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title: "Forschende, Studierende und Hochschulangehörige gründen Bündnis »Wissenschaft gegen Faschismus« auf Campus; Frontalangriff durch AfD-Landesregierung droht."
sdDatePublished: "2026-09-12T11:30:00Z"
source: "https://www.verdi.de/gesundheit-soziales-bildung/mein-arbeitsplatz/hochschulen-und-forschungseinrichtungen/uns-droht-ein-frontalangriff"
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Forschende, Studierende und Hochschulangehörige gründen Bündnis »Wissenschaft gegen Faschismus« auf Campus; Frontalangriff durch AfD-Landesregierung droht.

»Uns droht ein Frontalangriff« | ver.di

Campus-Zeitung: Forschende, Studierende und Hochschulangehörige haben das Bündnis »Wissenschaft gegen Faschismus« gegründet, um dem Rechtstrend etwas entgegenzusetzen. Wie genau sieht das aus?

Prof. Dr. Stefan Schmalz: Viele Wissenschaftler*innen wollen deutlich machen, dass die AfD keine normale Partei ist, sondern rechtsextreme, neofaschistische Tendenzen aufweist. Im Juni haben wir eine Aktionswoche auf die Beine gestellt, die vor allem von Studis gegen Rechts getragen wurde. Insgesamt gab es 240 Veranstaltungen. Die Resonanz war riesig. In Erfurt zum Beispiel waren rund 500 Studierende in der Vernetzung aktiv, unglaublich viel für so eine Stadt. In Jena kamen Hunderte zu einer studentischen Versammlung. Da steckt richtig Wumms dahinter. Wir haben auch eine Erklärung verabschiedet und eine Tagung mit 600 Leuten abgehalten, der Titel: »Bevor es zu spät ist«. Außerdem waren wir beim Protest gegen den AfD-Parteitag in Erfurt mit einem eigenen Wissenschaftsblock dabei.

Welche Folgen drohen für Wissenschaft und Forschung, wenn die AfD auf Landesebene die Regierung stellt?

Uns droht ein Frontalangriff auf die Wissenschaftsfreiheit und auf die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre. Kommt die AfD auf Landesebene an die Macht, kann sie auf diesen Bereich sehr viel Einfluss nehmen. In Sachsen-Anhalt hat sie bereits angekündigt, die Mitsprache von Mittelbau und Studierenden an Hochschulen einzuschränken. Mit der Finanzierung hat sie einen großen Hebel: Wofür wird Geld ausgegeben? Wo wird gekürzt? Ein Blick in die USA zeigt, dass vielen Förderprojekten das Aus droht. Das trifft vor allem Gleichstellungspolitik, Gender und Postcolonial Studies, zudem alles, was mit Demokratie, Rechtsextremismus und Migrationsforschung zusammenhängt. Ins Visier geraten aber auch Naturwissenschaften wie Klimaforschung oder Impfstoffforschung. Stattdessen will die AfD die sogenannte kritische Islamforschung fördern. Es ist ganz klar, was da auf uns zurollt. Es wird zu einer Diskursverschiebung kommen – und ein Klima entstehen, in dem sich viele nicht mehr sicher fühlen.

Welche Folgen drohen für die Gesellschaft insgesamt?

Durch das Erstarken der AfD verschiebt sich etwas in der Gesellschaft, die Stimmung wird immer aufgeheizter. Es gibt eine konkrete Bedrohung, vor allem für geflüchtete oder queere Menschen, aber auch für den Wohlfahrtsstaat und die ökologische Zukunft unseres Planeten. Ende 2023 gab es noch einen großen Aufschrei, als die AfD mit der Forderung nach »Remigration« in die Schlagzeilen geriet. Mittlerweile spricht sie im Thüringer Landtag und in ihrem Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt ganz offen über das gleiche Thema. Wir erleben eine Normalisierung. Das geht sehr weit.

Welche Rolle kann Wissenschaft dabei spielen, rechtes Gedankengut zurückzudrängen?

In der Wissenschaft sind viele an den Punkt gekommen, dass sie sich in der Pflicht sehen, offen Position zu beziehen und auf Gefahren hinzuweisen. Wir können in so einer Situation nicht einfach ruhig unserer kritischen Forschung nachgehen. Wir suchen bewusst den Kontakt mit der Öffentlichkeit und wollen uns nicht im Elfenbeinturm verstecken, wie uns manchmal vorgeworfen wird. Schließlich haben wir Expertise, zum Beispiel bei der Frage: Wer wählt AfD? Und warum? Wir können Erklärungsansätze anbieten – und Wege aufzeigen, wie sich gegensteuern lässt.

Ob bei Bildung und Hochschulen, Gesundheit, Sozialem, Pflege oder Rente – überall wird gerade gekürzt. Gibt es da einen Zusammenhang mit dem Erstarken der AfD?

Auf jeden Fall. Diese Politik ist leider ein Konjunkturprogramm für die AfD. Abstiegsängste, Schwarzmalerei, wenig Mitsprache, ein Gefühl von Unsicherheit und Machtlosigkeit: All das schafft enormen Frust – idealer Nährboden für die AfD. Ihr Diskurs gegen Migration fruchtet. Dabei ist es paradox: Die Steuerpolitik der AfD wäre besonders schädlich für die Arbeiter*innenklasse. Wichtig ist, dass Gewerkschaften klaren Kante zeigen und den Sozialstaat verteidigen.

Marcel Jaspert Hochschulen, Forschungseinrichtungen E-Mail: marcel.jaspert@verdi.de Telefon: +49 30 6956 1808

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