ver.di unterstützt Petition zur Abschaffung der Dauerbefristung in der Wissenschaft in Deutschland; fast 70.000 Unterstützer der Petition

Dauerbefristung in der Wissenschaft: ver.di unterstützt Petition | ver.di

Dauerbefristung in der Wissenschaft: ver.di unterstützt Petition

Befristungen sind in der Wissenschaft noch immer die Regel. Kurze Verträge, fehlende Planungssicherheit und die Abhängigkeit von immer neuen Vertragsverlängerungen prägen für viele Beschäftigte den Arbeitsalltag an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Fast 70.000 Menschen unterstützen inzwischen die Petition „Wissenschaft: Dauerbefristung abschaffen!“.

ver.di trägt die Petition gemeinsam mit 15 weiteren Organisationen. Das Bündnis gegen Dauerbefristung in der Wissenschaft fordert einen grundlegenden Kurswechsel und die Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. An seine Stelle sollen das allgemeine Arbeitsrecht, Tarifverträge und besondere Regelungen für die tatsächliche wissenschaftliche Qualifizierungsphase treten.

Warum die WissZeitVG-Reform das Grundproblem nicht löst

Die Bundesregierung hat eine Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes auf den Weg gebracht. Der Entwurf enthält einzelne Verbesserungen, ändert aber nichts an der Grundstruktur: Für die Wissenschaft soll weiterhin ein besonderes Befristungsrecht gelten.

Das hat weitreichende Folgen. Fast neun von zehn wissenschaftlich Beschäftigten an Universitäten sind befristet beschäftigt, 42 Prozent der Verträge laufen weniger als ein Jahr. Was eigentlich eine Ausnahme sein sollte, ist für viele Kolleg*innen über Jahre berufliche Normalität.

Für ver.di ist dabei zentral: Daueraufgaben brauchen dauerhaft beschäftigte Kolleg*innen. Eine Promotion kann eine zeitlich begrenzte Qualifizierungsphase begründen. Danach brauchen Beschäftigte verlässliche berufliche Perspektiven statt immer neuer Vertragsverlängerungen.

Dauerbefristung in der Wissenschaft schafft Abhängigkeit

Befristung ist dabei nicht nur eine Frage der persönlichen Lebensplanung. Wer regelmäßig darauf angewiesen ist, dass der eigene Vertrag verlängert wird, befindet sich gegenüber Vorgesetzten in einer besonderen Abhängigkeit. Das betrifft nicht nur die Beschäftigten selbst, sondern auch die Bedingungen, unter denen Wissenschaft stattfindet.

„Die archaischen Abhängigkeitsverhältnisse gefährden langfristig den Wissenschaftsstandort Deutschland. Wissenschaft lebt davon, dass Beschäftigte frei denken, fragen und infrage stellen können. Nur so brechen wir zu neuen Ufern auf.“

— Michael Heydrich, Sprecher der ver.di-Bundesfachkommission Hochschulen

Wissenschaft braucht Widerspruch, offene Debatten und Beschäftigte, die Probleme benennen können, ohne bei jedem Konflikt die nächste Vertragsverlängerung im Hinterkopf zu haben. Sichere Beschäftigung stärkt deshalb nicht nur die Kolleg*innen, sondern auch die wissenschaftliche Freiheit.

Für ver.di ist deshalb auch die Tarifautonomie ein zentraler Punkt der Auseinandersetzung. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz setzt Gewerkschaften enge Grenzen, wenn sie bessere Befristungsregelungen in Tarifverträgen vereinbaren wollen. Diese sogenannte Tarifsperre schränkt die Möglichkeiten der Beschäftigten ein, ihre Arbeitsbedingungen gemeinsam zu verbessern.

Warum sollten ausgerechnet Beschäftigte in der Wissenschaft weniger Möglichkeiten haben, ihre Arbeitsbedingungen tarifvertraglich zu gestalten als Beschäftigte in anderen Bereichen?

Die Tarifsperre muss ersatzlos gestrichen werden. Gewerkschaften und Arbeitgeber müssen auch an Hochschulen und Forschungseinrichtungen bessere Regelungen zur Befristung tarifvertraglich vereinbaren können.

Was das Bündnis gegen Dauerbefristung fordert

Das Bündnis gegen Dauerbefristung fordert, besondere wissenschaftsrechtliche Befristungsmöglichkeiten auf die tatsächliche Qualifizierungsphase zu begrenzen. Nach der Promotion soll das allgemeine Arbeitsrecht gelten und unbefristete Beschäftigung zur Regel werden. Auch eine Finanzierung aus Drittmitteln soll kein eigenes wissenschaftsspezifisches Befristungsrecht rechtfertigen. Studentische Beschäftigte sollen grundsätzlich unbefristet beschäftigt werden.

Dazu gehört auch eine verlässliche Finanzierung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Wer Dauerstellen für Daueraufgaben will, muss die Einrichtungen in die Lage versetzen, diese Stellen dauerhaft zu finanzieren.

Gute Arbeitsbedingungen und gute Wissenschaft gehören zusammen. Erfahrung, Kontinuität und stabile Teams sind keine Hindernisse für wissenschaftliche Dynamik, sondern wichtige Voraussetzungen dafür.

Die politische Auseinandersetzung um das Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist noch nicht entschieden. Bundestag und Länder können den Gesetzentwurf noch verändern. Deshalb kommt es jetzt darauf an, den politischen Druck zu erhöhen.

ver.di ruft Beschäftigte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen dazu auf, die Petition zu unterschreiben und weiterzuverbreiten. Sprecht mit euren Kolleg*innen darüber und bringt das Thema auch in Personalräte, Betriebsräte und ver.di-Strukturen.

Bündnis-Positionspapier zur Abschaffung des Wissenschaftszeitvertragsgesetz

Marcel Jaspert Hochschulen, Forschungseinrichtungen E-Mail: marcel.jaspert@verdi.de Telefon: +49 30 6956 1808

Telefon: +49 30 6956 1808