten jedoch Lebensraum und Rückzugsmöglichkeiten für zahl-
reiche Vogelarten. Spechte nutzen Walnussbäume regelmäßig, unter anderem aufgrund der dort
vorkommenden holzbewohnenden Tierarten. Die Nüsse wiederum stellen im Herbst und Winter
eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Vögel und Kleinsäuger dar.
EIN GARTEN FÜR DIE VIELFALT
In der Gemeinde Horgenzell (Kreis Ravensburg) konnte nun ein Erhaltungsgarten für Walnuss-
sorten und lokale Sämlinge eingerichtet werden. Die Größe der zur Verfügung gestellten Fläche
ermöglicht es, über die Walnuss hinaus weitere für die Zukunft interessante Nusssorten auf-
zunehmen. Am Rand der Anlage sollen verschiedene Haselnuss- und Mandelsorten gepflanzt
werden. Eine Allee aus Esskastanien ergänzt den Sortenerhaltungsgarten.
Abb. 1: Pflanzung der ersten Walnussbäume im Frühjahr 2025
Haselnuss und Esskastanie könnten künftig ebenfalls wichtige Bausteine klimaresilienter Streu-
obstwiesen und landwirtschaftlicher Kulturlandschaften werden. Die Auswahl der Sorten er-
folgt in Abstimmung mit der Deutschen Genbank Obst und europäischen Fachkollegen. Dabei
sollen insbesondere Sorten berücksichtigt werden, die sich für die klimatischen Bedingungen in
Baden-Württemberg eignen.
Die SEZ und der Fachbereich Sortenprüfung am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee können
hierbei auf ein gut etabliertes europäisches Netzwerk zurückgreifen. So fließen Erfahrungen und
Erkenntnisse aus verschiedenen Regionen Europas in die Auswahl der zukünftigen Sortenerhal-
tungssammlung ein.
GEMEINSAMES ENGAGEMENT FÜR DIE ZUKUNFT
Die Gemeinde Horgenzell stellt nicht nur die Fläche für den Sortenerhaltungsgarten zur Ver-
fügung, sondern übernimmt auch die Pflege der Anlage. Die Sortenerhaltungszentrale Baden-
Württemberg koordiniert das Projekt, beschafft die Pflanzen und übernimmt die Pflanzung
und die Kronenpflege.
Abb. 2 : Walnusserhaltungsgarten am Ortsrand der Gemeinde Horgenzell
Die ersten Bäume wurden im Frühjahr 2026 gepflanzt. Gefördert wird das Vorhaben durch das
Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.
Mit dem Sortenerhaltungsgarten in Horgenzell entsteht damit ein wichtiger Baustein für die
langfristige Sicherung genetischer Vielfalt. Gleichzeitig wird er zu einem Anschauungs- und
Erhaltungsort für klimaangepasste Nusssorten und macht sichtbar, welche Bedeutung Walnuss,
Haselnuss, Mandel und Esskastanie künftig für die Kulturlandschaft Baden-Württembergs
haben können.

SPÄTBLÜHENDE APFEL- UND BIRNENSORTEN – MONIK A MEYER
Auf der Suche nach frostrobusten Apfel-
und Birnensorten
Durch die Klimaerwärmung blühen Obstbäume immer früher im Jahr, während sich das
Auftreten von Spätfrösten nicht verringert hat. Hierdurch nimmt die Gefahr von Frost-
schäden und Ernteverlusten zu. Vor diesem Hintergrund wurde das EIP-Projekt „Auslese
und Entwicklung frosttoleranter Apfel- und Birnensorten zur Vermeidung von Spät-
frostschäden“ durchgeführt. Das Ziel war, frostrobuste Sorten für den Streuobstanbau
und die Züchtung zu finden.
EINFLUSS DER WITTERUNGSBEDINGUNGEN
Die Sorten haben genetisch bedingt ein unterschiedliches Kälte- und Wärmebedürfnis, das für
das Einsetzen der Blüte erfüllt sein muss. Eine bestimmte Anzahl an Kältestunden ist erforder-
lich, damit die winterliche Knospenruhe aufgehoben wird. Das hat den Vorteil, dass die Knos-
pen nicht bereits nach kurzen Wärmeperioden im Januar oder Februar aktiviert werden. Wenn
das Kältebedürfnis erfüllt ist, reagieren die Knospen auf warme Temperaturen und entwickeln
sich weiter. Bei zwischenzeitlich einsetzenden Kälteperioden verlangsamt sich die Blütenentwick-
lung oder stagniert. Es gibt verschiedene Modelle, um den Blühzeitpunkt rechnerisch zu ermit-
teln. Die häufig schwankenden Temperaturen erschweren jedoch eine Berechnung. Außerdem
zeigte sich, dass die Knospenentwicklung der Sorten unterschiedlich stark von den Witterungs-
bedingungen beeinflusst wird.
Ein sehr warmes Frühjahr, ohne große Rückschläge durch Kälteeinbrüche, führt meist zu einem
schnellen, gleichzeitigen Blühen vieler Sorten. Die Unterschiede sind dann verhältnismäßig
gering. In einem kühlen Frühjahr zeigen sich die Differenzen im Blühzeitpunkt hingegen deut-
licher. So lassen sich vermutlich die unterschiedlichen Angaben in der Literatur erklären. Hinzu
kommt die allgemeine Temperaturerhöhung infolge des Klimawandels, die zu Abweichungen
von früheren Beobachtungen führen kann.
SPÄTBLÜHENDE SORTEN
Die Gefährdung durch Spätfröste hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das wichtigste Krite-
rium ist der Zeitpunkt der Blüte. Die Frostempfindlichkeit der Blüten steigt mit Ihrer Entwick-
lung von der Knospe zur offenen Blüte. Am anfälligsten für Fröste sind offene Blüten und sehr
junge Früchte. Je später die Sorten blühen, umso besser sind sie vor Spätfrösten geschützt. Eine
lange Blütezeit kann ebenfalls günstig sein, da dann nur ein Teil der Blüten vom Frost geschädigt
wird. Auch die Fähigkeit von manchen Sorten, Früchte ohne Befruchtung auszubilden zu kön-
nen, kann nach Spätfrösten von Vorteil sein. Daneben gibt es eine geringe Anzahl von Sorten,
deren Blüten sich als weniger frostanfällig erwiesen haben.
Am KOB konnten die Sorten in den Erhaltungsgärten der Sortenerhaltungszentrale Baden-
Württemberg untersucht werden. Dazu wurden der Blühzeitpunkt, der Blühverlauf und die-
Blühintensität über mehrere Jahre untersucht. Zusätzlich konnte auf bereits vorhandene Daten
zurückgegriffen werden.
APFELSORTEN
Es wurden 58 Apfelsorten gefunden, die später blühen als die Mehrzahl der Sorten. Um den
Blühzeitpunkt einzustufen, wurde er in Kategorien von „mittelspät/spät“ bis „extrem spät“
unterteilt. Dabei sind die Übergänge nicht starr, sondern fließend.
Abbildung 1: Der ‘Spätblühender Taffetapfel’ hatte die späteste Blüte.
Folgenden Sorte blühten nur in manchen, eher kühlen Jahren spät, in anderen dagegen mit der
großen Mehrzahl der Sorten:
• Brettacher
• Champagner Renette
• Danziger Kant
• Englischer Prinz
• Halberstädter Jungfernapfel
• Rheinischer Krummstiel
• Roter Ziegler
Tendenziell entwickelten sich die Blüten auf Hochstamm langsamer als auf den schwächer wach-
senden Unterlagen.
Abbildung 2: Der ‘Halberstädter Jungfernapfel’ blüht nur in manchen Jahren spät.
Einteilung der Apfelsorten in den Erhaltungsgärten des KOB nach Blühzeitpunkt
extrem spät
Spätblühender Taffetapfel
sehr spät
Beimerstetter Luiken, Ginger Luiken, Heslacher Gereut, Jules
Labitte, Königlicher Kurzstiel, Tulpenapfel Rheinland, Tulpenapfel
sehr spät – spät
AT „Mautapfel“, Auer Straßenapfel, Engelsberger, Oberrieder
Glanzrenette, Rote Sternrenette, Schöner aus Elmpt, Süßer
Pfaffenapfel, Wiesenapfel
spät
Becksapfel, Betzinger Grünapfel, Bittenfelder, Börtlinger Weinapfel,
Eschacher Mostapfel, Fleiner, Frankenbacher Dauerapfel, Gelber
Münsterländer Borsdorfer, Grahams Jubiläumsapfel, Grünapfel,
Hans-Ulrichsapfel, Hofstätter, Kleiner Langstiel, Luikenapfel,
Luxemburger Renette, Martini, Muskatellerluiken, Mutterapfel,
Oetwiler Renette, Pohorka, Rheinischer Winterrambur, Rheinlands
Ruhm, Roter Bellefleur (Siebenschläfer), Safranapfel, Schönauer
Streifling, Schussentäler (Gros Croquet), Thurgauer Weinapfel
mittelspät / spät
Baldenheimer Weißapfel, Chüsenrainer, Gubener Waraschke,
Herzogapfel, Krügers Dickstiel, Neue Orleans Renette,
Riesenboiken, Roter Eiserapfel
Tabelle 1: Spätblühende Apfelsorten am KOB
Von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg (LVWO),
einem unserer Projektpartner, wurden zwei weitere sehr spät blühende Sorten gefunden: die
regionale Sorte ‘Christiansapfel‘ und die französische Sorte ‘Belle Fille des Sallins‘.
BIRNENSORTEN
Oft werden auch für Birnensorten in der Liter